Die Altstadt von Tiflis (georgisch ძველი ქალაქი ) liegt im Südwesten der georgischen Hauptstadt auf dem rechten Ufer der Kura. Sie entstand im frühen 19. Jahrhundert, beherbergt jedoch eine große Anzahl städtebaulicher Zeugnisse vom 5. bis 18. Jahrhundert.
Ursache der späten Entstehung der Altstadt ist die weitgehende Zerstörung von Tiflis bei der Eroberung der Stadt durch die persische Armee Aga Mohammed Khans im Jahre 1795. Die Stadt wurde unter russischer Herrschaft völlig neu aufgebaut und erweitert. Dabei legte die russische Verwaltung ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung neuer, moderner Stadtteile außerhalb der Altstadt, während der historische Stadtkern von einheimischen Handwerkern wiedererrichtet wurde. Der Wiederaufbau der Altstadt war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts abgeschlossen.
Die Altstadt entspricht dem im 5. Jahrhundert erbauten historischen Stadtkern. Beim Wiederaufbau im 19. Jahrhundert wurden die unregelmäßigen, gewundenen Straßen und die mittelalterliche Stadtstruktur erhalten. Noch heute haben die Straßen das alte Kopfsteinpflaster.
Signifikant sind die Wohnbauten vom traditionellen Tifliser Typ: Es handelt sich um zwei- bis dreistöckige Backsteingebäude mit einem System ausgedehnter, weitläufiger hölzerner Balkone, Passagen, Außentreppen und einem Hof, der als Vestibül dient. Die äußere und innere Organisation der Häuser gehen ineinander über.
Die Altstadt vereint historische Sakralbauten vieler Religionen: Drei georgisch-othodoxe Kirchen, die Sioni-Kathedrale (5. Jahrhundert), die Metechi-Kirche (13. Jahrhundert) und die Antschißchati-Basilika (6. Jahrhundert), die armenisch-gregorianische Kirche, die Synagoge sowie die Moschee.
Die im 19. Jahrhundert erbaute Karawanserei (georgisch Karwasala) steht auf den Fundamenten einer Karawanserei aus dem 17. Jahrhundert. Sie zeugt von der Seidenstraße, einer historischen Ost-West-Verbindung, auf der einst Marco Polo durch Tiflis reiste. Heute ist sie ein Einkaufszentrum mit Cafés und dem Ioseb-Grischaschwili-Museum für Tiflisser Geschichte. Der Gorgassali-Platz war einst Sammelpunkt von Kamelkarawanen. In den kleinen Häusern des früheren Basars an der Schardeni Straße haben sich Kunstgalerien sowie Läden für Kunstgewerbe und traditionellen Schmuck angesiedelt. Straßen tragen die Namen alter Handwerke. Nahe der Synagoge an der Gorgassali-Straße finden sich jüdische Restaurants und Geschäfte.
Zur Altstadt gehören auch die Schwefelbäder im Bäderviertel Abanotubani aus dem (17. Jahrhundert). Tolstoi, Puschkin und Alexandre Dumas haben sie besucht und gelobt. Der Eintritt kostet knapp 5 Euro, eine gründliche Massage etwa 15 Euro.
Teile der alten Stadtmauer sind an der Barataschwili-Straße erhalten geblieben. In die Lücken wurden Wohnhäuser gebaut. Eine Gedenkmauer erinnert an die Verteidigung der Altstadt gegen die persischen Invasoren 1795 durch eine Bürgerwehr unter Führung des Hofschauspielers David Matschabeli. Gegenüber der Mauer steht eine 23 Meter hohe Stele. Sie gedenkt 300 Aragwinern, einer georgischen Militäreinheit, die an dieser Stelle König Irakli II. aus persischer Umzingelung retteten und dabei ihr Leben ließen.
Im Laufe der Jahrhunderte ist die Altstadt zerfallen. Sie wurde 1934 erstmals restauriert. Sie war damals eines der seltenen Restaurierungsprojekte in der Sowjetunion. 1975 wurde sie amtlich zum historischen Bezirk erklärt. Die Häuser wurden 1998 aus Mitteln der Weltbank kartographiert, um Grundlagen für den Denkmalschutz zu schaffen.
Im September 2003 unterzeichneten der Europarat und die georgische Regierung eine Vereinbarung zum Tifliser Projekt, das eine Instandsetzung, Modernisierung und Revitalisierung des historischen Stadtkerns vorsieht. An der Realisierung des Projekts beteiligen sich auch die UNESCO und die Internationale Organisation zur Bewahrung des kulturellen Erbes (ICCROM).
Die georgische Regierung hat 2005 beantragt, die Altstadt in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufzunehmen.
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