Als Altirisch (im modernen Irischen Sean-Ghaeilge, im Englischen Old Irish) wird die Sprachstufe der irischen Sprache bezeichnet, die mit dem Einsatz der Schriftlichkeit in lateinischer Schrift beginnt und etwa mit dem Zerfall der altirischen Standardisierung endet. Die neuere Forschung setzt für das Altirische den Zeitraum zwischen etwa 600 und 900 an.
Die unmittelbaren Quellen für das Altirische sind im Vergleich zum Latein oder Mittelirischen recht spärlich, aber dennoch umfassend genug, um einen recht guten Eindruck von der Funktionsweise der Sprache zu erhalten.
Den übergroßen Teil der direkten Belege bilden Glossen, die als Kommentare oder Übersetzungen am Rand oder zwischen Zeilen auf dem Kontinent entstandener Handschriften eingefügt wurden. Am umfangreichsten und bekanntesten sind die Glossensammlungen, die heute in St. Gallen, Würzburg und Mailand aufbewahrt und nach diesen Orten auch zitiert werden. Weitere wichtige Glossen werden u. a. in Turin, Karlsruhe und Paris aufbewahrt. Die Glossen selbst stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert, wobei die Würzburger Glossen als die ältesten gelten.
Weiterhin sind, ebenfalls meist am Rande größerer Texte, einige Gedichte und weitere Kurztexte erhalten. Als frühester Beleg gilt dabei das Amra Cholm Cille, ein Loblied auf den 597 verstorbenen Gründer des Klosters Iona, Columcille. Das kurze Gedicht muss bald nach dem Tode des Besungenen, also um 600, entstanden sein. Etwas bekannter als das Amra Cholm Cille ist das Gedicht Messe ocus Pangur Bán, das wahrscheinlich im 9. Jahrhundert in Süddeutschland entstanden ist. Darin besingt ein Mönch die traute Zweisamkeit zwischen ihm selbst und seiner weißen Katze Pangur.
Den weitaus größeren Teil der Quellen für das Altirische bilden jedoch Belege aus späteren Zeiten, etwa vom 10. bis zum 16. Jahrhundert. Das Kopieren alter Handschriften bildete eine der Hauptaufgaben in den Skriptorien der mittelalterlichen Klöster. Die Schreiber gingen dabei unterschiedlich vor, zum Teil wurden ältere Texte penibel abgeschrieben, zum Teil wurden diese in unterschiedlichem Maße redigiert, d. h., sie wurden sprachlich und inhaltlich an den modernen Gebrauch angepasst oder vermeintliche Fehler in den alten Manuskripten wurden beseitigt. Für moderne Forscher ist die tatsächliche Überlieferung eines Textes, der aus mehreren "Zeitschichten" besteht, dann häufig nur sehr schwer zu rekonstruieren. Solche Texte enthalten sehr häufig ein Gemisch aus mittelirischen und altirischen Passagen, in denen die altirischen Teile jedoch durch die Hände späterer Redakteure gegangen und möglicherweise verändert worden sind. Bei der philologischen und Textkritik ist daher stets äußerste Vorsicht geboten, da es sich selten um "reines" Altirisch handelt. Durch den Reichtum an solchen Texten (das Irische bietet das umfangreichste weltliche Textkorpus des frühmittelalterlichen Westeuropa) sind jedoch über Vergleiche umfassende Aussagen über Grammatik, Phonologie und Wortschatz des Altirischen möglich. Zudem sind offenbar einige Textgattungen, vor allem Rechtstexte, weit weniger verändert worden als andere. Wegen des recht hohen Alters vieler Rechtstexte (u. a. der Sammlung Senchus Már aus etwa dem 7. Jahrhundert) bilden sie daher trotz ihres meist erst späteren Aufzeichnungsjahres eine wesentliche Quelle für das Studium des Altirischen (und der frühen irischen Gesellschaft).
Auch in phonologischer Hinsicht war das Altirische eine komplexe Sprache, da sich hier erstmals (ein Resultat der Entwicklungen im archaischen Irisch vor 600) Merkmale wie Palatalisierung, Anlautmutationen und durch Mutation, Synkope und Apokope sowie Vereinfachung entstandene neue Laute zeigten.
