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Altwarmbüchener Moor Karte.png | Birken AWB Moor.jpg Das Altwarmbüchener Moor ist ein Moorgebiet mit einer Ausdehnung von etwa 15 km2, das rund 10 km nordöstlich von Hannover liegt. Seit dem Mittelalter wurde seine etwa 2 m mächtige Torfschicht von Landwirten der Umgebung mit der Hand abgestochen. Dies entwässerte das bis in jüngste Zeit als Ödland angesehene Moor stark und schädigte die Moorvegetation. Seit Ende des 20. Jahrhundert zerschneiden zwei Autobahnen mit einem Autobahnkreuz das Moor. Außerdem liegt in ihm seit 1937 die inzwischen stillgelegte aber ehemals zentrale Mülldeponie Hannovers, der Monte Müllo.

Lage


Das Altwarmbüchener Moor liegt zwischen den Orten Altwarmbüchen, Beinhorn, Kolshorn, Isernhagen, und den heutigen hannoverschen Stadtteilen Bothfeld und Misburg. Es hat die Form einer liegenden Acht mit einer Ost-West-Ausdehnung von rund 5 km und einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 3 km. Mit nur rund 10 km Entfernung zum Stadtzentrum von Hannover war es eine der größten stadtnahen Moorflächen Deutschlands. Die Autobahnen BAB 7 und BAB 37 führen mitten durch das Moor, am südlichen Rand führt die BAB 2 vorbei.

Entstehung


Die Moorbildung nahe Altwarmbüchen setzte etwa im 7. Jahrtausend v. Chr. durch Versumpfung einer großflächigen Bodensenke ein. Aus den Resten eines Birkenbruchwaldes entstand zunächst Niedermoortorf mit einer Mächtigkeit von meist weniger als einem Meter. Darüber bildete sich später ein Hochmoor mit Schichten von stark zersetztem Schwarztorf und schwach zersetztem Weißtorf. Die Mächtigkeit der Torfschicht betrug durchschnittlich 1-2 m, im Zentrum aber bis zu 5 m. Zur Zeit von Christi Geburt hatte die Moorfläche ihre größte räumliche Ausdehnung. Seither verkleinerte sich das Moor von den Rändern her durch menschliche Kultivierungstätigkeit und hat heute rund 15 km2 Fläche. Im Moor wurde nahe Kirchhorst ein Einbaum gefunden, der sich hier seit der vorrömischen Eisenzeit wenige Jahrhunderte vor Chr. erhalten hat.

Name


Die Benennung des Moores nach dem nahegelegenden Dorf Altwarmbüchen ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass seine Bewohner bereits seit dem 18. Jahrhundert kontinuierlich den Torfabbau und -verkauf betrieben. Der Name ist eher willkürlich gewählt, da auch andere angrenzende Dörfer Torfstich betrieben.

Geschichte


Torfstich

Torfstich AWB Moor.jpg Das Altwarmbüchener Moor wurde in früheren Jahrhunderten bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als eine große Ödlandfläche angesehen. Die einzige wirtschaftliche Nutzen bestand im Abbau von Torf des Hochmoores. Torf war der Brennstoff der Bauern und der ärmeren Bevölkerung. Die Bauern der anliegenden Dörfer stachen Torf für den Eigenbedarf, trieben damit aber auch Handel in Hannover. Das Aufkommen der Kohle im 19. Jahrhundert verdrängte den Torf, aber in Krisen- und Kriegszeiten des 20. Jahrhunderts war das Brennmaterial des Altwarmbüchener Moores in der Region weiterhin stark gefragt.

Seit dem Mittelalter ist das Moor durch mühsamen Stich mit der Hand abgetorft worden. Großmaschinen, wie in anderen großen Moorgebieten, kamen nie zum Einsatz. Durch den Torfstich entstanden zahlreiche Kuhlen, die mit Dämmen abgegrenzt waren und noch heute vorhanden sind. Entwässerungskanäle legten schon früh das Moor trocken. Das erleichterte den Torfstich, hatte aber den Nachteil, dass es häufiger zu schweren Moorbränden kam, die kaum gelöscht werden konnten.

Mooraufteilung

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Moor 1365 in einer Urkunde von Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg. Er erteilte der Stadt Hannover das Privileg zum Torfstechen. Dabei wurde zunächst nur der Torf an den Moorrändern abgestochen, da die Entwässerungstechnik zum Trockenlegen fehlte. Später entstanden zahlreiche Moordämme zum besseren Abtransport der Torfsoden und 1658 durchzogen bereits 30 Entwässerungskanäle das Moor.

Ab dem 16. Jahrhundert kam es durch die anliegenden Dörfer zu Streitigkeiten über den Torfabbau. Es gab Grenzverletzungen, da im feuchten Moor keine festen Grenzsteine aufgestellt werden konnten. Eine feste Aufteilung der Flächen erfolgte 1717, die durch Pfähle und Grenzgräben markiert wurde. Auch wurden Mooraufseher eingestellt, die den ordnungsgemäßen Abbau beaufsichtigten und nach Torfdieben Ausschau hielten.

1797 hatten folgende Ortschaften rund um das Moor Rechte auf den Torfabbau:

  • Stelle
  • Beinhorn
  • Heeßel
  • Kolshorn
  • Aligse

Torftransport

Schiffgraben Fluss.jpg heute in der Eilenriede]] Der von den Bauern abgebaute Torf wurde mit Wagen auf Märkte in Hannover gefahren und war eine gute Einnahmequelle. Die Verkaufswagen wurden bereits im 18. Jahrhundert zu Verkehrshindernissen im städtischen Verkehr und mit polizeilichen Verordnungen belegt.

