Anita Augspurg (* 22. September 1857 in Verden/Aller; † 20. Dezember 1943 in Zürich) war eine deutsche Juristin und Frauenrechtlerin der bürgerlich-radikalen Frauenbewegung.
Spätestens 1891 begann Augspurg, sich in der Frauenbewegung zu engagieren und übte sich als öffentliche Rednerin. Ihr Einsatz für Frauenrechte war auch der Grund, warum sie sich nach mehreren Jahren erfolgreicher Arbeit für ein Jurastudium entschied. Sie übersiedelte nach Zürich, weil Frauen in Deutschland noch keinen gleichberechtigten Zugang zu den Universitäten erhielten. Neben Rosa Luxemburg, zu der sie ein turbulentes Verhältnis hatte, zählte sie dort zu den Mitbegründerinnen des "Internationalen Studentinnenvereins". Sie schloss ihr Studium mit einer Doktorarbeit ab und war somit die erste promovierte Juristin des Deutschen Kaiserreichs.
Anita Augspurg engagierte sich um die Jahrhundertwende in Berlin für die Rechte der Frau im Bürgerlichen Gesetzbuch: Sie brachte gemeinsam mit ihren politischen Freundinnen Minna Cauer und Marie Raschke Petitionen zum neuen Ehe- und Familienrecht ein, die nur zum Teil Wirkung zeigten. Aufsehen erregte Augspurgs "offener Brief" von 1905, in dem sie wegen des damals geltenden patriarchalen Eherechts zur Eingehung "freier Ehen" unter Verweigerung der staatlichen Eheschließung aufrief. Dies wurde als Aufruf zum Eheboykott gedeutet und löste damals einen Sturm der Entrüstung aus.
Während dieser Zeit trennten sich die radikalen von den konservativen Frauenvereinen, die radikalen Frauen betrachteten das Frauenwahlrecht als vorrangiges Ziel. Augspurg und ihre Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann engagierten sich gemeinsam im Vorstand des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine. Sie gründeten erst in Hamburg (1902), später in Bayern (1913) einen Verein für das Frauenstimmrecht. Ab 1907 gab Anita Augspurg die Zeitschrift für Frauenstimmrecht heraus, ab 1919 die Zeitschrift "Die Frau im Staat", in der feministische, radikaldemokratische und pazifistische Positionen vertreten wurden.
Im 1. Weltkrieg nahmen Augspurg und Heymann an internationalen Frauen-Friedenskonferenzen teil und hielten illegale Versammlungen in ihrer Münchner Wohnung ab. Sie waren an der Gründung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF) beteiligt, Heymann wurde dort Vizepräsidentin. Aufgrund der gemeinsamen pazifistischen Überzeugung bot sich die Zusammenarbeit mit den inzwischen von der SPD getrennten Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) an, die früheren Differenzen mit den sozialistischen Frauen um Clara Zetkin verloren an Bedeutung. Anita Augspurg kooperierte mit Kurt Eisner und wurde nach der Proklamation der Bayerischen Republik 1918 in München Mitglied des provisorischen bayerischen Parlaments. Bei den bald folgenden Wahlen kandidierte sie auf Listen der sozialistischen USPD, erlangte aber kein Mandat.
1933 konnte Augspurg wegen der Machtübernahme der NSDAP nicht von einer Winterreise zurückkehren, weil sie auf der "schwarzen Liste" der zu liquidierenden Personen stand. Grund: Sie hatte bereits 1923 gemeinsam mit Heymann persönlich beim bayerischen Innenminister die Ausweisung des Österreichers Adolf Hitler wegen Volksverhetzung beantragt. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, ihre Aufzeichnungen gingen verloren. Sie lebte fortan gemeinsam mit Heymann im Schweizer Exil. Dort starb sie 1943 wenige Monate nach ihrer Lebensgefährtin.
Frau | Deutscher | Frauenrechtler | Geboren 1857 | Gestorben 1943
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