Die Altgriechische Phonologie ist die Lehre von der Phonologie (bzw. Aussprache) des altgriechischen.
Entsprechend der Menge an Zeit, die seitdem vergangen ist, kann die originale Aussprache des Altgriechischen, wie aller antiken Sprachen, nie mit hundertprozentiger Sicherheit entschlüsselt werden, ihre linguistischen Rekonstruktionen wurden in der Vergangenheit immer wieder sehr stark angefochten. Dennoch hat mittlerweile eine gute Annäherung herausgebildet, über die nun allgemein Konsens herrscht. Sie ist nicht identisch mit der etablierten Aussprache des Altgriechischen in deutschsprachigen Schulen.
Kurze Vokale
| Vorne | Hinten | |||
|---|---|---|---|---|
| ung. | ger. | ung. | ger. | |
| Geschlossen | // ι | // υ | ||
| Mittel | // ε | // ο | ||
| Offen | // α | |||
Lange Vokale
| Vorne | Hinten | |||
|---|---|---|---|---|
| ung. | ger. | ung. | ger. | |
| Geschlossen | // ι | // υ | ||
| Halbgeschlossen | ει | ου | ||
| Halboffen | // η | // ω | ||
| Offen | // α | |||
Die Laute und Ypsilon) wiedergegeben, unabhängig von ihrer Länge. Diese haben sich aus *" target="_blank" >und *" target="_blank" >als Zwischenstufe. Er ereignete sich auch nicht in allen griechischen Dialekten, wurde aber von der Koiné als Standard übernommen. Die Entrundung dieses Lautes, die das moderne [ hervorbrachte, ereignete sich in byzantinischen Zeiten, lange, nachdem der Unterschied zwischen langem und kurzem Ypsilon verschwunden war.
Der Laut // (geschrieben als η) könnte unter Umständen auch noch offener ausgesprochen werden, also *.
Es wird angenommen, dass die kurzen mitleren Vokale eher halbgeschlossen waren, es ist jedoch auch gut möglich, dass sie die halboffenen Allophone und [ hatten.
Die langen halbgeschlossenen Vokale // und // hatten eine komplexe Geschichte. In einigen Fällen haben sie sich aus den Diphthongen und [ entwickelt, worauf auch die Schreibweisen ει und ου hinweisen. Jedoch können sie auch durch eine Ersatzdehnung der kurzen Laute // und // entstanden sein, um einen in voralphabetischen Zeiten ausgefallen Konsonanten wieder auszugleichen. Zum Beispiel gehen λυθείς (lytheis) und λύουσι (lyousi) auf *λυθεντς (*luthents) und *λυοντσι (*luontsi) zurück. In einem noch anderen Fall hat sich // aus einer Kontraktion von <εε> und // aus einer aus <εο>, <οε> oder <οο> entwickelt, wobei die unkontrahierten Formen in anderen Dialekten erhalten sind. Als die ursprünglichen Diphthonge ihre diphthongische Aussprache verloren und, wahrscheinlich in vorklassischer Zeit zu // und // wurden, stellten die Schreibungen <ει> und <ου> eine recht einfache Methode der schriftlichen Wiedergabe dar, unabhängig von ihrem Ursprung. Wo die Schreibungen ει und ου mit einem ehemaligen Diphthong übereinstimmen, werden sie „genuine Diphthonge“ genannt, in anderen fällen „unechte Diphthonge“.
Während oder kurz nach der klassischen Periode verschoben sich sowohl // und // und wurden zu bzw. [. // (ει) fiel mit dem ursprünglichen // zusammen, wogegen // den Platz des ursprünglichen // einnahm, das sich bereits vorher zu // verschoben hatte (siehe oben). Die Tatsache, dass <υ> und <ου> niemals verwechselt wurden, lässt darauf schließen, dass sich die Verschiebung von <υ> vor der von <ου> ereignete oder, dass die Lautverschiebungen parallel ereigneten.
