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Andy Warhol, Geburtsname Andrew Warhola, (* 6. August 1928 in Pittsburgh; † 22. Februar 1987 in New York, NY) war ein US-amerikanischer Künstler, Filmemacher, Verleger sowie Mitbegründer und bedeutender Vertreter des amerikanischen Pop-Art.

Leben


Kindheit und Ausbildung

Warhol war der jüngste von drei Söhnen einer armen Bauernfamilie. Seine Eltern Ondrej (Andrew) Warhola (1888-1942) und Julia Justyna Warhola, geborene Zavacky (1892-1972), waren ruthenische US-Immigranten aus dem Dorf Miková bei Medzilaborce (Karpaten) im Norden der Slowakei.

Andy Warhol kokettierte gern mit seinem Geburtsdatum und „verjüngte“ sich gelegentlich auf den Jahrgang 1930, manchmal sogar auf 1933, weshalb in Biografien oft unterschiedlichste Angaben zu finden sind; er bekannte sich jedoch zu seinem Geburtsort Pittsburgh.

Im Alter von 8 Jahren erlitt Warhol eine Art Nervenzusammenbruch, gepaart mit einer seltenen Pigmentstörung, so dass man ihn lange für einen Albino hielt. Das bettlägerige Kind entwickelte schnell eine Leidenschaft für Comics, Fernsehserien und Kinofilme, begann zu zeichnen und Papierfiguren auszuschneiden. In dieser Zeit entstand eine intensive Bindung Warhols zu seiner Mutter Julia.

1945 studierte Warhol Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of Technology, der heutigen Carnegie Mellon University, und machte seinen Abschluss in Malerei und Design. Nach Ende des Studiums zog er mit seinem Kommilitonen, dem Künstler Philip Pearlstein, nach New York.

Anfänge und Entwicklung des Siebdrucks (bis Ende der 1960er)

Anfang der 50er lebte Warhol quasi „von der Hand in den Mund”, machte Gelegenheitsjobs als Grafiker bei Werbeagenturen oder verkaufte Obst und Gemüse auf der Straße. In dieser Zeit entwickelte er seine Technik des drop and dripping, einer Methode, die seine späteren Siebdrucke vorwegnahm: Mit Tinte und Tusche gezeichnetete Motive von Engeln, Putten, Schmetterlingen oder Katzen wurden mit einem Blatt Löschpapier kopiert und auf ein neues Blatt übertragen. So entstanden in Zusammenarbeit mit der Designerin Suzie Frankfurt vielfältige geistreiche Beiträge für Zeitschriften, Magazine, Grußkarten und Werbegeschenke sowie humorvolle Kochbücher („Wild Raspberries”, 1959). Auf sogenannten "Colouring Partys" lud er Freunde und Gäste ein, welche dazu beitrugen, seine Arbeiten farbig auszumalen (was bereits auf die spätere serielle „fabrikartige” Produktionsweise seiner Werke und Filme durch Mitarbeiter hindeutet).

1952 hatte er seine erste wichtige Einzelausstellung und stellte 1956 im Museum of Modern Art in New York aus.

Obwohl Warhol als Werbegrafiker überaus erfolgreich war, wählte er dennoch bald den künstlerischen Weg und suchte neue Ideen für seine Bilder auf Leinwand und fixierte sich hierbei auf triviale Sujets; Hollywoodstars, Comic- und Cartoon-Motive, wie Micky Maus, Popeye oder Superman, welche er anfangs per Hand und später mittels Siebdruck anfertigte und vervielfältigte. Mit diesen der Werbeszene entnommenen Abbildungen distanzierte er sich bewusst vom Abstrakten Expressionismus eines Cy Twombly oder den Action Paintings eines Jackson Pollock. Resigniert musste er allerdings bald feststellen, das sein Künsterkollege Roy Lichtenstein das Terrain bereits mit ähnlichen Motiven bestritt. Kurzerhand konzipierte Warhol mit seinem Talent zur Improvisation eine Schaufensterkollektion aus den "abgelegten" Werken für das Kaufhaus Bonwitt Teller in der New Yorker 5th Avenue.

