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Amphetamine :: Amphetamines
 

PubChem-Nr.
3007
Amphetamine.png
Pharmakologische Charakterisierung
Psychopharmakon,
Rauschdroge
Sympathomimetikum (Stimulans)
Rechtsstatus
DE / AT? / CH? BtMG Anlage 3
seit 1981(?)
Geschichte
Erstsynthese 1887 Edeleanu
Markteinführung 1932 Benzedrine®
Chemische Bezeichnungen und Handelsnamen
1-Phenylpropan-2-Amin (IUPAC)
α-Methylbenzenethanamin
α-Methylphenethylamin
1-Phenyl-2-Aminopropan
β-Phenylisopropylamin
β-Aminopropylbenzen
Desoxynorephedrin
Benzedrine® (Amphetaminsulfat)
Dexedrine® (d-Amphetaminsulfat)
Actemin®, Aktedron® (Amphetaminphosphat)
Adderall (verschiedene Salze)
Amphetamin (auch Phenylisopropylamin) ist eine synthetische Substanz, die nicht in der Natur nachgewiesen wurde. Das Amphetamin ist die Stammverbindung der gleichnamigen Strukturklasse, der eine Vielzahl psychotroper Substanzen angehört, unter anderem MDMA (Ecstasy) oder das auch in der Natur vorkommende Ephedrin. Amphetamin ist eine weltweit kontrollierte Droge; Handel und Besitz ohne Erlaubnis sind strafbar. Es ist ein indirektes Sympathomimetikum und hat somit eine anregende Wirkung auf das Zentralnervensystem. Aufgrund seiner stimulierenden und euphorisierenden Wirkung ist Amphetamin eine häufig missbrauchte Droge, die auf dem Schwarzmarkt meist unter den Namen Speed oder Pepp angeboten wird.

Allgemeines


Die Erstsynthese des Amphetamins gelang 1887 dem rumänischen Chemiker Lazar Edeleanu an der Humboldt-Universität Berlin.Lazar Edeleanu: Über einige Derivate der Phenylmethacrylsäure und der Phenylisobuttersäure. Ber. Dtsch. Chem. Ges. 1887, 616-622 1927 prägte der US-amerikanische Chemiker Gordon Alles den Namen Amphetamin, sich ableitend aus der heute veralteten chemischen Bezeichnung Alpha-Methylphenethylamin. Es zählt zu den Weckaminen (Amine mit „aufweckender“ Wirkung), diese Bezeichnung ist aber veraltet und findet nur noch selten Verwendung.

Ursprünglich als Bronchodilatator und zur Gewichtskontrolle verwendet, wird es heute aufgrund des Suchtpotenzials sowie anderer Nebenwirkungen medizinisch nur noch zur Behandlung der Narkolepsie und der Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS/ADHD) eingesetzt, vor allem in den USA aber steigt die Zahl der Verschreibungen von Amphetamin in Form des Fertigpräparats Adderall® seit Jahren stetig an. In Deutschland, sowie den meisten anderen Ländern werden bei diesen Indikationen allerdings andere, wirkungsähnliche Medikamente bevorzugt: bei ADS das Methylphenidat (Ritalin®, Equasim®, Concerta®, Medikinet®), bei der Narkolepsie Modafinil (Vigil®). Als Appetitzügler war das Amphetaminderivat Fenfluramin seit den 1960er Jahren in Gebrauch, es wurde aber 1997 aufgrund von Nebenwirkungen, die in seltenen Fällen lebensbedrohlich sein können, vom Markt genommen. Amphetamin wurde auch als Dopingmittel gebraucht.

Als Rauschmittel ist Amphetamin aufgrund seiner Wirkungen wie Unterdrückung von Müdigkeit oder der Steigerung des Selbstbewusstseins vor allem in der Partyszene verbreitet. Die Menge an beschlagnahmtem Amphetamin in der EU nimmt seit 1985 mehr oder weniger stetig zu, während ab 1999 eine gewisse Stagnation erreicht wurde, stieg die Zahl in den skandinavischen Ländern weiter an.EMCDDA 2001 Indikatoren für den Drogenmarkt - Sicherstellungen, Preis, Reinheit UNO-Statistik 2003 (engl.)

