Der Antichrist (deutsch auch: Widerchrist) bzw. Anti-Messias ist eine Figur der urchristlichen Apokalyptik, in deren Erwartung das Reich Gottes sich zuletzt gegen die weltbeherrschende Macht des Bösen durchsetzen wird. Der Begriff stammt aus dem Neuen Testament (NT) und bedeutet auf Griechisch wörtlich »gegen den Gott Gesalbten« (αντί Χριστός). Die Silbe anti kann im Altgriechischen auch mit »anstelle von« übersetzt werden.
Christliche Theologen stellten den Antichrist darüber hinaus als Nachkommen oder Inkarnation Satans dar und stritten darüber, ob er vor oder nach der Entrückung auftreten werde. Nach urchristlichem Zeugnis ist Satan am Kreuz des Sohnes Gottes aber bereits besiegt worden und werde bei dessen Wiederkunft endgültig entmachtet werden.
Auch in der islamischen Eschatologie spielt der Antichrist, arabisch al-Masih al-Dajjal (der falsche Messias), eine wichtige Rolle: Der Prophet Mohammed hat prophezeit, dass er in den letzten Tagen Unheil über die Menschen bringe und schließlich von Isa bin Marjam (Jesus) getötet werde.
In der Christentumsgeschichte ist der Antichrist ein häufig auftretendes Stereotyp, das auf die unterschiedlichsten, als innere wie äußere Glaubensfeinde definierten Personen und Gruppen gemünzt wurde. Im christlichen Antijudaismus im Mittelalter hatte es sowohl für die Dogmatik als auch für die Volksfrömmigkeit große Bedeutung.
Erst in nachexilischer Zeit kam das Judentum in Kontakt mit persischen und hellenistischen Vorstellungen, die biblische Endzeiterwartungen mitprägten. In der äußersten Bedrohung durch übermächtige Fremdherrschaft und Religionsverbot entstand um 170 v. Chr. das apokalyptische Buch Daniel. In großen Traumvisionen sieht der Icherzähler den Aufstieg und Fall der vier Weltreiche, auf den er zurückschaute, bis hin zu seiner bedrängenden Gegenwart als von Gott vorherbestimmt. Er hob einen Gewaltherrscher hervor: Gott habe sein Bundesvolk eine Zeit lang dem „Maul, das große Dinge redete" (Dan 7,20) und damit Gott lästerte, „in seine Hand gegeben“ (Dan 7,25). Diesem „frechen und verschlagenen König" werde es gelingen, die Starken des heiligen Volks durch Betrug zu vernichten (Dan 8,23). - Gemeint war Antiochos IV. Epiphanes (175-164 v. Chr.), einer der Seleukiden, der den Jerusalemer Tempel mit einer Zeusstatue entweiht hatte und Israels Religion durch ein Verbot der Opfer und Beschneidung ausrotten wollte (Dan 11,31). - Doch wie der Fels, der in Nebukadnezars Vision vom Himmel fallend die Weltreiche zertrümmert (Dan 2,34), werde danach das Endgericht gehalten, alle unmenschliche Gewaltherrschaft vernichtet und der Bund Gottes mit Israel ewig erneuert werden (Dan 7,27).
In dieser apokalyptischen Erwartung ist das Böse, das in immer neuen Gewaltsystemen auf Erden Macht gewinnt und auch die vernichtet, die ihrem Gott die Treue halten, gerade nicht dualistisch verselbstständigt und zum Gegengott personifiziert. Keiner der irdischen Könige wird hier mit Satan in Verbindung gebracht, keiner gewinnt Zerstörungsmacht über seine Lebens- und Herrschaftsfrist hinaus, alle sind nur Werkzeug der „Zeit des Zorns" (Dan 8,19; 11,36), die Gott beschlossen habe, bis das ewig vorherbestimmte „Ende der Zeiten" (Dan 11,13) bzw. die „Zeit des Endes" (Dan 11,40) gekommen sei. Nichts kann in Daniels Glauben Gottes Kommen zum Weltgericht aufhalten und ihn daran hindern, selbst die Todesgrenze zu durchbrechen und alle Gerechten aufzuerwecken (Dan 12,2f).
