article

Unter Androzentrismus wird eine Sichtweise verstanden, die Männer als Zentrum, respektive als Maßstab und Norm versteht. Androzentrismus kann also als eine gesellschaftliche Fixierung auf den Mann oder das „Männliche“ verstanden werden. Ein androzentristisches Weltbild versteht den Mann als die Norm, die Frau als Abweichung von dieser Norm.

Androzentrismus unterscheidet sich vom Sexismus dadurch, dass er das Weibliche nicht zwangsläufig als Minderwertig bezeichnet, sondern einfach als „das Andere“, „das von der Norm abweichende“. Stillschweigend wird dabei Mensch = Mann und die männliche Sicht der Dinge als die Allgemeingültige gesetzt.

Der Begriff Androzentrismus wurde in diesem Zusammenhang erstmals von Charlotte Perkins Gilman in ihrem Buch „The Man-Made World or Our Androcentric Culture“ verwendet und definiert. Laut Perkins Gilman haben männliche Lebensmuster und Denksysteme den Anspruch der Universalität, d.h. Allgemeingültigkeit, während weibliche Lebensmuster und Denksysteme als Devianz, d.h. Abweichung gelten. Da die Gleichsetzung von Mensch mit Mann weitgehend unbewusst geschieht, ist Androzentrismus nur schwer zu erkennen und sehr oft auch von Frauen tief verinnerlicht.

Androzentrismus in der Wissenschaft


Breite Verwendung fand der Begriff Androzentrismus in der Wissenschaftskritik der achtziger Jahre. Einzelne Themen wurden nicht mehr nur aus feministischer Sicht hinterfragt, sondern die Wissenschaften als Gesamtheit wurde kritisch analysiert. In vier Punkten wurde dem Wissenschaftsbetrieb Androzentrismus vorgeworfen:

  • Durch den späten Zugang zu den Universitäten und zum Wissenschaftsbetrieb war die weibliche Beteiligung insbesondere an der Grundlagenforschung marginal.
  • Der dadurch automatisch vorherrschende Androzentrismus führt dazu, dass die zu untersuchenden Problemstellungen einseitig ausgewählt und definiert werden. Dadurch ist Wissenschaft nicht wirklich universell.
  • Wissenschaftliche Experimente basieren dadurch auf einseitig gewählte Faktoren.
  • Aufgrund der drei vorhergegangenen Punkte muss die Objektivität und Rationalität der Wissenschaften infrage gestellt werden, denn auch in den grundlegenden Prinzipien der Wissenschaften sind ausschließlich männliche Sichtweisen und Voreingenommenheiten vertreten.

Diese Art der feministischen Wissenschaftskritik geht weit über die in den 1960er Jahren auftauchende feministische Wissenschaft hinaus, da sie nicht versucht, eine neue Art der Wissenschaft zu etablieren, sondern die herkömmlichen Wissenschaften in ihren Grundfesten kritisiert und ihnen vorwirft, dem eigenen Anspruch an Neutralität und Universalität nicht gerecht zu werden.

Siehe auch


Literatur


  • Sandra Harding: Feministische Wissenschaftstheorie. Argument Verlag, 1999. ISBN 3886193845
  • Sandra Harding: Das Geschlecht des Wissens. Campus, 1994. ISBN 3593350491
  • Evelyn Fox Keller: Liebe, Macht, Erkenntnis. Carl Hanser, 1986. ISBN 3446146520
  • Sandra Harding and Merrill B. Hintikka: Discovering Reality - Feminist Perspectives on Epistemology, Metaphysics, Methodology and Philosophy of Sience. Synthese Library / Volume 16, 1983. ISBN 90-277-1496-7

Weltanschauung Feminismus Soziale Rolle Maskulismus Männerbewegung

Androcentrisme | Androcentrism | Androcentrism

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Androzentrismus".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld