Anglo-Irish_Treaty_signatures.gif | Anglo-Irish Treaty Griffith annotated2.gif Der Anglo-Irische Vertrag aus dem Jahr 1921 zwischen der britischen Regierung und Abgesandten der republikanischen Führung in Irland beendete den anglo-irischen Krieg und besiegelte die Entstehung des irischen Freistaates. Mit der Ratifizierung wurden fünf Sechstel von Irland - der Freistaat - zu einem eigenständigen Herrschaftsgebiet innerhalb des British Empire, während die anderen 6 Grafschaften unter dem Namen Nordirland beim United Kingdom verblieben. Der Vertrag wurde am 6. Dezember 1921 in London von Repräsentanten der britischen Regierung und Generalbevollmächtigten der Irischen Republik unterzeichnet. Die Ratifikation dieses Vertrags war der Hauptgrund des Ausbruchs des irischen Bürgerkriegs.
(Robert Erskine Childers, Autor des Buches Riddle of the Sand, und ehemaliges Mitglied des britischen Unterhauses fungierte als ein Sekretär der irischen Delegation.)
Das Second Dáil (2. gewählte irische Parlament) ratifizierte den Vertrag formal im Dezember 1921. Das House of Commons of Southern Ireland (Unterhaus von Südirland), das aus nahezu den gleichen Personen bestand, aber aus Sicht der Briten das Parlament war, das dem Vertrag in erster Linie zustimmen musste, ratifizierte ihn im Januar 1922. De Valera trat als Präsident daraufhin zurück. Sein Nachfolger wurde Arthur Griffith. Michael Collins gründete, wie im Vertrag festgelegt, eine provisorische irische Regierung (Provisional Government of Ireland), die dem Unterhaus von Südirland unterstellt war. Im Dezember 1922 erlangte die neue irische Konstitution durch das Third Dáil Gesetzeskraft.
Vertragsgegner, allen voran Eamon de Valera, starteten während dieses Prozesses eine Kampagne gegen das Inkrafttreten, die zum irischen Bürgerkrieg führte. 1922 starben zwei der unterzeichnenden Hauptpersonen: Präsident Griffith starb - vermutlich aufgrund nicht endender Streitereien - an Herzversagen; Michael Collins wurde im August ermordet. Bei der Unterzeichnung des Vertrages mutmaßte Collins bereits, dass er neben dem Vertrag auch sein Todesurteil unterzeichnet. William T. Cosgrave war der Nachfolger beider Männer.
Der Bezug im Vertrag auf die Monarchie, die Befehlsgewalt sowie den übergeordneten gesetzlichen Status des Vertrags wurde erst 1932 aufgrund des Statuts von Westminster aus der irischen Konstitution gestrichen.
Knapp 30 Jahre vorher hatte Michael Collins vorhergesagt, dass der Vertrag "die Freiheit schaffen würde, Freiheit in Irland zu erlangen" ("give the freedom to achieve freedom"). Selbst Eamon de Valera erkannte später die Wahrheit in diesen Worten, was sowohl durch seine Taten in den 1930er Jahren als auch in seinen Beschreibungen über die Erhaltung der Unabhängigkeit in den 1920er Jahren durch seine damaligen Gegner deutlich wurde. "Sie waren großartig" ("They were magnificent") sagte er seinem Sohn 1932 kurz nach dem Beitritt zur Regierung und nachdem er die hinterlassene Texte von Cosgraves Parteisitzungen der Cumann na nGaedhael gelesen hatte.
Heute stimmen die meisten Iren, einschließlich de Valeras Partei Fianna Fáil, darin überein, dass es ein Fehler war, gegen den Vertrag zu kämpfen, da er unter den damaligen Umständen wohl das beste erreichte.
Obwohl die britische Regierung dieser Zeit bereits seit 1914 Home Rule, d.h. autonome Selbstverwaltung für die ganze irische Insel angestrebt hatte, glaubte das britische Parlament, dass eine komplette Unabhängigkeit Irlands 1921 zu einem Massaker an Katholiken in Ulster durch ihre stark bewaffneten protestantischen "Nachbarn" geführt hätte. Obwohl Unionisten im ganzen Land lebten, konzentrierten sie sich doch sehr stark im Nordosten. Ein Aufstand von ihnen gegen die "Home Rule" wäre einer Revolte gegen das "Mutterland", und somit quasi einem Bürgerkrieg, gleichgekommen. Den Status eines Herrschaftsgebietes für 26, mit der Abspaltung der übrigen 6 Grafschaften schien zur damaligen Zeit der beste Weg zu sein.
Faktisch war der Herrschaftsstatus, den auch Kanada, Neuseeland und Australien erhielten, weit mehr als die Zugeständnisse des ersten "Home Rule"-Vertrages aus dem Jahr 1914 und mit Sicherheit auch besser als die "Home Rule", die im 19. Jahrhundert Charles Stewart Parnell angeboten wurde.
Noch beachtlicher sind die Zugeständnisse, wenn man sich den Zustand der IRA zum Zeitpunkt des Waffenstillstandes ansieht. Die IRA hatte nur noch wenige Waffen und Munition. Als Collins erstmals vom vorgeschlagenen Waffenstillstand Mitte 1921 (siehe auch: Anglo-Irischer Krieg) erfuhr, dachte er, dass die Briten verrückt seien. Die Briten waren, obwohl sie niemals auf die Idee kamen, nur Wochen oder Tage von der Zerschlagung der IRA entfernt.
Eamon de Valera wurde einst gefragt, was sein größter Fehler war. Er antwortete: "Den Vertrag nicht zu akzeptieren".
Weitere Verträge zwischen Großbritannien und Irland:
Dieser Text basiert auf einer Übersetzung des Artikels Anglo-Irish Treaty aus der englischen Wikipedia, Version vom 9. Juli 2005.
Anglo-Irish Treaty | Tratado Anglo-Irlandés | Conradh Angla-Éireannach | 英愛条約 | 영국-아일랜드 조약 | Anglo-Iers verdrag | Traktat (Irlandia) | Tratado Anglo-Irlandês
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