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Annemarie Renger, geb. Wildung, (* 7. Oktober 1919 in Leipzig) ist eine deutsche Politikerin (SPD).

Sie war von 1972 bis 1976 Präsidentin des Deutschen Bundestages und von 1976 bis 1990 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Ausbildung und Beruf


Nach dem Besuch des Lyzeums absolvierte sie eine Verlagslehre und war dann bis 1945 als Verlagskauffrau in Berlin tätig.

Danach arbeitete sie als Privatsekretärin des SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher bis zu dessen Tod 1952. Daneben leitete sie ab 1946 das Büro des SPD-Parteivorstandes in Berlin.

Familie


1938 heiratete sie Emil Ernst Renger, der 1944 fiel. Aus dieser Ehe stammte ihr 1998 verstorbener Sohn Rolf. Ab 1965 war Annemarie Renger dann in zweiter Ehe mit Aleksandar Loncarevic verheiratet, der 1973 verstarb. Seit 1965 lebt sie in Oberwinter.

Partei


Seit 1945 ist Annemarie Renger Mitglied der SPD. Bis 1973 war sie Mitglied im SPD-Bundesvorstand sowie im Präsidium der SPD. Von 1979 bis 1983 war sie Mitglied der Kontrollkommission der SPD. Renger gehörte neben Egon Franke zu den führenden Köpfen der so genannten „Kanalarbeiterriege“ in der SPD.

Bei der Bundespräsidentenwahl 1979 trat sie als Kandidatin der SPD an, unterlag aber mit 431 Stimmen dem Kandidaten der Unionsparteien Karl Carstens, der 528 Stimmen erhielt. Die 66 Vertreter der FDP in der Bundesversammlung hatten sich der Stimme enthalten.

Abgeordnete


1953 wurde sie in den Deutschen Bundestag gewählt. Von 1959 bis 1966 war sie außerdem Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates und der WEU.

Von 1969 bis 1972 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und damit die erste Frau, die in den engeren Fraktionsvorstand der SPD-Fraktion einzog.

Nachdem die SPD nach der Bundestagswahl 1972 erstmals die stärkste Fraktion stellte, wurde sie am 13. Dezember 1972 als erste Frau in das Amt des Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt. Gleichzeitig war sie auch Vorsitzende der „Unterkommission Haushalt“ und der „Kommission für Fragen der Besteuerung der Abgeordneten-Diäten“ des Ältestenrates des Bundestages und auch des Gemeinsamen Ausschusses nach Artikel 53a des Grundgesetzes. Nach der Bundestagswahl 1976 stellten wieder CDU und CSU die stärkste Fraktion und Annemarie Renger wurde von Karl Carstens abgelöst. Renger selbst wurde zur Vizepräsidentin des Bundestages gewählt. Dieses Amt bekleidete sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag im Dezember 1990 und war auch in dieser Zeit Vorsitzende diverser Kommissionen des Bundestags-Ältestenrates. Vom 24. Juni 1977 bis 1983 war Renger außerdem stv. Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages.

Gemeinsam mit 20 weiteren Fraktionskollegen (unter anderem Dieter Haack, Karl Ahrens, Hans Matthöfer und Egon Franke) vom rechten SPD-Flügel stimmte sie am 22. November 1983 dem Fraktionsantrag zum NATO-Doppelbeschluss im Bundestag nicht zu und löste damit eine schwere innere Krise bei den Sozialdemokraten aus.

Gesellschaftliches Engagement


Seit 1985 ist Renger Präsidentin des Arbeiter-Samariter-Bundes. Von 1987 bis 1998 war sie Aufsichtsratsvorsitzende der McDonald's Kinderhilfe. Von 1991 bis 1995 war sie Vorsitzende der „Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Deutschen Bundestages und des europäischen Parlaments e. V.“.

Sie ist Vorsitzende des Zentralverbandes demokratischer Widerstandskämpfer- und Verfolgungsorganisationen und Präsidentin der Kurt-Schumacher-Gesellschaft.

Ehrungen


Annemarie Renger wurde 1992 gemeinsam mit Hildegard Hamm-Brücher mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.

Veröffentlichungen


  • Sozialdemokratie und Parlament, in: Beiträge zu Einzelproblemen des "Entwurfs eines ökonomisch-politischen Orientierungsrahmens für die Jahre 1973-1985", Bonn-Bad Godesberg, 1973, Seiten 29 bis 37.
  • Parlamentarierinnen in den europäischen Versammlungen, in: Wolf Frühauf, Wissenschaft und Weltbild. Festschrift für Hertha Firnberg, Wien, 1975, Seiten 49 bis 56.
  • (mit Karl Carstens, Alfred Ollesch) Selbstverständnis. Der Bundestag im Spiegel dreier Debattenbeiträge, Bonn, 1977.
  • Die Konferenz der Europäischen Parlamentspräsidenten - Ursprung und Ziele, in: Heinz Rosenbauer, Volkmar Gabert, Parlamentarismus und Föderalismus. Festschrift für Rudolf Hanauer aus Anlaß seines 70. Geburtstages, München, 1978, Seiten 184 bis 189.
  • Berechtigte Kritik hält lebendig. Der Bundestag ist anpassungsfähig und reformbereit geblieben, in: Hartmut Klatt, Der Bundestag im Verfassungsgefüge der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, 1980, Seiten 141 bis 144.
  • Notwendigkeit und Formen einer parlamentarischen Planungsbegleitung, in: Jürgen Jekewitz, Michael Melzer, Wolfgang Zeh, Politik als gelebte Verfassung. Festschrift für Friedrich Schäfer, Opladen, 1980, Seiten 87 bis 92.
  • Fasziniert von Politik. Beiträge zu Zeit, Stuttgart, 1981.
  • Der zentrale Ort der Politik, in: Eckart Busch, Parlamentarische Demokratie. Festschrift für Helmut Schellknecht zum 65. Geburtstag, Heidelberg, 1984, Seiten 3 bis 8.
  • Eine faszinierende Aufgabe, in: Rupert Schick, Der Bundestagspräsident, 9. Auflage, Stuttgart, 1987, Seiten 117 bis 122.
  • Braucht der Staat des Grundgesetzes Elemente direkter Demokratie?, in: Philipp Jenninger, Unverdrossen für Europa. Festschrift für Kai-Uwe von Hassel zum 75. Geburtstag, Baden-Baden, 1988, Seiten 339 bis 345.
  • Vierzig Jahre Deutscher Bundestag. Erfahrungen und Maßstäbe, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 1989, Heft 37/38, Seiten 7 bis 12.
  • Ein politisches Leben. Erinnerungen, Stuttgart, 1993.

Weblinks


Deutscher | SPD-Mitglied | Frau | Bundestagspräsident (Deutschland) | Geboren 1919

 

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