Baluschek-Brunnen.jpg (1870-1935)]]
Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum ist ein bekanntes deutsches Kunst- wie Volkslied.
Im Gesamtzyklus verkörpert der Lindenbaum die schwermütige Erinnerung an das vergangene Liebesglück des jetzt einsam durch die unwirtliche Welt reisenden Ich-Erzählers. Die Linde, in deren Rinde er einst „so manches liebe Wort“ geschnitten hatte, weckt in ihm heute, in dunkler, stürmischer Nacht, die Erinnerung an Ruhe und Glück. Er geht aber trotzdem an ihr vorbei und will sie nicht ansehen. Wenn ihm ihre Zweige „Komm her zu mir, Geselle, hier find'st Du deine Ruh'!“ zuzurauschen scheinen, könnte diese Einladung aber auch auf Todesgedanken, wenn nicht gar latente Selbstmordabsichten hindeuten - weshalb sich der Erzähler auch nicht nach der Linde umwendet.
In vielen deutschen Ortschaften markierte die Linde den Versammlungs-, Gerichts- und Festplatz und wurde so zu einem Sinnbild der Gemeinschaft, als Baum der germanischen Göttin Freya auch als Symbol der Liebe. So steht sie im Text in großem Kontrast zur Einsamkeit des Wanderers.
An diesem Brunnen hielten früher Reiter und Fuhrleute, um ihre Pferde zu tränken. Die Reisenden mussten also einige Zeit dort warten und konnten under dem Baum Platz nehmen. Anzunehmen ist, dass Müller in der Wartezeit auf die Idee zu dem Gedicht kam. Der originale Lindenbaum fiel im Jahr 1912 mit einem Alter von etwa 500 Jahren. 1914 wurde ein neuer gepflanzt. Auch das originale Steintor wurde zerstört, aber mittlerweile neu aufgebaut. Der Brunnen ist noch derselbe. In seiner Nähe wurde eine Metalltafel mit dem Liedtext aufgestellt.
Eine leitmotivische Rolle spielt Der Lindenbaum im Roman Der Zauberberg von Thomas Mann. Im Kapitel Fülle des Wohllauts hört es sich Hans Castorp hingebungsvoll auf einer Grammofon-Platte an. Im Schlusskapitel Der Donnerschlag zieht er mit dem Lied auf den Lippen in den Krieg; der Lindenbaum wird zum Symbol seiner sieben sorglosen Jahre im Sanatorium Berghof. Verdeckt zitiert wird das Lied auch in Manns Doktor Faustus.
Am Brunnen vor dem Tore ist auch der Titel eines Heimatfilms von 1952 von Kurt Ulrich mit Sonja Ziemann und Heli Finkenzeller, wo ein Gasthaus seinen Namen vom Liedtitel entlehnt.
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