Anfang der 1960er, machte er sich mit dem Siebdruck vertraut und begann intensiv Bilder aus Flugblättern, Kinoheften, Zeitschriften wie Life oder dem Time-Magazine auszuschneiden und zu sammeln, um sie für seine Bilder zu verwenden. Eines der bekanntesten Werke aus dieser Zeit dürfte wohl die Abbildung eines Kinostandbildes aus dem Film Niagara mit Marilyn Monroe sein, das Warhol über Jahre hinweg in unzähligen Variationen verarbeitete. Unzählige „Elvise”, „James Deans” und „Liz Taylors” sollten folgen. Diese Arbeiten wurden teilweise nur auf Anweisung Warhols von seinem jungen Mitarbeiter, dem Künstler Gerard Malanga angefertigt. Überdies kolportierte er die Beerdigung John F. Kennedys in einer Bildserie. Warhol verwendete alles, was er irgendwie als "glamourös" oder zumindest für interessant befand oder reflektierte in seinen Bildern und Objekten Konsum- und Supermarktartikel.

Bereits zu diesem Zeitpunkt fixierte sich Andy Warhol zunehmend auf seine zweite Leidenschaft: Den Film. Mittels einer billigen Bolex-Kleinfilmkamera begann er Mitte der 1960er sporadisch Aufnahmen von Besuchern, Künstlerfreunden und anderen Prominenten (z.B. Mick Jagger, Bob Dylan, Marcel Duchamp und Salvador Dali) seines stets offenen Ateliers und Studios, der Factory, zu machen.

Zusammen mit seinem Assistenten Malanga, dem Fotografen Billy Name und anderen Protagonisten drehte Warhol unzählige Filme in Massenproduktion. Sein erster wirklicher „Superstar” war das junge Nachwuchstalent und Modell Edie Sedgwick, mit der er sich, teilweise in gleicher Aufmachung (silbern gefärbte Haare) ständig in der Öffentlichkeit zeigte. Warhols erste Filme waren zunächst stumm, in schwarz-weiß gehalten, ohne plausible Handlung und meistens monotone und serielle Belichtungen von Menschen mit teilweise belanglosen Ereignissen (Screenshots auch als Screentests betitelt). Gegen Ende der 1960er setzte Warhol vermehrt auf das Filmgeschäft und drehte mittlerweile in Farbe und in Spielfilmlänge. Er fungierte allerdings nur noch als Produzent, während er die Regie zunehmend seinem Mitarbeiter Paul Morrissey überließ. Überdies versuchte er sich mit der Rockgruppe Velvet Underground als Musikproduzent und evozierte öffentliches Aufsehen mit der Band durch diverse Multimedia-Happenings wie das Exploding Plastic Inevitable.

Attentat und die Zeit danach

Nach einem Attentat durch die radikale Frauenrechtlerin Valerie Solanas am 3. Juni 1968, bei dem Warhol durch zahlreiche Schusswunden lebensgefährlich verletzt wurde und längere Krankenhausaufenthalte verbringen musste, änderte sich sowohl sein offener Umgang mit den Factorymitarbeitern und -besuchern als auch das Werk des Künstlers: Er konzentrierte sich wieder verstärkt auf seine Bilder und Siebdrucke und vermarktete später sogar die beim Solanas-Attentat zerschossenen Arbeiten („Elvis Lives”, „Shot Marilyn”).

Warhols Atelier wurde seit dem Attentat von Kameras überwacht; das Geschäftliche überließ er indes zunehmend seinen Angestellten. So setzte er alsbald den jungen Aufsteiger Frederick „Fred” Hughes in den Führungsstab seiner Kunstmaschinerie, während sich Morrissey weiterhin um die Filmproduktion kümmerte. Narzisstisch wie Warhol gewesen sein mag, ließ er seine Schussverletzungen von dem amerikanischen Starfotografen Richard Avedon ablichten. Die Factory verwandelte sich letztlich von der angesagten „Szenelocation” in ein normales Bürohaus. Die Mitarbeiter der ersten Stunden, Gerard Malanga und Billy Name verschwanden nach Unstimmigkeiten aus der Factory. Nachdem durch das Attentat sein eigenes „Partyrefugium” zerstört worden war, stürzte sich Warhol selbst in den frühen 70ern zunehmend in die Partyszene und zählte bald zu den Stammgästen des Studio 54, einer der damals meistfrequentierten Diskotheken New Yorks. 1972 starb seine geliebte Mutter Julia; ein erneuter Anlass für den Künstler sich, in einer Siebdruck-Serie mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen (die Vanitas-Serien „Skulls”, „Shadows” etc.).

