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Die Altheimer Gruppe (auch Altheimer Kultur) ist eine Kulturerscheinung der Steinzeit, welche zwischen 3800 v. Chr. und 3400/3300 v. Chr. im späten Jungneolithikum beobachtet werden kann. Namengebend war das 1911 entdeckte und 1914 ausgegrabene Erdwerk von Altheim (Altheim-Essenbach bei Landshut in Niederbayern). Paul Reinecke definierte die Gruppe anhand der dort gemachten Funde.

Das Hauptverbreitungsgebiet der Altheimer Gruppe befand sich in Niederbayern und der südlichen Oberpfalz. Sie streut jedoch im Westen bis zum Lech und im Osten bis zum Inn.

Von herausragender Bedeutung aufgrund der Erhaltungsbedingungen ist die Fundstätte Pestenacker, Gemeinde Weil.

Kennzeichnung der Altheimer Gruppe


Skizze_altmeimer_keramik.jpg Die Silexgeräte der Altheimer Kultur bestehen häufig aus Kerngeräten, d.h das Werkzeug wird aus dem Silexrohstück gefertigt und nicht aus einem Abschlag. Die Keramik ist zumeist grob und (nahezu) unverziert. Gräber der Altheimer Gruppe sind kaum bekannt.

Grabenanlagen sind im Jungneolithikum allgemein sehr verbreitet und auch für die Altheimer Gruppe sehr geläufig. Oft begleitet das Erdwerk eine Gruppe von Siedlungen und stellt so möglicherweise den Mittelpunkt einer Siedlungsgemeinschaft dar. Diese Erdwerke wurden meist an Terrassen- oder Hangkanten errichtet. Bis zu drei Gräben (auf der Hangseite in der Regel grabenlos) grenzen ein trapezförmiges bis rechteckiges Areal ab. Eine eindeutige Interpretation der Altheimer Grabenanlagen ist jedoch noch nicht gelungen. Als erste Kultur Südbayerns hat die Altheimer Gruppe Kupfer in nennenswertem Umfang verwendet.

Nahrungsgrundlagen


In Pestenacker wurden Rind, Schaf/Ziege, Schwein und Hund als Haustiere nachgewiesen. Aufgrund der hohen Anzahl an Pferdeknochen ging man lange Zeit davon aus, dass es sich um bereits domestizierte Tiere handelt. Neuere Untersuchungen konnten diese Vermutung jedoch nicht stützen. Die Knochen stammen von verhältnismäßig kleinen Wildpferden, die neben Rothirsch, Wildschwein, verschiedenen Vogel- und Fischarten, Bär, Biber und sogar Schildkröten zur Nahrungsergänzung bejagt wurden.

Siedlungswesen


Feuchtbodensiedlungen

Neben Siedlungen auf den üblichen Mineralböden treten nun in Bayern auch erstmals so genannte Feuchtbodensiedlungen an Seeufern bzw. Inseln und in Mooren auf:
  • Unweit von Landshut stieß man auf die Siedlungen von Ergolding-Fischergasse und Essenbach-Koislhof
  • Im Loosbachtal, auch Tal des verlorenen Baches genannt, nahe von Landsberg am Lech, finden sich auf einer Wegstrecke von nur drei Kilometern die drei Talauesiedlungen: Pestenacker-Nord; Pestenacker,Gemeinde Weil; Unfriedshausen.
  • Lediglich zwölf Kilometer nördlich wurde mit Merching-Stummenacker eine weitere, ehemals feucht situierte Siedlung entdeckt.
  • Ferner ist noch die Inselsiedlung von Kempfenhausen im Starnberger See zu nennen.

Dank der Siedlungslage in Feuchtgebieten haben sich Bauholz, Bohlenwege, Flechtwerkzäune und in Pestenacker sogar Textilien (beispielsweise ein Spitzhut) erhalten. Diese Funde erlauben wesentlich mehr Aussagen zum Siedlungswesen und zur Chronologie.

Hausbau

Die Häuser der Siedlungen von Unfriedshausen und Pestenacker sind am besten erhalten. Diese sind im Durchschnitt etwa 4 m breit und 8 m lang. Das Fundament bestand im vorderen Bereich aus Holzbalken, im hinteren Bereich aus Birkenästen, Strohhäcksel und Mist. Auf dieses Fundament wurde der eigentliche Fußboden - Lehmestrich - aufgetragen.

Mineralbodensiedlungen

Einige weitere Fundplätze der Altheimer Gruppe sind:
  • Lößterrasse des mittleren Isartals bei Landshut: Erdwerk bei Altdorf, Essenbach-Altheim (namengebender Fundort, auch als Altheim-Holzen bekannt)
  • In Niederbayern des Weiteren die Erdwerke: Bad Abbach-Alkofen (Landkreis Kelheim, Niederbayern), Bruck und Nindorf (Landkreis Deggendorf, Niederbayern), Oberschneiding, Osterhofen-Linzing, Osterhofen-Neu-Wisselsing, Aiterhofen-Ödmühle, Pilsting-Trieching, Straßkirchen
  • Grubenhütte von Sengkofen (Landkreis Regensburg, Oberpfalz)

Literatur


  • Paul Reinecke, Altheim (Niederbayern). Befestigte jungneolithische Siedlung
  • Jürgen Driehaus, Die Altheimer Gruppe und das Jungneolithikum in Mitteleuropa, Römisch-Germanisches Zentralmuseum zu Mainz, 1960

Weblinks


Archäologische Kultur | Jungsteinzeit

 

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