Amerikalinie lautet die inoffizielle Bezeichnung einer Eisenbahnstrecke mit vorwiegend regionaler Bedeutung im Norden Deutschlands. Sie verläuft in ostwestlicher Richtung und verbindet Stendal in Sachsen-Anhalt mit der Hansestadt Bremen. Das niedersächsische Uelzen stellt den historischen und geografischen Mittelpunkt der Strecke dar.
Die Amerikalinie entstand als Kernstück einer Direktverbindung Magdeburgs und vor allem Berlins mit den Nordseehäfen. Infolge der Teilung Deutschlands nach 1945 verlor sie ihre Hauptaufgabe und wurde an der innerdeutschen Grenze unterbrochen.
Die Einnahmen für den Abschnitt Langwedel–Uelzen wurden zunächst im Verhältnis zwei (MHE) zu eins (Bremen) geteilt. Später kaufte der preußische Staat sämtliche beteiligte Strecken und Eisenbahngesellschaften auf.
Ihren umgangssprachlichen Namen erhielt die Verbindung, weil auf ihr viele Züge aus Ost- und Westpreußen, der Provinz Posen und aus Pommern nach Bremerhaven fuhren, wo Anschluss an Auswandererschiffe nach Amerika bestand. Durch die Aufrüstungspolitik des deutschen Kaiserreiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Strecke als kürzeste Verbindung Berlins mit dem Flottenstützpunkt Wilhelmshaven gefragt. Deshalb richtete das Militär mehrere Kasernen und Truppenübungsplätze in Munster (Örtze) ein und baute die Staatseisenbahn die Strecke zweigleisig aus.
Zu einer zweiten Rückbauwelle kam es rund dreißig Jahre später in den 1980er Jahren. Sowohl die Reststrecke Uelzen–Wieren als auch die Strecke durch die Lüneburger Heide wurden zu eingleisigen Nebenbahnen herabgestuft. Bis zu dieser Zeit hatte die Deutsche Bundesbahn einen Teil der Haltepunkte und Bahnhöfe für den Personenverkehr, wie auch viele Güterverkehrsanlagen, geschlossen.
Nicht modernisiert wurde der Westabschnitt durch die Lüneburger Heide, die noch im Jahr 2006 als nicht elektrifizierte Strecke von geringer Bedeutung im Bestand der Deutschen Bahn ist. Pläne, die einen Ausbau der Verbindung vergleichbar dem östlichen Abschnitt vorsahen, wurden wiederholt aufgeschoben. Infolgedessen finden sich zwischen Langwedel und Uelzen viele für Eisenbahnfreunde interessante Bauwerke, wie beispielsweise alte Stellwerke, Telegrafenmasten und Empfangsgebäude.
Im Bundesschienenwegeausbaugesetz 2004 ist der gesamte Westabschnitt mit vordringlichem Bedarf für einen Ausbau als Zulaufstrecke zum Jade-Weser-Port Wilhelmshaven verzeichnet, der u.a. eine Erhöhung der Streckengeschwindigkeit und eine Elektrifizierung beinhalten soll. Außerdem ist der Abschnitt Visselhövede–Langwedel als Teil der Y-Trasse Hannover–Bremen vorgesehen, der somit für den Hochgeschwindigkeitsverkehr zweigleisig auszubauen wäre.
Siehe auch: Liste von Eisenbahnstrecken in Deutschland
Bahnstrecke in Sachsen-Anhalt | Bahnstrecke in Niedersachsen | Deutsche Auswanderer | 1874
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