Zeittafel


vor 1900 bis 1950

1950 bis heute
  • in den 1950er Jahren erreicht der Amphetaminge- und -missbrauch in Japan enorme Ausmaße, es wird von über 2 Millionen Konsumenten ausgegangen, auch in Europa (dort vor allem in Schweden) und den USA steigt die Zahl von Missbrauchsfällen rapide an.
  • 1959 gibt es erste Berichte über Konsumenten in den USA, die den Inhalt der Benzedrine®-Inhaler injizieren, im Zuge dessen werden zur Injektion missbrauchbare Inhalatoren vom Markt genommen und es werden erste Fälle von illegal produziertem Amphetamin bekannt.
  • 1970: Amphetamin wird in den USA in Schedule II des Controlled Substances Act (CSA) aufgenommen, das heißt, Handel, Besitz und Herstellung ohne Genehmigung sind damit strafbar, durch einen Arzt verschreibungsfähig ist es weiterhin.
  • bis in die späten 1970er Jahre ist Amphetamin in Form von Benzedrin® in Deutschland relativ leicht über den Arzt erhältlich.
  • im 1981 neugefassten BtmG ist Amphetamin in Anlage III aufgeführt, was Handel, Besitz und Herstellung ohne Genehmigung unter Strafe stellt, vom Arzt kann es allerdings verschrieben werden. Heute ist das (kaum psychoaktive) Levoisomer in Anlage II als nicht verschreibungsfähig aufgeführt, das Racemat und das Dextroisomer weiterhin in Anlage III.
  • 1994 bringt Shire Labs in den USA Adderall® (bis zu 30 mg Amphetamin je Tablette) als Mittel gegen ADS auf den Markt.
  • Einige Länder sind verblieben, in denen es noch medizinisch genutzt wird , vor allem in den USA. In der Drogenszene ist Amphetamin weltweit weiterhin stark verbreitet, wenn auch das Amphetaminderivat Methylamphetamin (Crystal, Meth) vor allem in den USA, Asien sowie Osteuropa oft die größere Bedeutung hat.

Pharmakologie


  • LD50 (Hund)
  • LD50 (Ratte)
||
  • 10 mg/kg (oral)
  • 180 mg/kg (s.c.)
INCHEM
DrugBank-Nr.
APRD00480
Pharmakodynamik
Wirkung NA/DA-Release
Toleranzausbildung Tachyphylaxie
Pharmakokinetik
Plasmahalbwertszeit ca. 10h
Lipidlöslichkeit LogP = 1,80
Toxizität/Sicherheitshinweise
R- und S-Sätze
R25, S45
Hazard_T.svg Giftig
(rac)-Amphetamin besteht aus den beiden Stereoisomeren Dextro- und Levoamphetamin, ersteres liefert verstärkt die gewünschten Effekte und wird daher auch als Eutomer bezeichnet, Levoamphetamin als Distomer.

Dextroamphetamin
Transmitter-Ausschüttung (Release)
Die Wirkung des D-Amphetamins auf das ZNS besteht hauptsächlich in der Ausschüttung der Neurotransmitter Noradrenalin (NA) und Dopamin (DA) – bei einem ungefähren Verhältnis von 3,5:1. Eine wesentliche Ausschüttung von Serotonin (5HT) wird dagegen nicht beobachtet.Rothmann, Baumann 2002: Therapeutic and adverse actions of serotonin transporter substrates. (engl.) Die mitunter verwendete Bezeichnung Release (dt. für freisetzen) stammt aus dem Englischen und hat in die deutsche Fachsprache Eingang gefunden.

Der Release-Mechanismus umfasst drei Schritte:
a) den Einstrom des D-Amphetamins in die präsynaptische Zelle über den Transporter
b) die Freisetzung der Neurotransmitter aus den Vesikeln (Speicherbläschen innerhalb der Zelle) in den Zellinnenraum (Zytosol)
c) den aktiven Transport der Transmitter vom Zellinneren in den außerzellulären Raum (synaptischer Spalt), mittels einer Richtungsumkehrung des zellmembranständigen Transporters (Inversion).

Auf diese Weise wird der extrazelluläre Transmitterspiegel erhöht. Im Gegensatz zum Prinzip der Wiederaufnahmehemmung geschieht dies unabhängig vom Signalimpuls der Nervenzelle.

Toxikologie

Die LDLo (Lethal Dose Low / niedrigste publizierte letale Dosis) beim Menschen liegt bei 1,3 mg/kg; bei 75 kg Körpergewicht entspräche das etwa 100 mg. Bei bestehender Toleranz liegt die Dosis bedeutend höher, so sind Fälle von Einzeldosen von 1.000 mg und Tagesdosen von bis zu 5.000 mg bekannt. Versuche mit Affen zeigten eine deutliche höhere relative Toxizität bei Jungtieren, die LD50 in mg/kg lag dort etwa 65-75% unter der von adulten Tieren.IPCS INCHEM: Toxicity of amphetamine (engl.)

