Johannes Andreas Jolles bekannt als André Jolles (* 7. August 1874 in Den Helder, † 22. Februar 1946 in Leipzig) war ein Kunsthistoriker, Literatur- und Sprachwissenschaftler. Bekannt ist er heute vor allem durch sein Hauptwerk Einfache Formen.
In den neunziger Jahren wirkt er an verschiedenen Zeitschriften mit, 1893 Van Nu en Straks, 1895 an De Kroniek, 1897-8 als Redakteur für Kunst und Wissenschaft bei De Telegraaf. Zwischenzeitlich studiert er 1893-4 in Paris und Amsterdam und 1899 an der Reichsuniversität Leiden Ägyptische und Semitische Sprachen.
1896 trifft er erstmals seinen langjährigen Freund Johan Huizinga in Groningen. Auf einer Italienreise mit diesem begegnet er 1899 seiner zukünftigen Frau Mathilde Tilli Mönckeberg (1879-1958). Sie heiraten im September 1900, im Juni 1901 wird ihr erster Sohn Hendrik geboren, er stirbt jedoch ein Jahr darauf. Danach haben sie noch fünf Kinder: Jeltje, Jacoba, Jan Andries, Matthijs und Ruth.
Der durch den Tod seiner Mutter im Jahre 1901 vermögende Jolles beginnt ein Studium an der Universität Freiburg im Breisgau, wo er am 3. August 1905 über Vitruvs Aesthetik promoviert. Ab Januar 1907 hält er seine Habilitationsvorlesung Ueber das erzählende und das beschreibende Element in der bildenden Kunst im Alterthum und Mittelalter in Freiburg, seine Habilitationsschrift Die ägyptisch-mykenischen Prunkgefässe erscheint 1908. Daneben schreibt er mit Carl Mönckeberg die Stücke Vielliebchen und Alkestis, die in Hamburg aufgeführt werden.
1908 siedelt die Familie nach Berlin über, wo er ab 1909 als Privatdozent für ältere Kunstgeschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität lehrt.
Nach Kriegsanfang meldet er sich als Vierzigjähriger und Niederländer als Kriegsfreiwilliger. Nach etlichen Ablehnungen akzeptiert ihn ein Artillerieregiment. Jolles lässt sich einbürgern und nimmt zunächst als Soldat schließlich als Leutnant der Landwehr am ersten Weltkrieg teil. Als Offizier der Besatzungstruppen nimmt er 1916 eine Professur für Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Gent an. In Abwesenheit wird er darum 1920 in Gent zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
In Gent lebt er bereits mit Margarethe Grittli Boecklen (1895-1967) zusammen. Nach der Scheidung von Mathilde, heiraten die beiden im August 1918 kurz nach der Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes Barbara. In den nächsten Jahren folgen Jolle, Jacob Cornelis und Eva-Gertrud.
André Jolles wird außerordentlicher Professor für flämische sowie niederländische Sprache und Literatur, ab 1923 auch für vergleichende Literaturgeschichte an der Universität Leipzig.
1930 erscheint sein Hauptwerk Einfache Formen, in dem er eine Typologie mündlicher Erzählformen (Mythe, Sage, Legende, Märchen, Memorabile, Kasus, Rätsel, Spruch, Witz) darlegte. Seine daran anknüpfenden Überlegungen zu den Kunstformen gediehen nicht soweit, dass er sie publizieren konnte.
Am 1. Mai 1933 tritt er der NSDAP bei, wodurch er sich Freunden und seinen Kindern aus der ersten Ehe entfremdet. So ist Jeltje mit einem jüdischen Ingenieur verheiratet, Jan Andries ist als Kommunist gezwungen ins Exil zu gehen. 1937 tritt Jolles dem SD bei. 1941 wird er emeritiert und arbeitet ab 1942 an einer Studie im Auftrag des SD über die Freimaurerei. Anlässlich seines 70. Geburtstages erhält er von Hitler 1944 die Goethemedaille für Kunst und Wissenschaft.
Auf einem von ihm im Mai 1945 ausgefüllten Fragebogen zu seiner NS-Vergangenheit ist handschriftlich vermerkt: is still a nazi - too old (71 years) to be arrested. André Jolles starb am 22. Februar 1946.
Mann | Geboren 1874 | Gestorben 1946 | Niederländer | Kunsthistoriker | Sprachwissenschaftler | Literaturwissenschaftler
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