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Amplitudenmodulation (AM) ist ein Modulationsverfahren. Dabei wird die Amplitude einer hochfrequenten Trägerwelle abhängig vom zu übertragenden niederfrequenten (modulierenden) Nutz-Signal verändert.

Niederfrequente Nutzsignale wie Sprache- oder Musiksignale, können häufig nicht direkt über gewünschte Übertragungsmedien wie beispielsweise einen Funkkanal übertragen werden. Zur Übertragung muss das Nutzsignal im Frequenzbereich verschoben werden, was die in diesem Artikel beschriebene Amplitudenmodulation bewerkstelligen kann. Durch die Verschiebung in unterschiedliche Frequenzbereiche können mehrere Nutzsignale gleichzeitig und ohne gegenseitige Störung übertragen werden.

Anwendung der Amplitudenmodulation


Amplitudenmodulation wird verwendet bei:

Die AM wurde früher zu Beginn der Rundfunktechnik eingesetzt, weil sich derartig modulierte Signale sehr einfach erzeugen und demodulieren lassen. Ebenfalls zeichnet sie sich durch einen geringen Anspruch an Bandbreite aus. So belegt bei der üblicherweise verwendeten Rundfunk-AM jeder Sender die Bandbreite 2*4,5kHz=9kHz. Diesen Vorteilen stehen etliche Nachteile wie Störanfälligkeit und schlechter Wirkungsgrad gegenüber, so dass in vielen Anwendungen nun abgewandelte Modulationsverfahren genutzt werden.

Modulation


Mathematische Beschreibung/Herleitung

(Nachfolgend werden sowohl f als auch \omega (Kreisfrequenz) mit Frequenz bezeichnet. Dies ist möglich, da beide über einen konstanten Faktor \omega=2 \cdot \pi \cdot f zusammenhängen. Trotzdem muss man beachten, das beide immer noch zwei verschiedene Größen sind, das wird über die Einheiten ausgedrückt wenn Zahlen auftreten, und [\omega =s^{-1})

amplitudenmodulation3.png Man erhält ein moduliertes Signal, wenn man das Nutzsignal
u_{NF}=\hat U_{NF}\cos{\omega t} (der Nullphasenwinkel wird als Null angenommen)
mit einer hochfrequenten Trägerschwingung \cos{\Omega t} (\Omega >> \omega) multipliziert und anschließend zum Trägersignal
u_T=\hat U_T\cos{\Omega t}
hinzuaddiert
u_{AM}=\hat U_T\cos{\Omega t}+\hat U_{NF}\cos{\omega t}\cos{\Omega t}
u_{AM}=(\hat U_T+\hat U_{NF}\cos{\omega t})\cos{\Omega t}

Mit Hilfe des Additionstheorems
\cos \alpha \cos \beta = \frac{1}{2}(\cos {(\alpha -\beta )}+\cos{(\alpha +\beta)})
erhält man
u_{AM}=\hat U_T\cos{\Omega t}+\frac{\hat U_{NF}}{2}(\cos{(\Omega -\omega )t}+\cos{(\Omega +\omega )t})
Aus der Formel kann man leicht das entstandene Frequenzspektrum ablesen. Das modulierte Signal enthält die Trägerfrequenz \Omega mit der Amplitude \hat U_T und die beiden Seitenfrequenzen \Omega -\omega und \Omega +\omega mit jeweils der Amplitude \frac{\hat U_{NF}}{2}. Diese einfachste Modulationsart der AM nennt man deshalb auch Zweiseitenbandmodulation (ZSB oder englisch DSB) mit Träger. Hier steckt die Information in den Seitenbändern, während der Träger selbst bei der Übertragung nur unnötigen Ballast darstellt. Wenn die Amplitude \hat U_{NF} der modulierenden Schwingung sich ändert, sinkt auch die Amplitude der Seitenfrequenzen. Wenn sich die Frequenz des modulierenden Signals ändert, ändern sich auch die Frequenzen der Seitenbänder.
In Abbildung 1 kann man unten neben dem modulierten Signal auch noch die beiden sogenannten Einhüllenden sehen. Diese dienen nur der Veranschaulichung, weil ihr Verlauf gleich dem modulierenden Nutzsignal ist. In Abbildung 2 sieht man die drei Spektren (von links) des modulierenden Nutzsignals, des unmodulierten Trägers und des modulierten Signals. Wie man erkennen kann sind die Amplituden der informationstragenden Seitenbänder wesentlich kleiner als die des Trägers.