Altgriechisch hatte eine Reihe von Diphthongen. Alle waren schließende Diphthonge sie entweder auf // oder //, wie in einem halbvokalischen Auslaut. Der erste Teillaut konnte entweder lang oder kurz sein. Dies zeigt die nachstehende Tabelle:
| Vorderer Auslaut | Hinterer Auslaut | |
|---|---|---|
| Kurzer erster Laut | //, //, //, (//) αι, οι, υι, (ει) |
//, //, (//) αυ, ευ, (ου) |
| Langer erster Laut | //, //, // ᾱι, ηι, ωι (ᾳ, ῃ, ῳ) |
//, (//) ηυ, (ωυ) |
Diese Diphthonge (δίφθογγοι) entwickelten sich während und nach der klassischen Periode verschieden. Zwei davon, ει und ου, wurden bereits monophthongiert (siehe oben). Die anderen Diphthonge mit vorderem Auslaut wurden kurz darauf auch monophthongiert. Dies geschah früh, noch während oder kurz nach der klassischen Periode, wogegen bei den langen Diphthongen ᾱι, ηι und ωι der Auslaut abgeschwächt und in der Rechtschreibung lediglich durch ein bloßes Iota subscriptum widergegeben (ᾳ, ῃ, ῳ). /ai/ αι wurde im post-klassischen Griechisch zu * monophthongiert und nach der Aufgabe der langen Vokale unter römischem Einfluss, eventuell fiel er mit // ε zusammen. // (οι) und // (υι) fielen mit // (υ), und in der Byzantinischen Zeit schließlich mit // (ι η ει), zusammen.
Die übrigen hinteren Diphthonge (αυ, ευ, ηυ) veränderten sich dahingehend, dass der Auslaut während der hellenistischen Zeit konsonantisch wurde, was direkt zum neugriechischen // (bzw. //, vor stimmlosen Konsonanten) führte. ωυ war selten und erschien nicht im klassischen Attischen (jedoch sehr wohl im Ionischen).
Verglichen mit den Vokalen bleib das Inventar an Konsonanten im Griechischen relativ gleich über die Zeit, zumindest, was die reine Anzahl an existierenden Lauten betrifft. In jedem Falle wird jedoch trotzdem angenommen, dass viele Laute sich mit der Zeit radikal verändert haben, so wurde ein ganzes Spektrum von Plosiven zu Frikativen.
Von all den folgenden Lauten wird angenommen, dass sie im attischen Griechisch Plosive waren. Antike Grammatiker (beginnend mit Aristoteles) nennen sie allesamt ἄφωνα (áphona).
| Traditioneller Name | Phonetische Beschreibung | Bilabial | Dental | Velar |
|---|---|---|---|---|
| Ψιλά Psilá , Tenues | stimmlos | // π | // τ | // κ |
| Μέσα Mésa, Mediae | stimmhaft | // β | // δ | // γ |
| Δασέα Daséa, Aspiratae | aspiriert und stimmlos | // φ | // θ | // χ |
Alle Mediae wurden später zu Frikativen (*" target="_blank" >~ *," target="_blank" >*" target="_blank" >~ modernen Griechisch. Es wird davon ausgangen, dass diese Veränderungen während des Altertums, im Wesentlichen während der Zeit der Koiné, stattfanden, höchstwahrscheinlich jedoch nach dem klassischen Attischen. Die Veränderungen begannen wahrscheinlich mit der Verscheibung des stimmhaften velaren Lautes *" target="_blank" >nach * (im dritten Jahrhundert vor Christus) und endeten während der ersten Jahrhunderte nach mit den Aspiranten. Deshalb wird in (alt-)griechischen Transkriptionen auch bis heute „ph“ statt „f“ geschreiben.
Im Falle der Labialen müssen die Veränderungen über die Zwischenschritte der bilabialen Frikative und [, da die modernen Lautwerte nicht bilabial, sondern labiodental sind.