Chemie


  • Base
  • Salze
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  • Base
  • Salze
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  • sauer, brennend
  • bitter
! colspan="2" style="background-color:#edfbbb;" | Analysespektren
Chemisch-physikalische Daten
Summenformel C9H13N
Molmasse 135,22 g/mol
Dichte 0,913 kg/m³
Schmelzpunkt
Siedepunkt 200-203 °C (Base)
Säurekonstante 10,1 (pKs)
Löslichkeit
Geruch (Base) Amingeruch (ähnlich Geranienblättern)
Geschmack
Massenspektrum Link
Literatur
CAS-Nummer
Beilstein E4, XII, 2586
Merck-Index S. 97, Nr. 587
Patente

Allgemeines

Der offizielle IUPAC-Name ist 1-Phenylpropan-2-amin. Amphetamin hat ein Stereozentrum an C2 und ist damit chiral. Es ist ein Homologon des Phenylethylamins. Die Base, eine ölige Flüssigkeit, ist wenig löslich in Wasser, löslich in Alkohol, Ether und Säuren. Die Salze sind löslich in Wasser und in Alkohol.

Herstellung

Es existiert eine Vielzahl unterschiedlichster Syntheserouten.Syntheserouten im Überblick (engl.) In der pharmazeutischen Industrie wird Amphetamin in der Regel durch Kondensation von 1-Phenyl-2-propanon (Phenylaceton/P2P) mit Ammoniak und anschließender Reduktion hergestellt. In den USA lag die von der DEA genehmigte Produktionsmenge im Jahr 2000 bei 15.000 kg, entsprechend 500.000.000 Einzeldosen zu 30 mg.PBS Statistics on stimulant use. (engl.)
Illegales_Methlab_(USA).jpg In der illegalen Produktion wird Amphetamin beispielsweise durch Reduktion von Norephedrin (Phenylpropanolamin) mit Iod und rotem Phosphor, aus Benzaldehyd und Nitroethan oder aus P2P (Phenylaceton) gewonnen. Konnte Amphetamin früher auch von Privatleuten relativ ungehindert aus Vorstufen wie Phenylaceton und Hydroxylamin synthetisiert werden, wurden diese Chemikalien zunehmend von den Behörden beobachtet, bzw bei Phenylaceton und Norephedrin die ungenehmigte Herstellung und der Handel unter Strafe gestellt (Grundstoffüberwachungsgesetz), und es entstand für illegal arbeitende Produzenten ein Bedarf an Ersatzstoffen, die nicht überwacht wurden. So wurden Phenylessigsäure, Benzaldehyd u.a. nach und nach in die illegale Produktion einbezogen. Seit Jahrzehnten gibt es immer neue Anweisungen für Herstellungsmöglichkeiten von Amphetamin, die Stoffe benutzen, die noch nicht verdächtig sind. Auch auf diese Herstellungswege werden die Behörden schließlich aufmerksam und der Kreislauf setzt sich fort. Sogenannte „OTC-Methoden“ (Over-The-Counter, engl. für „Über-die-(Laden)theke“ was etwa „frei erhältlich“ bedeutet) verbreiten sich daher zunehmend. Die Bezeichnung steht für die Gewinnung von benötigten Vorläuferstoffen aus rezeptfreien Medikamenten oder anderen frei verfügbaren Waren (Reiniger, Autozubehör), deren Abgabe anders als bei Reinstoffen nicht wirklich reglementierbar ist. So konnte beispielsweise Norephedrin (PPA) in den USA bis 2002 aus rezeptfreien Appetithemmern gewonnen werden.

P2P_zu_Amphetamin.gif

Giftige Nebenprodukte in der klandestinen Herstellung
Obwohl Amphetamin grundsätzlich relativ einfach zu synthetisieren ist, bleibt die Qualität des Produkts fragwürdig, wenn die Herstellung ohne die nötige Sorgfalt geschieht und nicht durch fundierten Sachverstand flankiert wird. Illegal produziertes Amphetamin kann daher mehr oder weniger stark mit teilweise giftigen Nebenprodukten verunreinigt sein, wenn der korrekten Reaktionsführung sowie der erforderlichen Aufreinigung nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird; an der Expertise mangelt es meistens und apparativer/präparativer Aufwand schmälert die Gewinnspannen im illegalen Vertrieb. Die möglichen Verunreinigungen unterscheiden sich je nach Art der Synthese, bei der reduktiven Aminierung von Phenylaceton beispielsweise kann u.a. Formamid anfallen, eine giftige Substanz.Anthonie 1989: Impurities in Illicit Drug Preparations: Amphetamine and Methamphetamine (engl.)

