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Der Begriff Anderswelt ("Autre Monde", "Otherworld") ist eine Übersetzung des lateinischen "Orbis Alia".

Er wird zumeist als Überbegriff für mythische Jenseitswelten oder verschiedene Jenseitsvorstellungen gebraucht.

Im keltischen Bereich treffen hierauf die Inselkeltischen Vorstellungen vom Totenreich als paradiesische Insel jenseits des Meeres oder vom Totenreich als grünem Land unterhalb der Erdoberfläche, das durch alte Grabmonumente betreten werden kann, zu.

Bei den antiken Kelten geht man zumeist von einer Welt (Bitu) aus, die zweigeteilt ist in ein helles, oberirdisches (Albion) und ein dunkles, unterirdisches (Dumnon) Land.

Die Inselkeltischen Namen Avalon (Emain Ablach, Inys Afallach) sind auch Namen von Gottheiten (Afallach, Ablach) und haben im Festlandkeltischen Abellio eine Entsprechung. Eine festlandkeltische Entsprechung zur kymrischen Annwnn ist wahrscheinlich das gallische "Antumnos" und zum irischen Sidhe das gallische "Sedes", was zeigt, dass diese Jenseitsvorstellungen oder zumindest die Namen des keltischen Jenseits sehr alt sind.

In einem Paradiesischen Jenseits, so glaubten die Kelten, würden die Körper der Menschen weiterexistieren, sorglos von Hunger, Tod und Krieg. Die Kelten pflegten Toten deshalb Briefe mitzugeben, die mit ihnen verbrannt wurden, oder ließen sogar Verträge aufsetzen, in denen Schulden erst im Jenseits beglichen werden mussten.

In der Antike waren Vorstellungen verbreitet, nach denen die Seelen der Toten von Geiern (bei den Galliern vielleicht von einer Krähe) ins Jenseits gebracht wurden. Die Vorstellung eines "Seelenfährmannes" war zumindest bei den Alpenkelten verbreitet, die von den Etruskern die Sitte übernahmen, den Toten einen Edelstein oder eine Münze mit ins Grab zu geben (um die Überfahrt zu bezahlen). Eine inselkeltische Entsprechung einer solchen Vorstellung stellt vielleicht die Figur des Barrinthus dar. Laut Prokopius von Cäsarea lebte an der Küste Galliens ein Stamm, dessen Aufgabe es war, die Seelen Verstorbener zur Toteninsel (Nordbritannien) zu überführen. Die Vorstellung einer solchen Toteninsel war auch bei den Iren (Tech nDuinn, Isle of Man, Béara) und bei den Britanniern (Ynis Enlli = Bardsey, Gwales, Grassolm) gleichermaßen verbreitet.

Nach den antiken Autoren aber glaubten die Kelten auch an die Wiedergeburt. Ob die Inselkeltischen Sagen von Personen, die in unterschiedlichen Tiergestalten weiterlebten, eine Erinnerung hieran darstellen, ist ungewiss. Die Reinkarnation oder Wiedererweckung von Göttern oder sagenhaften Menschen ist jedoch fester Bestandteil der irischen Sage. Über die Wiederkehr von Menschen in Pflanzen berichten jedoch nur wenige Geschichten (so u.a. in der mittelalterlichen Erzählung "Tristan und Isolde").

Der Begriff "Andere Welt" wird mitunter auch bei Trance-Reisen von Schamanen auf die "Welt der Geister" angewendet, weswegen manche modernen Autoren die keltischen Sagen von Helden, die Orte der anderen Welt betraten (wie in den Immrama oder bei Oisin und Pwyll), als sagenhaft verklärte Erinnerungen an schamanoide Trancereisen sehen wollen.

Laut Cäsar galt der Gott des Totenreiches Dispater (bei Lucan mit Taranis identifiziert) als der Urahne und Vater der Kelten oder der Menschen. Eine Vorstellung, die noch im Mittelalter vielleicht in der bretonischen Sage vom Ankou und dem umgansprachlichen Begriff vom "Gevatter Tod" oder "Väterchen Tod" weiterlebt.

keltische Orte der Anderswelt


! width="20%" bgcolor="#efefef"|Andersweltorte der Iren ! width="20%" bgcolor="#efefef"|Andersweltorte der Britannier ! width="20%" bgcolor="#efefef"|Umschreibung |- | Emain Ablach | Inys Affalach | Insel der Äpfel. Eine Insel der Unsterblichen. Auch der Name realer Orte so wie "Avalun" in der Bretagne. Also vielleicht auch alte heilige Anlagen. |- |Hy Breasil | |Land Bresals.Fernes paradiesisches Land jenseits des Meeres, beherrscht von Bresal Etarlam. |- |Mag Mell | |Ebene der Freude.Fernes Paradiesisches Land jenseits des Meeres, beherrscht von Tethra oder Manannan. |- |Mag Mór | |Große Ebene. Name des Mystischen Irlands, beherrscht von Midir. Auch eine reale Ebene in Irland. |- |Mag Tuireadh | |Ebene der Türme. Mythischer Ort der Schlacht der Tuatha de Danaan und Formoren. Auch Name einer realen Ebene in Irland. |- |
  • Tìr fo Thonn
  • Tír na mBan
  • Tír na mBéo
  • Tír na nÓg
  • Tír na Sorcha
  • Tír Tairngire

| |

  • Land unter den Wellen
  • Land der Frauen
  • Land der Lebenden
  • Land der Jugend
  • Land des Lichts
  • Land der Verheissung
(Namen von Inseln der Seligen jenseits des großen Meeres) |- |Sidh |Caer Sidi |Der Sitz.Die Wohnstätten der Toten im inneren der Erde zu denen alte Grabhügel und Monumente den Zugang darstellen. |- |Andomhain |Annwn |Ur-Tiefe.Name eines Reiches innerhalb der Erde oder unterhalb des Meeres.Beherrscht von Arawn. |- |Lochlann |Llychlynn |Seen-Land.Ursprünglich mythische Unterwasserwelt und Heimat der Formori. Später mit Skandinavien identifiziert. |- | |Caer Arianrhod |Festung des Silberrads.Name des Sternbildes Nördliche Krone (Corona Borealis) als Wohnsitz der Arianrhod. |- | |
  • Caer Golur
  • Caer Ochren
  • Caer Pedryvan
  • Caer Rigor
  • Caer Vedwid
  • Caer Wydyr
|(Orte oder Festungen der Götter innerhalb von Annwn)

Literatur

  • Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2609-3
  • Bernhard Maier: 'Lexikon der keltischen Religion und Kultur. Kröner, Stuttgart 1994, ISBN 3-520-46601-5
  • Bernhard Maier: 'Die Religion der Kelten. Götter, Mythen, Weltbild. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48234-1
  • Jan de Vries: Keltische Religion. Edition Amalia, Bern 2006, ISBN 3-905581-20-5

Weblinks


keltische Religion im Zeugnis der Sprache ]

Keltische Mythologie

 

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