Kleinasien (lat. Asia minor) oder Anatolien (türk. Anadolu, von griech. ανατολη / anatole für „Aufgang, Osten“) ist jener Teil der Türkei, der zu Vorderasien gehört. Häufig wird auch Zypern zu Kleinasien gerechnet.
Hinsichtlich der Religion dominiert der Islam (98 %, davon 70–80 % Sunniten und 20-30 % Aleviten). Die Christen machen 0,2 % aus, zählten aber um 1910 noch etwa 20 % (vornehmlich Griechen im Westen und Norden Pontos-Griechen). Von anderen kleinen Religionsgemeinschaften (genaue Zahlen werden nicht erhoben) sind etwa 20.000 Juden zu erwähnen.
Die „Stadt am Bosporus“ teilt sich wegen der interkontinentalen Meeresenge in einen europäischen und einen asiatischen Teil auf. Sie werden durch dichten Schiffsverkehr und zwei Brücken miteinander verbunden.
Die zweite Meeresenge zu Kleinasien sind die Dardanellen (antiker Hellespont) zwischen der europäischen Halbinsel Gallipoli (türk. Gelibolu) und der Region von Troja und Çanakkale. Geologisch gesehen gehören aber Asien und Europa zusammen - als zusammenhängender Großkontinent Eurasien.
Im äußersten Süden sind hohe Temperaturen vorherrschend, die früher von Sumpffieber begleitet wurden.
Um 2000 v. Chr. bestand in Anatolien das Fürstentum der Hatti (auch Protohethiter). Es wurde von Indoeuropäern abgelöst, deren Migration einige Völker vom Kaukasus hierher brachte: Die Völker der Pala ließen sich im Norden (speziell in Paphlagonien) nieder, die Nesi und Luwier in Mittel- und Südanatolien. Nach ersten Fürstentümern gründeten sie ab 1660 v. Chr. das Großkönigreich der Hethiter (1460 - 1190 v. Chr.). Diese Föderation war neben Ägypten die zweite Supermacht der damaligen Zeit.
Im 9. Jahrhundert v. Chr. etabliert sich das Reich Urartu im späteren Armenistan am ostanatolischen Euphrat. König Sa(r)dur I. (um 830) errichtet die Hauptstadt Tuschpa am Van-See. Hochwertige Bewässerung und Zucht, Metalle und eigene Hieroglyphen wurden entwickelt. Um 620 v. Chr. wird das Reich von den Skythen erobert und vernichtet.
Nach 700 v. Chr. begannen griechische Ionier und Dorer entlang der Ägäisküste Kolonien zu gründen. In den Jahrhunderten danach wurden u.a. folgende Landschaften unterschieden:
546 v. Chr. eroberte Persiens Großkönig Kyros II. Lydien und danach die griechischen Städte an der Küste und Lykien. Um 500 v. Chr. wurde Südanatolien dem Perserreich angegliedert. Infolge der Perserkriege fiel die Westküste wieder an die Griechen, wurde aber nach dem Peloponnesischen Krieg wieder persisch.
Alexander der Große setzt mit seinem Heer 334 v. Chr. über das Marmarameer und schlug die Perser vernichtend. Fast ganz Kleinasien wurde Teil des Alexanderreichs. Nach Alexanders Tod teilten die Diadochen das Reich auf, Kleinasien ging an Seleukos I..
Sein Konkurrent Philetairos spaltete 282 v. Chr. davon das Reich von Pergamon ab, bis es 133 v. Chr. an Rom vererbt wurde. Um 275 siedelten sich Kelten aus Thrakien nach Plünderungen in Zentralanatolien an und gründeten das Reich Galatien.
Ab 60 v. Chr. kamen die Küstenregionen durch Pompeius zum Römischen Reich. Ein starker Gegner war König Mithridates VI. Eupator von Pontus (121-63 v.Chr.). Später wurde auch das Landesinnere annektiert und um das Jahr 65 die Provinzen neu gegliedert (Pontus im Norden, Cilicia (Kilikien) im Süden und Syria im Osten). Die Könige von Galatien, Kappadokien, und Paphlagonien behielten als Vasallen Roms und als "Puffer" gegen Nachbarvölker ihren Thron.
Mit der „Pax Romana“ des Augustus begann um die Zeitenwende eine Blütezeit bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. (Kaiser Trajan und Hadrian). Um das Jahr 50 begann das Christentum Fuß zu fassen, zuerst in Perge, später bis zur Hauptstadt Ephesos und bis Griechenland - siehe z.B. die Paulusbriefe an verschiedene Gemeinden. Auch einige Bischofssitze entstanden, unter anderem in Myra, in dem um 350 der heilige Nikolaus wirkte. Auch die ersten Konzile fanden in Kleinasien statt.
324 wurde Konstantinopel zur Residenz des oströmischen Reiches. Nach dem Untergang Westroms (476) blieb Kleinasien ein Kerngebiet des Byzantinischen Reichs. Ende des 11. Jahrhunderts wurden weite Teile von den Türken erobert, doch konnte Byzanz mit dem Beginn der Kreuzzüge wieder in die Offensive gehen, bis nach dem 4. Kreuzzug Byzanz die Verteidigung in Kleinasien nicht mehr auffrecht erhalten konnte. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts fielen die letzten byzantinischen Städte in türkischer Hand.
Im 11. Jahrhundert drangen aus dem Osten die turkmenischen Seldschuken vor und wurden von Arabien unterstützt. Nach dem Sieg bei Malazgirt (1071) fiel der Großteil Anatoliens an sie. Das Zentrum ihres Reiches war Ikonion (die heutige Großstadt Konya), 200 km südlich von Ankara (Ankyra, ab 1023 Angora).
Im 12. Jahrhundert konnte Byzanz einige Gebiete wieder zurückgewinnen. Das oströmische Reich endete erst 1453 mit dem Fall von Konstantinopel an die Osmanen.
Mit den Mongolen Mitte des 13. Jahrhundert zerfiel das Seldschukenreich in viele Turkfürstentümer. Eine ihrer Dynastien, nach ihrem Führer Osman I. (1281-1326) die Osmanen benannt, unterjochte die umliegenden Gebiete und eroberte 1326 auch den byzantinischen Norden bei Bursa. Im Osmanischen Reich verloren alle o. a. antiken Provinzen endgültig ihre Autonomie und meist auch ihren Namen.
Vor und nach dem 1. Weltkrieg zerfiel das Osmanenreich, das im 16. Jahrhundert bis Bosnien und Ungarn expandiert war. Sein kleinasiatischer Teil wurde unter Atatürk im Krieg gegen die Griechen vereint, die nach 1918 von Smyrna (İzmir) aus Richtung Ankara vorgedrungen waren. Diese Kämpfe endeten erst 1922 mit der Vertreibung einiger Millionen Menschen und dem „Bevölkerungsaustausch“ 1923 (Vertrag von Lausanne). Siehe auch: Türkischer Befreiungskrieg
Heute gliedert sich die Türkei in 81 Provinzen, davon 76 in Kleinasien und 5 im europäischen Teil westlich Istanbuls.
Kleinasien | Region | Geographie (Türkei) | Halbinsel
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