Angers ist eine Stadt im Westen
Frankreichs und Hauptstadt des
Départements
Maine-et-Loire in der
Region Pays de la Loire. Sie liegt am Fluss
Maine, in der Nähe vom Zusammenfluss von Maine und
Loire, und war die alte Hauptstadt von
Anjou. Angers liegt im Mittel 20 m über dem Meeresspiegel, die Gemeindefläche beträgt 4.270 ha.
Geschichte
Die Gegend von Angers ist seit der Steinzeit besiedelt. Auf dem Gebiet des späteren Schlosses hat man ein Steinmonument (Cairn) des Neolithikums entdeckt. Seit etwa dem 5. Jh. v. Chr. siedelten die
keltischen Andes hier, nach denen das Anjou benannt ist. Sie errichteten ein Oppidum (frühstädtische Siedlung), das nach der Eroberung Galliens durch die Römer nach
50 v. Chr. Juliomagus (Marktplatz des Julius (Caesar)) benannt und zum Verwaltungszentrum der Andecaves bestimmt wurde. Bei Ausgrabungen wurden die Thermen der Stadt und einige weitere Gebäude aus der Römerzeit freigelegt. Nach den ersten Barbareninvasionen ab
275 erhielt die Stadt zum Schutz eine Mauer, die eine Fläche von etwa 9 ha umschloss.
372 wurde Angers erstmals als Bistum genannt. Im 6. Jh. wurde in der Stadt auf Initiative des Heiligen Germanus von Paris ein Kloster errichtet: Saint-Aubin, dem im 7. Jh. ein weiteres, Saint-Serge, folgte.
851 erhielt die Stadt eine Burg, die allerdings die Angriffe der Normannen der Folgezeit nicht verhindern konnte. Um
929 nimmt Fulko den Titel eines Grafen von Anjou an, Angers wird Sitz der Grafschaft seines Herrscherhauses, das in der französischen Geschichte eine bedeutende Rolle spielte. Um 1175 wurde das Krankenhaus Saint-Jean durch König
Heinrich II. gegründet. In den Jahren
1232-
1242 erfolgt eder Bau des Schlosses durch
Blanche von Kastilien und
Ludwig IX..
1373-
1380 entstand der Wandteppich "Apocalypse". Eine der bedeutendsten Vertreter der Dynastie Anjou war
René I., Herzog von
Anjou, Graf der
Provence und König von
Neapel und
Sizilien (
1409-
480).
1598 bereitete
Heinrich IV in Angers das
Friedensedikt vor, das in
Nantes unterzeichnet wurde.
1793 geriet Angers in die Auseinandersetzungen des
Aufstands der Vendée. Im Zeitalter der
Industrialisierung entstanden im 19. Jh. u.a. die Webereien Bessonneau. Im Jahre
1850 marschierten Soldaten im Gleichschritt über die Hängebrücke von Angers, die in Schwingungen geriet und einstürzte (
Resonanzkatastrophe). In den Jahren
1957-
1966 kreierte Jean Lurçat den Wandteppich "Der Gesang der Welt", der heute im alten Krankenhaus Saint-Jean ausgestellt ist. Seit
2001 ist Jean-Claude Antonini Bürgermeister der Stadt.