Auch der 2. Johannesbrief warnt:
Die Johannesoffenbarung war stark von jüdischer Apokalyptik beeinflusst, übernahm zahlreiche Motive aus dem Buch Daniel und deutet sie in neuem Kontext. Sie stellt göttliche Visionen des Autors von dem, was ist (die sichtbare Gegenwart) dem, was danach geschehen wird (der unsichtbaren Zukunft) gegenüber (1,19). Die Zukunft wird in drei Zyklen von je sieben Visionen ausgemalt, die mit der Inthronisation des „Lammes" eingeleitet werden (4): Jesus Christus als der am Kreuz für alle Menschen dahingegebene Sohn Gottes ist der, den Gott zur Weltherrschaft bestimmt und dem er die Vollstreckung seines Geschichtsplans übertragen hat.
In den Kapiteln 12 bis 14 stellen andersartige Visionen die besondere Situation der Christengemeinschaft gegenüber der von gottfeindlichen Mächten beherrschten Welt wie in einer Nahblende dar. Kapitel 12 stellt den mythischen vorzeitlichen Kampf und Sturz des „Drachen" gegen den vom Weib geborenen Gottessohn dar mit dem Ergebnis:
Die zweite Tiergestalt gleicht dem „Lamm", redet aber wie der „Drache": Sie tritt als Falschprophet auf, der die Restgemeinde der Christen zum Abfall und zur Anbetung des ersten Tieres verführt und sich dazu eines Erkennungszeichens - der Zahl Sechshundertsechsundsechzig - bedient. Das „Tier aus dem Abgrund“ (Off 11,7) ist offenbar identisch mit diesem „falschen Propheten“ und verlangt absolute Weltherrschaft (Off 15,13; Off 19,20). Damit wird deutlich, dass Satan hinter dem oder den Antichristen steht und durch sie wirkt. Er soll vor dem endgültigen Ende nochmals auf die Menschheit losgelassen werden, bis er im ewigen Feuer vernichtet werde (Off 20,7-10). Dieser Sieg steht durch das Blut des Lammes und seiner Zeugen (Jesu Opfertod und das Martyrium verfolgter Christen) bereits von Ewigkeit her fest (Off 12,11).
Das 14. Kapitel mahnt die Christen durch die Stimme eines Engels zur Geduld und zum Bewahren ihres Glaubens an Jesus und zum Halten der Gebote Gottes (v. 12). Die Märtyrer unter ihnen werden selig gepriesen, erhalten also schon jetzt die Zusage ihrer Aufnahme in Gottes Reich. So will der Autor dieses Textes seine Leser zum Festhalten an ihrem Glauben bis in den Tod ermutigen. Denn obwohl der total übermächtige Feind Christi als mit dem Satan identischer Weltherrscher die Christen besiegt und tötet und zum Abfall verführt, ist die Entscheidung über seine Entmachtung gemäß Jesu eigener Prophetie längst gefallen (Lk 10,18):
Die apokalyptische Literatur beider Testamente verwendet viele verschiedene Bildmotive, Symbole und Visionen für die erwartete Endzeit. In diesen spielen immer Mächte des Bösen, die Gottes Kommen überwindet, eine Rolle; doch lässt sich der Ablauf der Endzeitereignisse nicht als einheitlich abrollendes Drama beschreiben und ausmalen. Obwohl bestimmte Könige, Weltreiche, Verfolgungssituationen mit dem Beginn der Endzeit in Verbindung gebracht werden, wird auch hier nirgends eine konkrete irdische Macht als „das Böse schlechthin" gekennzeichnet.
Die Johannesoffenbarung warnt vor einer Macht, die Christus im Gewand des Guten zum Verwechseln ähnlich sieht und universale Anbetung verlangt. Die Motive spielen deutlich auf den Kaiserkult im Römischen Reich an, dessen Verweigerung die Christen seit Domitian um 90 der staatlichen Verfolgung aussetzte. Auch dies bezieht sich nicht auf bestimmte Personen, sondern auf die Vergötterung einer politischen Macht, die die Christen mit Vernichtung bedrohte und beanspruchte, was die Gläubigen von Jesus Christus erwarten: die ultimative Wende zum Guten, das Weltgericht und die Neuschöpfung. Damit wurden die römischen Kaiser zur gesamtpolitischen, nicht bloß innerkirchlichen Herausforderung des Glaubens. Die Urchristen fanden in Daniels Visionen Hinweise zum Verständnis ihrer bedrohlichen Gegenwart. Für sie wurde der Feind des Volkes Gottes, der Gottesläster und Verfolger der glaubenstreuen Juden, den Daniel als Vorläufer des Endgerichts sah, zum Widersacher Jesu Christi und zum Verführer seiner treuen Nachfolger zum Abfall. Er wurde somit zu einer Figur der Endzeit selber, die für sie mit Tod und Auferstehung Jesu Christi bereits angebrochen war. - Erst spätere dogmatische Konstruktionen haben verschiedene widersprüchliche apokalyptische Motive und Textstellen auf den Antichrist bezogen und versucht, ihn als einheitliches biblisches Konzept darzustellen.
