Die Anglikanische Kirchengemeinschaft oder Anglikanische Kommunion (englisch Anglican Communion; von lat.: anglicanus = englisch) ist eine weltweite christliche Kirchengemeinschaft, die in ihrer Tradition evangelische und katholische Glaubenselemente vereinigt, wobei die katholische Tradition in der Liturgie und im Sakramentsverständnis (insbesondere dem Amtsverständnis) etwas vorherrscht und die evangelische in der Theologie. Im Selbstverständnis sehen sich die Anglikanischen Landeskirchen als Teile der Einen, Heiligen, Katholischen (= allgemeinen), und Apostolischen Kirche, die sich der Tradition und Theologie der englischen (und z. T. schottischen) Reformation(en) verpflichtet haben. Jedoch versteht die Anglikanische Kirche ihre "Reformation" nicht als einen Bruch mit der vorreformatorischen Kirche, sondern als notwendige Reform der katholischen Kirche der britischen Inseln. Damit ist die Anglikanische Kirche sowohl katholische Kirche als auch reformatorische Kirche, die allerdings seit der Reformation eine bewusst eigenständige christlich-anglikanische Tradition und Theologie entwickelt hat. Sie hat ca. 80.000.000 MitgliederSiehe http://www.anglicansonline.org/basics/index.html. Weltweit besteht die Kirchengemeinschaft aus rund 385 Diözesen.
Die Anglikanische Kirchengemeinschaft besteht aus 38 selbständigen Landeskirchen bzw. Provinzen. Neben der Church of England sind diese beispielsweise die Anglican Church of Canada, die Episcopal Church in the USA, und die Church of South India. Für eine vollständige Liste aller Mitglieder der Gemeinschaft, siehe Liste der anglikanischen Kirchen. Die Provinzen bzw. Landeskirchen, denen jeweils ein Primas ('primate') vorsteht, bestehen aus mehreren Bistümern.
Die Anglikanische Kirche ist, nach der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen, die drittgrößte christliche Kirche. Weltweit gibt es etwa 80 Millionen Christen in der Anglikanischen Kommunion, davon etwa 42 Millionen in Großbritannien und Nordirland. Sie ist besonders in englischsprachigen Gebieten und in Gebieten des Commonwealth of Nations vertreten.
Darüber hinaus gibt es vereinzelt Menschen, die eine in der anglikanischen Tradition stehende Kirche besuchen, die jedoch nicht zur Anglikanischen Gemeinschaft gehören (u. a. die so genannten Anglican continuing churches), da sie die Kommunion mit der Gemeinschaft abgebrochen haben. Solche Kirchen sollten nicht (und wollen auch nicht) als Kirchen der anglikanischen Gemeinschaft gezählt werden.
Jeder anglikanischen Kirche steht ein Primas vor. Dieser kann der Bischof eines bestimmten Sitzes sein, so wie für England in Canterbury, ist aber für gewöhnlich nicht daran gebunden, sondern wird auf der Provinzsynode gewählt. In den meisten Fällen trägt er den Titel eines Erzbischofs. Oft ist seine Amtszeit beschränkt. In der Episcopal Church in the USA heisst der Primas Presiding Bishop.
Die anglikanische Kirchengemeinschaft sieht sich in der Apostolischen Sukzession stehend an Siehe Sukzessionsliste der anglikanschen Bischofe. Dieser Anspruch wird sowohl von der orthodoxen als auch von der altkatholischen Kirche anerkannt, nicht jedoch von der Römisch-katholischen Kirche (siehe Apostolicae Curae).
Der Diözesanbischof besitzt meistens eine Kathedrale, an welcher es den Kathedralklerus gibt. Diese unterstehen dem Dean (Dekan) oder Provost (Propst) und können sich ggf. in Residenzkanoniker, Honorarkanoniker (Praebendare) und Niedere Kanoniker unterteilen.
Der Diözesanklerus besteht aus Priestern, die entsprechend der Gemeinde, in der sie tätig sind, in Pfarrer, Hilfspfarrer und Vikare aufgeteilt werden, sowie aus Diakonen. Mehrere Pfarrkirchen sind in Dekanaten zusammengefasst. Besonders große Diözesen sind zudem noch in Erzdekanate unterteilt. Ihre Leiter nennen sich Archdeacon (Erzdekan bzw. Archidiakon) und sind manchmal mit den Suffraganbischöfen identisch. Diese Erzdekanate entsprechen den Regionen in großen römisch-katholischen Diözesen.
