Bei Antialiasing * werden Signalanteile oberhalb der Nyquist-Frequenz durch Tiefpassfilterung gedämpft.
Zur digitalen oder zumindest zeitdiskreten Übertragung von analogen Signalen werden die analogen Ausgangssignale zunächst abgetastet, für die digitale Übertragung quantisiert, über einen Nachrichtenkanal übertragen und dann rekonstruiert. Das rekonstruierte Signal wird sich fast immer vom Ausgangssignal unterscheiden. Selbst bei der theoretisch besten Übertragungsmethode, welche durch das WKS–Abtasttheorem beschrieben wird, führen hochfrequente Signalanteile zum sog. Alias-Effekt, d. h. die hochfrequenten Anteile sind nach der Abtastung nicht mehr von anderen Signalanteilen, die unterhalb der Nyquist-Frequenz liegen, unterscheidbar. Meist ist dieser Fehler im rekonstruierten Signal unerwünscht, die hochfrequenten Anteile sollen "unsichtbar" bleiben. Daher wird ein Antialiasing-Filter eingesetzt – ein Tiefpassfilter, das vor der Quantisierung die Signalanteile oberhalb der Nyquist-Frequenz möglichst stark dämpft.
Reale, praktisch eingesetzte Abtast- und Rekonstruktionsverfahren sind immer weit von dem Ideal des Abtasttheorems entfernt. Gemessen am Ideal des Abtasttheorems werden durch den Abtast- und Rekonstruktionsprozess selbst hochfrequente Anteile zum Signal hinzugefügt. Um trotzdem eine fehlerarme Übertragung zu gewährleisten, wird eine Abtastrate verwendet, deren Nyquist-Frequenz weit oberhalb der höchsten genutzten Frequenz liegt. Diese Überabtastung (engl. oversampling) führt zu einer Abtastfolge, die Redundanzen zwischen benachbarten Folgegliedern aufweist. Mittels eines digitalen Tiefpassfilters und einer Untertaktung (engl. downsampling) wird daraus ein zeitdiskretes Signal erzeugt, dessen Abtastrate wieder näher am theoretischen Optimum liegt. Man geht von einer zunächst höheren Anzahl an Abtastpunkten zu einer geringeren Anzahl über. Dieses Vorgehen kann man als numerische Approximation der in der idealen Abtastung (inkl. analoger Tiefpassfilter) auftretenden Integrale auffassen.
Dem Vorgehen bei der Abtastung entsprechend, und die Reihenfolge umkehrend, kann bei der Rekonstruktion die übertragene Abtastfolge mittels Übertaktung (engl. upsampling) und eines digitalen Tiefpassfilters "weichgezeichnet" werden. Orientiert man sich am theoretischen Ideal des Abtasttheorems, so wird mittels dieses Vorgehens der Verlauf eines mit der sinc-Funktion interpolierten Signals approximiert. Da diese Funktion oszilliert, entstehen durch Rundungsfehler bei der Quantisierung wellenförmige Artefakte. Die Schritte der Untertaktung und Übertaktung können auch weggelassen werden, das übertragene Signal ist dann unkomprimiert. Man kann sich bei der Wahl der digitalen Tiefpassfilter auch an einer allgemein stetigen Interpolation orientieren.
Das Antialiasing bei der Ausgabe auf ein Rastermedium wie dem Bildschirm nennt man auch Treppeneffektglättung oder Kantenglättung. Eine spezielle Methode, welche den Bildaufbau von Flachbildschirmen miteinbezieht, ist das Subpixel rendering.
Im Folgenden konzentriert sich der Artikel auf den ersten Punkt, nämlich der Ausgabe auf Computerbildschirmen.
