Die Anonymen Alkoholiker (AA) (engl. Alcoholics Anonymous) - in der Schweiz auch Aktion Anonymer Alkoholiker (AAA) - sind eine internationale, spirituell orientierte quasi-religiöse Gruppenbewegung von Alkoholabhängigen. Dadurch, dass sie in den Gruppen miteinander Erfahrung, Kraft, Hoffnung und den Glauben an Gott teilen, sollen sie darin unterstützt werden, abstinent zu bleiben.
Das Buch „Anonyme Alkoholiker“ ist bekannter unter dem Namen „Das Blaue Buch“.
Ihr wichtigstes Anliegen ist die Ermutigung der Betroffenen und ihrer Angehörigen gegen ihre Sucht und die Folgen aktiv etwas zu unternehmen und sich nicht der Alkoholkrankheit hinzugeben. Für ehemalige Trinker, so genannte trockene Alkoholiker, gibt es Motivationsprogramme, um abstinent zu bleiben.
Ziel sei laut den Anonymen Alkoholikern nicht die christliche Missionierung der Abhängigen. Zwar sei im Programm der AA von einer „höheren Macht“ die Rede. Der Zusatz "Gott, wie wir ihn verstehen" gäbe aber jedem AA die Freiheit, Religiosität und Spiritualität gemäß eigener Erfahrung und Vorstellung im Rahmen der 12-Schritte zu definieren. Die Nähe zur christlichen Religion wird aber insbesondere in den USA deutlich, wo Meetings häufig bei kirchlichen Einrichtungen stattfinden und bei manchen Meetings das Vaterunser gesprochen wird. In den Fallgeschichten des Blauen Buchs der AA ist häufig ein Zusammenhang zwischen spirituellen Erwachen und Bibellektüre oder Kontakt zu christlichen Einrichtungen zu beobachten.
1. Im ersten Schritt geht es darum, sich selbst zuzugestehen, dass man dem Alkohol ausgeliefert sei und sein Leben nicht mehr im Griff habe.
2. Im zweiten Schritt muss man zum Glauben kommen, dass nur eine übernatürliche Kraft einem die psychische Gesundheit wiedererlangen lässt.
3. Im dritten Schritt muss man sein Leben und seinen Willen einem Gott übergeben und sich von ihm leiten lassen.
4. Im vierten Schritt geht es darum, eine Bestandesaufnahme seines Seelenlebens zu machen.
5. Im fünften Schritt muss man die sich selbst eingestandenen Fehler unbeschönigt und nicht aussparend vor Gott darlegen. Weiter heißt es, diese Fehler einer Zweitperson offenzulegen. Für Leute, die sich in einer Zwölf-Schritte-Gruppe befinden, sind das die anderen Mitglieder, denen sie ihre Fehler schildern.
6. Im sechsten Schritt muss man sich bereiterklären, "Charakterfehler" von Gott entfernen zu lassen.
7. Im siebten Schritt muss man Gott unterwürfig bitten, dass er sämtliche persönlichen "Mängel" beseitigt.
8. Der achte Schritt beinhaltet die Auflistung aller Personen, denen seitens des Alkoholikers je Schaden widerfahren ist.
9. Im neunten Schritt muss man den angerichteten Schaden wieder rückgängig machen.
10. Im zehnten Schritt soll man weiterfahren mit Bestandesaufnahme des Seelenlebens und dabei entdecktes eigenes Unrecht sofort offenlegen.
11. Im elften Schritt muss man versuchen, durch "Gebet und Besinnung" eine tiefe Beziehung zu Gott aufbauen und seinen Willen umsetzen.
12. Und im Schritt zwölf wird man nach der nun erfahrenen spirituellen Erweckung dazu angehalten, die "Botschaft" weiteren Alkoholikern zukommen zu lassen und seinen Alltag nach "diesen Grundsätzen" zu richten.
Es gibt freiwillige Umfragen, an denen aber nicht alle Zugehörigen/Mitglieder teilnehmen. Anhand dieser Umfragen wird z.B. ein Frauenanteil von ca. 1/3 vermutet. Grundsätzlich stehen jedem - unabhängig von Geschlecht, Alter, Nationalität, Sprache, Glaubenszugehörigkeit oder Rasse - die Meetings offen. Es gibt bei Bedarf auch getrennte Frauen- und Männer-Meetings.
Prinzipiell ist jede Gruppe selbständig. Für Dinge die auch andere Gruppen oder alle Gruppen betreffen, werden überregionale Gruppen und Dienste gebildet. Jeder Gruppe kann Personen ihres Vertrauens wählen die bestimmte Dienste für die einzelne Gruppe übernehmen (z.B. Schlüsseldienst und Kassenwart). Nach Außen wird die einzelne Gruppe durch ihren "Gruppensprecher/-in" vertreten. Alle Dienste werden in geheimen Wahlen bestimmt.