Um in die Reihen des Klerus der Anglikanischen Kirche aufgenommen zu werden, bewirbt man sich beim Bischof einer Diözese. Dieser wird diese Bewerbung an ein Gremium (Selection Conference) weiterleiten, welches den Bewerber auf seine Eignung im Geistlichen, Geistigen, Gesundheitlichen und Familiären prüft. Ist dies geschehen, so sendet es ein Gutachten an den jeweiligen Bischof, in welchem es den Bewerber empfiehlt, bedingt empfiehlt oder ablehnt. Zugleich macht es auch Vorschläge zur Ausbildung, welche von einem normalen Hochschulstudium bis zu regionalen Kursen reichen. Hat der Bewerber die Zustimmung des Bischofs erhalten, so untersteht er fortan einem Diözesandirektor für die Ausbildung, mit welchem er sich in allen Bereichen seines Lebens auseinanderzusetzen hat, da er zum Schluss des Studiums ein Zeugnis zu dessen Eignung abgeben muss. Ist dieses positiv ausgefallen, so steht der Weihe des Bewerbers, oder der Bewerberin, nichts mehr im Wege.
1980 wurde durch eine Union der Diözese von Gibraltar und der Jurisdiktion of North and Central Europe (FULHAM) die Diözese von Europa ("Diocese Gibraltar in Europe") gegründet, die seither für die Gemeinden in Europa außerhalb Großbritanniens und Irlands zuständig ist. Parallel stärkte die US-Kirche die Autonomie der europäischen Pfarreien durch die Struktur der Convocation of American Churches in Europe, eine bistumsähnliche Organisation mit einem Suffraganbischof, der ursprünglich vom Presiding Bishop ernannt wurde, und mit der Wahl des jetzigen Amtsinhabers, Pierre Whalon, erstmals durch Klerus und Volk der Convocation gewählt wurde.
In Deutschland gibt es 33 anglikanische Gemeinden, davon 22 Standortpfarreien. Für Skandinavien und Deutschland ist Archdeacon "Venerable" Mark Oakley mit Wohnsitz in Kopenhagen zuständig. Die anglikanische Kirche in der Schweiz gehört ebenfalls zur Diözese von Europa. Sie hat acht Standortpfarreien in größeren Städten und einige weitere Gemeinden, die von dort betreut werden. Darüber hinaus gibt es in Genf eine Pfarrei der US-Episkopalkirche. Außerdem gibt es eine einzige ordentliche anglikanische Gemeinde in Österreich, die sich in Wien befindet; von dort aus werden so genannte Satellitengemeinden in Innsbruck sowie in Klagenfurt betreut.
Seit 1999 existiert eine Arbeitsgemeinschaft der Anglikanisch-Episkopalischen Kirchen in Deutschland (CAECG), die gemeinsam ihre Missionstätigkeit in Deutschland koordinieren. Gemeinden der Church of England existieren in Berlin, Freiburg im Breisgau, Düsseldorf, Bonn/Köln, Hamburg, Stuttgart und Leipzig. Gemeinden der Episcopal Church in the USA (ECUSA) existieren in Frankfurt am Main, München, und Wiesbaden; dazu kommen Missionen in Augsburg, Baden-Baden, Ingolstadt, Karlsruhe und Nürnberg. Die Verbreitung ist mit der Ausnahme der englischen Gemeinden in Freiburg und Leipzig und die Mission in Baden-Baden nahezu identisch mit der ehemaligen britischen beziehungsweise US-amerikanischen Besatzungszone in Deutschland.
In der anglikanischen Lehre gibt es ein weites Spektrum zwischen der High Church (Anglo-Katholizismus), die in Liturgie und Lehre den anderen katholischen Kirchen nahe steht, und der Low Church, die dem Protestantismus, insbesondere dem Calvinismus nahe steht.
Theologisch sind innerhalb der anglikanischen Kirche sehr liberale wie auch streng evangelikale und konservativ anglo-katholische Richtungen vertreten.