Außer den Plosiven beinhaltet das klassische Altgriechische zwei Nasale (// und //), zwei Liquide (// und //) und zwei Frikative (// und //), die in einzelnen Abschnitten separat behandelt werden. Antike Grammatiker klassifizierten die Nasale, Liquide und // als ἡμίφωνα (hemíphona), womit sie wahrscheinlich meinten, dass sie, im Gegensatz zu den ἄφωνα (áphona), in der Aussprache ohne vokalische Aussprachehilfe ausgedrückt werden konnten.
Während sich die Terminologie der áphona und hemíphona sich mehr auf die Buchstaben denn auf die Phoneme bezog, standen die Buchstaben ψ, ξ und ζ jeweils für Konsonantenverbindungen und wurden als διπλά diplá („Doppelbuchstaben“), wurden also jeweils mit Hemíphona gekoppelt, wahrscheinlich, weil sie alle // als Element enthielten. Die Aussprache des ζ ist nicht ganz klar. In Sachen Metra wurde es als Doppelkonsonant behandelt, sprich, es bildete harte Silben (siehe unten), aber es ist unklar, ob es für oder *." target="_blank" >Die anderen beiden diplá wurden im klassischen Attisch wahrscheinlich * ausgesprochen (im alten Alphabet wurden sie <φσ>, bzw. <χσ> geschrieben), aber die Aspiration des ersten Lautes war phonologisch irrevant.
Dies sind der bilabiale Nasal //, geschrieben als μ, und der alveolare Nasal //, geschrieben als ν. Je nach phonetischer Umgebung wurde das Phonem // beim Sprechen auf vier verschiedene Arten realisiert:
Sofern möglich geht das Phonem // Geminationen ein, ohne assimiliert zu werden, wie zum Beispiel in dem Wort ἐννέα (ennéa). Künstliche Gemination zu metrischen Zwecken findet sich teilweise auch, z.nbsp;B. in der Form ἔννεπε (énnepe).
Altgriechisch hat die Liquide // und //, die mit λ, bzw. ρ geschrieben werden.
Das λ stand wahrscheinlich für ein „klares“ l wie im heutigen Griechischen oder Deutschen. Steht // vor dem //, findet eine Gemination statt und die Kombination wird // ausgesprochen, wie in συλλαμβάνω (syllambáno), dem *συνλαμβάνω (* synlambáno) zugrunde liegt.
Das ρ stnd wahrscheinlich für einen alveolar gerollten Laut, wie im Italienischen oder heutigen Griechischen und teilweise noch im hoch- und höchstalemannischen Dialektkontinuum, eher nicht wie im Englischen, Französischen oder (nichtschweizerischen) Deutschen. Am Wortanfang wird das ρ teilweise mit Spiritus asper geschrieben (ῥ), wahrscheinlich, um ein stimmloses oder aspiriertes Allophon von // darzustellen, wahrscheinlich ( oder , woher wohl auch die traditionelle Transkription „rh“ rührt. Die gleiche Rechtschreibung wird teilweise verwendet, wenn eine Gemination von //, wie in „συρρέω“ (syrréo), das deshalb teilweise auch συῤῥέω (syrrhéo) geschrieben wird, auftritt, was die Transkription zu „rrh“ verschiebt. Dieses Beispiel zeigt auch, dass // von einem folgenden // assimiliert wird, was zur Gemination führt.
Bevor die mediae und aspiratae zu Frikativen wurden, hatte das Griechische wahrscheinlich nur zwei Frikative: Den Zischlaut //, der mit Sigma (Σ,σ,ς) geschrieben wurde und //. Der erstgenannte hatte wahrscheinlich das stimmhaftes Allophon // vor anderen stimmhaften Konsonanten, was in der Rechtschreibung jedoch nicht wurde.