Umweltkriminalität
Die bei der illegalen Herstellung anfallenden Chemikalien werden selten fachgerecht entsorgt. So werden benötigte Lösemittel wie z.B. Aceton, Ether, Methanol, und starke Säuren wie Schwefelsäure und Salzsäure meist in Fässern oder Kanistern nachts in ländlichen Gegenden abgeladen oder in Flüsse entleert, teils auch (dazu gehören auch Wasserstoffkartuschen) in Brand gesteckt.Europol: The "Dirty" and Dangerous Side Effects of Synthetic Drugs Production (engl.) Unter anderem in den USA und den Niederlanden – beides Staaten mit hoher illegaler (Meth-)Amphetaminproduktion – wachsen die Umweltschäden durch giftige Beiprodukte teilweise zu gravierenden Problemen heran. Bei der Herstellung von 1 kg Amphetamin fallen je nach Syntheseroute 5 bis 20 Liter Abfälle an. Neben der Quantität hängt auch die Art und die Giftigkeit der Abfälle von der jeweiligen Syntheseroute ab.

Wirkung


Amphetamin ist ein sogenanntes Sympathomimetikum, d.h. es wirkt stimulierend auf den Sympathikus ein. Im Gehirn bewirkt Amphetamin die Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Der Körper wird in einen Zustand versetzt, der im Englischen als „Fight-Fright-Flight“ (engl. für „Kämpfen, Fürchten, Flüchten“) bezeichnet wird und in lebensbedrohlichen Lagen sinnvoll ist. Dabei werden jegliche körperliche Bedürfnisse, die nicht unmittelbar überlebensnotwendig sind, wie Hunger, Durst, Müdigkeit, Schmerzen, etc., mehr oder weniger ausgeschaltet (vorrangig durch Adrenalin/Noradrenalin), um den Menschen möglichst effizient reagieren zu lassen. Außerdem wird das Selbstbewusstsein gesteigert (vorrangig durch Dopamin) und die Aggressionsschwelle gesenkt, um eine körperliche Verteidigung gegen die Gefahr zu ermöglichen. Ebenfalls wird das Bewusstsein stark auf ein bestimmtes Ereignis (ursprünglich die Gefahr) fokussiert (sogenannter „Tunnelblick“). Kreislauf und Körper richten sich auf die zu erwartende hohe Belastung u.a. durch Steigerung des Blutdrucks und Weitung der Bronchien (zur vermehrten Aufnahme von Sauerstoff) ein.Adderall_10mg.jpg

Löst man diese Reaktionen des Körpers nun künstlich durch Amphetamin aus, so ergeben sich verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Zum einen die Appetithemmung; so werden noch heute verschiedene Amphetaminderivate als Diätmittel genutzt. Die Verringerung des Schlafbedürfnisses kann dort genutzt werden, wo Menschen über lange Zeit Leistung erbringen müssen bzw. wollen, beispielsweise also Schichtarbeiter, Fernfahrer oder Partygänger. Die Steigerung des Selbstbewusstseins ist ein Grund des Einsatzes von Amphetamin als Rauschmittel. Die Forcierung des Bewusstseins auf bestimmte Aufgaben macht sich die Medizin beim Einsatz von Amphetamin bei Hyperaktivität zu Nutze, da sich konzentrationsschwache Menschen dann länger auf eine Aufgabe konzentrieren können.

Auch die rein körperlichen Wirkungen werden medizinisch genutzt. So kam Amphetamin früher als Asthmamittel zum Einsatz, da das Abschwellen der Schleimhäute und vor allem die Weitung der Bronchien ein freieres Atmen ermöglichen. Heute findet man diesen Zusammenhang noch bei verschiedenen Antiallergika, die Pseudoephedrin enthalten. Pseudoephedrin ist ein Amphetaminderivat (genauer eines des Methamphetamin) und führt daher auch ein Abschwellen der Schleimhäute herbei, was u.a. bei Heuschnupfen erwünscht ist, hat aber nur sehr geringe psychoaktive Wirkung, was eine deutlich freiere und risikoärmere Anwendung ermöglicht, weshalb Amphetamin bei solcher Indikation gar nicht mehr zum Einsatz kommt.

Zusammenfassend kann man folgende Hauptwirkungen aufführen:

  • Appetithemmung
  • Mobilisierung letzter Kraftreserven und Verringerung des Schlafbedürfnisses
  • Steigerung des Selbstbewusstseins bis hin zur Euphorie
  • erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit (bei hohen Dosen überdecken die anderen Wirkungen diese, so dass eher Bewegungsdrang bis zur Nervösität bleibt)

Körperlich:

Es existieren zwei Enantiomere des Amphetamin, von denen das Dextroisomer (D-Amphetamin) vor allem für die Hauptwirkungen wie Stimulation, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Appetithemmung oder erhöhtes Selbstbewusstsein verantwortlich ist, während das Levoisomer (L-Amphetamin) eher die rein körperlichen, peripheren Wirkungen wie erweiterte Pupillen, Mundtrockenheit, vermehrte Schweissbildung u.a. hervorruft. Manche Amphetaminpräparate wie das Dexedrine® enthalten daher nur das Dextrosisomer, was eine „sauberere“ Wirkung zur Folge hat. Allgemein handelt es sich bei Amphetamin (sowohl aus legaler wie illegaler Produktion) sonst immer um das Racemat, einer Mischung aus (leicht variierend je nach Syntheseroute) 50% d-Amphetamin und 50% l-Amphetamin, so dass hundertprozentige D-Amphetamin-Präparate wie Dexedrine® nur halb so hoch dosiert werden müssen. Da dieser Unterschied in der Wirkung der Isomere bei fast allen Amphetaminen auftritt, ist in den USA beispielsweise ein Inhalator mit L-Methamphetamin frei erhältlich - anders als das Racemat ruft dieses nämlich nur ein Abschwellen der Schleimhäute hervor.

Medizinischer Gebrauch


Amphetaminsulfat-d-l-10mg.jpg

Ab Anfang der 1930er Jahre wurde Amphetamin zunächst als Bronchodilatator (Mittel zur Erweiterung der Bronchien, wie es beispielsweise bei Asthma oder Atemwegserkrankungen zum Einsatz kommt) genutzt, die stimulierende und konzentrationsfördernde Wirkung war noch unbekannt. Erst gegen Ende der 1930er Jahre entdeckte man diese weiteren Wirkungen des Amphetamins und mit der Zahl der daraus resultierenden neuen Indikationen stieg auch die Zahl der Verschreibungen rasch an. Es wurde nun als Asthmamittel, gegen Depressionen, zur Leistungssteigerung, bei Stress, Erkältungen oder Allergien sowie anderen Erkrankungen verordnet, was dazu führte, dass Amphetamin lange Zeit relativ problemlos über einen Arzt erhältlich war. In dieser Zeit gab es auch Kombipräparate (z. B. Dexamyl®) die neben Amphetamin auch ein starkes Beruhigungsmittel (meistens verschiedene Barbiturate) gegen dessen Nebenwirkungen enthielten, eine Kombination die heute als wenig sinnvoll und riskant angesehen wird, aber damals gerne und oft als Mittel für gestresste Hausfrauen verschrieben wurde. Während Amphetamin bis Ende der 1970er Jahre als Benzedrin® auch in Deutschland (frei) verschrieben wurde, ist es heute nur noch auf Betäubungsmittelrezept verschreibungsfähig. Zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) hat sich bei uns das nicht gänzlich unumstrittene Ritalin® (Methylphenidat) durchgesetzt, weshalb es in Deutschland kein Amphetamin-Fertigpräparat mehr gibt. In den USA dagegen ist Amphetamin für die medikamentöse Behandlung von ADHS seit Jahren auf dem Vormarsch und wird in stetig steigender Zahl anstelle von Ritalin® verschrieben, meistens als Adderall®, seltener als Dexedrine®. Trotz der hohen Anzahl an Verschreibungen in den USA, gerade an Schüler, gibt es laut einer Studie von 2001 im Auftrag des US-Kongresses keine Häufung von Missbrauchsfällen.United States General Accounting Office 2001: ATTENTION DISORDER DRUGS: Few Incidents of Diversion or Abuse Identified by Schools (engl./PDF)

Dexedrine 15mg.jpg

Bei korrekter Anwendung von Amphetaminderivaten beispielsweise bei der Aufmerksamkeitsdefizitstörung unter ärztlicher Aufsicht, sind keine Fälle von Sucht bekannt. Die Dosierung liegt dabei zu Anfang der Behandlung bei 5 bis 10 mg / Tag und kann bis auf 60 mg / Tag gesteigert werden. Zum einen sind die verschriebenen Dosen somit meistens wesentlich kleiner als die beim Missbrauch, zum anderen entfällt in diesem Fall meistens auch die euphorisierende Wirkung, unter anderem da hier stets eine orale Konsumform im Gegensatz zum sonst gängigen "Schniefen", dem nasalen Konsum, zum Einsatz kommt, was eine weit geringere Anflutgeschwindigkeit zur Folge hat. Es gibt Hinweise nach denen die Anflutgeschwindigkeit (die Geschwindigkeit mit der eine Substanz das Hirn erreicht) in sehr engem Zusammenhang mit einer Suchtentwicklung steht, was die angesprochenen fehlenden Suchtfälle erklären würde. Eine weitere Indikation ist die Narkolepsie, bei der heute Modafinil verschrieben wird, das als völlig neuer nicht-amphetamin-ähnlicher Strukturtypus entwickelt wurde.

