Der Anglo-Irische Krieg (auch als Irischer Unabhängigkeitskrieg bekannt) dauerte von Januar 1919 bis Juli 1921. Er wurde von der Irisch Republikanischen Armee (IRA) in einer Art Guerilla-Kampf gegen die britische Regierung in Irland geführt.
Die IRA, die in diesem Konflikt gekämpft hat, wird oft als „Alte IRA“ (Old IRA) bezeichnet, um sie von den späteren Gruppen (mit anderen Gesinnungen) abzuheben, die den gleichen Namen verwendeten.
Am 21. Januar tötete eine Gruppe Freiwilliger der IRA unter Dan Breen zwei Mitglieder der Royal Irish Constabulary (neben der Dublin Metropolitan Police die zweite Polizeikraft in Irland), als diese sich weigerten, den von ihnen in Soloheadbeg (Grafschaft Tipperary) bewachten Sprengstoff zu übergeben.
Dies stellt allgemein angenommen den Beginn des Unabhängigkeitskrieges dar, obwohl die Männer bei dem Überfall eigenständig und nicht auf offiziellen Befehl der IRA handelten. Süd-Tipperary wurde daraufhin drei Tage später unter Kriegsrecht gestellt. Am Tag der Schießerei versammelte sich das First Dáil im Mansion House in Dublin, wo es die Oster-Proklamation ratifizierte. Die Easter Proclamation ist das Schriftstück zur Erklärung der irischen Unabhängigkeit, das Patrick Pearse 1916 beim Beginn des Ostaufstandes verlas. Das Dáil forderte den Abzug der britischen Militär-Garnisonen und rief die „freien Nationen der Welt“ dazu auf die Unabhängigkeit Irlands anzuerkennen.
Arthur Griffith meinte, dass die britischen Truppen in den ersten 18 Monaten des Konflikts über 38.000 Angriffe auf Privathäuser durchführten, 4.982 Verdächtige verhafteten, 1.604 bewaffnete Anschläge begingen, 102 Orte brandschatzten und 77 unbewaffnete Republikaner oder Zivilisten töteten. Griffith war verantwortlich für die Einführung der Gerichte der „Dáil courts“, einem gerichtlichen System parallel zu den britischen Gerichten. Die Dáil Courts sollten diese ablösen, sobald die moralische Unterstützung und die territoriale Kontrolle der IRA wuchs.
Das Hauptziel der IRA während des Konflikts war die überwiegend katholische Polizeigruppe der Royal Irish Constabulary (RIC), die als die Augen und Ohren der britischen Regierung in Irland galt. Deren (9.700) Mitglieder und (1.500) Kasernen (vor allem die abgelegeneren) waren anfällig und eine willkommene Quelle der benötigten Waffen. Die Politik der Ausgrenzung der RIC wurde vom Dáil unterstützt und erwies sich als erfolgreich. Je länger der Krieg dauerte, desto mehr demoralisiert wurde die RIC und desto mehr Menschen wandten sich von ihr ab. Die Austrittszahlen der RIC stiegen dramatisch an; Rekrutierungen nahmen stark ab. Oftmals mussten sie sogar mit vorgehaltener Waffe Essen kaufen, da ihnen Geschäfte teilweise nichts mehr verkaufen wollten. Einige RIC-Leute kooperierten auch insgeheim mit der IRA, sei es aus Furcht oder Sympathie, und verschafften diesen wertvolle Informationen. 165 Mitglieder der Royal Irish Constabulary wurden während des Kriegs getötet, 251 verwundet.
Obwohl die IRA durch den Übertritt der Irish Volunteers auf dem Papier mehr als 100.000 Mitglieder hatte, schätzt Michael Collins die Zahl der aktiven Mitglieder auf lediglich 15.000. Es gab auch unterstützende Organisationen für die IRA – die Frauengruppe Cumann na mBan sowie die Kinderbewegung Fianna Eireann, die Waffen und Informationen überbrachten sowie sich um Essen und Unterkünfte kümmerten.
