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Anglizismus lässt sich unterschiedlich gebrauchen:

  1. für Wörter und Wendungen, die aus dem Englischen in andere Sprachen übernommen wurden und als solche noch erkennbar sind
  2. für Wörter und Wendungen, die aus dem Englischen stammen, auch wenn man es ihnen heute nicht mehr ansieht
  3. für alle sprachlichen Formen, für die das Englische Modell gestanden hat

Formen


  • Wortentlehnungen: Übernahme englischer Lexeme, die dann unterschiedlich stark an das Laut-, Schreib- und Grammatiksystem der aufnehmenden Sprache angepasst werden (vgl. dt. Mehrzahl Computer = angepasst vs. Mehrzahl Songs oder Kids = unangepasst). Eine scharfe Abgrenzung zwischen (angepasstem) Lehnwort und (unangepasstem) Fremdwort gibt es nicht.

  • Lehnübersetzungen: Eins-zu-eins-Übersetzungen der Bestandteile des fremden Wortes, z. B. brainwashing > Gehirnwäsche; oder der fremden Satzkonstruktion (Lehnsyntax), z. B.: „wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“ nach “we apologize for the inconvenience” statt der ursprünglichen Bitte um Entschuldigung: „wir bitten, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“; oder auch in jüngerer Zeit „Sinn machen“ anstelle von „(einen) Sinn ergeben“ bzw. (häufiger) „sinnvoll sein“ , von engl. “to make sense”. Oder, schon länger im Gebrauch, „einmal mehr“ statt „(schon) wieder einmal“ oder einfach nur „wieder“.

  • Lehnübertragungen: Übersetzung der Idee hinter der Bildung des fremden Wortes, z. B. skyscraper > Wolkenkratzer (nicht Himmelskratzer, wie es bei einer Lehnübersetzung zu erwarten wäre).

  • Lehnbedeutungen: Übernahme des Bedeutungsspektrums des fremden Wortes, von dem Teilbedeutungen bereits bei einem deutschen Wort zu finden sind, z. B. dt. „realisieren“ im Sinne von „etw. verwirklichen + etw. bemerken“ nach engl. realize „etw. verwirklichen, etw. bemerken“ bzw. „sich einer Tatsache bewusst sein“ (keine sinnliche Wahrnehmung, im Gegensatz zu to notice).

Bemerkenswert sind als Sonderfall Begriffe, die falsch verstanden werden können, wenn man sie nicht ins Deutsche übersetzt (z. B. weil der englische Begriff im Deutschen bereits eine abweichende Bedeutung hat): the design, bezogen auf ein technisches System (Maschine, Schiff, elektronische Schaltung, Software) bedeutet „der Entwurf“ (durch einen Ingenieur) und nicht etwa „das Design“ (durch einen Designer) (vgl. Falscher Freund). Auch bezeichnet to control meist nicht „kontrollieren“, sondern „steuern/regeln“.