AMSpektrum.png

Modulationsgrad
MGradTrapez.png

Mit dem Modulationsgrad m wird angegeben, wie stark das zu modulierende Nutzsignal die Amplitude des modulierten Signals beeinflusst.

m = \frac{\hat U_{NF}}{\hat U_T} = \frac{U_{AM_{max}}-\hat U_T}{\hat U_T} = \frac{U_{AM_{max}}-U_{AM_{min}}}{U_{AM_{max}}+U_{AM_{min}}}

Mit m ergibt sich für u_{AM}

u_{AM}=\hat U_T(\cos{\Omega t}+\frac{m}{2}(\cos{(\Omega -\omega )t}+\cos{(\Omega +\omega )t}))

Er muss größer als 0 und kleinergleich 1 sein, um eine sinnvolle Modulation zu gewährleisten. Bei Null findet keine Modulation statt -> der unmodulierte Träger wird übertragen. Bei m>1 findet eine Übermodulation statt, das entstandene Signal kann nicht mehr ohne Verzerrungen demoduliert werden. Deshalb wird oft die Amplitude des modulierenden Signals vorher begrenzt, um eine zu große Aussteuerung zu vermeiden.

Modulationstrapez

Beim Modulationstrapez wird die Amplitude des modulierten Signals (y-Achse) über der Amplitude des modulierenden Signals (x-Achse) aufgetragen. Bei sinusförmigen Signalen entsteht dabei ein Trapez. Je nach dem wie groß m ist, kann es wie ein normales Trapez (01) (siehe Abbildung 3). Aus dem Trapez lässt sich auch leicht die Formel für m bestimmen.
m=\frac{B-A}{B+A}
Wenn die Phase nicht konstant bleibt oder kein reines Sinussignal vorliegt, treten Verzerrungen des Modulationstrapezes auf oder es kann sich zu einem Zylinder wölben.

Zeigerdarstellung

In der Zeigerdarstellung werden die Modulationsanteile als Zeiger abgetragen. Auf dem starren Träger stehen die beiden Zeiger der Seitenfrequenzen und drehen sich mit \omega in jeweils entgegengesetze Richtung. Wie man in den Abbildungen 4 und 5 sehen kann, sind die x-Komponenten der Zeiger der Seitenfrequenzen stets entgegengesetzt, so dass sie sich bei der Addition aufheben. Es bleibt nur noch die Summe der y-Komponenten, die zur Trägeramplitude hinzuaddiert (wenn negativ subtrahiert) wird. So ist die resultierende momentane Amplitude des modulierten Signals immer in gleiche Richtung (in Phase) mit der Trägeramplitude. Das ist charakteristisch für die Zweiseitenbandmodulation.

AMZeiger1.png AMZeiger2.png

Bandbreite

Das Beispiel war sehr einfach, um grundlegend die Modulation verstehen zu können. Praktisch wird dabei eine niedrige Frequenz, also zum Beispiel ein einziger gleichlauter Ton auf den Träger moduliert. In der Realität moduliert man wesentlich mehr aufeinanderfolgende Frequenzen auf den Träger. Diese Menge an Frequenzen nennt man auch Frequenzband f_B und somit die Bereiche, die nach der Modulation neben dem Träger entstehen, Seitenbänder. Es gibt ein oberes (OSB) und ein unteres (USB) Seitenband. Zusammen bilden sie die Bandbreite B.

B = 2 \cdot f_B mit f_B=f_{max}-f_{min}

Am_spek1.png

Beim Rundfunk wird im AM Bereich ein standardisiertes Frequenzband von 4,5kHz Breite (von 0Hz bis 4,5kHz) übertragen, was zu einer Bandbreite B=9kHz führt.

Leistungsbetrachtung

Die eigentliche Nutzleistung steckt in den Seitenbändern, wobei in beiden Seitenbändern die gleiche Information steckt, was folglich bedeutet, das ein Seitenband völlig überflüssig ist, wie auch der Träger. Daraus ergibt sich ein Wirkungsgrad \eta.
\eta =\frac{P_{SB}}{P_{ges}}=\frac{m^2}{4+2m^2}
mit
P_{ges}=P_T+2P_{SB}
P_T=\frac^2}{2R}
P_{SB}=\frac^2}{8R}
R ist ein beliebiger Widerstand, auf den die Leistung bezogen wird.
Je nachdem, wie nun m gewählt wird, beträgt \eta zwischen 0% (m=0) und 17% (m=1).

Praktische Realisierung der Modulation

Ausnutzung der nichtlinearen Kennlinie eines Bauteils

Beim Diodenmodulator ist der erste Schritt zur Erzeugung eines AM-Signals die Addition des Trägersignals uT mit dem Informationssignal ui, auch Überlagerung oder Interferenz genannt (Abb. 8). Wie man sieht, braucht man dazu nur 2 Generatoren (HF-Oszillator und einen NF-Verstärker), die in Reihe geschaltet sind. Der zweite Schritt ist, uT+i an ein Bauelement mit gekrümmter Kennlinie zu geben.