Bevölkerung
- Bevölkerungszahl: 157.000 Einwohner in der Stadt
- Agglomerationsraum: 31 Kommunen, insgesamt 270.000 Einwohner
- Bevölkerungsdichte: 3.311 Einwohner/km²
- Beschäftigungsstruktur:
- Arbeiter: 11,7%
- Angestellte: 13,4%
- Handwerker, Händler, Betriebsleiter: 2,4%
- Beschäftigte in der Landwirtschaft: 0,2%
- Rentner: 15%
- Andere, ohne Anstellung: 42,5%
- 90.000 beruflich Aktive im Agglomerationsraum, entspricht einer Beschäftigungrate von 53,9%
Stand 2005, Quelle: http://www.angers.fr
Wirtschaft
die wichtigsten Arbeitgeber:
- Universitätsklinik: 4.500 Beschäftigte,
- Angers Stadt und Agglomeration: 3.353 Beschäftigte,
- Thomson Multimédia: 1.350 Beschäftigte,
- Nec Computer International: 1000 Beschäftigte,
- Valéo: 1000 Beschäftigte,
- Bosch France: 900 Beschäftigte,
- Scania: 700 Beschäftigte
jedes Jahr werden in Angers produziert:
- 1,2 Millionen Personalcomputer,
- 800.000 Fernsehgeräte (Thomson)
- 9.500 LKW (Scania)
- 12 Millionen Flaschen Cointreau
- 6 Millionen de Fahrzeugbremsen (Bosch)
- 3,5 Millionen Scheinwerfer (Valéo)
- 30.000 Tonnen Schiefer...
Stand 2005, Quelle: http://www.angers.fr
Tourismus
Angers - Maison d'Adam-2003.jpg
Die Altstadt geört zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Beherbergungsbetriebe in Angers:
insgesamt 1.900 Zimmer, davon :
- 19 Zimmer mit vier **** (Relais et Châteaux),
- 340 Zimmer mit drei ***,
- 900 Zimmer mit zwei **,
- 6 Campingplätze,
- 2 Jugendherbergen
Stand 2005, Quelle: http://www.angers.fr
Museen in Angers
Angers_Schloss.jpg
Château du Roi René:
Das Schloss von Angers findet seinen Ursprung im
11. Jahrhundert als die
Grafen von
Anjou ihr Palais an dieser Stelle errichteten. Im
13. Jahrhundert wurde es fertiggestellt und war Teil der Stadtmauer. Von aussen ähnelt es eher einer Festung mit seinen 17 Türmen, die bis auf den Mühlenturm alle gestutzt wurden. Eine architektonische Besonderheit sind die Baumaterialien :
Tuffstein (weiß) und
Schiefer (schwarz). Damit zeigt sich, dass Angers an der Grenze des
Pariser Becken und des Armoricanischen Massif liegt.
Ein besonderes Kunstwerk ist dort ausgestellt : die
Wandteppiche, die die
Apocalypse, von Sankt Johannes erzählt, darstellen. Diese wurden im
14. Jahrhundert gewebt und sind ein einzigartiges Beispiel für die Wandteppichkunst des Mittelalters.
Musée Jean Lurçat:
Im Gebäude des Krankenhauses Saint-Jean aus dem 12. Jahrhundert werden die zeitgenössischen Wandteppiche (1957-1966) von Jean Lurçat ausgestellt. Er hat dieses Werk "Chant du monde" genannt. Sie soll die Apocalypse der Neuzeit (Atombombe) darstellen. Es gibt auch Sonderausstellungen von jungen Kreateuren der Wandteppichkunst.
Musée des Beaux-arts:
Das Kunstmuseum wurde im Jahre 2004 nach fünfjährigen Bauarbeiten wieder eröffnet. Nach umfassender Renovierung und Vergrößerung beinhaltet das Gebäude nun zwei feste Ausstellungen auf 3.000 m². Die Ausstellung Beaux-arts zeigt Bilder und Skulpturen vom 14. bis zum 21. Jahrhundert. In Histoire d'Angers werden archäologische Funde präsentiert und die Geschichte der Stadt beschrieben. Jeder Raum stellt eine Epoche oder eine künstlerische Bewegung dar. Ca. 20% der Kunstobjekte werden gezeigt (350 Werke). Es finden auch temporäre Ausstellungen statt, die eher der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmet sind (z.B. Niki de Saint-Phalle - 1930-2002, Neuer Realismus).
Das Gebäude ist das ehemalige Logis oder auch Stadthaus der Familie Barrault, erbaut im 15. Jahrhundert. Es beherbergt das Museum der Künste seit 200 Jahren. Die Sammlung des Museums ist vielfältig und aus Spenden, Hinterlassungen und Käufen entstanden.
