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Die altpreußische Sprache war eine westbaltische Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie. Sie heißt auf Altpreußisch Prūsiska Bila („prußische Sprache“) oder Prūsiskan („Prußisch“).

Die ursprüngliche Sprache


Altpreußisch wurde von den Prußen, einem baltischen Volksstamm im späteren Ostpreußen (heute Südwestlitauen, Kaliningrad (Russland) und Nordpolen), gesprochen.

Nach und während der Eroberung, Unterwerfung, Christianisierung und dem Krieg zwischen Prußen und Deutschordensrittern sowie teilweiser Zugehörigkeit zur Krone Polens wurde das altpreußische Sprache unterdrückt und verlor (zwischen 13. und 17. Jahrhunderte), auch durch Zuwanderung deutscher, in einigen Gegenden auch litauischer und polnischer Bauern, immer mehr an Sprechern.

Seit dem 17. Jahrhundert ist die altpreußische Sprache als eigenständige Sprache ausgestorben, da immer mehr ostpreußische Mundarten des Ostniederdeutschen benutzt wurden oder aber Masurisch. Die Politik des Preußischen Staates (Germanisierung - i.e. Sprachverbot, nur Deutsch war erlaubt - und Zuwanderung der deutschen Bauern) war insbesondere von der Bedeutung für die Unterdrückung der Sprache und einheimischer Bevölkerung. Aus einer nicht deutschen Sicht, scheint es auch, dass die Tatsache der Kolonisation des Gebietes heutzutage auch nicht anerkannt wird, wobei das Gebiet immer nur als „deutsches“ bezeichnet wird.

Einige Gemeinschaften in Litauen, Polen, und anderen Länder angehen, die Sprache neu zu beleben.

Schriftliche Quellen


Die erhaltenen Aufzeichnungen sind spärlich.

Vom 14. Jahrhundert

Der älteste altpreußische Text stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und lautet:

  • Kayle rekyse Thoneaw labonache thewelyse / Eg koyte poyte Nykoyte pennega doyte.
Auf rekonstruiertem Preußisch heißt das
  • Kaīls rikīse! Tu ni jāu laban asei tēwelise / ik kwaitēi pōiti, ni kwaitēi peningā dōiti.
Laut Vytautas Mažiulis meint es:
  • Zum Wohl, Herr. Du bist kein guter Kumpan / wenn du trinken, aber nicht Geld geben willst.
Dieses einzige nichtreligiöse altpreußische Sprachdenkmal wurde als Randbemerkung in einem auf lateinisch verfassten Manuskript in der Basler Bibliothek entdeckt.* Der Autor war vermutlich ein prussischer Student, der in Prag studierte.

Das Elbingsche Preußische Wörterbuch stammt von ca. 1350 und ist die einzige Quelle des kaum vom Deutschen beeinflussten Altpreußischen. Aus der Reformationszeit sind dann drei Katechismen erhalten, die unter Albrecht von Brandenburg-Preußen angelegt wurden. Eine weitere kurze Vokabelliste stammt von dem Mönch Simon Grunau. Einzelne Begriffe stammen aus kirchlichen Dokumenten. Weiterhin sind Ortsnamen von großer Bedeutung für die Erschließung der Sprache.

Das Altpreußische wurde im lateinischen Alphabet aufgezeichnet, welches die altpreußische Aussprache wahrscheinlich nur unzureichend wiedergibt. Die Schreibweise der Texte folgte auch zeitgemäß keiner verbindlichen Rechtschreibung, so dass die Transliteration der altpreußischen Wörter nicht eindeutig ist.

Die Rekonstruktion des Altpreußischen ist daher mit vielen Unsicherheiten behaftet. Wortlisten geben keinen Aufschluss über die Grammatik der Sprache, und die einzigen Texte (die Katechismen) stammen aus einer Zeit, in der das Altpreußische schon über Jahrhunderte vom Deutsch der Einwanderer und Herrscher beeinflusst war.

Analogien mit den ostbaltischen Sprachen

Daher werden zum Verständnis des Altpreußischen vielfach Analogien mit den ostbaltischen Sprachen (Lettisch und insbesondere Litauisch) gesucht, indem etwa Wörter aus gemeinsamen baltischen Wortstämmen rekonstruiert werden.

Innerhalb der indogermanischen Sprachen sprechen Linguisten oft von der archaischen Struktur des Altpreußischen, die der vermuteten Ursprache des Indogermanischen nahe sei.

Die Zahlen von Eins bis Fünf/Ordnungszahlen (in Klammern litauische Wörter):

  • Eins / erster = aīns / pirmas (vienas / pirmas)
  • Zwei / zweiter = dwāi / āntars (du / antras)
  • Drei / dritter = trīs / tīrts (trys / trečias)
  • Vier / vierter = ketturei / kètwirts (keturi / ketvirtas)
  • Fünf / fünfter = pēnkei / pēnkts (penki / penktas).