Aus der rabbinischen Theologie stammt die Ansicht, dass ein künftiger Verderber des Volkes Gottes vom Stamm Dan abstammen würde. Dan habe das Mordkomplott der Söhne Jakobs gegen ihren Bruder Joseph maßgeblich initiiert. Seine Nachkommen galten als besonders von Götzendienst und Vermischung mit Fremdbräuchen gefährdet (Ri 18; 1 Kön 12,29). Dies stützte sich auf biblische Aussagen, wonach Dan eine Schlange werden (Gen 39,17) und aus seinem Gebiet Unheil über Israel kommen würde (Jer 8,16). Dies benennt den innerjüdischen Konflikt zwischen Götzendienern und wahren Juden. - Doch Hippolyt von Rom (ca. 170-235) stellte die These auf, der Antichrist werde ein Jude vom Stamm Dan sein. Daraufhin wurde das Antichristentum im Mittelalter oft mit dem Judentum gleichgesetzt.
Andere beschreiben den Antichrist als Bruder Jesu, der eifersüchtig auf diesen war und daher zu seinem Widersacher (Satan) wurde. Unklar bleibt dabei, ob er als Jesu leiblicher Bruder, also anderer Sohn von Maria und Josef, oder als weiterer „Sohn“ Gottes gedacht wird. Letzteres erinnert an das Bild des gefallenen Engels Luzifer, der aus Gottes Bereich stammt, sich dann aber gegen ihn kehrt. Manche beschrieben den Antichrist als Luzifers Ausgeburt, nicht als diesen selbst: So wie Jesus als Sohn Gottes galt, so galt sein Gegenspieler als Sohn Satans. Dieser Teufelssohn erscheint dann als fast gleichwertiger Gegenpol zu Jesus, so dass ähnlich wie im Gnostizismus ein heilsgeschichtlicher Dualismus nahe liegt.
Das zog die Frage nach sich, wie ein Himmelswesen wie Luzifer ihn zeugen würde. In frühen Schriften darüber fehlen Hinweise auf die Frau, die ihn austragen soll. Später wurde sie oft mit der „Hure von Babylon" gleichgesetzt, die in der Johannesoffenbarung eigentlich Sinnbild für das römische Reich war.
Parallel knüpften viele Kirchentheologen bis zur Konstantinischen Wende 313 jedoch an Texte wie Off 13 an und setzten verschiedene römische Kaiser - u.a. Titus, Nero, Domitian, Decius - mit dem Antichrist gleich. Eine der Sibylle von Tibur zugeschriebene apokryphe Pseudoepigraphe brachte um 380 auch Konstantin I. mit der Endzeit in Verbindung und griff Hippolyts These auf: Zu jener Zeit wird der Prinz der Härte, der Antichrist genannt werden wird, aus dem Stamm Dan erscheinen.
Hier ist der Antichrist Jude, und das Überlaufen seiner zuvor zu Christus bekehrten Mitjuden ist entscheidend dafür, dass er die christliche Mehrheit zum Glauben an ihn verführen kann. Diese Linie setzte sich aber zunächst nicht überall durch: Im Ludus de Antichristo vom Tegernsee (um 1200) geht der Antichrist aus der Kirche selber hervor und gewinnt die Heuchler, nicht die Juden, als erste Anhänger. So kritisierten einige christliche Theologen auch die Massaker der Kreuzzüge u.a. mit dem Hinweis auf Off 19,10-16: Christus werde seine Feinde allein mit dem Hauch seines Mundes - dem Wort Gottes - vernichten und brauche dazu keine Gewalt.
Die um 1353 im Raum Zürich entstandene Des Entkrist Vasnacht zeigt die Juden auf der Linie von Adso als die ersten Anhänger des Antichristen, die auch die Christen auf seine Seite ziehen. Für die Frankfurter Juden war die Aufführung solcher Spiele 1468 und 1469 lebensgefährlich: Sie mussten sich dabei auf Befehl des Bürgermeisters in ihren Häusern einschließen, um nicht Opfer des aufgehetzten Volks zu werden. - Das Fronleichnamsspiel von Künzelsau wiederum zeigt den Antichristen zwar als Teufelssohn, von einer bösen Frau in Babylon geboren, aber nicht als Juden. Diese sind jedoch auch hier seine ersten Anhänger und rufen ihn zur Rache für erlittene Pein an den Christen an: Er solle sie ebenso grausam martern wie Christus. Dann würden sie ihn aus Todesangst schon anbeten.
