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Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg (* 29. Januar 1602 in Hanau; † 8. August 1651 in Kassel) regierte als Landgräfin das Besitztum Hessen-Kassel von 1637 bis 1650. Sie agierte geschickt mit den Kriegsparteien im Dreißigjährigen Krieg.

Die Tochter von Philipp Ludwig II., Graf von Hanau–Münzenberg, heiratete 1619 den späteren Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel. Ihr Mann wurde nach der von den Ständen herbeigeführten Abdankung seines Vaters, Landgraf Moritz, Regent von Hessen-Kassel. Das Land war durch das Missmanagement seines Vaters faktisch bankrott. Deshalb musste Wilhelm V. 1627 zu Gunsten seiner Vettern in Hessen-Darmstadt auf Oberhessen verzichten. Wilhelm schloss sich im Dreißigjährigen Krieg der protestantischen Seite an. Nach dem Sieg der kaiserlichen und spanischen Truppen 1634 in der Schlacht bei Nördlingen über die Schweden kam ihm sein mächtigster Verbündeter abhanden. Wilhelm V. liierte sich deshalb mit Frankreich, was Strafaktionen des Kaisers Ferdinand II. auslöste. Der unbotmäßige Landesherr musste sich deshalb mit dem Rest seiner von ihm gut geführten Truppen auf Besitzungen in Friesland zurückziehen. Landgraf Wilhelm V. verstarb dort im Jahr 1637.

Der Heirat mit Wilhelm V. ist auch zu verdanken, dass dieser 1636 die Heimatstadt seiner Frau, Hanau, von einer Belagerung durch kaiserliche Truppen entsetzte. Die Kosten dieser Aktion forderte Amalie Elisabeth später von ihrer in Hanau-Münzenberg regierenden Verwandtschaft. Da diese nicht zahlen konnte, einigte man sich statt dessen auf die Abtretung einiger Hanauer Ämter und einen Erbvertrag, der Hessen-Kassel die Grafschaft Hanau-Münzenberg für den Fall sicherte, dass das dortige Grafenhaus ausstürbe. Dieser Fall trat 1736 ein.

Nachfolger Wilhelms V. wurde in Hessen-Kassel sein acht Jahre alter Sohn Wilhelm VI.. Die Mutter Amalie Elisabeth führte vormundschaftlich an seiner Stelle die Staatsgeschäfte. In ihrer Amtszeit, die bis 1650 dauerte, entpuppte sich Amalie Elisabeth als eine geschickte und energische Regentin. Es gelang ihr, dem Sohn die Landgrafschaft zu erhalten, ja sogar Terrain hinzu zu gewinnen.

Nach dem Tode Wilhelms V., einer von drei Fürsten, die sich dem Prager Frieden von 1635 verweigert hatten, hoffte der habsburgische Kaiser Ferdinand III., dass die Witwe einlenken würde. Dem war nicht so. Die begeisterte Calvinistin versuchte sich als unabhängige Verbündete mit Frankreich zu profilieren. Ihr Mann hatte ihr mit der nach Friesland geretteten Armee ein wertvolles Machtinstrument hinterlassen. Amalie Elisabeth schloss daher zunächst nur einen Waffenstillstand mit dem Kaiser. Wie sie richtig vermutet hatte, bot ihr Kardinal Richelieu sogar günstigere Bedingungen als ihrem Gatten, was sie zu Bündnisverträgen mit dem König von Frankreich und dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg in den Jahren 1639 und 1640 motivierte. Gegenüber dem Kaiser wurde sie vertragsbrüchig. Hessen-Kassel wurde zu einer Führungsmacht im deutschen protestantischen Lager.

Auch mit den Verwandten in Hessen-Darmstadt legte sie sich an. Durch Rechtsgutachten ließ sie belegen, dass der 1627 geschlossene Vertrag über Oberhessen nichtig sei. Am 6. März 1645 rückten Kasseler Truppen in Oberhessen ein. Es begann der „Hessenkrieg“. Die Armee des Landgrafen Georg II. war den kampferfahrenen Angreifern unterlegen. Der Einigungs- und Friedensvertrag zwischen beiden Teilen Hessens von 1648 wurde im Westfälischen Frieden bestätigt. Hessen-Kassel erhielt ein Viertel von Oberhessen mit Marburg sowie die vom Landgrafen Georg II. bislang eroberten Gebiete zurück. Die Abtei Hersfeld und Teile der Grafschaft Schaumburg gehörten fortan zum Herrschaftsbereich von Amalie Elisabeth und sie gewann eine Anwartschaft auf Hanau. Von Schweden und Frankreich unterstützt, erhielt Hessen-Kassel für sein Heer von etwa 20.000 Mann im Westfälischen Frieden eine Kriegsentschädigung von einer halben Million Taler. In Hessen-Kassel wurden Reformierte und Lutheraner gleichgestellt.

Am 25. September 1650 übergab Landgräfin Amalie Elisabeth die Amtsgeschäfte an ihren Sohn Wilhelm VI. Ihre Kinder konnte sie durch eine erfolgreiche Heiratspolitik in bedeutsamen Herrscherhäusern unterbringen. Amalie Elisabeth ist durch ihre Tochter Charlotte (1627–1686), die mit Karl Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, vermählt war, Großmutter der Liselotte von der Pfalz.

Friedrich von Schiller billigte der Landgräfin Weisheit, Standhaftigkeit, Verstand und Mut zu. Als eine der wenigen Frauen ist sie mit einer Büste in der von König Ludwig I. von Bayern in Auftrag gegebenen Walhalla vertreten.

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Hessische Grafen

Frau | Landgraf (Hessen-Kassel) | Nordhessen | Geboren 1602 | Gestorben 1651

 

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