Der Laut // stand nur am Wortanfang. Im Attischen Dialekt wurde er ursprünglich mit Eta geschreiben. Kurz vor oder während der klassischen Zeit verstummte er im Ionischen und Aiolischen, im Attischen blieb er aber länger erhalten. Im Ionischen, wo er früh verstummte, wurde das Eta daraufhin als Vokalbuchstabe verwendet. Als das ionische Alphabet dann von den anderen Regionen übernommen wurde (403 v. Chr. in Athen), musste // allerdings weiterhin wiedergegeben werden. In manchen Inschriften wurde er stattdessen mit der linken Hälfte des (H)eta geschrieben. Spätere Grammatiker, während der hellenistischen Koiné, veränderten das Symbol zum Spiritus asper (griechisch δασεῖα (daseîa)), den sie nicht länger als einzelnen Buchstaben, sondern als diakritisches Zeichen, das über einem anlautenden Vokalbuchstaben steht. Dementsprechend schufen sie ein weiteres diakritisches Zeichen namens Spiritus lenis (griechisch ψιλή (psilé)), das klarstellen sollte, dass das Wort nicht mit // beginnt. Allgemein wurden die Zeichen erst in der byzantinischen Zeit eingeführt.
Der Buchstabe Digamma (Ϝ, ϝ) wurde in einigen Dialekten für den Laut // im Silbenanlaut verwendet. Dieser Laut verstummte im Attischen und Ionischen vor der klassischen Periode und wurde nur noch als Zahlzeichen für 6 benutzt, wo er später auch durch das Stigma ersetzt wurde). Das // anderer Griechischer Dialekte und von Fremdsprachen wurde üblicherweise mit <β>, später auch mit <ου> geschrieben.
Gemination existierte im Altgriechischen, sprich doppelte Konsonanten wurden gelängt, wie auch, zu metrischen Zwecken im modernen zyprischen Dialekt. Doppelkonsonanten erscheinen nicht am Wortanfang und -ende. φ, θ und χ werden nicht in der Rechtschreibung verdoppelt, als Ersatz werden die Buchstabenkombinationen πφ, τθ, und κχ benutzt, vergleiche auch die Doppel-Rho-Regel weiter oben.
Ein doppeltes Sigma der meisten antiken Dialekte (und in der Kioné) — σσ — wurde im Attischen generell durch ein doppeltes Tau — ττ — ersetzt. Einige Wissenschaftler haben vermutet, dass dies für eine Affrikate (oder [) steht, doch es gibt keinen direkten Beweis dafür.
Im Altgriechischen ist die Unterscheidung zwischen langen und kurzen Silben sehr wichtig, da sie das das Grundelement des klassischen Versmaßes war. Eine lange Silbe ist eine Silbe, die entweder einen langen Vokal oder einen Diphthong beinhaltet oder auf einen Konsonanten endet. Falls ein Konsonant zwischen zwei Silben steht innerhalb eines Wortes, gehört er im Regelfall zur zweiten, die davor ist also kurz (vorausgesetzt, ihr Vokal ist kurz). Falls zwei oder mehr Konsonanten, ein Doppelkonsonant (ζ, ξ oder ψ) oder ein gelängter (geminierter) Konsonant zwischen zwei Silben innerhalb eines Wortes erscheinen, gehört der erste zu der davor und längt sie. Bestimmte Kombinationen von Konsonanten, stimmhafte Plosive plus Liquide oder Nasale (z. B. τρ oder κν), sind Ausnahmen, da unter bestimmten Umständen beide Konsonanten teil der zweite Silbe sind — ein Phänomen, das als „correptio attica“ bekannt ist. Antike Grammatiker bezeichneten eine lange Silbe mit einem kurzen Vokal als „θέσει μακρά“ („thései makrá“) - lang nach Konvention, was später als „positione longa“ (falsch) ins Lateinische übersetzt wurde. Eine langvokalische Silbe wurde als „φύσει μακρά“ („phýsei makrá“) - „von Natur aus lang“ - „natura longa“ - bezeichnet.