Nichtmedizinischer Gebrauch


Außerhalb der legalen medizinischen Anwendung werden Amphetamine in Pillenform oder (häufiger) als Pulver konsumiert. Das Pulver wird meistens durch die Nase aufgenommen, „geschnupft“, „gezogen“ oder auch „gerotzt“, im Allgemeinen mit einem zu einem Ziehröhrchen geformten Geldschein oder einem Metallziehröhrchen, möglich sind aber auch oraler sowie parenteraler Konsum (s.u.). Im Vergleich zum Kokain sind die Preise eher gering. Für Endverbraucher kostet das Gramm ca. 5 bis 20 Euro (bei regional und saisonal oft stark schwankenden Preisen), wobei es sich dabei nicht um den Reinstoff, sondern um ein Pulver mit etwa 8 bis 30 % Amphetamingehalt handelt. Amphetamin, von Konsumenten meistens als Speed, Pep oder Amphe bezeichnet, wird in Deutschland und Europa größtenteils in der Techno-Szene zum Durchhalten während langer Nächte konsumiert. In anderen Gegenden (vor allem Asien - dort allerdings eher Methamphetamin („Yaba“)) zieht sich der Konsum durch breitere Bevölkerungsschichten, Arbeiter, Manager und Hausfrauen steigern dadurch ihre Leistungsfähigkeit. Es macht wach, erzeugt eine leichte Euphorie und bemächtigt einen zu stundenlangem Tanzen oder anderen energiezehrenden Tätigkeiten, seien sie körperlicher oder auch geistiger Natur. Nach dem Konsum kommt es oft zum sogenannten Abturn, einem Gefühl der Nervosität und Abgespanntheit; der Körper fordert die dringend benötigte Ruhe ein, aber das noch nicht vollständig abgebaute Amphetamin verhindert das. Aus diesem Grund ist es verbreitet, sich etwa mit Cannabis „herunterzurauchen“. Teilweise werden auch stärkere Beruhigungsmittel (meistens Benzodiazepine wie Rohypnol® (Flunitrazepam) oder Valium® (Diazepam)) eingenommen, um zur Ruhe zu kommen. Gerade die Unterdrückung der Symptome durch Benzodiazepine ist sehr gefährlich, da der Konsument in einen Teufelskreis von Uppers (Amphetamin) → Downer (Benzodiazepin) → Upper → Downer → ... geraten kann, wobei jedes Mittel jeweils die Nach- und Nebenwirkungen des anderen bekämpfen soll.

Amphetamin_Pulver.jpg Neben dem nasalen Konsum (schniefen) kann Amphetamin auch oral (durch den Mund), wobei es meistens in Papiertaschentücher gewickelt (sog. Bomben/Bömbchen) oder in Getränken gelöst wird, konsumiert werden. Während die orale Aufnahme bei medizinischer Anwendung die gängige Darreichungsform ist, trifft man sie ansonsten seltener an. Beim oralen Konsum tritt die Wirkung langsamer ein, es kommt zu keinem „Kick“ (aufgrund des langsameren Anflutens) und die Wirkung hält insgesamt länger an. Amphetamin hat oral eine relativ gute Bioverfügbarkeit, die Dosierung ist daher etwa vergleichbar der nasalen. Ebenfalls möglich ist der Konsum per Injektion. Diese Konsumform ist aber selten anzutreffen, was unter anderem an der Nicht-Akzeptanz und daraus resultierender sozialer Kontrolle in der typischen Amphetaminkonsumenten-Szene liegen mag.

Anders als beim Methamphetamin (Crystal) ist es nicht möglich Amphetamin zu rauchen. Der Grund dafür ist, dass das auf dem Schwarzmarkt am häufigsten auftretende Amphetaminsalz, das Amphetaminsulfat, einen so hohen Siedepunkt hat (und zum Rauchen muss die Substanz verdampfen), dass sie sich vorher zersetzen, also zerstört werden würde. Theoretisch rauchbar sind das Amphetaminhydrochlorid und die Amphetaminbase, welche einen deutlich niedrigeren Siedepunkt haben, allerdings ist die Base, wie bei fast allen Amphetaminderivaten auch (und im Gegensatz zum Beispiel zur kristallinen Kokainbase/Crack), flüssig und in dieser Form so gut wie nie auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Es wird zwar teilweise mit festen Streckmitteln gemischte Amphetaminbase verkauft (bekannt als Paste), aber auch dieses Gemisch ist aufgrund der Streckmittel nicht rauchbar, da diese verbrennen und verklumpen würden.