Addition_schaltung.png

Einen einfachen Diodenmodulator zeigt dazu die Schaltung in Abb. 9, wo die Wechselspannung uT+i an die Anode einer Diode gegeben wird. Um später ein einwandfreies AM-Signal zu erhalten, muss vorher der Arbeitspunkt der Diode mit R1 so eingestellt werden, dass die Diode eben noch leitfähig ist (Schwellspannung). Das bedeutet, dass der Arbeitspunkt am unteren Ende der Kennlinie liegt. Es fließt daher ein geringer Diodenstrom ID. C1 dient zur Abblockung der Diodenvorspannung, damit diese nicht rückwärts in den HF-Generator fließt. Über C1 fließt die Spannung uT+i in die Diode, wodurch der Arbeitspunkt im Takte von uT+i an der gekrümmten Kennlinie hoch- und heruntergeschoben wird. Durch die Änderung des Arbeitspunktes ändert sich auch ID. Man kann sagen ID ist die Funktion von uT+i, wobei die Funktion durch die Kennlinie der Diode dargestellt wird (ID=f(uT+i)). ID erzeugt dabei einen Spannungsabfall an R2 (uR2), welcher proportional zu ID ist. Das Ergebnis der Verzerrung mit dem neuen Bezugspunkt, gekennzeichnet als blauer Sinus, zeigt das uR2-Diagramm. Daraus ist zu erkennen, dass uR2 einen Gleichspannungsanteil besitzt. Dieser kommt daher, weil durch die Arbeitspunkteinstellung immer ein geringer Diodengleichstrom ID fließt, welcher einen Gleichspannungsabfall an R2 erzeugt. Der Gleichspannungsabfall addiert sich somit mit uR2. Um ein AM-Signal zu erhalten, muss uR2 noch auf einen Bandpass gegeben werden, welcher die Gleichspannung und durch die Modulation hervorgerufenen unerwünschten Frequenzanteile abblockt. Das uAM-Diagramm zeigt das fertige AM-Signal. Rot gekennzeichnet ist das Informationssignal ui, welches die Amplitude das Trägers beeinflusst. Das Informationssignal ist jedoch zweimal vorhanden. Einmal beeinflusst es die Amplitude der positiven Halbwellen des Trägersignals und einmal die negativen. Vergleicht man das uT-Diagramm in Abb. 8 mit dem AM-Signal in Abb 9, so stellt man fest, dass die Trägeramplitude während der positiven Amplitude von ui teilweise größer ist, als beim Träger ohne Modulation.

Am_modulator.png

Multiplikative Modulation

Das Nutzsignal ist in der Regel ein Frequenzgemisch (z.B. Sprache). Abb. 10 stellt beispielsweise als NF-Quelle ein Mikrofon dar. Zur Veranschaulichung wird in diesem Beispiel (entgegen Abb. 10) nur eine Frequenz verwendet fi = 10 kHz. (Genau genommen enthält ein Dauerton von 10 kHz keine Information mehr). Als Trägersignal wird hier beispielsweise eine Frequenz im Langewellenbereich (LW) von fT = 230 kHz verwendet. Die Trägerfrequenz selber wird mit Hilfe eines HF-Generators oder auch Oszillators erzeugt.

Am_sender.png

Die eigentliche Modulation geschieht im Modulator. Im Idealfall wird das Nutzsignal mit dem Träger multipliziert (nicht addiert). Im Realfall wird dem Nutzsignal noch ein sog. Gleichanteil U0 (und Verzerrungen aufgrund Nichtlinearitäten) hinzugefügt. Elektronisch kann man eine 2-Quadranten-Multiplikation beispielsweise mit einen Differenzverstärker realisieren. (Beim Differenzverstärker-Beispiel bekommt Transistor Q1 HF und die Stromquelle Q3 bekommt NF).

Die Modulationsspannung Um ergibt sich somit zu:

U_m = U(f_T) \cdot ( U(f_i) + U_0 )

Wenn U0 = 0 ist, kann Ui < 0 den Träger invertieren (Modulation m > 1 siehe Kehrlage). Abgesehen davon funktioniert ein Differenzverstärker dann nicht (Betrieb nur in 2 Quadranten möglich). Also ist U0 so zu wählen, dass mind. U0 > Ui max) ist.