Im Altgriechischen hatte eine Silbe eines Wortes normalerweise einen Akzent. Im Gegensatz zum modernen Griechischen war dies ein tonaler Akzent; in anderen Wörtern wurde die akzentuierte Silbe mit höherem Thon ausgesprochen; Dionysios von Halikkarnassus sagte, dass dieser Intervall etwa eine Quinte betrug. In der standarisierten polytonischen Rechtschreibung (die in der hellenistischen Zeit entwickelt wurde, sich jedoch bis zur Byzantinischen Zeit nicht generell durchsetzte) wurde der Akut (griechisch „ὀξεῖα“ („oxeîa“)) benutzt, um die einfach akzentuierte Silbe anzuzeigen. In langen Vokalen und Diphthongen konnte der Akzent auf jede Hälfte (oder Mora) fallen. Fiel er auf die erste Mora, so hatte die Silbe einen hohen Ton, gefolgt einem tiefen, was in der Rechtschreibung durch den Zirkumflex (griechisch „περισπωμένη“ („perisponéne“)) kenntlich gemacht wurde, z. B. /ée/ = ῆ ~ /eé/ = ή.
Der Akzent kann nur auf eine der drei letzten Silben eines wortes fallen und, falls die letzte Silbe einen langen Vokal beinhaltet, kann er nur auf die letzten beiden fallen, was dazu führt, dass der Zirkumflex nur auf die letzten beiden Silben fallen kann. Ein Akut auf der letzten Silbe (außer vor einer Pause oder einem Klitika|Enklitikum) wird in der Rechtschreibung normalerweise durch den Gravis („βαρεῖα“) ersetzt: Es mag sein, dass dies eine Tonsenkung anzeigen soll, es fehlt jedoch an Beweisen.
Wenn die vorletzte Silbe akzentuiert ist, hat sie in der Regel den Zirkumflex, wenn sie einen langen Vokal oder einen Diphthong beinhaltet und die letzte einen kurzen, ansonsten den Akut. Eine akzentuierte letzte Silbe kann entweder den Akut (bzw. Gravis) oder den Zirkumflex haben.
Die oben genannten Informationen basieren auf eine großen Menge vor Beweisen, worüber Linguisten und Philologen im 19. und 20. Jahrhundert ständig diskutierten. Im Folgenden sind einige der Argumente angegeben, wie sie in dieser Argumentation angeführt wurden, zusammen mit einem kurzen Überblick über die Quellen.
Wenn eine Sprache eine Alphabetschrift übernimmt, muss ein gewisser einfacher Grad an Übereinstimmung zwischen den Buchstaben und den Phonemen der übernehmenden Sprache gegeben sein, was nicht unbedingt eine genaue eins-zu-eins-Korrespondenz bedeuten muss. Dies führt auch immer zu den gleichen Schreibfehlern, so lange die Aussprache die gleiche bleibt. Falls sich eine Lautverschiebung über aufeinanderfolgende Generationen ereignet, ändert sich die Rechtschreibung entweder so, dass diese Lautverschiebung offensichtlich wird, oder sie bleibt konservativ, sodass sich eine traditionelle Rechtschreibung durchsetzt. Im ersten Falle, was man durchaus als „Rechtschreibreform“ betiteln kann, weist der Zeitpunkt der Einführung der Reform auch auf den Zeitpunkt der Lautverschiebung hin. Im zweiten Falle, wenn sich eine historische Rechtschreibung durchsetzt, werden Schreibfehler, die ungeübte Schreiber machen, zu zentralen Punkten, die Linguisten erlauben, Lautverschiebungen und deren Zeitpunkt und somit die Entwicklung der Aussprache über die Zeit zu rekonstruieren.
Schreibfehler sind eine wichtige Beweisquelle, treten aber nur begrenzt auf. Sie beweisen lediglich, dass die phonetische Entwicklung sich in der Sprache des Schriftstücks ereignete, jedoch nicht, dass sie sich gemeingültig durchsetzten. Altgriechisch war keine homogene oder statische Sprache, sondern in viele regionale und soziale Varianten aufgeteilt. Viele der sprachlichen Eigenschaften, die für das späte und heutige Griechisch charakteristisch sind, entstanden wahrscheinlich schon in den Soziolekten des klassischen Attischen, doch die alten Dialekte scheinen sich für Jahrhunderte erhalten zu haben.
