Der Amazonas (auch Amazonenstrom, portugiesisch Rio Amazonas bzw. im Oberlauf Rio Solimões, früher Rio Orellana) ist ein Fluss in Südamerika. Er ist der wasserreichste Fluss der Erde. Hinsichtlich der Länge und damit der Rangfolge als längster oder zweitlängster Fluss der Erde (im Vergleich zum Nil) gibt es widersprüchliche Berechnungen. Nach derzeitigem Stand hat der Amazonas eine Gesamtlänge von 6.387 km. Er befördert mehr Wasser als Nil, Mississippi und Yangtse zusammengenommen, insgesamt ein Sechstel aller Flüsse weltweit. In den Amazonas münden ca. 10.000 Flüsse. Davon sind allein 17 Flüsse länger als der Rhein. Die Breite des Flusses beträgt in Brasilien meist mehrere Kilometer und variiert jahreszeitlich bedingt durch die schwankenden Niederschläge an den Oberläufen. In den Zeiten größter Wassermengen kann er die angrenzenden Wälder auf einer Breite von bis zu 100 km überschwemmen. Die betroffenen Überschwemmungswälder bilden die "Várzea", ein einzigartiges Ökosystem. Im Mündungsbereich des Amazonas liegt die Flussinsel Marajó (siehe Karte). Rechnet man diese 49.000 km² große Insel sowie die südlich von ihr mündenden Flüsse (insb. den Rio Tocantins) hinzu, hat das Mündungsdelta des Amazonas eine Breite von mehreren hundert Kilometern. Der Amazonas besitzt 1.100 größere Nebenflüsse, von denen 17 über 1.600 km lang sind. Er durchquert von West nach Ost eine Landschaft, die man als Amazonasbecken bezeichnet. Amazonas.png | Amazonas_worldwindjpg.jpg __TOC__
Umgekehrt gab der Fluss dem Amazonasbecken, aber auch mehreren Provinzen in Brasilien, Venezuela und Kolumbien den Namen.
Der Amazonas entspringt in den peruanischen Anden. Seine Quellflüsse heißen Marañón, Huallaga und Ucayali. Der nördlichste und wasserreichste der drei ist der 1.600 km lange Marañón, der mit seinem Ursprung in drei Lagunen oberhalb von Lago Lauricocha traditionell als der Quellfluss des Amazonas gilt. Die Quelle wurde 1909 von Wilhelm Sievers festgelegt.
Der Ucayali mit seinen Zuflüssen ist länger als der Marañón, und als längster Quellfluss des Amazonas gilt seit der Bestätigung 2001 der Río Apurímac, dessen Quelle zwischen Cusco und Arequipa am Nordhang des Nevado Mismi liegt, rund 160 km westlich des Titicacasees. Der Río Apurímac (730,7 km Länge) findet seine Fortsetzung im Río Ene (180,6 km), Río Tambo (158,5 km) und schließlich über weitere 1.600,1 km im Unterlauf des Río Ucayali, bis er sich nach insgesamt fast 2.670 km südwestlich von Iquitos in Peru mit dem Marañón vereinigt.
Auf seinen 3.106 km auf brasilianischem Gebiet nimmt der Amazonas allein 220 Nebenflüsse auf, von denen etwa 100 schiffbar sind. Er besitzt einige größere Nebenflüsse wie den Tigre, der seine Quelle östlich des Yerupajá hat.
Ab der peruanisch-brasilianischen Grenze heißt der Amazonas nunmehr Rio Solimões. Bei der Vereinigung des Rio Solimões mit dem Rio Negro bei Manaus bekommt der Fluss auch in Brasilien wieder den Namen Amazonas. Hier hat er mit circa 100m seine tiefste Stelle. Der nördliche Mündungsbereich bildet ein Ästuar (Trichtermündung) mit beginnendem Unterwasserdelta. Der Amazonas ist bei Manaus noch etwa 280 km vom Äquator entfernt. An seiner Mündung bringt der Amazonas ca. 190.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, also etwa 6 Billionen Kubikmeter pro Jahr, in den Atlantik, was dem über 23-fachen Durchsatz der Wolga, des wasserreichsten Stromes Europas, entspricht.
