Antimilitarismus ist eine dem Pazifismus nahe stehende Überzeugung, die sich gegen militaristische Tendenzen innerhalb von Gesellschaft und Politik wendet. Sie ist damit eine Gegenbewegung zum Militarismus in seinen verschiedenen Ausprägungen.
Der Antimilitarismus sollte vom Pazifismus begrifflich geschieden werden, weil sich der Kampf gegen militaristische Tendenzen unabhängig von der Frage führen lässt, ob militärische Gewalt als ein geeignetes Mittel zur Lösung von Konflikten gesehen wird.
Gegen militaristische Tendenzen werden von Antimilitaristen verschiedene Argumente angeführt, die sich grob in gesellschaftliche und politische Aspekte unterscheiden lassen.
Nur durch völlige Abkehrung von dieser schmählichen Epoche kommen wir wieder zur Ordnung. Spartakus ist es nicht; der Offizier, der sein eigenes Volk als Mittel zum Zweck ansah, ist es auch nicht – was wird es denn sein am Ende?
Der aufrechte Deutsche.
Ignaz Wrobel: „Militaria: Offizier und Mann“, in: Die Weltbühne, 9. Januar 1919, S. 38
Ebenfalls wandten sich pazifistische Kreise gegen den Anspruch von Nationalisten und Militärs, die einzigen patriotisch und „vaterländisch“ denkenden Menschen zu sein, um daraus einen politischen Führungsanspruch abzuleiten. Charakterisch für die starken Gegensätze zwischen Zivil und Militär war vor dem Ersten Weltkrieg die so genannte Zabern-Affäre, die die besondere Stellung des Militärs im Deutschen Reich bestätigte und Soldaten über Zivilisten stellte. Der Schriftsteller Ulrich Rauscher höhnte anschließend über den „braven Bürger“:
Ihr fühlt nur unter Kolbenstößen
Euch wahrhaft wohl im Vaterland.
Verdammt, die sich derart entblößen,
nachdem sie selber sich entmannt!
Euch werde fernerhin in Gnaden
der Säbel übers Hirn gehaut!
Ihr seid des Deutschen Reichs Kastraten!
Hurrah, du Eisenbraut!
Ulrich Rauscher: „Den braven Bürgern“, in: Die Schaubühne, 15. Januar 1914, S. 70
Die Ablehnung des Militärischen lässt sich dabei auf dessen verschiedene Formen wie Paraden, Kriegerdenkmäler, Kriegsliteratur, öffentliche Gelöbnisse und Waffenschauen übertragen. So heißt es bei Tucholsky:
Gegen Ende des Ersten Weltkrieges begrüßte der Journalist Robert Breuer (alias Germanicus) daher die Niederlage des Deutschen Reiches, weil im Falle eines Sieges das Militär vermutlich Staat und Gesellschaft vollständig beherrscht hätte:
In der Weimarer Republik kamen radikale Pazifisten dennoch zu der Überzeugung, dass der Aufbau einer deutschen Reichswehr prinzipiell abzulehnen sei, weil der preußische Militarismus noch ungebrochen weiter existiere und trotz starker Beschränkungen einen neuen Krieg vorbereite. Tucholsky verglich die deutschen Militärs daher häufig mit Feuerwehrleuten, die selbst die Brände legen wollten, die sie zu löschen beauftragt seien. Diese Kritiker behielten Recht, denn die Nationalsozialisten mussten die seit langem ausgearbeiteten Aufrüstungs- und Kriegspläne nur noch in die Tat umsetzen.
In den 1950er Jahren konnte mit pazifistischen und antimilitaristischen Argumenten die Wiederbewaffnung Deutschlands nicht verhindert werden. Statt dessen versuchte beispielsweise die Bundesregierung, mit dem Prinzip vom „Staatsbürger in Uniform“ die neugeschaffene Bundeswehr auch demokratisch zu legitimieren.
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