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Der Begriff Antifa ist ein Akronym des Wortes Antifaschismus und bezeichnet je nach Zusammenhang eine oder mehrere linke, linksradikale oder autonome Gruppierungen oder Organisationen, die sich in ihrem Verständnis von Antifaschismus das Ziel gesetzt haben, nationalistische und rassistische Tendenzen zu bekämpfen. Dies geschieht unter anderem häufig mit besonders betonter Ablehnung von Antisemitismus, Rassismus und Volksgemeinschaft. Oft tragen diese Gruppierungen das Kürzel Antifa in ihrem Namen. Verschiedene Antifa-Gruppen, insbesondere aus dem Umfeld der Autonomen-Szene, stehen in Deutschland unter Beobachtung der Verfassungsschutzbehörden.

Ursprung


aaold.gif]] Der Begriff und die Idee der Antifaschistischen Aktion kamen ursprünglich aus Italien, wo Gegner von Mussolini als "Antifaschisten" bezeichnet wurden. In Deutschland gab es seit 1923 die "Antifaschistische Aktion" als Teilbereich des "Rotfrontkämpferbundes". Ihr Ziel war es, gegen den aufstrebenden Faschismus zu kämpfen. Anfänglich kamen die Mitglieder der Antifaschistischen Aktion nur aus der kommunistischen, später aus allen sozialistischen Parteien und Organisationen. Es war nicht die Aufgabe der "Antifaschistischen Aktion", den revolutionären Kampf zu führen, sondern sie sollte die bisher erkämpften emanzipatorischen Ziele der Weimarer Republik vor einem – in ihren Augen – Rückfall in die Barbarei des Faschismus schützen. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers verschwand der Begriff ab 1933 zunehmend und wurde nur noch vereinzelt vom kommunistischen Widerstand verwendet.

Als historisches Beispiel für den Widerstand der Antifaschistischen Aktion zu Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus siehe auch unter Mössinger Generalstreik.

Neugründung


In den 1980er Jahren gründeten sich im Gebiet der alten Bundesrepublik aus der Hausbesetzer- und Autonomen-Bewegung heraus sogenannte Antifa-Gruppen. Diese sollten zunächst vor allem eigene Projekte und andere Menschen vor rechtsextremer Gewalt schützen. Es wurde auch versucht, geplante Aktivitäten von Parteien und Organisationen, die von der Antifa dem rechtsextremen Lager zugeordnet werden, zu verhindern und zu stören - wie zum Beispiel NPD-Parteitage und sogenannte Nazi-Aufmärsche. Die Antifa arbeitet dabei teilweise mit traditionellen antifaschistischen Organisationen wie etwa der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) zusammen.

Der Antifaschismus war allerdings (noch) nicht der Aktionsschwerpunkt der Autonomen-Bewegung. Die einzelnen antifaschistischen Gruppen sahen sich aber in der Tradition der Antifaschistischen Aktion der 20er Jahre und des antifaschistischen Widerstands zur Zeit des Nationalsozialismus. Antifalogo.png

Auf Grund des befürchteten Wiedererstarkens des Nationalismus und der rechtsextremen Gewalt nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden diese Ansätze durch Teile der linken Szene intensiviert. Insbesondere innerhalb der Autonomen-Bewegung entwickelte sich der Antifaschimus zum Hauptaktionsfeld. Im Verlauf der 1990er Jahre entstandenen daher sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern Antifa-Gruppen. Angestoßen wurde diese Entwicklung durch die Gründung der „Autonomen Antifa 1990 in Göttingen. Die neu gegründeten Gruppen sahen ihren Aktionsschwerpunkt im Antifaschismus. Im Jahr 1992 organisierte sich ein Teil dieser Gruppen in der Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO). Zu dieser gehörten neben der Autonomen Antifa [M in Göttingen unter anderem auch die Antifaschistische Aktion Berlin. Obwohl die AA/BO sich im April 2001 auflöste, hinterließ sie sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern feste Strukturen von antifaschistischen Organisationen.

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts zeigten sich Spaltungstendenzen innerhalb der Antifa-Bewegung. Der Riss verläuft zwischen den sogenannten Antideutschen und den sogenannten „Anti-Imps“ (Kurzform von Antiimperialisten). Es geht bei diesem Konflikt primär um die Positionierung zum Nahostkonflikt. Dabei bezichtigen sich die unterschiedlichen Strömungen gegenseitig des Antisemitismus bzw. der Islamophobie. Beispiele hierfür sind die Spaltungen der Göttinger Autonomen Antifa * Mitte 2004 und der Antifaschistischen Aktion Berlin.

Seit etwa Ende 2005 ist jedoch wieder ein Rückgang der Spaltung zu beobachten: Sowohl radikale Antideutsche als auch Antiimps haben innerhalb der Antifabewegung massiv an Bedeutung verloren. Die meisten Antifa-Gruppen definieren sich inzwischen als weder eindeutig antideutsch noch antiimperialistisch, sondern meist als undogmatisch.

Aktivitäten

Bei den durchgeführten Aktionen handelt es sich meist um Recherchen, Aufklärung, Dokumentation und Verbreitung von Informationen über rechtsextreme und rechtskonservative Strömungen (vgl. Neue Rechte) und Verbindungen zwischen ihnen im nationalen und internationalen Zusammenhang, sowie die Durchführung von Demonstrationen (meist gegen spezielle Geschäfte, Jugendclubs oder Kneipen der rechten Szene oder in Form von Gegenveranstaltungen zu Aufmärschen von rechten Parteien oder Organisationen, beispielsweise der NPD). Antifa-Gruppen arbeiten dabei in Bündnissen auch mit Organisationen und Personen aus anderen politischen Bereichen (z.B. der Linkspartei und den Gewerkschaften) zusammen.

