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Annette Kolb, mit bürgerlichem Namen Anna Mathilde Kolb, (* 3. Februar 1870 in München, † 3. Dezember 1967 in München) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie setzte sich nachhaltig für den Frieden ein und erwarb sich Verdienste um die deutsch-französische Verständigung. In Romanen beschäftigte sie sich kapriziös-anmutig mit dem High-Society-Leben.

Leben


Geboren als dritte Tochter des Münchner Gartenbauarchitekten Max Kolb und der Pariser Pianistin Sophie Kolb Danvin prägten deutsch-französische Einflüsse Leben und Werk. Annette Kolb wuchs in München auf und verbrachte erste Schuljahre in der Klosterschule Thurnfeld bei Hall in Tirol. Sie entdeckte ihre Lust am Schreiben und gab 1899 ihr erstes, von ihr selbst finanziertes, Buch heraus.

Im Ersten Weltkrieg trat sie entschieden für den Pazifismus ein. Ein vehementes Plädoyer für die Anwendung von Vernunft und für eine europäische Völkerverständigung löste nach einem Vortrag in Dresden am 11. Januar 1915 Tumulte aus. Das Bayerische Kriegsministerium verhängte gegen sie 1916 "wegen pazifistischer Umtriebe" eine Brief- und Reisesperre. Auf Betreiben von Walther Rathenau konnte Annette Kolb ins Schweizer Exil gehen.

1923 ließ sich die Schriftstellerin in Badenweiler nieder. In den zwanziger Jahren spielte sie eine bedeutende Rolle im deutschen Literaturleben. Rainer Maria Rilke war von ihren Romanen begeistert, mit René Schickele, den sie seit 1914 kannte, ihrem Nachbarn in Badenweiler, einem Elsässer Schriftsteller und Befürworter deutsch-französischen Interessenausgleichs, verband sie eine Freundschaft bis zu seinem Tode im Jahr 1940. 1929 porträtierte die Literatin in einem Buch den französischen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Aristide Briand.

1933 emigrierte Annette Kolb nach Paris und löste sich damit völlig vom Deutschland der Nationalsozialisten; 1936 wurde sie französische Staatsbürgerin. 1941 floh sie 71-jährig nach New York. Nach dem Krieg lebte sie bis 1961 sowohl in Paris wie in München und Badenweiler. Ihren letzten Wohnsitz nahm sie in München. Annette Kolb war bis ins hohe Alter hinein literarisch, musikalisch, journalistisch und politisch aktiv. Ihr Grab befindet sich auf dem kleinen Bogenhausener Friedhof an der Neuberghauser Straße.

Auszeichnungen und Ehrungen


  • 1913 – Fontane-Preis für ihren Erstroman Das Exemplar
  • 1931 – Gerhart-Hauptmann-Preis
  • 1950 – Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste
  • 1951 – Kunstpreis der Stadt München für Literatur
  • 1955 – Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main
  • 1959 – Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 1961 – Ritter der Ehrenlegion in Frankreich
  • 1961 – Bayerischer Verdienstorden
  • 1961 – Literaturpreis der Stadt Köln
  • 1966 – Verleihung des Ordens Pour le mérite und Großes Verdienstkreuz mit Stern

Werke


  • 1899 – Kurze Aufsätze, ihr erstes Buch
  • 1906 – L’Ame aux deux patries, gesammelte Feuilletonartikel
  • 1913 – Das Exemplar, Roman
  • 1921 – Zarastro. Westliche Tage, Erinnerungen an 1917/18
  • 1924 – Wera Njedin, Erzählungen und Skizzen
  • 1928 – Daphne Herbst, Roman
  • 1929 – Versuch über Briand, Porträt des Staatsmannes
  • 1932 – Beschwerdebuch, Essays
  • 1934 – Die Schaukel, Roman
  • 1937 – Mozart. Sein Leben., Biografie
  • 1941 – Schubert. Sein Leben., Biografie
  • 1947 – König Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner, Skizzierung
  • 1954 – Blätter in den Wind, Essays
  • 1960 – Memento, Erinnerungen an die Emigration

Siehe auch


Weblinks


Frau | Deutscher | Pazifist | Autor | Literatur (20. Jh.) | Literatur (Deutsch) | Sachliteratur | Geboren 1870 | Gestorben 1967 | Frauenliteratur

 

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