Bei plötzlichem Absetzen des Amphetamins bei Dauerkonsumenten kommt es zu Entzugserscheinungen. Symptome des Amphetaminentzugs sind: Lethargie, Depressionen bis hin zu Selbstmordtendenzen, Apathie, Angst und Schlafstörungen. Möglich sind auch Muskelschmerzen (Myalgie), Bauchschmerzen und starker Appetit. Den Höhepunkt erreichen die Symptome nach 2 bis 3 Tagen und ebben dann langsam ab. Anders als beispielsweise ein Benzodiazepinentzug ist der Amphetaminentzug ungefährlich. Die vorgenannten Symptome sind mögliche Extreme, in der Regel jedoch lässt sich der Amphetaminentzug als ein Zustand der körperlichen Trägheit und als ein allgemeines Unlustgefühl beschreiben.

Speed, Pep

Gängige umgangssprachliche Bezeichnungen für (i.d.R. illegal produziertes) Amphetamin sind u.a. Speed, Pep, Schnelles oder Weißes. Unter den Synonymen Yaba, Crystal, Glas, Ice, Meth oder Chili wird meistens das weitaus stärker wirksame Methamphetamin verstanden. Meistens handelt es sich bei Speed um ein weissliches bis hellgelbliches Pulver, das einen stark bitteren Geschmack hat. Das Gemisch, das auf dem Schwarzmarkt als Speed verkauft wird, besteht nur zu einem kleineren Teil (meistens 8 bis 30 %) aus Amphetamin, der Rest sind Streckmittel. Besonders häufig auftretende Streckmittel sind dabei Lactose (Milchzucker) (in 78% der Proben), Coffein (65%), und Glucose (14%), sowie seltener unter anderem das Analgetikum Paracetamol (Ben-u-ron®) oder Mannitol.BKA 2002: Reinheitsgehalte (PDF) Während in Europa Speed wie beschrieben meistens Amphetamin enthält, überwiegt in den USA auf dem Schwarzmarkt das Methamphetamin, was vermutlich auf die bessere Verfügbarkeit der für die Synthese benötigten Ausgangsstoffe (Ephedrinpräparate waren in den USA bis März 2005 rezeptfrei erhältlich) zurückzuführen ist. Teilweise sind seltsame Varianten mit Rosen- oder sonstigen Aromen versehen im Umlauf, was „Marketinggründe“ haben mag. Da Speed also ein Gemisch von diversen Substanzen mit einem unbekannten Amphetaminanteil ist, besteht für den Konsumenten stets das Risiko einer Überdosierung, sowie das der Unverträglichkeit von Streckmitteln, wie beispielsweise einer Lactoseintoleranz.

Paste

Amphetamin wird auf dem Schwarzmarkt teilweise auch als sog. Paste gehandelt. Die Substanz ist oft leicht feucht und klumpig und hat einen starken Amingeruch (ähnlich Geranienblättern). Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um die flüssige Amphetaminbase, gemischt mit Streckmitteln, woraus die beschriebene feuchte Suspension resultieren würde. Dafür, dass es sich um die Amphetaminbase handelt, spricht auch, dass Paste schnell die Wirkung verliert, was auf ein Verdunsten der Base zurückzuführen wäre, sowie der charakteristische Amingeruch. Ein Grund für den Verkauf als Paste kann darin liegen, dass die Herstellung einfacher und schneller durchzuführen ist, da ein Syntheseschritt (von der Base zum Salz) ausgelassen werden kann. Ein Nachteil liegt wie erwähnt im Wirkungsverlust.

