Die analytische Geometrie ist ein Teilgebiet der Geometrie, das algebraische Hilfsmittel (vor allem aus der linearen Algebra) zur Lösung geometrischer Probleme bereitstellt. Sie ermöglicht es in vielen Fällen, geometrische Aufgabenstellungen rein rechnerisch zu lösen, ohne die Anschauung zu Hilfe zu nehmen.
Geometrie, die ihre Sätze ohne Bezug zu einem Zahlensystem begründet, entweder aus der Anschauung heraus oder auf einer axiomatischen Grundlage, wird demgegenüber als synthetische Geometrie bezeichnet.
In der Physik und anderen Naturwissenschaften werden Verfahren der analytischen Geometrie eingesetzt, etwa bei der Beschreibung von Planetenbahnen. Ursprünglich befasste sich die analytische Geometrie nur mit Fragestellungen der ebenen und der räumlichen (euklidischen) Geometrie. Analytische Geometrie im allgemeinen Sinn beschreibt affine Räume beliebiger Dimension über beliebigen Körpern.
Entscheidendes Hilfsmittel der analytischen Geometrie ist ein Koordinatensystem. In der Praxis verwendet man meist ein kartesisches Koordinatensystem. Für manche einfache Fragestellungen, etwa die Bestimmung von Geradenschnittpunkten, die Untersuchung von Geraden auf Parallelität oder die Berechnung von Teilverhältnissen würde allerdings schon ein schiefwinkliges Koordinatensystem ausreichen. Unverzichtbar ist ein kartesisches Koordinatensystem, wenn Abstände oder Winkel berechnet werden sollen.
Ein Punkt wird beschrieben durch zwei oder mehr reelle Zahlen (Koordinaten). Gleichwertig verwendet man den so genannten Ortsvektor des Punktes, das ist der Verbindungsvektor des Ursprungs des Koordinatensystems mit dem gegebenen Punkt; die Koordinaten dieses Vektors (meist untereinander geschrieben) stimmen mit den Punktkoordinaten (meist nebeneinander notiert) überein.
Kompliziertere geometrische Gebilde wie Geraden, Ebenen, Kreise, Kugeln usw. werden als Punktmengen aufgefasst und durch Gleichungen beschrieben. Dabei kann es sich um Koordinatengleichungen oder um Parametergleichungen handeln:
Die zusammengefassten Koordinaten von Punkten bilden im ebenen Fall geordnete Paare, im räumlichen Fall geordnete Tripel, allgemein geordnete n-Tupel von Zahlen. Heute werden solche Koordinatentupel in aller Regel als Vektoren aufgefasst. Viele Rechnungen der analytischen Geometrie werden durch die Methoden der Vektorrechnung vereinheitlicht und vereinfacht. Obwohl die gesamte analytische Geometrie ohne Vektoren erfunden wurde und natürlich immer noch ohne Vektoren praktiziert werden kann und umgekehrt der Vektorraum als ein abstrakt-algebraisches Konstrukt ohne geometrischen Bezug definiert werden kann, erscheint die Verwendung von Vektoren in kartesischen Koordinatensystemen so natürlich, dass "Lineare Algebra und Analytische Geometrie" in der Sekundarstufe II und im mathematisch-physikalisch-technischen Grundstudium allgemein als ein Kurs unterrichtet werden.
Jeder Punkt P der Ebene wird durch zwei Koordinaten beschrieben, z.B. P(2|-1,5). Die Koordinaten nennt man üblicherweise (in dieser Reihenfolge) die x-Koordinate (auch: Abszisse) und die y-Koordinate (auch: Ordinate). Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen und .
Man spricht auch von der Normal(en)form der Geradengleichung, da der Vektor senkrecht (normal) zur Geraden steht.
Dabei ist der Ortsvektor eines beliebigen Punktes der Geraden; ist ein so genannter Richtungsvektor, also ein Vektor, dessen Richtung parallel zur Geraden ist.
Durch eine (implizite Koordinaten-)Gleichung zweiten Grades
ist im Allgemeinen ein Kegelschnitt gegeben. Je nach den Werten der Koeffizienten kann es sich dabei um eine Ellipse (Spezialfall: Kreis), eine Parabel oder eine Hyperbel handeln.