Die IRA wurde durch die breitgefächerte Hilfe von einem Großteil der irischen Bevölkerung unterstützt, die sich weigerten Informationen an die Royal Irish Constabulary oder das britische Militär zu geben und die oft „sichere Unterkünfte“ und Proviant für vorbeiziehende IRA-Einheiten bereitstellten. Ein Großteil der Popularität der IRA war dem unbarmherzigen Vorgehen der britischen Truppen zuzuschreiben. Die (inoffizielle) Politik der Regierung bzgl. der Vergeltungsmaßnahmen begann im September 1919 in Fermoy (Grafschaft Cork), wo 200 britische Soldaten die Hauptgeschäfte des Ortes ausplünderten und niederbrannten, nachdem einer von ihnen, nach der Weigerung seine Waffen an die örtliche IRA abzugeben, getötet wurde. Aktionen wie diese wiederholten sich in Limerick und Balbriggan und erhöhten die örtliche Unterstützung der IRA sowie die internationale Unterstützung für die irische Unabhängigkeit.
Im April brachen, nach diversen Überfällen der IRA, die Steuereinnahmen vollständig zusammen. Die Menschen wurden dazu ermutigt Collins' „National Load“ (nationales Darlehen) zu unterstützen, und Gelder für die „neue“ Regierung und deren Armee zu sammeln.
Außerhalb Dublins war Cork die Stadt der heftigsten Kämpfe. Viele „Taktiken“, die bald in ganz Irland angewandt wurden, stammten aus Cork, z.B. die Zerstörung von Häusern oder die Ermordung von prominenten Republikanern aus Rache für IRA-Angriffe. Im März 1920 wurde der Bürgermeister von Cork und Sinn Féin Mitglied Thomas Mac Curtain zuhause vor den Augen seiner Frau von Männern mit schwarz angemalten Gesichtern, erschossen. Diese Männer wurden später beobachtet, wie sie in die örtlichen Polizei-Kasernen zurückkehrten. Sein Nachfolger, Terence MacSwiney, starb bei einem Hungerstreik im Brixton-Gefängnis in London.
Im November 1920 exekutierte Collins' „Squad“ 19 britische Agenten (bekannt als die „Kairo Gang“), die darauf angesetzt waren, Collins und andere wichtige Führer zu töten. Im Gegenzug fuhren die Auxiliaries mit gepanzerten Fahrzeugen in den Croke Park, Dublins wichtigstes Stadion, und feuerten wahllos in die Menge. 14 unbewaffnete Menschen wurden getötet, 65 verwundet. Später am Tag wurden drei republikanische Gefangene erschossen, als sie angeblich fliehen wollten. Dieser Tag ging als Blutsonntag in die Geschichte ein. Heute erinnert der Hogan Stand (Hogan-Tribüne) im Croke Park, an den Spieler Michael Hogan aus Tipperary, der an diesem Tag getötet wurde.
In Cork wurden von der IRA erstmals die „flying columns“ eingesetzt: mobile Einheiten, bestehend aus ca. 100 Mann, die bei verheerenden Hinterhalten zuschlugen und sich dann in die umgebende Landschaft zurückzogen, die sie weitaus besser kannten als die britischen Soldaten. Einige Regimenter der britischen Armee hatten den Ruf unbewaffnete Gefangene zu töten. Das Essex Regiment war eines davon. Im November 1920, nur eine Woche nach dem Blutsonntag in Dublin, lockte die West-Cork-Einheit der IRA unter Tom Barry eine Auxiliaries-Patrouille bei Kilmicheal in einen Hinterhalt und tötete alle 18 Soldaten. Es wird vermutet, dass einige Soldaten nach ihrer Kapitulation erschossen wurden. Dieser Überfall führte dazu, dass die ganze Provinz Munster unter das Kriegsrecht gestellt wurde.
Die folgenden acht Monate bis zum Waffenstillstand im Juli 1921 sahen eine Spirale der Gewalt: 1.000 Tote (300 Polizisten/Soldaten und 700 Zivilisten oder freiwillige Helfer der IRA) zwischen Januar und Juli 1921. Zusätzlich wurden in dieser Zeit 4.500 IRA-Mitglieder (oder verdächtige Sympathisanten) verhaftet. Im Mai 1921 eroberten IRA-Einheit das Custom House (Sitz der Regierung) in Dublin und brannten es nieder. Dies war ein symbolischer Versuch zu zeigen, dass die britische Herrschaft in Irland nicht haltbar sei. Aus militärischer Sicht war es ein Fiasko: fünf IRA-Mitglieder wurden getötet und acht verhaftet. Dies zeigte erneut, dass die IRA nicht genug ausgebildet und ausgestattet war um es auf konventionellem Wege mit britischen Einheiten aufzunehmen. Bis zum Juli 1921 herrschte bei den meisten IRA-Einheiten ein drastischer Mangel an Waffen und Munition. Trotz aller Effektivität beim Guerilla-Kampf war die IRA, wie sich der militante IRA Offizier Ernie O'Malley später erinnerte, „nie in der Lage die Briten aus etwas größerem zu vertreiben, als eine mittelgroße Polizeistation“. Kurz vor dem Waffenstillstand waren viele republikanische Führer, inklusive Michael Collins, davon überzeugt, dass bei einem andauernden Krieg die bestehende IRA zerschlagen werden könnte. Daher wurden Pläne geschmiedet, den Krieg nach England zu bringen. Es wurde beschlossen Schlüsselstellen der Ökonomie, z.B. die Liverpooler Docks zu bombardieren. Die Einheiten, die mit diesen Missionen betreut werden sollten, könnten der Gefangenschaft leichter entkommen, denn England stand nicht unter dem Kriegsrecht und es war unwahrscheinlich, dass die Öffentlichkeit dies akzeptieren würde. Der Waffenstillstand verhinderte aber das Ausführen dieser Pläne.
Die Gegenseite (vor allem Desmond FitzGerald und Erskine Childers) veröffentlichte zu Propaganda-Zwecken das Irish Bulletin, die „offizielle“ Zeitung der irischen Republik, mit detaillierten Beschreibungen von Gräueltaten der britischen Regierung, die die irischen und britischen Zeitungen nicht abdrucken wollten oder konnten. Die (wöchentliche) Zeitung wurde im Geheimen gedruckt und in ganz Irland, an internationale Presseagenturen sowie an Anhänger unter den amerikanischen, europäischen und britischen Politikern verteilt.
Die Ansprache verfehlte ihre Wirkung nicht. Den Moment ausnutzend schlug Lloyd George vor, Gespräche mit Éamon de Valera im Juli 1921 anzustreben. Die Iren, unsicher über das Ausmaß der Rede, da sie doch offensichtlich nicht der Meinung der ganzen Regierung entsprach, sahen darin aber immerhin den guten Willen des Königs, von Smuts und Lloyd George. Widerstrebend stimmten sie den Gesprächen zu. De Valera und Lloyd George stimmte im Endeffekt einem Waffenstillstand zu, der die Kampfhandlungen beenden und den Grundstein für detaillierte Verhandlungen legen sollte. Diese Verhandlungen wurden für einige Monate aufgeschoben, denn die britische Regierung bestand darauf, dass die IRA zuerst ihre Waffen abgeben müsse. Doch diese Forderung wurde letztendlich fallen gelassen. Es wurde vereinbart, dass die britischen Truppen vorerst in ihren Kasernen verblieben.
Die Friedensgespräche mündeten letztendlich in den Anglo-irischen Vertrag, der dreifach ratifiziert wurde: Durch das Dáil Éireann im Dezember 1921 (durch die es die Legitimität im irischen Regierungssystem erlangte), durch das „Britische Unterhaus in Südirland“ im Januar 1922 (durch das es die konstitutionelle Legitimität der – in britischen Augen – richtigen Regierung in Irland erlangte) sowie durch beide Häuser des britischen Parlaments.
Der Vertrag erlaubte Nordirland, das 1920 durch den Government of Ireland Act geschaffen wurde, aus dem Freistaat Irland auszutreten, was es auch umgehend tat. Wie festgehalten wurde eine „Grenz-Kommission“ (Boundary Commission) eingesetzt, die über den genauen Verlauf der Grenze zwischen dem Freistaat und Nordirland entscheiden sollte.
Für den erschaffenen irischen Freistaat wurde auch eine neues Regierungssystem eingeführt, obwohl im ersten Jahr zwei Regierungen nebeneinander existierten: ein Kabinett (Aireacht) unter Leitung von President Arthur Griffith musste sich gegenüber dem Dáil Éireann (Unterhaus) verantworten sowie eine provisorische Regierung, die sich gegenüber dem „britischen Unterhaus in Südirland“ verantworten musste.
Aus diesem Anglo-Irischen Vertrag heraus entwickelte sich der irische Bürgerkrieg.
Dieser Text basiert auf einer Übersetzung des Artikels Anglo-Irish_War aus der englischen Wikipedia, Stand: 7. Juli 2005; letztmalig abgeglichen am 29. Juli 2005
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