Der Wortschatz des Altirischen ist vorwiegend keltischer Herkunft, ist aber stark mit lateinischen und britischen (meist wohl walisischen) Wörtern durchsetzt. Der lateinische Teil des Lexikons betrifft naheliegenderweise häufig Begriffe aus dem kirchlichen Bereich (bendacht < benedictum "Segen"; ecl(a)is < ecclesia "Kirche"; o(i)frend < offerendum "Messe", ifernn < infernum "Hölle"). Der Umstand, dass ein Teil des kirchlichen Vokabulars Spuren des Britannischen bzw. des britischen Vulgärlateins zeigt, weist darauf hin, dass zumindest ein Teil der Christianisierung von Briten durchgeführt wurde. So ist von Patrick aus seinen eigenen Schriften bekannt, dass er eigentlich Waliser war.
Das rekonstruierte Konsonanteninventar des Altirischen wird in der folgenden Tabelle dargestellt. stellen Fortes dar, deren genaue Artikulation unbekannt ist, die aber vermutlich länger, gespannter und ganz allgemein mit mehr Druck artikuliert wurden als ihre Lenis-Gegenstücke .
| labial | dental | alveolar | velar | glottal | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosive | velarisiert | |||||
| palatalisiert | ||||||
| Nasale | velarisiert | |||||
| palatalisiert | ||||||
| Frikative | velarisiert | |||||
| palatalisiert | ||||||
| Nasalierte Frikative | velarisiert | |||||
| palatalisiert | ||||||
| Approximanten | velarisiert | |||||
| palatalisiert | ||||||
| Laterale | velarisiert | |||||
| palatalisiert | ||||||
Einige Details der altirischen Phonetik sind nach wie vor unbekannt. könnte oder gesprochen worden sein, wie im heutigen Irisch. könnte und/oder darstellen. und könnten bzw. sein. Der Unterschied zwischen und mag der zwischen einem Vibranten und einem Flap gewesen sein.
| vorne | zentral | hinten | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| lang | kurz | lang | kurz | lang | kurz | |
| geschlossen | ||||||
| mittel | ||||||
| offen | ||||||
Die Verteilung der kurzen Vokale in unbetonten Silben ist etwas kompliziert. Alle kurzen Vokale können wortfinal in unbetonter offener Silbe nach velarisiertem oder palatalisiertem Konsonanten stehen. Die vorderen Vokale und werden nach velarisiertem Konsonanten meist ae bzw. ai geschrieben, was hier eine zurückgezogene Zungenwurzel anzeigen könnte, etwa bzw. . Alle zehn Möglichkeiten werden hier durch Beispiele illustriert.
| marba 'töten' (1. Person Singular Subjunctiv) | léicea 'verlassen' (1. P. Sg. Subj.) |
| marbae 'töten' (2. P. Sg. Subj.) | léice 'verlassen' (2. P. Sg. Subj.) |
| marbai 'töten' (2. P. Sg. Indikativ) | léici 'verlassen' (2. P. Sg. Ind.) |
| súlo 'Auge' (Genitiv) | doirseo 'Tür' (Gen.) |
| marbu 'töten' (1. P. Sg. Ind.) | léiciu 'verlassen' (1. P. Sg. Ind.) |
In unbetonten geschlossenen Silben hängt die Vokalqualität kurzer Vokale von den sie umgebenden Konsonanten ab und ist in aller Regel vorhersagbar. Zwischen velarisierten Konsonanten steht der Vokal , wie in dígal 'Rache' (Nominativ). Zwischen palatalisiertem und velarisiertem Konsonanten steht , wie in dliged 'Recht, Gesetz' (Nom.). Vor palatalisiertem Konsonanten steht , wie in dígail 'Rache' (Akkusativ) und dligid 'Recht, Gesetz' (Genitiv).
Abweichend von dieser Regel steht wenn die folgende Silbe im Proto-Keltischen (PC) ein langes ū enthielt (Beispiel: dligud 'Recht, Gesetz' (Dativ) von PC *dligedū). Daneben steht häufig oder nach velarisiertem Labial (Beispiel: lebor 'Buch'; domun 'Welt').
Das Inventar der altirischen Diphthonge zeigt die folgende Tabelle:
| Lang (bimoraisch) | Kurz (monomoraisch) | |||||
Wie bei den meisten mittelalterlichen Sprachen war die Orthographie des Altirischen nicht fixiert, so dass die folgenden Ausführungen als Generalisierungen zu verstehen sind. Einzelne Manuskripte können von den hier beschriebenen Prinzipien stark abweichen.
Das altirische Alphabet besteht aus den folgenden 18 Buchstaben des lateinischen Alphabets: a, b, c, d, e, f, g, h, i, l, m, n, o, p, r, s, t, u.
Zusätzlich finden der Akut und ein über dem Buchstaben geschriebener Punkt Verwendung.
