Eine Anthologie oder Blütenlese (griech., von άνθος/anthos = Blume, λέγειν/legein = lesen, sammeln, sprechen) ist eine Sammlung ausgewählter Texte verschiedener Autoren, oder eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken. Seit hellenistischer Zeit wurden Gedichtsammlungen gerne als Anthologie bezeichnet. Eine Sonderform der Anthologie ist das Lesebuch.
Der Begriff hat sich im 18. Jahrhundert allgemein für Sammlungen von Lyrik, Aphorismen, Erzählungen etc. durchgesetzt. Zusammenstellungen von Epigrammen gab es aber schon in der Antike. Im Hellenismus wurde "Anthologie" auch ein Titel für Gedichtsammlungen.
Ebenfalls in Byzanz editierte der Humanist Maximos Planudes um 1300 die Anthologia Planudea. Im Spätmittelalter entstanden Sammlungen lateinischer Alltagslyrik wie die Carmina Burana - eine Thematik, die 1573 der französische Altphilologe Joseph Justus Scaliger fortsetzte. Durch Erasmus von Rotterdam erhielten Anthologien auch didaktische Funktionen, wie in der Sentenzensammlung Adagiorum Collectanea (1500). Nach 1700 erschienen unveröffentlichte Gedichte von Benjamin Neukirch, 1781 nannte Friedrich Schiller seine Gedichtsammlung Anthologie.
Die fantastische Literatur erhielt ihr Sammelwerk 1941 durch Jorge Luis Borges, vom Franzosen André Breton stammt die "Anthologie de l’Humor Noir (1937), von Walter Höllerer das "Lyrikbuch zur Jahrhundertmitte" (1956). Danach entstanden - mit zunehmendem Interesse und Wohlstand der Leserschaft - verschiedenste Anthologien, von denen einige unten als Weblink angeführt sind.
Durch das Internet bahnt sich hier eine eher banale Entwicklung an: zahlreiche Initiativen veranstalten Wettbewerbe für Hobby-Schriftsteller, und unter „Anthologie“ zeigt jede Suchmaschine ein buntes literarisches Gemisch. So finden sich sogar ‚Blütenlesen’, die von Gedichten und Geschichten nur einer Person künden.
Demgegenüber laden die jährlichen Anthologien mehrerer Verlage zwar auch zur freien Beteiligung ein, nehmen aber nur die besten Beiträge ins Buch auf. In beiden Fällen werden die Beiträge meist in Kategorien wie Lyrik, Prosa, Krimi, Kurzgeschichten, Erotik, Satire usw. geordnet.
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