Im Amazonastiefland sind infolge des geringen Gefälles (3,8 Zentimeter je Kilometer) die Nebenflüsse vielfach durch natürliche Kanäle miteinander verbunden. Die Gewässer südlich von Marajó (Tocantins, Guamã und andere) bilden den Rio Pará, welcher durch die Bahia de Guajará (ca. 20 km breit) in den Südatlantik fließt. Die Landenge zwischen Marajó und dem Kontinent ist bei der Stadt Breves am schmalsten, jedoch mit Ozeanschiffen zum Amazonas befahrbar.
Der Amazonas ist von der Atlantikküste bis Manaus mit Ozeanschiffen befahrbar. Selbst die Nebenflüsse Rio Tapajos und Rio Negro werden mit Kreuzfahrtschiffen befahren. In Manaus und inzwischen auch in einigen anderen Orten können diese großen Schiffe anlanden. Elf der dem Amazonas zufließenden Flüsse zählen selbst zu den zwanzig wasserreichsten Flüssen der Erde.
Es wird geschätzt, dass der Amazonas etwa 5000 verschiedene Fischarten beherbergt. Das sind mehr als im ganzen Atlantik. Der Fischreichtum spiegelt sich auch in den Speisekarten wieder. Zu den wichtigsten Speisefischen zählen: Tambaquí (Colossoma macropomum), Jaraqui, Filhote, Tucunaré (Cichla spp.), Pirarucú (Arapaima gigas). Darüber hinaus gibt es aber eine Unmenge von regional vorkommenden Fischen, darunter Arten von Piranhas, der urzeitlich aussehende Tamuatã, und andere.
Zu den besonders bedrohten Tierarten, die den Amazonas besiedeln, gehören der "Peixe-Boi", eine mit dem Dugong und den Seekühen nahe verwandte Art und der rosafarbene Amazonasdelfin (Inia geoffrensis; bras. Boto cor-de-rosa).
Amazonas-Schwimmende Insel.jpg im Amazonas]] Im Amazonas schwimmen grüne "Inseln", die sich aus miteinander verhakten mitgeschwemmten Bäumen entwickeln oder bei Hochwasser losgerissene Wasserpflanzen und über Wurzeln vernetzte Grasinseln. Sie können über hundert Meter lang werden und bilden ein eigenes Biotop.
Voraussetzung für die Entstehung dieses Phänomens ist das Zusammentreffen der hohen Wasserstände des Amazonas im Frühjahr der Nordhalbkugel und die Springflut bei Voll- oder Neumond. Von den Anwohnern wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtet, zieht die Pororoca Surfer aus aller Welt an. Der Brasilianer Picuruta Salazar hielt sich 37 Minuten und ca. 12 Kilometer auf der Welle.
Diese Eigenschaft machen sich die Goldgräber zunutze und vergiften so allein den Rio Tapajós jährlich mit 800 t Quecksilber. Doch die Goldgräber beachten dabei nicht, dass Quecksilberdämpfe, die beim Trennen von Gold und Quecksilber entstehen, äusserst giftig für Mensch und Tiere sind. Folgen einer Quecksilbervergiftung sind oft schwere Erbschäden wie Missbildungen, doch häufig endet eine Vergiftung mit dem Tod.
Die Klimaerwärmung hinterlässt auch in der "Lunge der Erde" ihre Spuren: dieses Jahr wird das Amazonasgebiet von einer Dürre heimgesucht, die in dem Ausmass noch nie aufgetreten ist. Wenn sich die Natur wieder vollständig regeneriert, wird es Jahrzehnte dauern. Doch das biologische Gleichgewicht dieses Ökosystems ist überaus empfindlich und selbst wenn es dieser Naturkatastrophe widersteht, ist es auf Dauer durch die immer extremeren Schwankungen des Wetters bedroht.
Die fortschreitende Rodung der Urwälder verringert die Menge des verdunsteten Wassers, aus dem sich der Fluss speist und die Symbiosen der Tier- und Pflanzenwelt verlieren ihre Existenzgrundlage.
Amazonas-Rio-Negro1.jpg Der Amazonas hat eine braune Färbung, die von der Sedimentfracht herrührt, die insbesondere aus den in den Anden liegenden Quellflüssen eingetragen wird. 90 Prozent der Sedimente, die der Amazonas mitführt, werden durch den Madeira, den Ucayali und den Marañon eingetragen. Einige Zuflüsse kommen aber aus kristallinen Gebieten mit geringer Sedimentfracht (z. B. der Rio Tapajós, der Rio Negro und der Rio Xingu).