Liste von ausgewählten häufigen Anglizismen


Anglizismus Bedeutung
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Bodyguard Leibwächter (hier hat der Anglizismus das deutsche Wort besonders in der Presse fast ganz verdrängt)
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cool unklar definierter jugendsprachlicher Begriff, laut DUDEN-Herkunftswörterbuch für eine Person, die als „ruhig, überlegen, kaltschnäuzig“ bezeichnet werden soll; im Jazz meist mit der Bedeutung „sich nicht reinsteigern, ruhig agieren“
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„Directory“ meist wird ein Unterverzeichnis/Ordner in der Dateistruktur eines Computers damit bezeichnet. Engl. directory steht eigentlich für jegliche Arten von Verzeichnissen, z. B. auch für Adress- und Telefonbücher.
„DNA“ DNS (Verwendung des englischen anstelle des deutschen Akronyms für „Desoxyribonukleinsäure“)
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Drink Getränk
„etwas erinnern“ im Deutschen wird normalerweise die reflexive Konstruktion „sich an etwas erinnern“ verwendet (von remember something)
„jemanden feuern“ jemanden entlassen, jemandem/jemanden kündigen (von to fire sb.)
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„File“ „Das File“ wird meist im Sinne von „die Datei“ (auf einem Computer) verwendet. Tatsächlich ist engl. file ein Aktenordner oder gar eine Feile; eine Datei wäre auf Englisch eigentlich ein data file.
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„Graswurzel“ z. B. in „Graswurzel-Demokratie“ (direkte Übernahme aus dem Englischen: grass-roots democracy) im Sinne von Basisdemokratie
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„Hearing“ Anhörung
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„in 2003“ 2003, im Jahre 2003
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Kid(s) Kinder (meist nur im Plural gebräuchlich)
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„Kidnapping“ Entführung (von engl. to kidnap = ein Kind entführen). Eigentlich bezeichnet der englische Begriff eine Kindesentführung (kid = engl. ugs. für „Kind“), es wird aber für jede Art von Entführung von Personen, Tieren oder Gegenständen verwendet
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„Kollaboration“ Zusammenarbeit (von engl. collaboration). Dieser Anglizismus ist besonders prekär, da im Deutschen das Wort „Kollaboration“ stets negativ gemeint ist, d. h. in der Bedeutung „mit dem Feind zusammenarbeiten“ bzw. „Landesverrat begehen“
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„etwas kommunizieren“ etwas mitteilen (von to communicate something; im Deutschen wird „kommunizieren“ nur intransitiv verwendet)
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Link Verknüpfung, Verbindung zu etwas anderem; vor allem zu anderen Internetseiten
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Meeting Besprechung
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„Motherboard“ Hauptplatine (meist eines Computers)
„Mittlerer Osten“ Naher Osten (von Middle East, siehe Naher Osten)
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Party Fest, wobei der Anglizismus auch den dafür in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig gebrauchten Begriff „Fête“ (aus dem Französischen) ersetzt hat
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Peak Höhepunkt, Spitze in einem Diagramm, zum Beispiel bei der Gaschromatographie
„Mein Punkt ist“ Mein Argument ist; Meine Idee ist (von to make a point); mir geht es um ...
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„etwas realisieren“ ist ein Anglizismus, wenn es im Sinne von „etwas bemerken“ (to realize, to realise) gebraucht wird (im Deutschen nur als „etwas in die Tat umsetzen“ verwendet)
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Recycling Wiederverwendung, Wiederverwertung (seltener verwendet: „Rezyklierung“)
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„shoppen“ einkaufen (jedoch nicht im Supermarkt), von shopping
„Sinn machen“ sinnvoll sein oder Sinn haben/ergeben (von to make sense)
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„Sorry!“ „Entschuldigung!“
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Tape Tonband(-kassette), Klebeband (insbes. als Verbandsmaterial)
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Ticket Eintrittskarte, Fahrkarte, Flugschein, Strafzettel
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Team Gruppe, Kollektiv, Arbeitsgemeinschaft, Mannschaft
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Tool Werkzeug (meistens wird mit „Tool“ ein Dienstprogramm bezeichnet)
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Trend Tendenz, erkennbare Entwicklung in eine bestimmte Richtung
„Westbank“ Westjordanland
„nicht wirklich“ „eigentlich nicht“ oder schlicht: „nicht“ (von not really)

Übersetzungsfehler


Viele der heute gebräuchlichen Anglizismen sind durch die deutsche Synchronisation meist US-amerikanischer Filme entstanden. Da die Lippenbewegungen zu dem gesprochenen Text möglichst gut passen sollen, wurden, zusammen mit mangelnder Kenntnis der deutschen Sprache, Konstrukte wie „macht Sinn“ verbreitet. Diese Art von Anglizismen wird auch als „Synchrondeutsch“ bezeichnet.

Einen Sonderfall stellt die – häufig falsche – Übersetzung von engl. the same mit „der/die/dasselbe(n)“ dar. Je nach Satzzusammenhang müsste die korrekte deutsche Übersetzung entweder „der/die/dasselbe“ (they work in the same company = „Sie arbeiten im selben Unternehmen“) oder „der/die/das gleiche“ lauten (they have the same trees here = „Es gibt hier die gleichen Bäume“).

Siehe auch


Literatur


  • Csaba Földes, „Deutsch und Englisch: Ein Sprachnotstand? Befunde und Anmerkungen“, in: Rudolf Hoberg (Hrsg.), Deutsch – Englisch – Europäisch. Impulse für eine neue Sprachpolitik, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag 2002, S. 341–367, ISBN 3-411-71781-5
  • Dieter E. Zimmer, „Neuanglodeutsch“, in: Ders., Deutsch und anders. Die Sprache im Modernisierungsfieber, Hamburg 1998, S. 7–104 ISBN 3-499-60525-2
  • Manfred Görlach, Dictionary of European Anglicisms, Oxford 2001.

Weblinks


Sprache | Transkulturation

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