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Hier der konkrete Grund, warum dieser Artikel auf den QS-Seiten eingetragen wurde: Begründung: Der aufgebaute Gegensatz von antiautoritärer und antipädagogik ist falsch, die Unterscheidung von aggressiven und defensiven Grenzen sind ungenau und ihr Bezug zur Erziehung undurchschaubar. Die verlinkten Texte setzen einen sehr eingeschränkten Begriff von Erziehung voraus, bzw definieren ihn vorbei am Stand der Wissenschaft. Unklar bleibt auch das Verhältnis von Antipädagogik zu Erziehung und zur Pädagogik. Wirkungsgeschichte von von Braunmühl fehlt ganz. -- Juegoe 06:33, 14. Mär 2006 (CET)


Die Antipädagogik (im Jahre 1975 von Ekkehard von Braunmühl formuliert), entstand als Reaktion auf die Antiautoritäre Erziehung. Sie versteht zum einen als theoretischer Gegensatz, zum anderen als Gegenbewegung zu Pädagogik und Erziehung.

Definitionen und Grundsätze


Erziehung und Pädagogik sind aus Sicht der Antipädagogen zum einen nicht mit der Menschenwürde vereinbar und zum anderen nach ihrer Erfahrung auch unnötig. Dieser Perspektive liegt eine spezielle Definition von Erziehung/Pädagogik zugrunde:

Erziehung

Aus antipädagogischer Sicht bedeutet Erziehung eine geplante und gezielte Tätigkeit eines Menschen, mit denen er meist das Denken, zumindest aber das Verhalten eines anderen Menschen verändern will.
Erziehung sei also abzugrenzen von Begleitung oder Beeinflussung durch andere Menschen, da diese nicht geplant und nicht zielgerichtet sei. Bei Beeinflussung (in der Familie, viel öfter aber durch Freunde, Gleichaltrige) gehe es stattdessen z.B. darum, gemeinsam zu arbeiten oder seine Freizeit auszuleben und Spaß zu haben. Weiterhin ziele Erziehung nicht auf den Verstand des Zöglings ab, sondern auf seine Seele, da es dem Erzieher nicht darum gehe, den Zögling zu überzeugen, sondern, ihn emotional zu bekehren, insofern sei eine Erziehungssituation ebenso abzugrenzen von einer Diskussionssituation, wo die Argumente aller Beteiligten gleichberechtigt zählen würden.

Alternativ schlägt die Antipädagogik eine gleichberechtigte Lebensweise zwischen Menschen, vor allem zwischen jungen und älteren Menschen (Erwachsenen und Kindern) vor. Verschiedene Autoren (siehe Literatur) liefern in ihren Büchern praktische Erfahrungsberichte derartigen Zusammenlebens.

Grenzen und Verbote

Im Gegensatz zur antiautoritären Erziehung fordert die Antipädagogik nicht die Aufhebung aller Grenzen für Kinder. Vielmehr unterscheidet sie zwischen defensiven und aggressiven Grenzen.

Defensive Grenzen werden zur eigenen Verteidigung gesetzt, um sich vor fremden Übergriffen zu schützen (z. B.: „Es stört mich, wenn du nachts um drei laut Musik hörst, weil ich dann nicht schlafen kann.“ oder: „Ich will nicht, dass du mit Brei herumwirfst, weil ich keine Lust habe, alles wegzuputzen (was meine Freiheit einschränkt)“.

Defensive Grenzen entsprechen dem Grundsatz „Freiheit, solange die Freiheit des anderen nicht eingeschränkt wird“. Diese Notwehrgrenzen sind für ein friedliches Zusammenleben sinnvoll. Und sie widersprechen auch der Gleichberechtigung von Eltern und Kindern nicht, genausowenig wie ähnliche Grenzen der Gleichberechtigung zwischen zwei Nachbarn widersprechen.

Darum ist es sehr wichtig, dass Eltern in sich hineinhorchen um herauszufinden, wo wirklich ihre persönlichen Grenzen sind (die abhängig von Situation, Stimmungslage, Aufenthaltsort usw. variieren können), um dann die geeignete Botschaft übermitteln zu können.

Aggressive Grenzen hingegen werden anderen Menschen gesetzt, um sie zum Beispiel vor sich selber zu schützen und sie zu ihrem (angeblichen) Glück zu zwingen (z. B.: „Du darfst keine laute Musik hören, weil es nicht gut für dich ist.“) oder den Erwartungen anderer zu genügen („Wirf nicht mit dem Brei herum, das gehört sich nicht!“). Diese erzieherischen Grenzen werden abgelehnt.

Der "Schutz vor sich selbst"

Auch Grenzen um Kinder (vorgeblich oder tatsächlich) zu schützen, werden abgelehnt, da Kinder sie jederzeit umgehen können, wenn sie alleine sind. Die Antipädagogik behauptet, dass Verbote Gegenreaktionen hervorrufen, bei denen die Kinder die Sicherheit ihrer eigenen Person übersehen und so erst dadurch in wirkliche Gefahr geraten. Außerdem trügen Verbote nicht zum Verständnis von Gefahrensituationen bei.

Dagegen wird vorgeschlagen, Kindern in für sie unübersichtlichen Situationen Unterstützung anzubieten, sie im Notfall zu retten und ihnen in ruhiger Atmosphäre – wenn sie „aufnahmebereit“ sind – (entstandene) Gefahren zu erklären.

Werteerziehung
Als besonderes Problem wird von den Antipädagogen Erziehung zu Werten wie Demokratie, Toleranz und Selbstständigkeit angesehen, da Erziehung als solche diese Werte konterkariere. Wenn man z.B. versuche, mit undemokratischen Mitteln (also durch Erziehung) versuche, einen Menschen zu einer demokratischem Haltung zu bewegen, so sei das Ergebnis das Gegenteil, nämlich Verwirrung und fehlendes Vertrauen in Demokratie - siehe hierzu auch der Heimliche Lehrplan.
Stattdessen solle man mit Kindern Demokratie leben, anstatt sie zu predigen.

Antipädagogik heute


Unterstützung erhalten antipädagogische Ideen durch den KinderInformationsDienst (Kid) – heute Bestandteil von Kidweb.de – und von dem Berliner Kinderrechtsprojekt Krätzä.

Kritik


Obwohl die Begriffe Erziehung/Pädagogik vor allem in der Wissenschaft, aber mittlerweile auch in der Alltagssprache sehr vielfältig gebraucht werden, reduzieren die Antipädagogen sie auf ein vergleichsweise einfaches, undifferenziertes Schema. Auch Bewegungen wie die Demokratische Erziehung, die in der Praxis der Antipädagogik ähneln und mit ihr gemeinsame Grundsatzunterschiede zur traditionellen Erziehung und Pädagogik teilen, werden in der Antipädagogik je nach Interpretation nicht beachtet oder aber mit Werteerziehung (siehe oben) gleichgesetzt.

Literatur


  • von Braunmühl, Ekkehard: Antipädagogik Beltz, Weinheim 1983, ISBN 3-4078301-0-6
  • von Braunmühl, Ekkehard: Zeit für Kinder tologo verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-9810444-2-8
  • Böhm, Annette/von Braunmühl, Ekkehard: Gleichberechtigung im Kinderzimmer. Der vergessene Schritt zum Frieden. Patmos Verlag, Leipzig 1994, ISBN 3-491-50012-5

Weblinks


Siehe auch


Pädagogik | Reformpädagogik | Schulkritik

Antypedagogika

 

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