Mit den fortschreitenden 70ern begann Warhol (in seinem Sinne) aus Kunst schließlich Kommerz zu produzieren: Er porträtierte wie am Fließband jeden, der ihm das entsprechende Honorar bezahlte. Er bemalte Fahrzeuge von Autofirmen wie BMW oder Mercedes Benz und war stets gern gesehener Gast in Video- und TV-Produktionen. Seine (meist prominenten und zahlungskräftigen) „Kunden” lichtete er in seinen Sessions (Sitzungen) mit der Polaroidkamera ab, die er anschließend zur Belichtung der Druckschablonen für seine Siebdrucke gab. Zunehmend konzentrierte er sich überdies auf die Kolportage, machte unendliche Tonbandaufnahmen und lichtete hemmungs- und wahllos Stars und Sternchen der New Yorker Szene für seine Zeitschrift Interview ab. Gern und schonungslos kompromittierten er und seine Mitarbeiter ihre oft alkoholisierten oder drogenberauschten „Interviewpartner” mit den Artikeln und Fotografien ihrer Zeitschrift.

In den 80ern arbeitete Warhol mit befreundeten Künstlern, wie Keith Haring, Jean-Michel Basquiat oder Francesco Clemente zusammen. In dieser Phase entstanden einige gemeinsame Gemälde; jeder Künstler arbeitete hierbei in seiner eigenen Technik.

Eine seiner letzten großformatigen Arbeiten sollte die Auseinandersetzung mit Leonardo da Vincis Abendmahl werden.

Tod

Am Morgen des 22. Februar 1987 verstarb Warhol überraschend und unter bis heute ungeklärten Umständen an den Komplikationen einer Gallenblasenoperation im New York Hospital. Den Obduktionsberichten zufolge soll er im Schlaf einen Herzinfarkt oder einen Lungenstillstand erlitten haben. Er wurde im engsten Familienkreis in seinem Geburtsort Pittsburgh beigesetzt.

Mit einer Messe in der St. Patrick's Cathedral wurde des Künstlers unter Teilnahme von über 2000 Trauergästen gedacht.

Testamentarisch wurde Fred Hughes als Nachlassverwalter Warhols bestimmt. Als Haupterben seines Vermögens (das New York Magazine schätzte es damals auf über 100 Millionen US-Dollar) hatte der Künstler, neben Familienmitgliedern, die Gründung der Stiftung Andy Warhol Foundation for Visual Arts bestimmt.

Betrachtungen zur Person


Andy Warhol war eine introvertierte, scheue und undurchsichtige Persönlichkeit. Er war offen schwul - eine Seltenheit für Prominente dieser Zeit. Er zeigte sich in den 1960ern zumeist mit weissblond gefärbter Perücke und dunkler Sonnenbrille. Warhol gab nur wenig von sich preis, war wortkarg und stilisierte sich selbst zur Sphinx und Ikone der New Yorker Kunstszene. In Interviews und Gesprächen entzog er sich geschickt den Erwartungen zu seiner Person und übte sich konsequent darin, den Mythos „Andy Warhol“ aufzubauen. Manchmal sandte er sogar Doppelgänger zu Presseterminen und Vernissagen. Er hatte eine sehr enge Bindung zu seiner Mutter, war religiös (er ging jeden Sonntag in den katholischen Gottesdienst) und neigte zu einer fast zwanghaften Kauf- und Sammelwut, die sich sowohl in seiner Arbeit wie in seinem Privatleben widerspiegelte. Obwohl der Künstler lebenslang unter der Angst litt wieder zu verarmen, gab es kaum einen Flohmarkt in New York, der von ihm verschont wurde und auf dem er nicht wenigstens einen Gegenstand kaufen „musste”, wie er es einmal in seinen Aufzeichnungen schilderte. Unzählige von ihm als Zeitkapseln bezeichnete Kisten wurden später in seinem Nachlass gefunden, darin fanden sich auch so triviale Dinge wie Einkaufstüten, Servietten aus Hotelrestaurants, Kaugummipackungen und viele andere Alltagsgegenstände. Warhols geräumiges Privathaus war indes eine einzige Ansammlung von Kunstwerken historischer und zeitgenössischer Künstlerkollegen (Lichtenstein, Rauschenberg, Twombly), wertvollen Möbeln, Unmengen von Nippesgegenständen und Kitschobjekten (z.B. Micky Mouse Figuren), edlem und billigstem Porzellan, Fundsachen, Kaugummiautomaten und vielem anderen mehr. Die Versteigerung seines Nachlasses soll, Presseartikeln zufolge, fast um die 900 Millionen US-Dollar erzielt haben.

