Die Altniederdeutsche Sprache bzw. Altsächsische Sprache umfasst die Sprache des alten Siedlungsgebietes der Sachsen und Angeln im frühen Mittelalter.
Historisches
Bereits in vorhistorischer Zeit hatte sich die
angelsächsische Sprache abgespalten, die sich in
England - durchaus in Kontakt mit dem sächsischen Festland - zum
Altenglischen entwickelte. Die Sprache der Angeln und Sachsen in England wird deshalb gewöhnlich nicht mehr zum Altniederdeutschen hinzugerechnet. Die Entwicklung des Niederdeutschen auf dem Boden des ostfränkischen, später deutschen Reichs ist seit jeher stark von den
hochdeutschen Mundarten beeinflusst worden.
Verwandte
Dem Altsächsischen besonders ähnlich sind das Altenglische und das Altfriesische.
Diese drei Sprachen werden auch unter dem Begriff "Nordseegermanisch" zusammengefasst.
Weitere verwandte Sprachen sind das
Altniederländische und das
Althochdeutsche.
[Claus Jürgen Hutterer, Die germanischen Sprachen, 2. Auflage, 1987; S. 195][Adolf Bach, Geschichte der deutschen Sprache, 9. Auflage, o.J.; §44]
Abkömmlinge
Der moderne Abkömmling des Altniederdeutschen ist die moderne niederdeutsche Sprache (
Plattdeutsch).
Verbreitung
Das Gebiet des Altniederdeutschen im 9. Jahrhundert ist nur schlecht belegt, umfasst aber im Wesentlichen das heutige
Niedersachsen,
Westfalen,
Engern und
Ostfalen, d.i. das heutige
anhaltische Gebiet (etwa von
Halle bis
Magdeburg), immer linkselbisch. Im Süden verlief die Sprachgrenze zum
Fränkischen und damit zum
Althochdeutschen (Oberdeutschen) auf einer Linie von
Merseburg über
Göttingen bis zum
Sauerland und
Ruhrgebiet. Teile des
Niederrheinlandes und ein Teil der
Niederlande etwa nördlich vom Ruhrgebiet bis nach
Groningen und im Westen bis fast ans
IJsselmeer gehörten ebenfalls zum altniederdeutschen Sprachgebiet. Südlich davon begann das
Altniederfränkische oder
Altniederländische Sprachgebiet. Im Norden grenzte das Gebiet von Groningen bis nach
Bremerhaven an das West- und
Ostfriesische Sprachgebiet. Sowie in
Schleswig-Holstein bis ans
Dänische und im Nordosten etwa auf der Linie
Plön und bei
Lüneburg die Elbgrenze entlang ans slawische Sprachgebiet.
Durch die deutsche Ostexpansion nach Osten und Norden, sowie den aufblühenden Handel vor allem der Hansestädte, entwickelte sich die altniederdeutsche Sprache zur Schrift- und Verkehrssprache. Es bildete sich das Mittelniederdeutsche heraus, das zu einer Spaltung in das alte Stammgebiet und die kolonisierten Gebiete östlich der Elbe führte, in der zahlreiche fremde Einflüsse aufgenommen wurden. Der Differenzierungsprozess zum Mittelniederdeutschen dauerte etwa 150 Jahre. Der unten erwähnte Sachsenspiegel repräsentiert den Sprachstand nach diesem Prozess.
Quellen und Dokumente
Die altsächsische bzw. altniederdeutsche Sprache ist nur in wenigen Dokumenten überliefert, so in einigen Taufgelöbnissen, die die Sachsen unter
Karl dem Großen sprechen mussten und vor allem in der größten Dichtung, dem
Heliand, der als episches Werk nach dem Muster germanischer Heldensagas die Geschichte von
Jesus Christus erzählt. Eine andere Quelle ist der
Spegel der Sassen von Eike von Repgow, er ist in Abschriften überliefert. Die wenigen anderen Quellen sind zumeist Übersetzungen aus dem Lateinischen und daher in der Lexik begrenzt.
Bei der Untersuchung der schriftlichen Quellen muss zudem bedacht werden, dass sie meist nicht von Sachsen, sondern von Franken oder Bayern aufgezeichnet wurden, die vermutlich der sächsischen Sprache nur begrenzt mächtig waren.
Erheblich reichhaltiger ist die Quellenlage für den angelsächsischen Raum, z.B. das Beowulf-Epos.
Merkmale
Wesentliches Merkmal des Altsächsischen ist, dass die hochdeutsche
Lautverschiebung nicht vollzogen wurde. Das betrifft die Konsonanten
p,
t und
k. Die Lautverschiebung breitete sich im 6. bis 8. Jahrhundert vom Alpenraum her immer weiter nach Norden aus und blieb an der Sprachgrenze zum Sächsischen stehen.
Ein weiteres Merkmal sind die langen Vokale, die noch nicht diphtongisiert wurden (ei, au, ü).
Sprachprobe
Sprachprobe (Heliand, der Abschnitt entspricht dem Anfang von Kapitel 2 des
Lukas-Evangeliums):
Thô ward fon Rûmuburg rîkes mannes
bar alla thesa irminthiod Octaviânas
ban endi bodskepi obar thea is brêdon giwald
cuman fon them kêsure cuningo gihuilicun,
hêmsitteandiun sô wîdo sô is heritogon
obar al that landskepi liudio giweldun.
Hiet man that alla thea elilendiun man iro ôdil sôhtin,
helidos iro handmahal angegen iro hêrron bodon,
quâmi te them cnôsla gihue, thanan he cunneas was,
giboran fon them burgiun. That gibod ward gilêstid
obar thesa wîdon werold.
Quellen
Siehe auch
Germanische Sprachen
Einzelsprache
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