Antiochia am Orontes (altgriech. ; lat. Antiochia ad Orontem; auch "Antiochien", "Antioch") im antiken Syrien (heute Antakya in der Türkei). Sie ist die bekannteste mehrerer antiker Städte, die von verschiedenen Königen der Seleukidendynastie gegründet wurden, siehe Antiochia (Begriffsklärung).
In römischer Zeit hatte Antiochia etwa 500.000 Einwohner und war eine der fünf wichtigsten Städte des Römischen Reiches. Die Stadt nahm aber auch in der Geschichte des Christentums einen bedeutenden Platz ein, siehe etwa Antiochenische Schule. In Antiochia predigte der Apostel Paulus zum ersten Mal in einer Synagoge, hier wurden die Jünger Christi erstmalig Christen (christianoi, siehe Apostelgeschichte 11, 26) genannt. Mit der Etablierung der christlichen Kirche wurde Antiochia, welches offenbar bereits um die Mitte des 4. Jahrhunderts weitgehend christianisiert war (siehe die Reaktion auf den Besuch Julian Apostatas), Sitz eines der fünf ursprünglichen Patriarchate, gemeinsam mit Jerusalem, Alexandria, Konstantinopel und Rom. Heute beanspruchen mehrere Kirchen die legitime Nachfolge dieses Patriarchats; siehe hierzu Patriarchat von Antiochia.
In der Spätantike blieb Antiochia, ungeachtet einiger schwerer Erdbeben sowie mehrerer Plünderungen durch die Sassaniden (253 oder 256 und 260 durch Schapur I. und vor allem 540 durch Chosrau I.) eine höchst bedeutende Stadt im (ost-)römischen Reich. So zählten die rhetorischen Schulen der Stadt im 4. Jahrhundert neben den Schulen Athens, Alexandrias und Konstantinopels zu den führenden des Reiches; mehrere bedeutende Lehrer sind namentlich bekannt, so etwa Ulpianus von Antiochia, Eusebius Arabs, Aedesius Rhetor und sein Schüler Zenobius Rhetor sowie vor allem der berühmte Libanios. Auch der (neben Prokopios von Caesarea) bedeutendste spätantike Historiker Ammianus Marcellinus, ein Zeitgenosse des Libanios, stammte vermutlich aus Antiochia. Allerdings umfasste die nach dem verheerenden Erdbeben 526, dem nach Johannes Malalas bis zu 250.000 Menschen zum Opfer fielen, und der Einnahme durch die Sassaniden 540 unter Justinian I. neu aufgebaute Stadt (neuer Name Theoupolis, „Stadt Gottes“) nur einen Teil des früheren Areals. Am Ende der Spätantike wurde Antiochia 638-41 durch die Araber erobert (siehe Islamische Expansion).
Während des 12. und 13. Jahrhunderts blieb Antiochia in der Hand der Kreuzfahrer, bis es 1268 durch die Mameluken unter Sultan Baibars endgültig erobert wurde. Baibars zerstörte die Stadt so schwer, dass sie nie wieder größere Bedeutung erlangte. Die gesamte christliche Bevölkerung wurde versklavt, was zu einem Verfall der Preise für Sklaven führte. Antiochia wurde schließlich zu einer unbedeutenden Kleinstadt. 1517 wurde sie Teil des osmanischen Reiches. Zur Geschichte in der Neuzeit siehe Antakya.
Da die moderne Stadt auf der durch Schwemmerde des Orontes mehrere Meter hoch verschütteten antiken Stadt liegt, sind praktisch keine antiken Überreste mehr zu sehen. Nur die eindrucksvolle Stadtmauer hat sich auf dem Berg über Antakya erhalten. Beeindruckend ist das 30 m große Eiserne Tor in der Parmenios-Schlucht. Kürzlich wurden auch die Grundmauern einer Neustadt außerhalb der Stadtmauern entdeckt.
Die Funde aus dem antiken Antiochia befinden sich heute im Archäologischen Museum von Antakya. Besonders bemerkenswert ist die bedeutende Sammlung römischer Mosaike, die vor allem während der Ausgrabungen der Princeton University 1933–39 gefunden wurden.
Nur eine frühe Kirche ist noch zu sehen, die Grottenkirche St. Peter, die etwas außerhalb an einem Berghang zu finden ist. Sie wurde vom Vatikan offiziell zur ältesten Kirche des Christenheit erklärt und soll der Legende nach vom Apostel Petrus eingeweiht worden sein. Ortelius Daphne Antioch.jpg: Daphne, 17. Jahrhundert]] Inmitten von zahlreichen Quellen, welche das Trinkwasser für die Stadt liefern, und riesigen Lorbeerbäumen liegt etwa fünf Kilometer entfernt Harbiye. Der Ort war während der Römerzeit ein Villenvorort und wurde nach der Nymphe Daphne benannt, welche sich, einer Sage nach, hier vor Apollon verstecken wollte und sich deshalb in einen Lorbeerbaum verwandelte. Auch soll einst Kleopatra an diesem Ort geheiratet haben.
Oberhalb von Antiochia befindet sich im Gebirge ein monumentales Felsbild Chairon genannt, das die Stadt vor Unheil beschützen sollte. Laut dem Chronisten von Antiochia, Johannes Malalas, errichteten die Bewohner der Stadt das Monument als Schutz vor einer Seuche unter Antiochos IV.
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