Der Nürnberger Meistersinger Hans Folz schrieb 1491 Ein Spil von dem Herzogen von Burgund. Darin deutet der „Endchrist“ seinen Namen: Secht, das ist schlecht davon der sin, das ich ein ent der Christen bin. Seine Weltherrschaft werde die Herrschaft der Juden über die Christen nach sich ziehen. Er wird im Lauf des Dramas als Jude enttarnt, wobei er sich zu den abscheulichsten Verbrechen gegen das Christentum bekennt. - So wurden die Opfer der christlichen Pogrome als rachsüchtige Monster und Verbrecher dargestellt, um die eigene Schuld an ihnen zu verdrängen und neue Verfolgung zu rechtfertigen.
In diesen Burlesken trat der Antichrist meist nur kurz auf und trug stark typisierte Züge mit hohem Wiedererkennungswert, ähnlich wie die böse Hexe im Kasperletheater. Sein Leben wurde kaum erzählt, was für die Absicht, beim Publikum Einverständnis zu erzielen, auch nicht nötig war. Er wurde hier auch selten mit Endzeit und Teufel in Verbindung gebracht. Dies geschah dafür umso intensiver in den Flugschriften, Bildbänden und Blockbüchern des 15. und 16. Jahrhunderts. Sie spiegeln den erneut um sich greifenden Chiliasmus in der Bevölkerung. Mit ihm war ein oft tödlicher Judenhass verknüpft, der alle christlichen Gruppen und Konfessionen trotz sonstiger Gegensätze verband.
Ein frühes Blockbuch (um 1450) malt bereits Leben und Taten des Antichrist in einer kommentierten Bildfolge mit ungewöhnlichen Details aus:
Bis heute sehen bestimmte pfingstlerische und evangelikale Kreise in den Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche den Antichristen. Dagegen hat die gegenwärtige ökumenische Verständigung zwischen den größeren christlichen Kirchen von Zuweisungen des Antichrist-Typus an die jeweils andere Seite offiziell Abstand genommen.
Die gegenseitige Verdammung anderer Konfessionen und Freikirchen seit der Reformation verdrängte zeitweise die Gleichsetzung von Antichrist und Juden. Das Motiv wurde zur beliebig eingesetzten Waffe im Kampf gegen die jeweiligen Feinde des eigenen Glaubens und verlor damit jede Glaubwürdigkeit.
Im Blick auf die totalitären Weltanschauungen des 20. Jahrhunderts wurde in der christlichen Literatur der Antichrist unter anderem in Hitler und Stalin ausgemacht. In Rumänien sagte der Nachrichtensprecher 1989 nach der Hinrichtung des gestürzten Diktators Ceauşescu wörtlich (übersetzt): Welch ein Weihnachten - der Antichrist ist tot!
Dagegen versuchte Friedrich Nietzsche in seinem Buch Der Antichrist grundsätzliche Kritik am Christentum zu üben: Er bezeichnete es als "den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit", der alles positive Selbstbewusstsein durch die Kettung an Moral und Schuldgefühle erniedrigt und an der freien Entfaltung hindert. Dabei nahm er literarisch selber die Rolle des Widerparts ein. Einige traditionell christliche Leser deuten diese Kritik als Verherrlichung des Antichrist-Typos in einer neuen Form und führen sie auf die Psychologie des Autors zurück, der eine bestimmte Form des Christentums im Kaiserreich und in seinem Elternhaus vor Augen hatte.
In der Tradition Nietzsches haben sich immer wieder Menschen als "Antichristen" bezeichnet, wenn sie sich gegen die Vorherrschaft des Christentums auflehnen bzw. es verachten. Dieses Phänomen ist im 20. Jahrhundert vor allem im frühen Satanismus um Anton Szandor LaVey und Aleister Crowley und im Neuheidentum aufgetreten. Auch manche Islamisten bezeichnen sich als Antichristen, wenn sie die Vormachtstellung der christlichen Religionen und die christliche Infiltrierung in Ämter und Führungspositionen kritisieren.
Eine originelle und positive Deutung des Begriffs „Antichrist“ nahm die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf in ihrem Roman Die Wunder des Antichrist vor: Der Antichrist ist der Sozialismus, der ebenso wie das Christentum dem Menschen helfen will, aber im Gegensatz zum Christentum „nur von dieser Welt“ ist. Christus und Antichrist müssen miteinander versöhnt werden.