In seinen 1989 posthum von seiner Sekretärin und engsten Vertrauten Pat Hackett veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen erfährt man mehr über den Menschen Andy Warhol und seine wahre Persönlichkeit. Interpretiert man das Buch, muss Warhol in den ausgehenden 80ern wohl zunehmend unter Ängsten vor Krankheiten wie AIDS (von ihm selbst als „Schwulenkrebs” bezeichnet), den Folgen des Attentats und zunehmender Vereinsamung bedingt durch seine gescheiterterten (homosexuellen) Beziehungen gelitten haben. Hervorstechend an Warhol war jedoch sein zeitlebens ebenso lakonischer wie zynischer Umgang mit dem Tod: Selbst als seine erste „MuseEdie Sedgwick und weitere Mitarbeiter seiner Factory starben, zeigte er kaum eine Gefühlsregung. Auch er selbst verdrängte bis zum Schluss seine zunehmenden körperlichen Beschwerden. Er sprach von „Magenschmerzen” oder anderen Verstimmungen...

Den deutlichsten Einschnitt in seinem Leben stellte aber vermutlich das Attentat durch Valerie Solanas dar.

Werk


Jimmy_Carter_Andy_Warhol_1977.jpg bei einem Empfang im Weißen Haus ein Porträt des Präsidenten (14. Juni 1977)]] Warhols Beitrag zur Etablierung der Pop-Art in der bildnerischen, darstellenden wie kinematografischen Kunst in den 1960er Jahren ist bedeutend. Seine Karriere begann bereits in den 1950er Jahren als Illustrator für Mode-, Hochglanz- und Lifestylemagazine und entwickelte sich rasant.

Andy Warhols Werk ist eine maschinelle Persiflage auf die Konsumgesellschaft und teilweise durchzogen von schwärmerischen und homoerotischen Anspielungen (die frühen Grafiken und späteren Filme).

Warhols Bildwerke leben von einer experimentellen und luminiszenten Farbgebung (meist mittels Acrylfarben), bei der er bewusst auf generativ bedingte Verfremdung setzte und auch stoisch Fehler beim Kopieren von Vorlagen akzeptierte oder die Herstellung der Siebdrucke seinen Mitarbeitern überließ. Viele Arbeiten stammen noch nicht einmal aus seiner Hand. Oft amüsierte er sich bei Galerie- oder Museumsbesuchen über Fälschungen seiner eigenen Werke. Seine Arbeit ist von Originalität, subtilem Humor aber auch Zynismus geprägt; seien es seine "Do-It-Yourself"-Bilder zum Selbstausmalen, Camouflagemuster, Inversionen oder die Bildreihe Electric Chair (elektrischer Stuhl), von der er selbst sagte: „Ich fertige sie in jeder Farbe solange sie nur zu den Gardinen passen.”