Griechische Literatur enthält manchmal Darstellungen von Tierschreien in griechischen Buchstaben. Das am häufigsten zitierte Beispiel ist das „Schafblöken“ <βῆ βῆ>, das als Beweis dafür gesehen wird, dass das Beta als Stimmhafter bilabialer Plosiv und das das Eta als langer ungerundeter halboffener Vorderzungenvokal ausgesprochen wurden. Laumalerische Verben wie „μυκάομαι“ („mykáomai“) (vgl. latein. „mugire“) für das Kuh-Muhen, „βρυχάομαι“ („brycháomai“) (vgl. latein. „rugire“) für das Brüllen eines Löwen oder „κόκκυξ“ („kókkyx“) (vgl. latein. „cuculus“) für den Namen des Kuckucks legen nahe, dass die archaische Aussprache des langen Ypsilon war, bevor sie zu [y: wurde.
Bei manchen Entwicklungen innerhalb von Wörtern unterliegen Laute regelmäßigen Veränderungen wie As- oder Dissimilation, die manchmal beim Schreiben berücksichtigt werden. Dies kann genutzt werden, um die „ursprünglichen“ Laute zu rekonstruieren.
Morphophonogische Veränderungen wie die oben beschriebenen werden in vom Standard abweichenden Schreibungen oft unterschiedlich behandelt. Dies führt gelegentlich zu Fragen über die Repräsentativität des literarischen Dialektes und erlaubt Rekonstruktionen, die nicht möglich wären, wenn nur eine Version in den literarischen Texten der Standardsprache zur Verfügung stände. So zum Beispiel:
Die Metra, die in der klassischen griechischen Poesie benutzt wurden, basieren auf dem Prinzip der langen und kurzen Silben und können manchmal als Beweis für die Vokalläge dienen, wenn dies nicht schon aus der Rechtschreibung deutlich wird. Ab dem vierten Jahrhundert nach Christus wurde Poesie so geschrieben, dass betonungsbasierte Metra verwendet wurden, woraus man schließen kann, dass nicht mehr zwischen langen und kurzen Vokalen unterschieden wurde und dass der Polytonische Akzent durch einen reinen Betonungsakzent ersetzt wurde.
Einige antiken Grammatiker versuchen, systematische Beschreibungen der Laute der Sprache zu verfassen. Bei anderen Autoren kann man manchmal gelegentliche Anmerkungen über die "korrekte" Aussprache von einzelnen Lauten finden. Beide Arten von Beweisen sind oft schwierig zu interpretieren, da auch die phonetische Terminologie dieser Zeit oft vage war und es ist oft nicht klar ist, in welcher Relation die beschriebenen Formen zu denen, die eigentlichen von den breiteren Schichten der Bevölkerung gesprochen wurden, stehen.
Wichtige antike Autoren sind:
Manchmal können der Vergleich des Standard-Attischen mit geschriebenen Formen der anderen griechischen Dialekten oder die humorvolle Übertragung der „fremdhaften“ dialektalen Aussprache (z. B. spartanischem Dorisch) in attische Theaterstücken) Hinweise auf den Lautwert bestimmter Schreibungen liefern.
Gegen Ende des fünften Jahrhunderts vor Christus transkribierten attische Autoren manchmal das spartanische θ mit σ: „ναὶ τὼ σιώ (att. θεώ), παρσένε, ὀρσά (ὀρθή), ἀγασώς (ἀγαθούς)“ bei Aristophanes („Lysistrata“) und man findet auch „σύματος“ („θύματος“) bei Thukidides (die letztere Schreibung wurde in Beschreibungen des Dorischen aus dem vierten Jahrhunderts vor Christus gefunden). Man kann daraus schließen, dass das <θ> des spartanischen Dorisch bereits (zumindest vor Vokalen) ein Frikativ war und dass daraus ein Spaß gemacht wurde, da das Attische den Plosiv beibehielt.
