Andreas II. von Ungarn (* um 1177; † 1235 in Ofen, begraben in Igris) aus dem Geschlecht der Arpaden war König von Ungarn (1205–1235). Sein Vater war Béla III.
Konflikt um Halitsch
Andreas_Getrude_Ungarn.jpg
Politische Bedeutung erlangte Andreas erstmals, als ihn sein Vater kurz nach der Besetzung des
russischen Fürstentums
Halitsch (1188) dort als König von
Galizien einsetzte. Der vertriebene Fürst
Wladimir Jaroslawitsch eroberte die Herrschaft jedoch nach kurzer Zeit mit polnischer und deutscher Hilfe zurück.
Allerdings blieb die Region auch in den Folgejahren ein Brennpunkt von Andreas' Politik. Immer wieder versuchte er, Einfluss auf die Auseinandersetzungen um die Erfolge in dem russischen Fürstentum zu nehmen, und nannte sich
1205 erneut "König von Galizien und Lodomerien". Bei diesen Versuchen stieß Andreas aber sowohl auf den Widerstand eines Großteils des einheimischen russischen Adels als auch der meisten ungarischen Adligen. Unterstützung bekam er dagegen vom
kleinpolnischen Fürstenhaus, das Interesse an den
wolhynischen Gebieten des neu entstandenen russischen Fürstentums
Galizien-Wolhynien hatte. Eine direkte Herrschaftsübernahme in dem Territorium gelang erst wieder 1215, nachdem Andreas' Sohn Koloman Salomea, eine Tochter des polnischen Großherzogs
Leszek I., geheiratet hatte. Um den Jahreswechsel 1215/16 herum wurde Koloman zum König von Galizien-Wolhynien gekrönt. Die Herrschaft durch die katholischen Ungarn wurde von der orthodoxen Bevölkerung und dem Adel nie akzeptiert. Auch der polnische Großfürst scherte bald aus dem Bündnis mit Andreas aus und unterstützte statt dessen einen russischen Anwärter auf die Herrschaft. In mehrjährigen Kämpfen wurden die Ungarn aus dem Fürstentum vertrieben. Allerdings gelang es Andreas durch seine Heiratspolitik, 1228 seinen gleichnamigen Sohn auf den Herrscherstuhl von Halitsch zu bringen.
Der Deutsche Orden
1211 rief Andreas II. den
Deutschen Ritterorden in den Osten des Landes, um sich von ihm im Kampf gegen die
Kumanen unterstützen zu lassen. Als der Orden aber damit begann, in
Siebenbürgen eine eigenständige Herrschaft aufzubauen, verschlechterte sich das Verhältnis zum König rasch.
1225 zwang Andreas den Orden, das Land wieder zu verlassen.
Auseinandersetzungen mit dem Adel und Siedlungspolitik
1213 wurde seine Frau,
Gertrud von Meran-Andechs während eines Adelsaufstands ermordet. Grund dafür war die Empörung des ungarischen Adels gegen die üppigen Zuteilungen königlicher Ländereien an fremdländische Adlige aus dem Günstlingskreis Gertruds. So hatte Andreas 1206 Gertruds Bruder Berthold im Widerspruch zum Kirchenrecht als
Erzbischof von
Kalocsa eingesetzt. 1212 wurde Berthold sogar zum
Woiwoden von Siebenbürgen und zum Stellvertreter des Königs ernannt. Im Folgejahr nutzte der Adel die Abwesenheit Andreas', der sich auf einem Feldzug in Halitsch befand, um das Gefolge der Königin zu überfallen, das gerade zu Ehren
Leopolds IV. von Österreich eine Jagd veranstaltete. Die meisten fremden Adligen wurden erschlagen, die Königin regelrecht zerstückelt. Berthold und Leopold konnten sich mit Verletzungen retten. Nach seiner Rückkehr ließ Andreas zahlreiche Verschwörer ebenfalls zerstückeln.
Damit war der Widerstand im Adel jedoch keineswegs beendet: Im Frühjahr 1222 zwangen die ungarischen Kleinadligen den König zur Einberufung eines Gerichtstages in
Stuhlweißenburg, wo sie ihn zur Entlassung seiner Regierung und der Annahme ihrer Forderungen in Form einer Goldenen Bulle zwangen.
Die Forderungen wurden zwar nicht umgesetzt, doch konnte sich Klein- und Mitteladel damit erstmals auf festgeschriebene Vereinbarungen mit dem König berufen und tat dies in den folgenden Jahrhunderten immer wieder. Die Bulle schränkte vor allem die Zuweisung von Ländereien, Zoll- und sonstigen Rechten an Landesfremde ein, sicherte dem Adel gerichtliche Immunität, die Einschränkung des Kriegsdienstes und eine weitgehend von königlichem Einfluss freie Erbfolge zu. 1223 wurde ein ähnliches Privileg für den Klerus bewilligt.
Andererseits stellte Andreas 1224 eine weitere Goldene Bulle (Privilegium Andreanum) aus, die sich an die vor allem deutsch- und wallonischstämmigen Siedler in Siebenbürgen (Siebenbürger Sachsen) richtete, und ihnen Privilegien wie die eigenständige Wahl von Pfarrern und Richtern zusicherte. In den Folgejahren weiteten sich diese Privilegien auf andere deutsche Siedlungsgebiete in Ungarn und auf neu zuziehende Deutsche aus.
1217 unternahm Andreas II. einen Kreuzzug nach Palästina, von dem er den Beinamen Der Hierosolymitaner erhielt. Der Kreuzzug scheiterte am Berg Tabor.
Die Heilige Elisabeth von Thüringen ist seine Tochter.
Nachkommen
– Erste Ehe:
Gertrud von Meran-Andechs (†
1213)
- Béla IV. (* 1206; † 1270), König von Ungarn
- Elisabeth (* 1207; † 1231) verheiratet mit Ludwig IV., Landgraf von Thüringen
- Koloman (* 1208; † 1241), Fürst von Halicz
- Andreas (* unbekannt; † 1234), Fürst von Halicz-Przemysl, verheiratet seit 1221 mit Maria (Helena) von Nowgorod, Tochter des Fürsten Mstislaw
- Maria (* 1204; † 1237), verheiratet seit 1221 mit Iwan II. Asen, Zar von Bulgarien (um 1190-1241)
– Zweite Ehe: Jolante Courtenay, Tochter von Kaiser Peter
– Dritte Ehe: Beatrix
König (Ungarn) | Mann | Geboren 1177 | Gestorben 1235 | Siebenbürgen
Ondřej II. | Andrew II of Hungary | Andreas II | André II de Hongrie | II. András | エンドレ2世 | Andreas II van Hongarije | Andrzej II Arpadowicz | André II da Hungria | Andrei al II-lea al Ungariei | Андраш II | Ondrej II. (Uhorsko) | Andreas II av Ungern | 安德烈二世