Warhols Kunst war stets geprägt durch die serielle Reproduktion, bzw. Reproduzierbarkeit von Bildgegenständen, Alltäglichem, Trivialem und Banalem. Stets von der Idee des „Kopierens” und der konsequenten Abfolge fasziniert (u.a. durch seine Filmleidenschaft), versuchte Warhol zunächst Bilder aus Kinomagazinen per Hand abzuzeichnen. In der Folge machte er sich schließlich mit der Methode der Serigrafie (dem Siebdruck) vertraut und begann normale alltägliche, gegenwärtige und vertraute Motive aus sämtlichen Medien (Zeitungen, Magazine) zu filtern und umzusetzen. Aus diesem Grunde wurde Warhol oft mit dem Vorwurf des Plagiats bezichtigt. Er wählte bevorzugt grelle Acrylfarben und starke Farbkontraste für seine Bilder (z.B. Marilyn, Elvis, Liz). Ab den 70ern suchte Warhol verstärkt nach neuen Techniken und Ausdrucksformen (z.B. die "Piss Paintings", mit Urin per Oxidation auf Kupferfarbe „gemalte” Bilder. In seinen späteren Arbeiten verwendete er u.a. auch Diamantstaub in seinen Arbeiten. (z.B. die Porträtserie von Joseph Beuys).

Vorrangig sind seine Porträts bekannter Persönlichkeiten (Marilyn Monroe, Elvis Presley, Liz Taylor, Mao und vielen anderen mehr). Er interessierte sich indes auch für die Ästhetik der Ware und der Konsumgesellschaft, wobei Konsum von ihm positiv gesehen wurde. Umstritten ist, ob dies eine Variante der Überidentifikation darstellte, wie auch viele seiner Statements. Er liebte die Künstlichkeit und raffinierte Kolportagen und schaffte es (als gelernter Grafiker) geschickt, sich selbst als Image/Marke zu erfinden und zu feiern. Sein Werk folgt dem beständigen Versuch, die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz, also kommerziell angewandter Kunst (Werbung, Design) und bildender Kunst (Hochkultur) aufzuheben. Er vertrat gerne das Ideal einer Business-Kunst.

In seinen „Factory“ genannten Ateliers, verschiedenen in New York gelegenen Fabrikhallen, arbeitete er ab den 60er Jahren an unterschiedlichsten Projekten. Die Factorys waren quasi Warhols Experimentierfeld: Atelier, Filmstudio und „Partylocation“ mit anschließendem „Wohnort“ für die Protagonisten zugleich bildeten sie den Pool der kreativen Szene New Yorks. Stars wie Bob Dylan, Mick Jagger oder Jim Morrison fanden sich hier ein; Künstlerkollegen wie Salvador Dali oder Marcel Duchamp machten ihre Aufwartung.

Warhol spezialisierte sich anfangs auf die Serigrafie (Siebdruck). Ausgangsmaterial hierfür waren meistens Bilder aus den Medien, wie beispielsweise das Lifemagazin oder Film-, Post- und Autogrammkarten. Später verwendete er bevorzugt eigene Polaroidaufnahmen für seine Arbeiten. Viele von Warhols Bildern wurden aber nicht nur von ihm selbst, sondern auch von seinen Assistenten wie z. B. Gerard Malanga ausgeführt. Berühmt sind beispielsweise die dreidimensionalen Brillo-Boxen (Siebdrucke eines Waschmittels auf Holzkisten), die Campbell-Suppendosen, unzählige Marilyn Monroe-Porträts (teilweise negativ angefertigt) oder die in der Tradition eines Memento Mori angefertigten Serien von Autounfällen, Schädeln oder elektrischen Stühlen. Bevorzugt wählte er 100 x 100 cm große Leinwände für seine Werke. Indes wandte sich der besessene Kinofan Warhol auf seiner Suche nach neuem Material zunehmend auch der eigenen Filmproduktion zu. Wohl auch inspiriert durch Filmemacher wie Jonas Mekas erstand er eine billige Bolex-16-mm-Kamera und begann Mitarbeiter seiner Factory, Prominente und Unbekannte in allen erdenklichen Situationen zu filmen. Bekannt aus der Zeit der 1960er sind eine unzählige Reihe von Underground-Filmen wie etwa ein 8 Stunden langes Porträt des Empire State Buildings in einer einzigen Kameraeinstellung, den 45 Minuten lang einen Pilz essenden Pop-Art Künstler Robert Indiana oder unzählige sogenannte Screen Tests (zusammen mit Malanga). Mit der von ihm geförderten und anfangs auch produzierten Rockgruppe Velvet Underground, bestehend aus Lou Reed, John Cale, Sterling Morrison und Maureen Tucker, sowie (anfangs) der deutschstämmigen Sängerin Nico, konzipierte er die, für damalige Zeiten prätenziösen wie skandalösen Multimedia-Happenings („Exploding Plastic Inevitable“).