Die Schreibweise griechischer Fremdwörter in anderen Sprachen und anderssprachiger Lehnwörter im Griechischen kann ein wichtiger Hinweis auf die Aussprache sein. Doch der Beweis ist oft schwierig zu interpretieren oder unerschlossen. Man muss beachten, dass die Laute von Lehnwörtern oft nicht identisch in die andere Sprache übernommen werden. Wo es der Zielsprache an einem Phonem fehlt, das genau einem der Ausgangssprache entspricht, wird dieses normalerweise durch ein ähnlich klingendes Phonem der Zielsprache ersetzt.
Das Lateinische hat aufgrund der großen Nähe der Römischen zur griechischen Kultur zahlreiche griechischen Wörter übernommen. Es ist daher von großer Bedeutung für die Rekonstruktion der Altgriechischen Phonologie. Zuerst wurden Griechische Lehnwörter, insbesondere technische Bezeichnungen und Eigennamen, die den Buchstaben Φ enthielten, mit „p“ oder „ph“ transskribiert, womit sich die Schreiber, wenn auch unvollständig, bemühten, einen Laut zu schreiben, den das Lateinische nicht enthielt. Später, in den ersten Jahrhunderten nach Christus, tauchen erstmalig Schreibungen mit „f“ in solchen Lehnwörtern auf, was darauf hinweist, dass das Phi bereits zu einem Frikativ geworden war. So wird im zweiten Jahrhundert „P(h)ilippus“ durch „Filippus“ ersetzt. Etwa zur selben Zeit wurde damit begonnen, das „f“ als Ersatz für den Buchstaben Θ zu verwenden, aus Mangel an einer besseren Wahl, was anzeigt, dass der Laut des griechischen Theta ebenfalls ein Frikativ geworden war.
Um bestimmte anderen griechischen Wörter darzustellen, fügten die Römer die Buchstaben „y“ und „z“ zum Lateinischen Alphabet hinzu, die sie direkt vom griechischen übernahmen. Dies ist deshalb wichtig, weil es zeigt, dass die Römer keine Schriftzeichen für die Laute der Buchstaben Υ und Ζ im Griechischen hatten, was bedeutet, dass in diesem Falle kein Laut des Lateinischen dafür genutzt werden kann, um die griechischen Laute zu rekonstruieren.
Das griechische Alphabet entwickelte sich aus dem älteren Phönizischen Alphabet. Man mag annehmen, dass die Griechen versuchten, jeden Phönizischen Buchstaben für denjenen griechischen Laut zu verwenden, der dem Phönizischen am ähnlichsten war. Jedoch ist diese Interpretation, ähnlich wie bei den Lehnwörtern, nicht sicher.
Das griechische Alphabet die Grundlage anderer Alphabete, nämlich des Etruskischen und später des Armenischen, Gotischen und Kyrillischen Alphabets. Ähnliche Argumente wie im Phönizisch-Griechischen Fall können in diesen Fällen abgeleitet werden.
Zum Beispiel steht der kyrillische Buchstabe Ve („В“) für den Laut was bekräftigt, dass das Beta im neunten Jahrhundert nach Christus bereits als Frikativ ausgesprochen wurde, während der neue Buchstabe Be („Б“) für den Laut *, also war das Beta im vierten Jahrhundert nach Christus noch ein Plosiv.
Bei jeglicher Rekonstruktion des Altgriechischen muss in Betracht gezogen werden, wie sich die Laute später zum Neugriechischen hin entwickelten, und wie sich diese Änderungen ereigneten. Im allgemeinen wird von Linguisten angenommen, dass die Unterschiede zwischen dem rekonstruierten Altgriechischen und dem Neugriechischen relativ unproblematisch sind, da die relevanten Änderungen (Wandlung von Plosiven zu Frikativen, Verschiebungen von Vokalen zu Verlust des Anlautes [, Veränderungen von Vokallängen und Betonungssystemen, etc.) regelmäßig in vielen Sprachen beobachtet werden und relativ einfach zu erklären sind.