Setzt man nun entsprechend dem Beispiel die Frequenzen ein (Phase = 0 und U0 = 0) erhält man im Zeitbereich:

U_m = U_{0T} \cdot sin(f_T) \cdot U_{0i} \cdot sin(f_i)
U_m = \frac{1}{2} \cdot U_{0T} \cdot U_{0i} \cdot ( cos(f_T - f_i) - cos(f_T + f_i) )

Da die Darstellung im Zeitbereich trotz Vereinfachungen recht schnell unhandlich wird, drückt man die Modulation meistens Frequenzbereich aus. Die dazu nötige Transformationsregel ist die Fouriertransformation. Die dazu inverse Fouriertransformation führt wieder in den Zeitbereich.

Wesentlich ist dabei, dass aus einer Multiplikation im Zeitbereich eine Addition im Frequenzbereich wird:

f_m = f_T \pm f_i \rightarrow 220 kHz und -240 kHz

(Phase über Vorzeichen dargestellt und Amplitude weggelassen)

Dieses Signal gelangt hier an die Antenne und wird als Elektromagnetische Welle zum Empfänger übertragen.

Eine weitere, heute nicht mehr gebräuchliche Möglichkeit zur Erstellung eines modulierten Signals ist der Diodenmodulator. Die Multiplikation im Zeitbereich geschieht näherungsweise durch die nichtlineare Durchlasskennlinie der Diode.

Weitere Arten der Amplitudenmodulation

Bandbreiten- oder Leistungsbegrenzende Modulationsvarianten

Verfahren mit geringer Anfälligkeit gegen Störungen oder größerer Nutzung des Spektrums:

Demodulation


Demodulation mit Spitzenwertgleichrichter

Die einfachste Art der Demodulation kann als Gleichrichtung mit einer Diode mit anschließender Glättung erfolgen (Hüllkurvendemodulator). Siehe auch: Detektorempfänger.

Multiplikative Demodulation

Wie bereits anfangs erwähnt, wird zunächst mit einem auf die Trägerfrequenz fT abstimmbaren leicht gedämpften Schwingkreis eine schmalbandige Verstärkung (Bandpass) des gewünschten Frequenzbereiches (fT - fi max bis fT + fi max) durchgeführt. Danach wird, je nach zur Verfügung stehender Technologie die Modulation zu niedrigeren Frequenzen in n Stufen durchgeführt. Also je Stufe ein Modulator gefolgt von einem Tiefpass. Der Modulator selbst ist wie beim Sender ein Multiplizierer. In diesem Beispiel gibt es zur Vereinfachung nur einen (n=1) Modulator. Die für den Modulator erforderliche Trägerfrequenz im Empfänger fTe sollte möglichst gut der Trägerfrequenz des Senders fT entsprechen, sonst gibt es eine Schwebung. Die Nachregelung von fTe erfolgt heutzutage über eine PLL (Phase locked loop).

Ergebnis des Sender: fm1 = 220 kHz und fm2 = -240 kHz; fT = 230 kHz
(Phase über Vorzeichen dargestellt)

Im Empfänger unter Voraussetzung fT = fTe:

f_0 = f_{m1} \pm f_{Te}; und f_0 = f_{m2} \pm f_{Te} (Phase und Amplitude weggelassen)

woraus sich mit obigen Angaben die Frequenzen ergeben: -10 kHz; 450 kHz; -10 kHz; -470 kHz

Alle Frequenzen oberhalb von 10 kHz lassen sich nun einfach über einen Tiefpass TP ausfiltern.

Im Realfall ist es kaum möglich, die Trägerfrequenz des Senders hinreichend genau zu treffen. Um eine Vorstellung von der erforderlichen Genauigkeit zu bekommen, hier ein Beispiel: Eine Schwebung von 50 Hz entspricht einer Frequenzabweichung von 0,02% bezogen auf 230 kHz. Um möglichst vielen Problemen der Analogtechnik (muß justiert werden, elektronische Bauteile altern) aus dem Weg zu gehen und Platzbedarf zu minimieren, wird zunehmend auf digitale Signalverarbeitung gesetzt. Im Prinzip wird mit einen schnellen ADC (Analog-digital-Umsetzer) direkt das Empfangssignal in Sinus- und Cosinus-Anteil digitalisiert. Der Rest wird rechnerisch vom Signalprozessor geleistet.

Kurzbezeichnungen


  • A1 - Amplitudentastung
  • A2 - tönende Telegrafie
  • A3 - amplitudenmodulierte Übertragung analoger Signale (zum Beispiel von Sprache und Musik)

Siehe auch


Frequenzbereiche: http://www.bundesnetzagentur.de/

Weblinks


Übertragungstechnik | Funktechnik

Amplitude modulation | Amplitud Modulada | Modulation d'amplitude | איפנון משרעת | Amplitudna modulacija | AM | 振幅変調 | 진폭 변조 | Amplitudemodulatie | Amplitudemodulasjon | Modulacja amplitudy | Modulação em Amplitude | Am | 振幅調變

 

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