Risiken, Nebenwirkungen und Suchtgefahr


  • Zu den Nebenwirkungen zählen erhöhter Blutdruck und Pulsfrequenz, trockene Schleimhäute, erweiterte Pupillen, Appetitlosigkeit (auch als Hauptwirkung zählbar), Harnverhaltung (Unvermögen trotz Harndrang die Harnblase zu entleeren) und eine abführende Wirkung.
  • Kurzzeitige Folgen sind Unruhe, Angstzustände sowie Schlaflosigkeit. Amphetamine können eine starke psychische Abhängigkeit hervorrufen. Bei hohen Dosierungen, sowie vor allem häufigem, längerfristigem Konsum besteht die Gefahr einer Amphetaminpsychose.
  • Bei Dauerkonsum in nichtmedizinischer (mehr als ca. 60 mg / Tag, eventuell auch schon darunter) Dosierung kann es zu Nervenschädigungen, schweren Konzentrationsproblemen, Knochenschwund, Verlust des Zahnschmelzes (durch Kalziummangel) und weiteren Langzeitschäden kommen.
  • Da der Amphetamingehalt im Speed nie genau bekannt ist, kann es zu Überdosierungen kommen (eine tödliche Dosis kann bei einem Menschen mit 75 kg Körpergewicht schon bei etwa 100 mg Amphetamin liegen).
  • Da Amphetamin den Körper in einen "Notfallbetrieb" schaltet, werden wichtige Signale wie Hunger, Durst und Müdigkeit unterdrückt, eine möglicherweise daraus resultierende Vernachlässigung dieser Bedürfnisse führt zu einem körperlichen wie geistigen Auslaugen durch Nährstoff- und Schlafmangel. Eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Infekten, körperliche/geistige Schwäche, etc sind die Folgen.
  • Es kann zu einer Vernachlässigung sozialer Verpflichtungen (Schule, Beruf, Beziehung) kommen.
  • Wie bei allen illegal erworbenen Drogen ist stets unsicher, woraus der Stoff sich zusammensetzt, oft sind andere psychoaktive Substanzen wie Koffein oder Ephedrin, neutrale Streckmittel wie Lactose oder eventuell auch starkwirksame Substanzen wie Methamphetamin enthalten. Drugchecking hat deshalb eine wichtige Bedeutung zur Risikominderung.
  • Werden Amphetamine häufig geschnupft, kann es zu einer Schädigung bis zur Auflösung der Nasenscheidewand kommen, ähnlich wie beim Kokain.
  • Das Suchtrisiko hängt von genetischen Faktoren sowie von der psychosozialen Situation der Person ab. Im Tiermodell konnten manche Individuen ihren Amphetaminkonsum lebenslang flexibel regulieren, bei 50 % dagegen trat nach einer gewissen Zeit eine Abhängigkeit mit massiver Dosissteigerung und Erwerb einer Toleranz auf, die auch nach erzwungenem Entzug bestehen blieb.Galli, Wolffgramm 2004: Long-term voluntary Image-amphetamine consumption and behavioral predictors for subsequent Image-amphetamine addiction in rats (engl.)
  • In geringen Dosen unter ärztlicher Aufsicht ist Amphetamin dagegen nach dem Stand der Wissenschaft nicht akut gefährlich, es werden Studien zufolge keine direkten körperlichen Schäden hervorgerufen.

Rechtsstatus


In Deutschland ist Amphetamin im BtmG aufgeführt: in Form des Racemats oder des Dextroamphetamins in Anlage 3 (verschreibungsfähig), als Levoamphetamin in Anlage 2 (nicht verschreibungsfähig; siehe auch BtMVV). Handel und Besitz ohne Rezept oder Genehmigung sind strafbar.Anlage 3 des BtmG In den USA ist Amphetamin erfasst in Schedule II des Controlled Substances Act, was den Besitz und Handel ohne Rezept oder Genehmigung unter Strafe stellt.Schedule II des CSA (engl.) Es ist dort zugelassen für die Indikationen Narkolepsie und ADS.

Seit 1998 lautet in Deutschland die behördliche Schreibweise Amfetamin, sie wurde damit der WHO-Nomenklatur angepasst.10. BtMÄndV Art. 1 Nr. 1 Buchst. b; Art. 1 Nr. 3; Art. 3 (BGBl. I, S. 74)

Literatur


  • Walter Reginald Bett, et al: Amphetamin in der klinischen Medizin, Springer 1956, 62 Seiten, ISBN B0000BGHN9
  • Sean Connolly: Amphetamines (Just the Facts), Heinemann Library 2000, 56 Seiten, ISBN 1575722542
  • Hans Cousto: Drogen-Mischkonsum – Das Wichtigste in Kürze zu den gängigsten (Party-)Drogen, Nachtschatten Verlag, Solothurn 2003, 140 Seiten, ISBN 3037881194
  • Paul Dempsey, et al: Amphetamine & Its Analogs: Psychopharmacology, Toxicology, & Abuse, Academic Press 1994, 503 Seiten, ISBN 0121733750
  • Ursula Rieder, ADS-Drogen, wen interessiert's!?!
  • Wolfgang Schmidbauer, Jürgen vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen, Fischer 2004, 699 Seiten, ISBN 3596162777
  • Alexander Shulgin, Ann Shulgin: Pihkal - A chemical Love Story, Transform Press 1991, 978 Seiten, ISBN 0963009605
  • Stephen Smith: Sucht, die Geschichte des Stephen Smith, Ullstein 1998, 432 Seiten, ISBN 3548312152
  • Bernhard van Treeck: Das neue Drogenlexikon, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004, 400 Seiten, ISBN 3896025422
  • Bernhard van Treeck: Drogen, Schwarzkopf & Schwarzkopf 2002, 400 Seiten ISBN 3896024205

Weblinks


Deutschsprachig

Englischsprachig

Referenzen


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