Anna Lindh (* 19. Juni 1957 in Enskede bei Stockholm; † 11. September 2003 in Stockholm) war eine schwedische Politikerin.
Des Weiteren machte sie durch ihr beherztes Auftreten für israelisch überfallene palästinensische Flüchtlingslager sowie durch ihr Brandmarken des US-Krieges gegen den Irak als Völkerrechtsbruch von sich reden. Zuletzt setzte sie sich im Vorfeld eines Referendums für die Einführung des Euros in Schweden ein.
Bereits kurz nach dem Mord wurde der zu diesem Zeitpunkt 25-jährige Mijailo Mijailovic festgenommen, ein Schwede serbischer Abstammung (Untersuchungshaft seit 24. September 2003). Nach langem Leugnen der Tat gab er am 7. Januar 2004 zu, der Täter zu sein; genauere Angaben machte er bzw. sein Anwalt zunächst jedoch nicht. Ein politisches Motiv wird nunmehr - entgegen früheren Annahmen - allerdings nicht mehr vermutet. Zumindest aber wird Mijailovic von seinem Anwalt als geistig verwirrt dargestellt. Es wird behauptet er habe bereits vor dem Attentat um psychiatrische Hilfe nachgesucht, die ihm aber verwehrt worden sei. Mijailovic selbst behauptete, er habe Frau Lindh nicht töten wollen, innere Stimmen hätten ihm die Tat befohlen. Ein psychiatrisches Gutachten Mitte Januar 2004 bescheinigte ihm volle Schuldfähigkeit. Am 23. März 2004 wurde Mijailo Mijailovic vom Stockholmer Amtsgericht zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht erkannte keine mildernden Umstände an. Am 8. Juli 2004 hob das Stockholmer Oberlandesgericht in einem Berufungsverfahren das Urteil aus erster Instanz auf: Aufgrund seiner „schweren psychischen Probleme“ verfügte das Gericht die Einweisung des Mörders in eine geschlossene psychiatrische Anstalt.
Mittlerweile hat der Oberste Gerichtshof in Stockholm Anfang Dezember 2004 im dritten und letzten Prozess um den Mord endgültig sein Urteil gesprochen. Das Gericht stellte fest, Mijailo Mijailovic habe die Tat vorsätzlich begangen und mildernde Umstände lägen nicht vor. Der Angeklagte wird daher lebenslang inhaftiert.
17 Jahre nach dem Attentat auf Olof Palme war Anna Lindh eine weitere prominente Persönlichkeit der schwedischen Politik, die einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Im Gegensatz zur Ermordung Palmes war diesmal den Ermittlungsbehörden jedoch Erfolg beschieden. Der gewaltsame Tod der beliebten Politikerin führte in Schweden dazu, dass die Utopie einer "freien Gesellschaft", in der z.B. Politiker ein sehr bürgernahes Leben führen, zunehmend in Frage gestellt wurde. Eine erste direkte Folge war, dass die Anzahl der Politiker, die vom nationalen Sicherheitsdienst beschützt werden sollen, vergrößert wurde.
Mordfall | Frau | Schwede | Politiker (Schweden) | Reichstagsabgeordneter (Schweden) | Politiker (20. Jh.) | Geboren 1957 | Gestorben 2003
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