Häufig wird Antialiasing auch falsch als Überabtastung bezeichnet. Tatsächlich sind zwei Schritte notwendig: Erzeugung von Datenmaterial in höherer Auflösung, und anschließende Reduktion, wobei die Lokalität der zusätzlich gemessenen oder berechneten Daten vernichtet wird. Diese beiden Schritte fasst man bei der Treppeneffektglättung auch unter dem Begriff Supersampling zusammen. Bei zweidimensionalen Grafiken werden jedoch meist spezielle Algorithmen verwendet, die die reduzierten Daten direkt berechnen und kein Supersampling erfordern.
Bei Schriften, wenn es nur "Druckfarbe" oder "Papier" gibt, ließe sich mit entsprechendem Aufwand immerhin feststellen, ob mindestens 50% Druckerfarbe im Pixel liegen, anstatt nur den Mittelpunkt zu untersuchen. Sofern man jedoch im Pixel immer nur eine einzelne Kante hat, und nicht etwa eine Spitze, die ins Pixel hereinragt, ist die Mittelpunkt-Abtastung immer korrekt: Man kann keine Fläche mit gerader Begrenzung so in die Pixelfläche (meist ein Quadrat) schieben, dass zwar mehr als die Hälfte Fläche bedeckt wurde, aber der Mittelpunkt noch frei wäre. Schriftfont-Antialiasing ist aber ohnehin eine Problemklasse für sich, da man zum Beispiel bemüht ist, die Strichstärke immer auf ganzzahlige Pixelgrößen zu bringen. Andernfalls leidet die Lesbarkeit erheblich. Gerade auf Monitoren ist auch die gamma-korrigierte Darstellung wichtig, um Schriftfont-Antialiasing zu gestalten.
Beim Zeichnen einer Linie können nur horizontale und vertikale Linien problemlos gezeichnet werden, deren Strichstärke ein Vielfaches des Pixelabstands ist und deren Anfangs- und Endpunkt auf einem Pixel liegt. Ist eine Linie etwas schräg, so entstehen zwangsläufig Treppenstufen. Das gleiche widerfährt auch allen runden Formen und Schriften. Je gröber die Auflösung ist, desto deutlicher wird der Effekt.
Beim Antialiasing von Vektorgrafiken berücksichtigt man, welche Pixel von der Grafik wie stark überschnitten werden und gibt ihnen einen entsprechend gewichteten Farbwert. Dabei werden die Pixel üblicherweise als Quadrate betrachtet. Je mehr von der Pixelfläche durch die Grafik abgedeckt wird, desto mehr wird der Pixel mit deren Farbe eingefärbt. Oft werden spezielle Filter angewandt, bei denen die Grafik auch Einfluss auf umliegende Pixel hat.
Zunächst unterstützten nur sehr hochwertige und teure Grafikkarten diese Technik in Grafikschnittstellen wie OpenGL. Doch mit der Einführung des Desktopgrafikchips VSA 100 von 3dfx, verwendet in den Grafikkarten Voodoo 4 4500, Voodoo 5 5500 und der nie offiziell erschienenen Voodoo 5 6000, wurde diese Eigenschaft auch für den normalen Anwender verfügbar. Folgende Techniken des Antialiasing kommen heutzutage zur Anwendung:
Full Scene Anti-Aliasing (FSAA)
Microsoft Windows XP, Mac OS X und die meisten Linux-Distributionen verwenden standardmäßig Antialiasing zur Darstellung der Benutzeroberfläche. Wer das Ergebnis als zu unscharf empfindet oder kleine Schriften dadurch nicht mehr lesen kann, kann das Antialiasing deaktivieren.
Antialiasing ist kein Allheilmittel gegen zu geringe Auflösung, sondern kann die Folgen nur lindern. Als Anwender muss man jeweils prüfen, ob Antialiasing das Ergebnis verbessert oder ob man diese Option lieber ausschaltet. Antialiasing kostet grundsätzlich System- und Speicherleistung.
Computergrafik | Digitale Signalverarbeitung
Antialiasing | Anti-aliasing | Antialiasing | Anticrénelage | Antialiasing | アンチエイリアス | Glodinimas | Anti-aliasing | Antialiasing | Antyaliasing | Kantutjämning
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Antialiasing".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world