In den 1980er Jahren nahmen mit der "Satanic panic" und der vermehrten Popularität von Punk, Metal und antichristlichem Hip-Hop und im dark Electro die selbsternannten "ACs" zu. Viele Jugendlichen sahen darin eine neue Art der Rebellion.
Die Aspekte der personifizierten Gegenwart des Bösen, seiner bedrängenden Übermacht, Weltherrschaft und Verwechslungsgefahr mit Christus sind für viele Christen auch heute noch aktuell. Sie fassen die Figur des Antichrist aber oft nicht wörtlich als leiblich existierende Person auf, sondern verstehen das Böse eher als innere Einstellung (z.B. Hass, Streben nach Rache) oder eine äußere Machtstruktur (totale Herrschaft, gnadenlose Gewalt).
Andere Christen halten an den biblischen Aussagen über die Geschichtlichkeit und Personalität des kommenden Antichrist fest. Sie unterscheiden aber auch seinen Geist, der sich in bestimmten politischen und religiösen Bewegungen wie auch im Denken und Handeln von Einzelpersonen zeige, von der zukünftig offenbar werdenden Person.
Der biblische Befund warnt vor der Gleichsetzung von Christentum mit der Idee des Guten, Antichristentum mit der Idee des Bösen: Denn der Begriff „Antichrist" wurde gerade als Ausdruck für die Gefährdung der leichtgläubigen, ungeduldigen, auf die eigene Kraft vertrauenden, die Menschwerdung und damit Leidensfähigkeit Gottes ablehnenden Christen geprägt. Er erscheint primär als Versuchung, der sich primär die christliche Gemeinschaft selber stellen muss. Auch dort, wo er auf äußere Mächte bezogen wurde, bestand deren Rolle in erster Linie darin, das Vertrauen und die Treue der Christen zu Jesus Christus zu prüfen.
Wo Christen sich im Besitz der Wahrheit wähnen und diese zur Definition der Feinde ihres Glaubens handhaben zu können meinen, dort neigen sie dazu, ihre Religion mit Christus selber zu verwechseln und seine Herrschaft durch ihre eigenen Macht- und Wahrheitsansprüche abzubilden. Genau darin liegt aber für die Texte des NT der Abfall von Christus, das fehlende Grundvertrauen zu seiner eigenen Wirksamkeit.
Jede theologisch verantwortliche Deutung wird also den selbstkritischen Entscheidungscharakter des christlichen Glaubens herauszuheben haben: Wer als Christ seinen eigenen Unglauben und Ungehorsam gegen die Alleinherrschaft Jesu Christi nicht erkennt und bekennt, der ist dem Antichristentum schon verfallen. Christen haben also allen Grund, sich nicht in eine Konfrontation zu denen zu begeben, die sich bewusst und freiwillig gegen Christus stellen, sondern gemäß Mt 5,39-48 die grundlegende menschliche Solidarität gerade mit ihnen einzuüben. Denn diese Ablehnung Christi könnte mit der fehlenden Nachfolge der Christen zu tun haben. Das Christentum hat in seiner Geschichte unbestreitbar schwere Verbrechen zu verantworten (siehe dazu: Kriminalgeschichte des Christentums). Diese haben Theologen wie Karl Barth (Kirchliche Dogmatik II/1, § 17) als Verleugnung Jesu Christi kritisiert.
Laut islamischer Endzeitlehre wird der Antichrist kurz vor dem Weltgericht für 40 Tage auf die Erde kommen. Er wird an seiner rötlichen Hautfarbe, seiner großen Statur, seinen lockigen Haaren und einem ungewöhnlichen, blinden Auge erkennbar sein. Der Masih al-Dajjal wird vorgeben, er sei Gott, und die Menschen zu seiner Anbetung auffordern. Als Beweis für seine Aussagen wird er Wunder vollbringen. So wird er den Menschen Regen schicken können, sie mit Nahrung versorgen, und sogar Tote zum Leben erwecken. Auf diese Weise gewinnt er zahlreiche Anhänger.
Die Zeit des Antichristen wird mit der Rückkehr von Isa/Jesus beendet werden. Er wird den Antichristen und seine Anhänger töten, und die Muslime für einige Zeit führen.
Neues Testament | Eschatologie
Antichrist | Antikristo | Anticristo | Antikristus | Antéchrist | אנטיכריסט | Antikrist | Antichristo | Anticristo | 反キリスト | Antichrist | Antychryst | Anticristo | Антихрист | Антихрист | Antikrist | Антихрист | 敌基督
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Antichrist".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world