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Die Angst (seit dem 8. Jahrhundert, von gemein-indogermanisch *anghu-, „beengend“ über althochdeutsch angust, urverwandt mit lateinisch angustia, „die Enge“ und angor, „das Würgen“) ist das Befürchten möglichen Leidens und bezeichnet somit eine Empfindungs- und Verhaltenssituation aus Ungewissheit, (körperlicher) Anspannung und Furcht, die durch eine eingetretene oder erwartete Bedrohung (z.B. Schmerz, Verlust, Tod) hervorgerufen wird. Die Angstsensitivität gibt an, wie sehr eine Person dazu neigt, Angst vor somatischen Angstreaktionen zu entwickeln.

Biologisch gesehen ist die Angst ein Stresszustand von starker Intensität als Antwort auf eine wahrgenommene Bedrohung, verbunden mit einem Gefühl körperlicher Spannung sowie starken Impulsen, der Situation zu entfliehen.

Ängstlichkeit ist dagegen eine persönliche Einstellung, bzw. Charaktereigenschaft (trait).

Symptome der Angst


Angst ist ein Gefühl, ein in die Zukunft gerichtetes Warnsignal, sie schützt vor Gefahr, dient der Selbsterhaltung. Ängste können ausgelöst werden durch bedrohliche, angsteinflößende Situationen oder Erwartungen, durch Personen, Aussagen, Orte oder Erinnerungen (z. B. Medienmeldungen über Lebensmittelskandale oder Katastrophen, aber auch körperliche Erkrankungen wie etwa eine Schilddrüsenfehlfunktion und seelische Störungen. Dies alles können Ursachen von überschießenden Angstgefühlen sein.).

Die körperlichen Symptome der Angst werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert.

Reaktionen, wenn Angst auftritt:

  • Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher
  • Erhöhte Muskelanspannung, Erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit
  • Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
  • Flachere und schnellere Atmung
  • Energiebereitstellung in Muskeln
  • Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl

Diese sinnvollen Reaktionen klingen nach Ende der bedrohlichen Situation relativ schnell wieder ab.

Historische Einordnung


In der psychologischen Literatur taucht der Begriff der Angst erst Anfang des 20. Jahrhunderts auf und bezeichnet zunächst, nach S. Freud, eine neurotisch übersteigerte Furcht (Angstneurose). Später wurde der Begriff allgemeiner verwendet. Manche Autoren trennen das subjektive Gefühl der Angst, bei der man u. U. nicht genau benennen kann, wovor man sich fürchtet, von der objektiv auf einen Gegenstand oder ein Ereignis bezogenen Furcht.

Das Wort „Angst“ gibt es auch im Englischen. Es bedeutet so viel wie Existenzangst. Sie sprechen von "angst-ridden" (von Angst geritten, im Sinne von beherrscht). Vermutlich wurde das Wort 1849 von George Eliot eingeführt.

Angst und Religion


Theologisch gesprochen ist Angst das Gegenteil von Glaube. In allen Religionen geht es um die Entmachtung der Angst, auch dort, wo die Götter selbst als furchteinflößend erscheinen. Durch Rituale und Opfer versuchte der Mensch von Urzeit an, ihm unheimliche Mächte zu beeinflussen und gnädig zu stimmen.

Die Epikureer strebten einen angstfreien Zustand an, indem sie zu zeigen versuchten, dass der Tod im Grunde den Menschen nichts angehe, weil er kein Ereignis des Lebens sei. Die Angst vor den Göttern sollte dadurch entmachtet werden, dass man für die Auffassung argumentierte, dass die Götter in einer abgetrennten Sphäre existierten und sich für die Sterblichen nicht interessierten.

Im Buddhismus besteht die "Erleuchtung" darin, das Ich und sein vielfältiges Begehren als unheilvolle und leidverursachende Illusion aufzudecken. Der Erleuchtete müsse nicht mehr aus der Angst um sich selbst leben, weil er erkannt habe, dass sein individuelles Selbst nur eine Täuschung sei: Er sei vom Ich befreit.

Der christliche Glaube versteht sich ursprünglich als liebende Gemeinschaft mit einem allmächtigen Gott, der in Jesus von Nazaret Bruder und Freund der Menschen geworden ist. Wer Anteil habe am bedingungslosen Gottesverhältnis Jesu, kann sich nach Aussage der neutestamentlichen Briefe angstfrei fühlen: er stehe nicht mehr unter der Macht der Angst vor wankelmütigen Göttern oder um sich selbst, sondern werde durch den Glauben befreit ("erlöst"). Im frühchristlichen Sonntagsgottesdienst war es darum ausdrücklich verboten, zu knien, um auszudrücken, dass der Christ Gott angstfrei auf Augenhöhe begegnen kann. Im Gegensatz dazu ist in der weiteren Geschichte des Christentums der Begriff der Ehrfurcht oft missverstanden worden. Vor der Reformation herrschte beispielsweise eine allgemeine Jenseitsangst unter den Menschen, die Erwartung einer neuen Sintflut war weitverbreitet. Insofern war die Frage Martin Luthers nach dem "gnädigen Gott" in seiner Zeit eine existentielle. Auch der Hexenwahn kann als Ausdruck von kollektiven Ängsten betrachtet werden. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein sahen in Deutschland Katecheten beider Konfessionen die Drohung mit der Hölle als adäquates erzieherisches Mittel an.

Ekklesiogene Neurosen und psychotische Wahnvorstellungen hängen oft mit angstbesetzten religiösen Vorstellungen zusammen.

Auf die Zusammenhänge zwischen Angst auf der einen und Religion, Politik, Sicherheitsdenken und Individuum auf der anderen Seite spielt Christoph Schlingensief mit dem von ihm begründeten Projekt Church of Fear an.

Bekannte Angststörungen


siehe auch:

Literatur


Angst

  • Sören Kierkegaard, Der Begriff Angst, Reclam 1992, ISBN 3150087929
  • Rost, Detlef H.; Schermer, Franz J.: "Leistungsängstlichkeit". In Rost, Detlef H. (Hrsg.): "Handbuch der Pädagogische Psychologie". Weinheim 1998, 2001, ISBN 3-621-27491-X.
  • Harro Albrecht, Cornelia Stolze: Fehlalarm im Mandelkern. In: DIE ZEIT 29.12.2005 Nr.1 – (Über Panikattacken - Phobien und die gestörte Biochemie im Hirn. Besonders schön die Abbildung von Karl Wesker, die das Gehirn von der Wahrnehmung eines Schattens bis hin zur Meldung "Fehlalarm" erklärt.)
  • Borwin Bandelow: Das Angstbuch. Woher Ängste kommen und wie man sie bekämpfen kann. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2006. ISBN 3-499-61949-0

Angst und christlicher Glaube

  • Peter Knauer: Unseren Glauben verstehen, Würzburg, 6. Auflage, 2001.
  • Monika Renz: Zeugnisse Sterbender: Todesnähe als Wandlung und letzte Reifung. 3. Aufl. Junfermann, Paderborn, 2005. ISBN 3-87387-622-1
  • Monika Renz: Zwischen Urangst und Urvertrauen: Therapie früher Störungen über Musik-, Symbol- und spirituelle Erfahrungen. Junfermann, Paderborn, 1996. ISBN 3-87387-263-3

Weitere Buchtitel

Siehe auch


Weblinks


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