An den Zusammenflüssen unterschiedlich gefärbter Flüsse zeichnen sich die verschiedenen Farben der Wassermassen zum Teil kilometerweit ab. Jährlich werden an der Stadt Óbidos, etwa 800 km vor der Mündung, 1,2 Milliarden Tonnen Sediment vorbeitransportiert. Davon erreichen etwa 75 Prozent den Atlantik, die restlichen 25 Prozent werden auf den unteren 800 Flusskilometern abgelagert.
Die größte Stadt am Amazonas ist Iquitos, nahe der Vereinigung der Quellflüsse. Die Städte Manaus (am Rio Negro) und Belém (an der Bahia de Guajará) liegen entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht am Amazonas. Weitere große Städte sind Macapá und Santarém. Pucallpa liegt am Quellfluss Ucayali.
Francisco de Orellana befuhr den Fluss von 1541 bis 1542 als erster Europäer von der Quelle des Amazonas-Nebenflusses Napo in Ecuador bis zur Atlantikmündung. Er beteiligte sich an der Expedition von Gonzalo Pizarro. Eine Zeit lang wurde der Amazonas deswegen Rio Orellana genannt. Er war eigentlich auf der Suche nach dem legendären Goldland Eldorado.
Am 12. Februar 1542 entdeckten Francisco de Orellana und Gonzalo Pizarro die Quelle des Maranón, des kürzeren Quellflusses. Von Oktober 1637 bis August 1638 befuhr Pedro Teixeira den Amazonas flussaufwärts bis zur Quelle des Napo. Erst 1971 wurde die Quelle des Ucayali vom Amerikaner Loven McIntrye entdeckt und 2001 die Quelle des Apurímac als Ursprung des Amazonas von der National Geographic Society bestätigt, so dass die bis dahin geltenden Längenangaben für den Amazonas entsprechend korrigiert werden mussten.
Samuel Fritz, ein deutscher Jesuitenmissionar, kartographierte den Amazonas 1707 als erster.
Viele Südamerikaforscher erforschten den Amazonas, darunter die Deutschen Alexander von Humboldt - er erklärte die Gabelung von Orinoko und Amazonas (Bifurkation) -, Freiherr von Langsdorff und Eduard Friedrich Poeppig sowie der das Quellgelände erforschende Wilhelm Sievers. Unter anderem hat auch der deutsche Forscher und Naturwissenschaftler Carl Friedrich Philipp von Martius weite Teile des Amazonas befahren und einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der wohl unendlichen Tier- und Pflanzenwelt des Amazonasgebietes geleistet.
Nachdem Gondwana auseinandergebrochen war, driftete die südamerikanische Kontinentalplatte nach Westen. Da das Amazonasbecken von der Quelle des Uramazonas getrennt wurde, lagen die östlichen Gebiete des Flusstales trocken. Die weiter westlich gelegenen Flussbereiche wurden aber weiterhin von den ehemaligen Zuflüssen des Uramazonas gespeist.
Nachdem Südamerika im Zuge der Kontinentaldrift (tektonische Plattenverschiebung) mit der Pazifischen Platte zusammen traf, falteten sich an der Westküste des Kontinents die Anden auf, welche den Durchfluss des Wassers stoppten. In der Folge entstand ein gewaltiges Süßwasserbecken. Aufgrund der hohen Faltung des Gebirges im Westen fließt das Wasser in der Region seit ca. 50 Millionen Jahren nach Osten ab. Dazu wählt es den ausgetrockneten Lauf des Uramazonas. Daher lässt sich auch erklären, dass das Flussbett des Amazonas zur Mündung hin schmaler wird, was sonst bei anderen Flüssen zur Quelle hin der Fall ist. Ebenso lässt sich damit erklären, dass sich im Oberlauf des Amazonas, tausende Flusskilometer von der Meeresküste entfernt, Tiere wie Rochen, Garnelen, Seezungen, Seekühe und Delfine finden, nicht jedoch in dessen Unterlauf. Die Tiere gerieten in den Amazonas, als dieser noch in den Pazifik mündete und wurden später vom Pazifik abgeschnitten.
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