Jeder Punkt P des Raumes ist durch drei Koordinaten bestimmt, z.B. P(4|-0,5|-3). Die Koordinaten werden (in dieser Reihenfolge) als x-, y- und z-Koordinate oder als -, - und -Koordinate bezeichnet.
Diesen Typ der Ebenengleichung bezeichnet man als Normal(en)form, da der Vektor senkrecht (normal) zur Ebene steht.
ist der Ortsvektor eines beliebigen Punktes der Ebene; und sind Richtungsvektoren, also Vektoren parallel zur Ebene.
Die allgemeine Koordinatengleichung zweiten Grades
beschreibt eine Fläche zweiter Ordnung. Die wichtigsten Spezialfälle sind:
Ellipsoid, elliptisches Paraboloid, hyperbolisches Paraboloid, einschaliges Hyperboloid, zweischaliges Hyperboloid, Kegel, elliptischer Zylinder, parabolischer Zylinder, hyperbolischer Zylinder
(noch sehr unvollständig)
Hier geht es darum festzustellen, ob ein gegebener Punkt zu einer gegebenen Punktmenge (etwa zu einer Geraden) gehört. Als Beispiel soll die Gerade mit der expliziten Koordinatengleichung
betrachtet werden.
Der Punkt P(2|1) ist Element dieser Geraden (d.h. umgangssprachlich: er liegt auf dieser Geraden), wie man durch Einsetzen der Koordinaten x=2 und y=1 erkennt:
Der Punkt S(4|2) hingegen ist nicht Element dieser Geraden (liegt nicht auf der Geraden). Für x=4 und y=2 gilt nämlich
Die Bestimmung der Schnittmenge zweier Punktmengen (z.B. des Schnittpunkts zweier Geraden) läuft auf das Lösen eines Gleichungssystems hinaus. Je nachdem, in welcher Form die beiden Punktmengen beschrieben werden, variiert das Verfahren ein wenig:
Die Konzepte der analytischen Geometrie lassen sich dadurch verallgemeinern, dass man Koordinaten aus einem beliebigen Körper sowie beliebige Dimensionen zulässt.
Ist V ein Vektorraum über einem Körper K und R ein zu V gehöriger affiner Raum, so lässt sich ein k-dimensionaler Unterraum von R beschreiben durch die Parametergleichung
Dabei ist der Ortsvektor eines beliebigen Punktes des Unterraumes; die Vektoren sind linear unabhängige Vektoren, also eine Basis des Untervektorraums von V, der zum betrachteten Unterraum von R gehört.
Für k = 1 handelt es sich um die Gleichung einer Geraden, für k = 2 um die Gleichung einer Ebene. Ist k um 1 kleiner als die Dimension von R bzw. V, so spricht man von einer Hyperebene.
In Analogie zu den Kurven zweiter Ordnung (Kegelschnitten) der ebenen Geometrie und zu den Flächen zweiter Ordnung der räumlichen Geometrie betrachtet man im n-dimensionalen affinen Raum auch so genannte Quadriken, das sind Hyperflächen zweiter Ordnung (mit der Dimension n-1), die durch Koordinatengleichungen zweiten Grades definiert sind:
Die analytische Geometrie wurde von dem französischen Mathematiker und Philosophen René Descartes begründet. Wesentliche Erweiterungen sind Leonhard Euler zu verdanken, der sich insbesondere mit den Kurven bzw. Flächen zweiter Ordnung befasste. Die Entwicklung der Vektorrechnung (unter anderem durch Hermann Graßmann) ermöglichte die heute übliche Vektorschreibweise.
David Hilbert hat nachgewiesen, dass die dreidimensionale analytische Geometrie vollständig äquivalent ist zu der (synthetischen) euklidischen Geometrie in der von ihm präzisierten Form. In praktischer Hinsicht ist sie dieser weit überlegen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde deshalb die Ansicht vertreten, Geometrie in der Art, wie sie seit Euklid gelehrt wurde, sei nur noch von geschichtlichem Interesse.
N. Bourbaki ging sogar noch einen Schritt weiter: Er verzichtete ganz auf geometrische Begriffsbildungen wie Punkt, Gerade usw. und hielt mit Behandlung der Linearen Algebra alles Nötige für gesagt. Dabei wird natürlich – wie stets bei Bourbaki – von den Bedürfnissen der angewandten Mathematik völlig abgesehen.
Formelsammlung Analytische Geometrie, Geradengleichung, Ebenengleichung, Kreisgleichung
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