Diese Performances betäubten das Publikum einerseits durch den ohrenbetäubenden Verstärkerlärm Velvet Undergrounds, Filmprojektionen und intensiven Licht- und Stroboskopeffekten andererseits schockierten sie durch ihre sexuellen Provokationen der tanzenden Akteure (zumeist Gerard Malanga und die Schauspielerinnen Mary Woronov und Edie Sedgwick).

Nach einem Attentat durch die Frauenrechtlerin Valerie Solanas 1968, bei dem Warhol durch zahlreiche Pistolenschüsse lebensgefährlich verletzt wurde, ließ es der Künstler ruhiger angehen: Die „Factory“ wandelte sich zum schlichten Bürohaus, er selbst sah sich zunehmend als Filmproduzent und überließ die handwerkliche Ausführung von Arbeiten seinen Adlaten.

In den 70er Jahren war er begeisterter Besucher der New Yorker Party- und Glamour-Szene z.B. das Studio 54, wo er zunehmend Prominente auf Polaroidaufnahmen portraitierte. Bekannt aus dieser Zeit sind seine Filme mit Junkies, die an Pornographie grenzen (Flesh, Trash, Blue Movie), deren Regie er allerdings zunehmend Paul Morrissey überließ.

Camp-Filme wie der Western Lonesome Cowboys oder die Horror-Filme Flesh for Frankenstein/Andy Warhols Frankenstein und Blood for Dracula/Andy Warhols Dracula entstanden also weitgehend unter der Regie von Paul Morrissey, der Schauspieler Joe Dallesandro gehörte dabei fast immer zur Besetzung. Sie überzeichneten und überschritten die jeweiligen Genres, im Fall von Lonesome Cowboys z.B. durch improvisiertes Spiel und homosexuelle Cowboys, im Fall von Blood for Dracula durch Udo Kier als schwächlichem Graf Dracula, der auf der Suche nach einer Jungfrau eher Mitleid erregte als Angst einflößte.

Das weltweit bekannte Zungenlogo, das Markenzeichen der Rolling Stones wurde entgegen vieler landläufiger Meinungen nicht von Andy Warhol, sondern von John Pasch gestaltet.

Sein Einfluss auf Kunst und Popkultur der 90er und der Jahrtausendwende ist weitreichend. Künstler und Künstlerinnen wie z. B. Jeff Koons], Mariko Mori, Res Ingold (Ingold Airlines), BrandtSchmitt, oder auch die Literaten der Popliteratur können in Selbstbespiegelung und postmodern-leichter Weltsicht als seine Nachfolger betrachtet werden.

Bilder (Auswahl)

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  • „Dancers“ (1948)
  • „Superman“, „Dick Tracy“, „Popeye“ und andere Comicmotive (1961)
  • „Campbell's Soup“ (diverse Variationen) (1962)
  • „200 One Dollar Bills” (1962)
  • „Thirty Are Better Than One“ (Verfremdungen von Leonardo da Vincis Mona Lisa) (ab 1963)
  • „White Car Crash 19 Times“ (1963)
  • „Marilyn“ (diverse Versionen, teilweise invertiert gedruckt) (1964)
  • „Flowers“ (1964)
  • „Jackie“, Triptychon, Museum Ludwig, Köln (1964)
  • „Cow Wallpaper“ (1966)
  • „Electric Chair“ (Serie) (1967)
  • „Mao“ (1972)
  • Mick Jagger“, Neue Galerie – Sammlung Ludwig, Aachen (1975)
  • „Holstentor“, Lübeck, – Kunsthalle St. Annen (1980)
  • Joseph Beuys“, Galerie Bernd Klüser, München (1987)
  • „The Last Supper“ (Eine Verfremdung von Leonardo da Vincis Das Abendmahl; mehrere Variationen) (1985/86)