Galerie David d'Angers:
Die Abteikirche Toussaint (13. Jahrhundert) beinhaltet zahlreiche Werke des Bildhauers David d'Angers (1788-1856), die er an seine Heimatstadt vermacht hat; aus seiner Schaffensperiode von 1806 bis zu seinem Tod.
Dieses Gebäude wurde seit der Französischen Revolution vernachlässigt. In den 80er Jahren wird die Kirche restauriert und mit einem Glasdach versehen. Das Museum wurde vom damaligen President der Republik, François Mitterrand, 1984 eingeweiht.
Die Kirche und ihr Klostergang integrieren sich in das Ensemble des Museums der "Schönen Künste" und seinen Park. Im Klostergang Toussaint finden im Sommer oft Konzerte statt.
Musée Pincé:
In dem Renaissance-Gebäude (1530-1535) werden Gegenstände aus griechischer und römischer Antike, sowie ägyptische, japanische und chinesische Kunstobjekte präsentiert.
Musée-Château de Villevêque:
Im Schloss von Villevêque werden 900 Kunstobjekte aus Mittelalter und Renaissance ausgestellt.
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Natur und Freizeit in Angers
Die Insel Saint-Aubin liegt 3 km vom Stadtzentrum entfernt, zwischen den Flüssen Mayenne und Sarthe. Sie besteht aus Flusssedimenten und bietet eine reichhaltige Flora und Fauna. Neben der Weidewirtschaft dient sie vor allem der Naherholung. Man kann die Insel vom Festland über ein kleine Fähre erreichen und zu Fuss oder mit dem Rad erkunden. 10 km Wege stehen dafür bereit.
Das Naherholungsgebiet Lac de Maine umfasst 220 ha Fläche, davon 100 ha Gewässer. Es werden zahlreiche Freizeitaktivitäten angeboten, darunter Windsurfen, Segeln, Kanufahren, Tretbootfahren, Schwimmen, Tennis und Orientierungsläufe. Direkt am See liegt eine Jugendherberge (150 Betten) sowie ein Campingplatz (vier ****, geöffnet von März bis Oktober).
Flusstourismus: Von Angers aus kann man 300 km schiffbare Gewässer erreichen, die Flüsse Loire, Maine, Sarthe und Mayenne. Der Abschnitt der Loire von Sully-sur-Loire bis Chalonnes-sur-Loire wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der Binnenhafen von Angers bietet sich als Ausgangspunkt an, man kann dort Haus- und Ausflugsboote mieten.
Verkehr
Die Stadt ist durch Eisenbahnverbindungen (Bahnhof St. Laud mit TGV-Halt) und Autobahnen mit den Städten
Nantes,
Le Mans und
Tours verbunden. 20 km nordöstlich, in Marcé besteht ein Flughafen mit Auslandsflugverkehr. Der Nahverkehr wir durch mehrere Buslinien organisiert; eine
Straßenbahn ist für 2009 vorgesehen.
Söhne und Töchter der Stadt
- Pierre Jean David d'Angers, Bildhauer
- Hervé Bazin, Schriftsteller
- René Bazin, Schriftsteller und Professor der Rechte
- Antoine-Joseph-Eulalie de Beaumont-Autichamp, General
- Jean Thérèse Louis de Beaumont-Autichamp, General
- Jean Bodin, Staatsphilosoph und Hexentheoretiker
- Eugène Chevreul, Chemiker und der Begründer der modernen Theorie der Pigmente
- Henri Dutilleux, Komponist
- Daniel Gélin, Schauspieler
- Natalis Pinot, Priester und Märtyrer
- Joseph-Louis Proust, Chemiker
- René I., Titularkönig von Neapel und Jerusalem, Herzog von Lothringen und Graf der Provence
Städtepartnerschaft
Weblinks
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