Insbesondere autonome Antifa-Gruppen befürworten auch gewaltttätige Aktionsformen. Sie schließen somit illegale und zum Teil auch strafrechtlich relevante Mittel nicht aus: Insbesondere wird zu Blockaden gegen Demonstrationen von rechten Parteien und Organisationen aufgerufen und diese auch durchgeführt. Gelegentlich kommt es dabei zu Straßenschlachten zwischen Mitgliedern der autonomen Antifa und der Polizei. Sachbeschädigungen (Farbsprühanschläge), Diebstahl und Körperverletzungen sind besonders in Universitätsstädten keine Ausnahmen. Teile der autonomen Antifa schließen auch körperliche Gewalt gegen angebliche oder tatsächliche Neonazis nicht aus. Außerdem verüben Mitglieder der autonomen Antifa-Bewegung vereinzelt auch Anschläge gegen Einrichtungen der rechten Szene. Ein neuer Trend in der Antifa-Szene ist die sogenannte „Daten-Antifa“ oder „virtuelle Antifa“. Diese Antifa-Gruppen „hacken“ vermeintlich oder tatsächlich rechtsextreme Webseiten, Online-Shops und Foren, setzen diese dabei meist außer Betrieb und sammeln vertrauliche Daten, die dann oftmals veröffentlicht werden.

Politische Inhalte

Es existiert zwar eine gewisse Vernetzung unter den Gruppierungen, dennoch handelt es sich bei der Antifa nicht um ein homogenes Gebilde. Tatsächlich ist die Ablehnung von Faschismus, Rassismus und Nationalismus oft nur der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die unterschiedlichen Gruppierungen, häufig sogar die Mitglieder innerhalb einer Gruppierung einigen können.

Größtenteils wird die bestehende, moderne Gesellschaftsform kritisch bis ablehnend gesehen, da sie den Faschismus erst möglich mache. Dabei wird oft der „Triple Oppression“-Ansatz als Fundament dieser These angeführt. Von der jeweiligen Weltanschauung der beteiligten Gruppen abhängig, wird das Spektrum der Ansichten und Ziele teilweise auch stark erweitert. Vor allem rückt der Kapitalismus als Ursache von Faschismus (und Sexismus als weitere Form von Unterdrückung und Ausbeutung) ins Visier antifaschistischer Gruppierungen.

Beobachtung und Einschätzung durch den Verfassungsschutz


Vom Bundesamt für Verfassungsschutz werden viele „Antifa“-Gruppen zur gewaltbereiten linksextremen Szene gezählt und stehen daher unter Beobachtung. Das Vorgehen sei durch die lose Organisationsstruktur vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt.

Der ‚Antifaschismus‘“ sei von linksradikalen Gruppen im Allgemeinen „seit jeher nur vordergründig gegen den Rechtsextremismus“ gerichtet gewesen, vielmehr stecke in ihm eine „systemüberwindende Stoßrichtung, um die angeblich unserer Gesellschaftsordnung immanenten Wurzeln des Faschismus zu beseitigen.Bundesverfasungsschutzbericht 2004: Abschnitt "V. Aktionsfelder 1. 'Antifaschismus'", Seite 170. bzw. Bericht 05: "IV. Aktionsfelder 1. "'Antifaschismus'", Seite 190.

Siehe auch


Literatur


Literatur der Antifa-Szene
  • reihe antifaschistischer texte - rat. Sachbuchreihe - erscheint im Unrast Verlag.
  • Jens Mecklenburg (Hg.): Was tun gegen rechts. Espresso Verlag 2002.. ISBN 3885207494
  • Jens Mecklenburg: Antifa Reader. Elefanten Press 2001, ISBN 3-88520-574-2
  • Projektgruppe (Hg.): Antifa. Diskussionen und Tips aus der antifaschistischen Praxis. ID-Verlag
  • Antifaschistische Aktion Berlin (Hg.)): Das Konzept Antifa – Grundsatztexte und Konkretes

Literatur der Extremismus-Forschung und des Verfassungsschutzes

  • Uwe Backes, Eckhard Jesse: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland, 4. Aufl., Bonn 1996
  • Manfred Agethen/ Eckhard Jesse/ Ehrhart Neubert (Hg.): Der missbrauchte Antifaschismus. DDR-Staatsdoktrin und Lebenslüge der deutschen Linken, Freiburg i.B. 2002

Literatur gegen die Antifa

  • Claus Wolfschlag: Das "antifaschistische Milieu". Vom "schwarzen Block" zur "Lichterkette" - Die politische Repression gegen "Rechtsextremismus" in der Bundesrepublik Deutschland, Graz-Stuttgart 2001 (eine Sonderausgabe erschien 2002)
  • Claus Wolfschlag: Antifa ist Pop. Zur populärkulturellen Konstituierung einer radikalen Linken, in: Hans-Helmuth Knütter, Stefan Winckler (Hg.): Handbuch des Linksextremismus, Graz-Stuttgart 2002

Weblinks


Quellen


Antifaschistische Aktivitäten und Organisationen | Autonome Bewegung | Kapitalismuskritik | Gesellschaftskritik | Politischer Widerstand

Antifa | Antifa | 반파쇼 | Antifa | Antifascistisk aktion

 

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