Dieses sehr weite Meinungsspektrum wird teilweise als Stärke der Anglikaner betrachtet, die somit ein weites Spektrum des heutigen Christentums ohne Kirchenspaltung in einer Kirche umfassen können. Teilweise wird aber auch kritisiert, dass die Kirche so für nichts mehr steht und der Beliebigkeit zu viel Raum gibt.
Die Bistümer in England waren in zwei Kirchenprovinzen aufgeteilt, die von York und von Canterbury. Als unter Heinrich VIII. Streitigkeiten 1534 zwischen dem englischen Thron und dem Papst in Rom über die Rechtmäßigkeit der königlichen Ehen aufkamen, erklärten die Bischöfe Englands, dass sie in Heinrich, und nicht im Papst, das Oberhaupt der englischen Kirche sahen, womit sich die englische Kirche von Rom lossagte. So ergab es sich, dass in den Kirchenprovinzen von York und Canterbury im 16. Jahrhundert Ideen der Reformation in der Praxis umgesetzt werden konnten.
Unter Heinrich VIII. änderte sich für die englische Kirche zunächst sehr wenig. Der Gebrauch der lateinischen Sprache wurde zugunsten der englischen aufgegeben. Mit Edward VI. wurde jedoch das erste Book of Common Prayer am Pfingstfest 1549 eingeführt, unter maßgeblicher Arbeit von Thomas Cranmer, Erzbischof von Canterbury. Damit wurde auch eine Tradition eingeleitet, nachder sich der Anglikanismus vorrangig durch eine episkopale Kirchenordnung und eine einheitliche gottesdienstliche Praxis definiert.
Nach einer kurzen Zwischenepisode unter der römisch-katholischen Monarchin Maria I., setzte sich die Reformbewegung der englischen Kirche unter Elisabeth I. und den ersten beiden Stuart-Königen fort. Es entwickelte sich ein sich vertiefender Streit zwischen Puritanern, die eine stärker reformiert orientierte Theologie verfolgten, und Theologen wie Lancelot Andrewes, die eine katholischere Position einnahmen. Dieser Streit verursachte unter Anderem den englischen Bürgerkrieg. Nach der Restauration der Stuarts, unter Karl II. wurden diese Streitigkeiten mit einem neuen Book of Common Prayer (1661) beigelegt. Dies ist auch heute noch die offizielle Version, die in England neben dem Book of Alternative Services Anwendung findet.
Nach der amerikanischen Revolution bildete sich auch in den USA eine weitere anglikanische Kirche, die nunmehr auch neben der nichtetablierten episkopalen Kirche Schottlands existierte. Es folgten auch in anderen Ländern weitere Kirchen, die aber alle zusammen im sog. Anglikanischen Kommunion eine Kirchengemeinschaft pflegen.
Im 19. Jahrhundert, unter dem Einfluß der romantischen Bewegung, fand eine neue Hinwendung zu liturgischer Tradition statt. Diese Bewegung fand ihren Ausgang in Oxford und wurde unterstützt von John Henry Newman. Siehe auch Anglokatholizismus, High Church, Low Church.
In der 2. Hälfte des 20. Jhts. fand in vielen anglikanischen Kirchen eine liturgische Reformbewegung statt, die zu neuen Books of Common Prayer führten, die enger an altkirchlichen Liturgien angelehnt waren, jedoch eine modernere Sprache und Theologie enthielten. Parallel dazu wurde die Priesterschaft auch für Frauen geöffnet. Seit den späten 80er Jahren wurden auch die ersten Bischöfinnen in apostolischer Nachfolge geweiht.
Uneinigkeit über die Zulassung von Frauen zu den Weihen führte im späten 20. Jahrhundert zu Kontroversen innerhalb der Anglikanischen Kirche. Zwar haben sich manche konservativere Bischöfe, Priester und Gläubige wegen dieses Themas abgespalten oder sind deswegen zur römisch-katholischen oder zur orthodoxen Kirche übergetreten, aber diese Entwicklung hat den Anglikanismus andererseits für andere Menschen wiederum attraktiver gemacht, die aus diesem Grund von den anderen beiden (nicht-römischen) katholischen Konfessionen übergetreten sind, sowie für Anglikaner, die sonst der Kirche aufgrund der von ihnen empfundenen Ungerechtigkeit den Rücken gekehrt hätten.