Eine Anzahl von Digraphen wird ebenfalls benutzt:
Wenn keine Anlautmutation stattgefunden hat, haben die Konsonantenbuchstaben in wortinitialer Position die folgenden Lautwerte (wobei die velarisierte Variante vor hinteren Vokalen (a, o, u) steht und die palatalisierte vor vorderen Vokalen (e, i):
Obwohl das Altirische sowohl einen Laut als auch einen Buchstaben h besitzt, gibt es keine konsistente Beziehung zwischen den beiden. Wörter, die mit einem Vokal anlauten, werden manchmal mit stummen wortinitialem h geschrieben, vor allem, wenn sie sehr kurz sind (die Präposition i "in" wurde manchmal hi geschrieben), oder wenn sie betont werden müssen (die Bezeichnung für Irland, Ériu, wurde manchmal Hériu geschrieben). Auf der anderen Seite werden Wörter, die mit /h/ anlauten, normalerweise ohne h geschrieben, z. B. a ór "ihr Gold". Wenn Laut und Schreibung korrespondieren, dann durch Zufall, wie in ní hed "es ist nicht".
Nach Vokal oder nach l, n, oder r können die Buchstaben c, p, t sowohl für stimmhafte als auch für stimmlose Plosive stehen; sie können auch doppelt geschrieben für beide Varianten eintreten:
Nach Vokal stehen die Buchstaben b, d, g für die Frikative oder ihre palatalisierten Äquivalente:
Nach m ist b ein Plosiv, aber nach d, l und r ein Frikativ:
Nach n und r ist d ein Plosiv
Nach n, l und r ist g normalerweise ein Plosiv, aber in einigen Wörtern auch ein Frikativ:
Nach Vokalen ist m normalerweise ein Frikativ, manchmal aber auch ein (nasaler) Plosiv und wird in diesem Fall häufig verdoppelt:
Die Digraphen ch, ph, th erscheinen nicht in wortinitialer Position, außer bei Lenisierung. Die Aussprache ist dann .
Die Buchstaben l, n und r werden doppelt geschrieben, wo sie gespannte Sonoranten darstellen und einfach, wo sie ungespannte darstellen. Wortinitial werden allerdings auch gespannte Sonoranten einfach geschrieben.
Hinzu kommt eine hohe Anzahl von Suppletivstämmen, also Stämmen innerhalb eines Paradigmas, die nicht auf die gleiche Wurzel zurückzuführen sind (vgl. dt. sein/war/bin).
Objektpronomen werden im Altirischen meist infigiert:
Das Altirische weist noch viele der aus dem Indogermanischen ererbten Ausprägungsformen der Verbparadigmen auf. Alle Verbformen werden synthetisch gebildet, d. h., die Formen enthalten selbst per Suffix oder Lautwandel die Informationen zu Person, Zahl, Zeitform, Modus und Genus. Lediglich bei der Zeitform spielen auch Präfixe (ro- in Vergangenheitstempora) eine Rolle. Die Vielzahl von Zeitformen, mehreren Modi und drei Genera (Aktiv, Passiv, Deponens) ist jedoch nicht für jedes einzelne Verb voll belegt und war möglicherweise auch nie vollständig in Verwendung.
Sowohl Substantive als auch Adjektive weisen maskuline, feminine und neutrale Formen auf und werden vollständig nach Kasus und Numerus dekliniert. Die Fälle wie die Numeri sind aus dem Indogermanischen ererbt: Nominativ, Vokativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ (die irische Reihenfolge entspricht der englischen). Der Dativ ist jedoch als eigenständiger Fall kaum vorhanden, er wird meist zusammen mit bestimmten Präpositionen gebraucht. Als Numeri werden Singular, Plural und Dual gebraucht, wobei der Dual nur noch in Resten erhalten ist. Das Besondere an der altirischen Deklination besteht wahrscheinlich darin, dass die ererbten Endungen nur zum Teil als eigentliche Endungen erscheinen. Durch Synkope und Apokope im archaischen Irisch sind die ererbten Änderungen meist verloren gegangen, äußern sich jedoch weiterhin in der Qualität des Auslauts.