Anmerkung
Viele Werke von Andy Warhol lassen sich nicht genau datieren, da sie unter anderem auch von Mitarbeitern seiner Factory wahllos „produziert” wurden. Warhol soll später sogar selbst einmal gesagt haben, dass er sich bei Ausstellungen über die Fälschungen seiner eigenen Werke amüsiere (Quellen: David Bourdon, Pat Hackett)

Filmographie / Videographie (Auswahl)

  • Sleep (1963), (Produzent und Regie)
  • Empire (Film), (1964), (Produzent und Regie)
  • 13 Most Beautiful Women / 13 Most Beautiful Boys (1965), (Produzent und Regie)
  • The Kitchen (1965), (Produzent und Regie)
  • Beauty #2 (1965), (Produzent und Regie)
  • Bike Boy (1966), (Produzent und Regie)
  • Chelsea Girls (1966/67), (Produzent und Regie)
  • Flesh (1968) (Produzent)
  • **** (Four Stars) (1967), (Produzent, Regie und Drehbuch)
  • Blue Movie (1968) (Regie, Drehbuch und Kamera)
  • Lonesome Cowboys, (1968) (Produzent und Regie)
  • Trash (1970), (Produzent)
  • Women in Revolt (1970), (Produzent, Regie und Drehbuch)
  • Andy Warhol's Dracula (1973), (Produzent)
  • Andy Warhol's Frankenstein (1974), (Produzent)
  • Andy Warhol's Bad (1976), (Produzent)
  • Cocaine Cowboys (1979), (Darsteller)

Anmerkung zu Filmen und Videos:

Warhol hat (zusammen mit Gerard Malanga und Paul Morrissey) eine unzählige Reihe von Filmen mit meist experimentellem Charakter produziert, die teilweise chronologisch nicht mehr erfassbar sind; so dauerte beispielsweise der Film **** (Four Stars) circa 24 Stunden, wurde nur ein einziges Mal aufgeführt und anschließend in unterschiedliche Einzelfilme zerschnitten. Manche Filme wurden teilweise für Warhols Exploding Plastic Inevitable Happeningshows verwendet.

Wichtiger Hinweis f. Kaufinteressenten: Die Videos /DVDs der Filme mit der Kennzeichnung „FSK 16” sind teilweise stark geschnitten. Sogar die Versionen mit der Freigabe „FSK 18” sind, wenn man den Besprechungen glauben darf, in Einzelfällen gegenüber der Originalversion gekürzt.

Warhol selbst trat in den 80ern in zahlreichen Fernseh-, Werbe- und Videospots auf (z.B. für die Computerfirma Apple), sowie in einem Video der Band Curiosity Killed the Cat oder in der TV-Soap-Opera The Love Boat.

Diskographie

Bücher

  • Andy Warhol: Die Philosophie des Andy Warhol von A bis B und zurück. Neuauflage. Droemer Knaur 1991 (vergriffen)

Mitarbeiter, Protagonisten und „Superstars“ aus Warhols Umfeld (Auswahl)


Literatur


  • David Bourdon: Warhol. DuMont, Köln 1989, ISBN 3770123387 (deutsch)
  • Pat Hackett: Andy Warhol. Das Tagebuch. Droemer Knaur, 1989, ISBN 3-426-26429-3 (deutsch, OT: The Andy Warhol Diaries)
  • Isabelle Dufresne (Ultra Violet): Andy Warhol Superstar. ISBN 3785705352
  • Stephen Shore (Fotos), Lynne Tillman (Text): The Velvet Years. Warhols’s Factory 1965-67. Pavilion Books, 1995, ISBN 1857933230 (englisch)

Weblinks


Geboren 1928 | Gestorben 1987 | Fotograf | Grafiker | US-amerikanischer Künstler | US-amerikanischer Maler | Filmregisseur | Mann | US-Amerikaner | Documenta 4 | Documenta 7 | Pop-Art

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