Je nach dem wie groß die Anzahl der Gruppen ist, treffen sich die Gruppensprecher/-in in s.g. "Regionsgruppen", die Regionsvertreter (oder Regionssprecher) treffen sich in regelmäßigen Zeitabschnitten zu einer "Intergruppensitzung". Die "Intergruppen" wählen aus sich heraus ihren "Intergruppensprecher/in", sowie weitere Vertrauensleute und Sachbearbeiter. Weil der Dienst des "intergruppensprechers" eine besondere Vertrauensstellung ist, vertritt der "Intergruppensprecher/in" die betreffende Intergruppe beim Gemeinsamen Dienst-Ausschuss (GDA). Der Gemeinsame Dienstausschuss (GDA), somit bestehend aus besonders vertrauenswührdigen Personen, bildet einen Verein, der eine juristische Person ist, ein Körperschaft. Der GDA ist Exekutive.
Die Anzahl der Zwischenschritte hängt davon ab, wieviele Gruppen bzw. Intergruppen es gibt. In der Regel, sollten nicht mehr als 20 Gruppen-Sprecher/-in in einer Intergruppe sein, weil es sich als ineffektiv zeigte.
In der Gemeinsamen Dienstkonferenz, die jährlich zusammenkommt, treffen sich die Gemeinsamen Dienstvertreter, sie sind Spiegelbild der Meinungen, Anliegen und Themenschwerpunkte der Gruppen. Auch diese Dienstvertreter genießen das besondere Vertrauen der Zugehörigen in AA. Die Gemeinsame Dienstkonferenz (GDK) ist Legislative.
Kein/e Dienstinhaber/in hat irgend einem Mitglied gegenüber Macht oder Weisungsbefugnis. Alle Ausschüsse können ihren Mitgliedern lediglich Empfehlungen aussprechen.
Praktisch werden die Dienste der Vereine, oder GmbH, oder Inc. in deren eigenen Sitzungen gewählt, die in der Regel drei- bis viermal im Jahr tagen. Dann werden die Gewählten formal (in einer weiteren Wahl des Vereins) in den Verein aufgenommen. Die so Aufgenommenen verlieren dadurch ihrer Anonymität und werden dadurch (nach Außen) vom "Betroffenen" zum "Angehörigen von Betroffenen". Laut ihrer Satzung haben die Vereine die Aufgabe, die Geschäfte der AA zu führen, juristisch quasi stellvertretend zu vertreten .
Formal ist die Jahresversamlung der Gemeinsamen Dienstkonferenz, Legislative, den Vereinen - Exekutive - gegenüber nicht Weisungsbefugt. Sollte es aber tatsächlich ein mal vorkommen, dass ein Verein nicht im Interesse der "Anonymen Alkoholiker als Gesamtheit" handelt, gäbe es eine Reihe von Sanktionsmaßnahmen.
Zwei Begriffe müssen bei den Anonymen Alkoholiker organisatorisch auseinandergehalten werden: Zum Einen: Gemeinsame Dienstkonferenz (GDK), gleich: Jahresversammlung der Vertrauensleute der Gruppen, gleich: Gruppengewissen, gleich: Legislative. Zum anderen: Gemeinsamer Dienstausschuss (GDA), gleich: Verein (oder in anderen Ländern GmbH oder Inc.); Geschäftsführendes Organ; mehrmaliges Geschäftstreffen im Jahr, Exekutive.
Da Alkoholismus bei AA als Familienkrankheit verstanden wird, bildeten sich recht schnell Gruppen für die Angehörigen (Al-Anon) und die Kinder (Alateen) von Alkoholikern. Diese Gruppen funktionieren nach demselben Prinzip wie AA, sie verwenden das gleiche Zwölf-Schritte-Programm. Al-Anon wurde von den Ehefrauen der Gründer gegründet, noch bevor die erste Frau zu AA kam. Bei den Angehörigen von Alkoholikern handelt es sich nicht immer zwingend um Co-Abhängige.
Auch andere Süchtige und Angehörige haben das Zwölf-Schritte-Programm, mit Zustimmung der AA, übernommen und sich zu Gruppen zusammengeschlossen.
Siehe auch: Liste der 12-Schritte-Gruppen
Mehrere psychosomatische Kliniken orientieren sich an den „12-Schritten“ und arbeiten nach dem Bad Herrenalber Modell von Dr. Walther Lechler. Sie fordern ihre Patienten im Rahmen der Nachsorge zur Teilnahme an den Anonymus-Gruppen auf. Von diesen werden auch Räumlichkeiten zur Durchführung von Veranstaltungen der verschiedenen Gruppen der Bewegung zur Verfügung gestellt. Sie haben keine direkte Verbindung und sind auch nicht Teil von AA, die deren Arbeit nicht überprüfen und für die Verwendung der "12-Schritte" keine finanziellen Zuwendungen erhalten.
Spiritualität ist ein wichtiges Element des Zwölf-Schritte-Programms der AA. Als Orientierung für die persönliche Rehabilitation werden die Zwölf Schritte empfohlen, für organisatorische Fragen sind die so genannten Zwölf Traditionen maßgeblich, die Empfehlungen sind.
Es gibt eine Reihe von anderen Selbsthilfegruppen mit dem Schwerpunkt Alkoholismus mit anderen Ansätzen wie Blaues Kreuz, Guttempler-Orden, Kreuzbund, Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, AKB.
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