Beispiel: fer , "Mann", mask. -o-Stamm, < protokelt. *u̯iros. Vgl. lat. vir. n- weist lediglich darauf hin, dass das dem betreffenden Substantiv nachfolgende Wort nasaliert wird. Die Angaben zur Aussprache beruhen auf Rückschlüssen durch Sprach- und Sprachstufenvergleich.
| Singular | Plural | Dual | |
|---|---|---|---|
| Nominativ | fer /f´er/ | fir /f´ir´/ | dá ḟer /daː er/ |
| Vokativ | á ḟir /a ir´/ | á ḟiru /a iru/ | – |
| Akkusativ | fer n- /f´er/ | firu /f´iru/ | dá ḟer /daː er/ |
| Genitiv | fir /f´ir´/ | fer n- /f´er/ | dá ḟer /daː er/ |
| Dativ | fiur /f´ir/ od. /f´iur/ | feraib /f´eriv´/ | dib feraib /d´iv´ f´eriv´/ |
Beispiel: tene , "Feuer", mask. Dentalstamm.
| Singular | Plural | Dual | |
|---|---|---|---|
| Nominativ | tene /t´en´e/ | tenid /t´en´ið´/ | dá thenid, dá thene /daː θ´en´ið´/, /daː θ´en´e/ |
| Vokativ | – | – | – |
| Akkusativ | tenid n- /t´en´ið´/ | teintea /t´en´t´a/ | dá thenid, dá thene /daː θ´en´ið´/, /daː θ´en´e/ |
| Genitiv | tened /t´en´eð/ | tened n- /t´en´eð/ | dá thened /daː θ´en´eð/ |
| Dativ | tenid /t´en´ið/, tein /t´en´/ | teintib /t´en´t´iv´/ | dib teintib /d´iv´ t´en´t´iv´/ |
Entsprechend den drei Genera gibt es drei vollständig flektierte, dem Substantiv vorangestellte Artikel, wobei diese jedoch in einigen Kasus zusammengefallen sind (Nominativ Singular: mask. in, int; fem. ind, in, int; neutr. a). Zum Teil unterscheiden sich jedoch auch anscheinend identische Artikel durch die Anlautmutation bzw. Nicht-Mutation des nachfolgenden Substantivs. Demonstrativpronomina werden hingegen zusätzlich zum Artikel dem Substantiv nachgestellt.
Da vorwiegend synthetische Verbformen gebraucht werden, die Informationen zur Person bereits enthalten, sind Vorkommen von Personalpronomina relativ selten. Sie können jedoch als betonte Form verwendet werden, und in diesem Fall in mehreren Emphasestufen: mé (betont "ich", "mich") > messe (stark betont "ich", "mich"). In der älteren Sprache werden Objektpronomen suffigiert (1. Pl. Sg. Akk. dann -um: berthum "er/sie/es trägt mich"). Später werden sie infigiert (s.o., "Verben"), wobei je nach davor stehender Präposition/Partikel drei unterschiedliche Klassen von infigierten Personalpronomina gebraucht werden.
Die meisten Präpositionen sind einfach und verlangen jeweils den Dativ (a "aus", di "von", do "zu", re "vor") oder den Akkusativ (cen "ohne", eter "zwischen", la "mit"), in einigen Fällen je nach Bedeutung (z. B. Ort/Richtung) auch beides. Sie verschmelzen, wie in den inselkeltischen Sprachen üblich, mit Personalpronomina zu den so genannten konjugierten Präpositionen:
Von den Numeralen werden nur dá "zwei", trí "drei" und cethir "vier" dekliniert, dies jeweils aber nach Genus getrennt. Dabei verlangen verschiedene Flektionsformen die Lenierung bzw. Nasalierung des gezählten Wortes (s. Anlautmutation). Die Zahlwörter cóic "fünf" und sé lenieren ebenfalls, im Genitiv nasalieren sie (ohne spezielle Flektionsform). Die Zahlwörter secht "sieben", ocht "acht" und noí "neun" nasalieren das gezählte Wort.
Pronominalobjekte wurden in der älteren Zeit meist suffigiert. Nach dem Frühaltirischen (ab ca. 750) werden diese Objekte im Normalfall zwischen Vorsilbe und Wortstamm infigiert.
Daher gehen einige Forscher von einer engeren Verwandtschaft des Schottisch-Gälischen und des Manx untereinander als einer dieser Sprachen mit dem Irischen aus. Daher werden die "Kolonialsprachen" bisweilen als "Ost-Gälisch" zusammengefasst, wobei das "West-Gälische" nur das Irische umfasst. Diese Unterteilung ist jedoch umstritten, auch weil sie auf nachträglichen Einflüssen von außen (Skandinavier in Schottland und auf der Isle of Man) und nicht auf sprachinternen Entwicklungen beruht.
Einzelsprache | Irische Sprache | Sprachstufe
Old Irish language | 古アイルランド語 | Język staroirlandzki | 古愛爾蘭語
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"Altirische Sprache".
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