Geschichte der altpreußischen Sprache


um 500 v.Chr. Spaltung des Urbaltischen (in West- und Ostbaltisch)
um Christi Geburt Beeinflussung durch das Gotische
5.-6. Jhd. Spaltung des Westbaltischen (in Prussisch, Jatwingisch und Kurisch, letzteres wurde später unter litauischem und latgalischem Einfluss "ostbaltisiert")
13. Jhd. Infolge der Eroberung des Prussenlandes durch den Deutschritterorden setzt eine allmähliche Assimilierung der Prussen ein
Mitte des 14. Jhd. Entstehung des ältesten bekannten Sprachdenkmals
16. Jhd. Luthers Katechismen werden ins Altpreußische übersetzt
18. Jhd. ausgestorben, vollständige Assimilierung der Prussen an das Deutsche, teilweise auch ans Litauische und Polnische
21. Jhd. einige Gemeinschaften in Litauen, Polen, und anderen Länder angehen, die Sprache neu zu beleben

Vom Altpreußischen beeinflusste Dialekte


Im südlichen Teil (Ost-)Preußens fanden evangelische Polen aus Masowien Zuflucht, und so entwickelte sich dort die ostpreußische Mundart der Masuren.

Es gibt weiterhin in verschiedenen ostpreußischen Mundarten verfasste Texte, die Elemente des Altpreußischen mit verschiedenen ostniederdeutschen Dialekten vermischen, sowie aus neuerer Zeit Tonbandaufnahmen von ehemaligen Bewohnern Ostpreußens. Diese Dialekte sind aufgrund unterschiedlicher Faktoren, unter anderem auch der Vertreibung der Deutschsprachigen aus Preußen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie einem generellen Niedergang vieler Dialekte, im Aussterben begriffen.

Der im Nordwesten Weißrusslands befindlichen Zietelaer Mundart liegt möglicherweise ein prussisches Substrat zugrunde.

Rekonstruktion


Aufgrund des relativ kleinen überlieferten Textkorpus wird die prussische Grammatik mit Methoden der vergleichenden Sprachwissenschaft rekonstruiert. Darüber hinaus gibt es auch Versuche, eine "neuprußische" Sprache zu erschaffen, wobei es vor allem ums Erweitern des Wortschatzes geht (man nimmt zum Beispiel an, dass ein Wort im Prussischen existiert haben muss, wenn es im Litauischen, Lettischen und Slawischen aufscheint). Diese Versuche werden von vielen Baltisten kritisiert. Einen wichtigen Beitrag für die Prussische Sprache hat Dr. Letas Palmaitis geleistet. Er möchte seine wissenschaftlichen Arbeiten über die Prussische Sprache veröffentlichen und ist Director of Baltic Projects at European Institute for Dispersed Ethnic Minorities in Litauen.

Beispiele altpreußischer Wörter aus dem Elbinger Vokabular


im Manuskript rekonstruierte Prußisch Altniederdeutsch 1350 Neuhochdeutsch
Aglo aglā Reyn Regenguß
Assanis assans Herbist Herbst
Agins aks Ouge Auge
acclocordo aklakārda Leitseyl Zügel, Treibriemen
ape appi Vlys Fluss
aubirgo āubirga Garbret Braten
auklextes āuklakstis Oberker Spreu
abstocle apstākli Sturtcze Topfdeckel
avis aws Öme Oheim, Onkel
birgakarkis birgakārts Kelle *kelle
buttan buttan Hus Haus
cawx kaūks, kuks Tufel Teufel
dambo dāuba Grunt Bodensenke
dangus dāngs Hemel Himmel
dantis dānts Czan Zahn
dantimax dantimaks Czanfleysch Zahnfleisch
deywis Dēiws GOt Gott
dusi dūsi Sele Seele
estureyto isturēita Eudexe Eidechse
gamdams, gandarus gāndars Storch Storch
genne, genno x Wip Weib, Frau
gorme x Hiszcze Hitze
goro x Vuerstant Feuerstelle
grobis x darm Darm
iuriay x Mer Meer
Kamato, gamato x Venchel Fenchel
knaistis x Brant Brand
knapios, knapis x Hanf Hanf
lituckekers x linsen Linsen
malun akela x Moelrat Mühlenrad
malunastabis x Moelsteyn Mühlstein
maldenikis x Kint Kind
menso x Vleysch Fleisch
mergo x Jungvrowe Jungfrau
nage x Vues Fuß
nagepristis x Czee Zeh
pamatis x Vussale Fußsohle
panno x Vuer Feuer
pettis x Schuld'blat Schulterblatt
pelanne x Assche Asche
plieynis x Stopassche Staubasche
plinxne x Pletcze Plätzchen, Flins
Percunis Perkūns Donner Donner
sari x Glut Glut
siduko x Sybetop Sieb(topf)
smonenawins x Mensch Mensch
Smoy zmūi Man Mann
Snaygis snāigs Sne Schnee
warene x Messingkessel Messingkessel
werwirsis x Lirche Lerche
weware x Eichhorn Eichhörnchen
wirs x We(h)r (Gruppe) Männer- (Feuer)wehr
Wupyan uppin Wulken Wolken

Siehe auch


Weblinks


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