Eine weitere Transportmöglichkeit war der Schiffgraben, ein seit dem Mittelalter bestehender Wasserweg nach Hannover. Der Kanal, der auf 9 km Länge das Moor mit der Stadt verband, war aber im Lauf der Zeit verschlammt und unpassierbar geworden. 1746 baute ihn die Stadt Hannover wieder aus für den Transport mit städtischen Torfkähnen. Die Torfbauern sabotieren den Kanal durch Zuschütten wegen der Konkurrenz im Torfgeschäft. Nach dem Zuschütten des Kanals im 19. Jahrhundert entstand auf ihm eine Straße, die nach der früheren Wasserstraße als Schiffgraben benannt wurde. Ein etwa 3 km langer Abschnitt des Wasserweges hat sich im Stadtwald Eilenriede erhalten.

Seltene Kalmia-Art

1898 entdeckte der Heideschriftsteller Hermann Löns bei einem Spaziergang im Altwarmbüchener Moor die immergrüne Pflanze Schmalblättrige Lorbeerrose (Kalmia angustifolia). Damals war der blühende Busch nur auf dem amerikanischen Kontinent, vor allem in kanadischen Hochmooren, heimisch. Er war bei Torfstechern des Moores bereits seit 1840 bekannt. Man vermutete, dass Gärtner der Herrenhäuser Gärten aus Hannover hier Samen verstreut hätten. Später schwärmten Naturschützer von der Schmalblättrigen Lorbeerrose als der eigentlichen "Königin des Altwarmbüchener Moores".

Abschiebe- und Durchgangsort

Gedenktafel Sinti Altwarmbüchen.jpg ins KZ Auschwitz-Birkenau deportierten Sinti in Form eines Tores]] Das Altwarmbüchener Moor wurde schon immer als abgelegener, nutzloser Ort angesehen und eignete sich daher zur Unterbringung missliebiger Personen. Ab 1938 wurde am Moorrand nahe Altwarmbüchen ein Lager für Sinti eingerichtet, um sie aus Hannover abzuschieben. Als sich die Gemeinde dagegen wehrte, wurde das Lager auf das Stadtgebiet von Hannover weiter im Moorinneren verlegt. Es bestand aus Eisenbahnwaggons ohne Wasser oder hygienische Einrichtungen. 1943 wurden 80 Angehörige von Sintifamilien von hier in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie wahrscheinlich umkamen. Daran erinnert eine Gedenktafel, die am Ort des früheren Lagers am Moorwaldweg 1997 aufgestellt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden am Moor Notunterkünfte für Vertriebene aus den Ostgebieten und Ausgebombte aus Hannover. Es gab sogar den Plan, das Moor durch weitere Entwässerungen komplett urbar zu machen und für die Ansiedelung von vertriebenen Landwirten zu nutzen.

Heute


Eingriffe

Bahn Müllberg Hannover.jpg entsteht im Moor, Zustand 1937 mit Feldbahn]] Die Betrachtung des Moores als Ödlandfläche dauerte bis ins 20. Jahrhunderte an und folgende Eingriffe führten zu folgenschweren Eingriffen in den Naturhaushalt des Moores:

  • 1913 Großflächige Ablagerung von Bodenaushub beim Bau des Mittellandkanals
  • 1935 Bau der BAB 2 am südlichen Rand des Moores
  • 1937 Anlage einer zentralen Mülldeponie für Hannover mit dem rund 65 m hoch aufgeschütteten Müllberg Monte Müllo, der derzeit (2006) mit 122 m über N.N. höchsten Erhebung Hannovers
  • 1960 Bau der BAB 7 mitten durch das Moor
  • 1980 Bau der BAB 37 mit Autobahnkreuz mitten durch das Moor (daher der Name Moorautobahn)
  • 1970-80 Verringerung der Moorfläche durch Randbebauung anliegender Orte um rund 100 ha
  • 1980 Verringerung der Moorfläche durch Anlage des Altwarmbüchener Sees zwecks Sandgewinnung für den Autobahnbau um rund 50 ha

Naturschutz

Die Entwässerungen früherer Jahrhunderte führten zu einem toten Hochmoor, in dem sich ein Birkenbruchwald entwickelt hatte. Zum Schutz der Reste des Moores wurde 1941 ein 40 ha großer Bereich unter Naturschutz gestellt. Echte, nicht abgetorfte Moorschichten gibt es heute noch in einer Größe von rund 20 ha, auf denen Torfmächtigkeiten von bis zu 5 m erreicht werden. Dies ist ein zusammenhängender Bereich, der hochmoortypisch als Schildfläche sanft nach oben gewölbt ist. Er liegt im einstigen Zentrum, dem Wilden Moor. Aufgrund des niedersächsischen Moorschutzprogramms gibt es seit den 1980er Jahren Maßnahmen zur Wiedervernässung des Moores durch das Schließen von Entwässerungsgräben. Seinerzeit wurde der gesamte Moorbereich östlich der BAB 7 unter Naturschutz gestellt, der westliche Teil ist zum Teil Landschaftsschutzgebiet. Die Moorfläche weist heute größtenteils natürliche Bewaldung von Birke und Kiefer auf, die sich infolge der Entwässerung bilden konnte.

Literatur


  • Martina Scheitenberger: Das Altwarmbüchener Moor im Wandel - vom bäuerlichen Torfstich zum Naherholungsgebiet. Nordhannoversches Bauernhaus Museum Isernhagen e. V., Luck Druck, Isernhagen 1984, 1997

  • Walther Kemmerling: Das Altwarmbüchener Moor – Geschichtliche Entwicklung, heutiger Zustand und zukünftige Nutzung, Dissertation 1958

Moor | Hannover | Naturschutzgebiet in Niedersachsen

 

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