Anilin * (von
arabisch an-nil „Indigopflanze“) ist eine farblose, leicht ölige Flüssigkeit mit süßlichem Geruch, die an der Luft leicht bräunlich wird. Es handelt sich um einen
Benzolring mit einer
Aminogruppe (-NH
2) und damit um eine
aromatische Verbindung. Mit Säuren versetzt bildet es Anilinsalze. Die
basische Wirkung von Anilin wird durch den
mesomeren Effekt verringert, da dieser zu einer geringeren Elektronendichte am sonst Protonen aufnehmenden NH
2-Rest führt.
Geschichtliches
Anilin wurde
1826 von
Otto Unverdorben erstmals durch
Kalkdestillation aus
Indigo – einem blauen Farbstoff – hergestellt. Daher war es früher auch unter dem Namen
Blauöl bekannt. Seit
1897 wird Anilin von der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (
BASF) zur Synthese des vorher nur aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnenen Farbstoffs Indigo eingesetzt (
Heumann-Synthese). Schon vorher wurde Anilin in großem Maßstab hergestellt, etwa von der
Agfa (Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation) ab
1873. Ein bekannte Anwendung des Farbstoffes war
Anilinleder. Auch in der
Drucktechnik wurde Anilin verwendet, u.a. bekam der
Flexodruck den auch heute noch verwendeten Beinamen Anilindruck, da erst durch das Anilin eine gute Druckqualität erzeugt werden konnte.
Herstellung
In der Technik gewinnt man Anilin durch eine Reduktion von
Nitrobenzol mit
Eisen in Gegenwart von
Salzsäure:
4 C6H5NO2 + 9 Fe + 4 H2O ---HCl---> 4 C6H5NH2 + 3 Fe3O4
Nitrobenzol, Eisen und Wasser reagieren zu Anilin und Eisen(II,III)-Oxid
Anschließend wird mit Branntkalk (CaO) neutralisiert, und das Anilin zusammen mit dem Wasser abdestilliert.
Es gibt noch andere Verfahren, zum Beispiel die Ammonolyse von Chlorbenzol oder Phenol:
C6H5Cl + NH3
--> C
6H
5NH
2 + HCl
C6H5OH + NH3
--> C
6H
5NH
2 + H
2O
Verwendung
Es dient in der chemischen Industrie in erster Linie als
Ausgangsstoff für die Synthese von
Farben und
Kunstfasern, aber auch zur Herstellung von
Kautschuk und Medikamenten.
Giftigkeit von Anilin
Anilin ist ein blutveränderndes Gift, welches
Hämolyse auslösen kann und im Verdacht steht,
krebsverursachend (
karzinogen) zu sein. Da es ein Kontaktgift ist, kann es über die Haut aufgenommen werden.
Chemische Verbindung | Gift
Анилин | Anilin | Anilin | Aniline | Anilina | Aniline | Anilina | アニリン | Anilīns | Aniline | Anilina | Анилин | Anilín | Anilin | Анілін | 苯胺