Die Anglikanische Kommunion kennt als allgemein verbindliche Regelungen nur solche, die im Lambeth-Quadrilateral enthalten sind. Da dieses Dokument die Frage der Frauenordination nicht anspricht, gibt es keine verbindliche Regelung dieser Frage, die für alle Gliedkirchen gelten würde. So gibt es Kirchenprovinzen ohne jegliche Frauenordination, doch auch andere mit Zulassung nur zur Diakonenweihe, nur zu Diakonat und Priestertum und andere mit Zulassung zu Diakonat, Priestertum und Bischofsamt.
Die Entscheidungen vieler anglikanischen Kirchen, Frauen zu weihen, hat die Beziehungen zur Orthodoxen und römisch-katholischen Kirche verschlechtert. Mit der orthodoxen Kirche war die Frage ein maßgeblicher Faktor bei der Ablehnung einer Abendmahlsgemeinschaft; auch Kardinal Walter Kasper, der Leiter der Präsident des päpstlichen Einheitsrats drohte im Juni 2006 mit dem Abbruch ökumenischer Gespräche für den Fall, dass die Church of England Bischöfinnen weihen würde. Demgegenüber begrüssen viele protestantische Kirchen in der westlichen Welt die Zulassung der Frauenordination in der Anglikanischen Kirche.
Die erste anglikanische Priesterin war Li Tim-Oi, die 1944 in Hong Kong geweiht wurde--allerdings war dies eine Einzelmaßnahme, die durch Kriegszustände bedingt war. Nach dem Kriegsende ließ sie ihre priesterliche Funktionen ruhenSiehe http://www.anglicanjournal.com/128/04/canada08.html. Erst in den 1970er Jahren wurden die ersten Frauen als Regelfall geweiht, in den Kirchen der USA, Kanada und Neuseeland. Die erste anglikanische Bischöfin war Barbara Clementine Harris, die 1989 zu Suffraganbischöfin der Episcopal Diocese of Massachusetts geweiht wurdeSiehe http://anglicanjournal.com/128/10/world07.html. Die erste Bischöfin, die als Diözesanbischöfin amtierte (1990-2004), war Penny Jamieson im Bistum Dunedin in Neuseeland. Am 18. Juni 2006 wurde Katharine Jefferts Schori als Presiding Bishop an die Spitze der Episkopalkirche in den USA gewählt und wird somit die erste Frau, die als Primas einer anglikanischen Kirche dientSiehe http://www.virtueonline.org/portal/modules/news/article.php?storyid=4296. Die Generalsynode der Church of England hat in York die Zulassung von Frauen zum Bischofsamt mehrheitlich für "theologisch gerechtfertigt" gehalten; während der Antrag bei den Bischöfen und dem Klerus die notwendige 2/3 Mehrheit erhielt, verfehlte er bei den Laien mit 5 Stimmen die 2/3 Mehrheit. Eine Arbeitsgruppe soll nun eine entsprechende Kirchengesetzgebung auf den Weg bringen.//www.epd.de/index_43726.html http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml?xml=/news/2006/07/09/nsynod09.xml&sSheet=/news/2006/07/09/ixuknews.html
Da Robinson seine Beziehungen zu seinem gleichgeschlechtlichen Partner nicht verheimlicht, wurde mit seiner Weihe erneut ersichtlich, dass es zum Thema Homosexualität innerhalb der Anglikanischen Kommunion Meinungsverschiedenheiten gibt, obwohl dies bereits auf der Lambeth-Konferenzen der Jahren 1988 und 1998 deutlich war. Konservative Geistliche und Mitglieder (vor allem aus Asien und Afrika, aber auch aus der American Anglican Council) sehen diesen Schritt als unvereinbar mit der bislang vertretenen Lehre der Kirche und als Bruch der Kommunion. Die Befürworter der Weihe (vor allem aus Nordamerika, Europa, Neuseeland und Südafrika) betonen einerseits die anglikanische Tradition, dass die Ortskirche ihre Angelegenheiten vor Ort regeln darf, andererseits vertreten sie die Auffassung, dass homosexuelle und heterosexuelle Christen gleich würdig sind, Leitungsämter der Kirche auszufüllen.
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