Sir Robert Anthony Eden KG, 1. Earl of Avon (* 12. Juni 1897 in Windlestone, † 14. Januar 1977 in Salisbury (Wiltshire) war während des 2. Weltkriegs britischer Außenminister und Mitte der 1950er Jahre Premierminister.
1926 wurde Eden 'Parliamentary Private Secretary' im Außenministerium und 1931 Staatssekretär. 1934 wurde er zum Lordsiegelbewahrer ernannt und in Stanley Baldwins Regierung Minster für den Völkerbund.
Wie viele Menschen seiner Generation, die den ersten Weltkrieg erlebt hatten, war Eden sehr gegen den Krieg und bemühte sich, mit Hilfe des Völkerbundes den europäischen Frieden zu bewahren. Er gehörte jedoch zu den ersten, die erkannten, dass der Frieden nicht durch eine Appeasement-Politik gegenüber dem Dritten Reich und dem faschistischen Italien aufrecht erhalten werden konnte. Privat war er gegen die Politik des Außenministers Sir Samuel Hoare, Italien während der Invasion Abessiniens 1935 zu besänftigen. Als Hoare nach dem Scheitern des Hoare-Laval-Pakts zurücktrat, wurde Eden sein Nachfolger als Außenminister.
Das machte ihn zu einem Verbündeten Winston Churchills, der damals ein rebellischer Hinterbänkler der Konservativen und führender Kritiker der Appeasement-Politik war. Viele glaubten, dass Eden zum Sammelpunkt all der verschiedenen Gegner Chamberlains werden würde, aber er hielt sich bedeckt. Obwohl er gegen das Münchener Abkommen war, vermied er die Konfrontation. Daher nahm sein Ansehen unter Politikern stark ab, während er im Land allgemein populär blieb.
Bei Ausbruch des Krieges im September 1939 kehrte Eden in Chamberlains Regierung als Minister für die Dominions (ehemalige Kolonien) zurück, war aber nicht Mitglied des Kriegskabinetts. Deshalb galt er nicht als Kandidat für den Posten des Premierministers, als Chamberlain im Mai 1940 nach der deutschen Invasion Frankreichs zurücktrat, und Churchill wurde Premierminister. Er machte Eden zum Kriegsminister. Später im Jahr 1940 kehrte er ins Außenministerium zurück und wurde in dieser Eigenschaft 1941 Mitglied der Political Warfare Executive, einer geheimen Propaganda-Behörde. Obwohl er einer von Churchills engsten Vertrauten war, war sein Einfluss während des Krieges begrenzt, weil Churchill die wichtigsten Verhandlungen mit Roosevelt und Stalin selbst führte. 1942 wurde ihm auch die Aufgabe als Führer des Unterhauses übertragen.
Als 1945 die Labour Party die Wahlen gewann, ging Eden als stellvertretender Führer der Konservativen in die Opposition. Viele Leute waren der Meinung, dass Churchill sich zurückziehen und Eden das Feld überlassen sollte. Churchill lehnte das jedoch ab und Eden war zu loyal, um Druck auf ihn auszuüben. Er war zu dieser Zeit deprimiert wegen des Scheiterns seiner ersten Ehe und wegen des Todes seines älteren Sohnes, Simon Eden, der in den letzten Kriegstagen gestorben war.
1951 kamen die Konservativen wieder an die Regierung und Eden wurde zum dritten Mal Außenminister. Churchill war in dieser Regierung eigentlich nur noch Aushängeschild, und Eden hatte zum ersten Mal wirksame Kontrolle über die Außenpolitik zu einer Zeit, als der kalte Krieg an Intensität zunahm. Er bewältigte die verschiedenen Krisen dieser Periode, wenn auch Großbritannien nicht mehr die Weltmacht war wie vor dem Krieg.
1950 wurde seine Ehe mit Beatrice Eden geschieden. 1952 heiratete er Churchills Nichte, Clarissa Spencer-Churchill. Diese Ehe war wesentlich glücklicher als seine erste. 1954 wurde er zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen.
Diese Allianz erwies sich jedoch als illusorisch, als Sir Anthony 1956 zusammen mit Frankreich versuchte, den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser von der Nationalisierung des Sueskanals abzuhalten. Der Kanal war seit dem 19. Jahrhundert Eigentum von britischen und französischen Aktionären der Suez Canal Company. Entsprechend seinen Erfahrungen in den 1930ern sah Sir Anthony in Nasser einen neuen Mussolini. Er hielt beide Männer für aggressive nationale Sozialisten, entschlossen, in andere Länder einzufallen. Andere meinten, dass Nasser aus legitimen patriotischen Motiven handele.
Nach monatelangen Verhandlungen und Schlichtungsversuchen fielen im Oktober 1956 Briten und Franzosen zusammen mit Israel in Ägypten ein und besetzten die Sueskanalzone (siehe Sueskrise). Eisenhower protestierte unverzüglich und scharf gegen die Invasion. Der amerikanische Präsident war ein Verfechter der Entkolonialisierung, weil dadurch Kolonien befreit und amerikanische Interessen gestärkt würden. Außerdem erhoffte man sich in Washington das Wohlwollen der arabischen und afrikanischen Führer. Eden hatte ignoriert, dass Großbritannien als Folge des zweiten Weltkriegs von den USA finanziell abhängig war. So musste er sich dem amerikanischen Druck zum Rückzug beugen. Die Sueskrise wird heute gemeinhin als das Ereignis angesehen, welches Britanniens und Frankreichs Ende als Weltmächte markiert.
Das Sues-Fiasko ruinierte Sir Anthonys Ruf als Staatsmann und führte bei ihm zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch. Sein Außenminister Harold Macmillan, einer der Architekten der Invasion, drängte Eden zum Rücktritt und wurde im Januar 1957 sein Nachfolger.
Edens überlebender Sohn, Nicholas Eden (1930-1985), war auch Politiker und Minister in der Regierung Thatcher, bis er frühzeitig an AIDS verstarb.
Siehe auch: Geschichte der Britischen Inseln
| Vorgänger Winston Churchill 1951-1955 | Britische Premierminister | Nachfolger Harold Macmillan 1957-1963 |
Mann | Brite | Premierminister (Großbritannien) | Peer | Geboren 1897 | Gestorben 1977
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