Als Anlautmutationen (auch Anfangsmutationen oder einfach Mutationen) werden phonologisch-morphologische Erscheinungen bezeichnet, bei denen der Anlaut eines Wortes in bestimmten Umgebungen verändert wird. Ursprünglich handelte es sich um rein phonologische Merkmale, die erst im Laufe der Sprachentwicklung (beim Wegfall der ererbten Wortendungen) vollständig grammatikalisiert wurden. Lenitionen beispielsweise traten als Schwächung von Konsonanten zwischen Vokalen (auch an Wortgrenzen) auf, und Nasalisierungen standen am Wortanfang nach Wörtern, die auf Nasale endeten. Die Anlautmutationen können somit als eine Art Sandhierscheinung aufgefasst werden, wobei die auslösende Ursache für den Sandhi nicht mehr erkennbar ist.
Sie bilden eines der wesentlichen Merkmale aller inselkeltischen Sprachen. Die festlandkeltischen Sprachen wiesen Anlautmutationen wahrscheinlich nicht oder nicht systematisch auf. Anlautmutationen sind außerdem aus dem Nivchischen, den Westatlantischen Sprachen (z.B. Fulfulde und Wolof) sowie dem südamerikanischen Guaraní bekannt.
Die Anlautmutationen bilden ein zentrales Element bei der Ausarbeitung eines Stammbaums für die keltischen Sprachen, da diese einerseits in allen inselkeltischen Sprachen auftreten, andererseits in den betreffenden Einzelsprachen sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Es wird daher meist davon ausgegangen, dass die auf die britischen Inseln gelangenden keltischen Sprachen zwar bereits eine starke Tendenz zu Anlautmutationen aufwiesen, diese jedoch noch nicht voll ausgeprägt waren. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Anzahl der verschiedenen Mutationsklassen, der phonologischen Auswirkungen dieser Mutationsklassen sowie des syntaktischen Kontexts, in dem die jeweiligen Mutationen auftreten.
In den goidelischen Sprachen werden jeweils zwei Mutationsklassen unterschieden, die Lenition und die Nasalisierung.
Die folgende Tabelle zeigt die Mutationen für das moderne Irische. Die linke Spalte zeigt den nicht mutierten Ausgangslaut (Radikal), die mittleren und rechten Spalten zeigen die mutierten Konsonanten, erst in der schriftlichen Form, dann in Lautumschrift. Die Aussprache palatalisierter Konsonanten ist nicht berücksichtigt.
Beispiele: galadh ("Baum") > i 'aladh ("der Baum"), gelaidh ("Bäume") > in gelaidh > i ngelaidh ("die Bäume") (Vgl. "Mutationen" im Sindarin-Lexikon).
Phonologie | Linguistische Morphologie
Souhlásková mutace | Consonant mutation | Mutation consonantique | Lenizione | 子音變化
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"Anlautmutation".
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