Systematische Entsprechungen zwischen den Lauten des Griechischen und denen der anderen indogermanischen Sprachen dienen Sprachwissenschaftlern als starke Hinweise für die Rekonstruktion, da solche Entsprechungen als starke Hinweise darauf gesehen werden, dass diese Laute auf einen gemeinsamen Laut der Protosprache zurückgehen müssen.
Bis zum fünfzehnten Jahrhundert (Während der Zeit des byzantinischen griechischen Reiches) wurden griechische Texte genauso ausgesprochen wie zeitgenössisches Griechisch, wenn es laut gelesen wurde. Ab etwa 1486 verurteilten diverse Gelehrte (insbesondere Antonio de Nebrija, Hieronymus Alexander und Aldus Manutius) diese Aussprache als unvereinbar mit den den Beschreibungen, die von antiken Grammatikern überliefert waren, und schlugen eine alternative Aussprache vor.
Johannes Reuchlin, der führende Gelehrte des Griechischen des Westens um 1500, hatte die Lehren des Griechischen von ausgewanderten byzantinischen Gelehrten übernommen und benutzte weiterhin die moderne Aussprache. Doch Erasmus von Rotterdam (* 1949; † 1553) fragte sich, ob die antike griechische Aussprache anders gewesen sein könnte. 1528 schrieb er „De recta Latini Graecique sermonis pronuntiatione diagolus“ („Zwiegespräch über die richtige Aussprache des Lateinischen und Griechischen“), eine philosophische Abhandlung in der Form eines philosophischen Dialoges, in dem er eine neue Art, das antike Griechische und Lateinische auszusprechen, entwickelte. Es wird jedoch gesagt, Erasmus habe damit fortgefahren, das traditionelle System für den Unterricht zu gebrauchen. Die beiden Modelle wurden schnell nach den Namen ihrer ersten Befürworter als „Reuchlinisches“ und „Erasmisches“, oder, nach den charakteristischen Vokalaussprachen, als „itazistisches“ (oder „iotazistisches“), bzw. „etazistisches“ System bekannt.
Erasmus' Rekonstruktion basierte auf einer großen Fülle von Argumenten, abeleitet von den philologischen Kenntnissen, die zu dieser Zeit verfügbar waren. Hauptsächlich focht er für eine regelmäßigere Korrespondenz zwischen Buchstaben und Lauten und nahm an, dass unterschiedliche Buchstaben für verschiedene Laute gestanden haben müssen, und gleiche Buchstaben für gleiche Laute. Dies brachte ihn darauf, dass, zum Beispiel, die verschiedenen Buchstaben, die im itazistischen System alle ausgesprochen werden, verschiedene Lautwerte gehabt haben müssen, und dass ει, αι, οι, ευ, αυ und ου alle Diphthonge mit schließendem Auslaut gewesen sein müssen. Er beharrte auch darauf, dass die antiken Grammatiker berücksichtigt wurden, so zum Beispiel wenn sie vorschrieben, dass Vokale unterschiedlich lang und kurz seien oder dass der Akut- und Zirkumflex-Akzent klare Charakteristika in Sachen Tonhöhenkontur hatten. Weiterhin zog er eine Reihe von Vergleichen mit gleichbedeutenden Wörtern im Griechischen, Lateinischen und anderen europäischen Sprachen. Einige seiner Argumente sind, im Nachhinein betrachtet, falsch, da es natürlich an den Kenntnissen fehlte, die sich erst durch spätere sprachwissenschaftliche Forschung ergaben. Folglich konnte er nicht zwischen lateinisch-griechischen Wortverwandtschaften, die durch Lehnwörter entstanden (z. B. „Φοῖβος“ und „Phoebus“), und solchen, die einer gemeinschaftliche indogermanische Wurzel entsprangen (z. B. „φῶρ“ und „furus“) unterscheiden, und er wurde auch ein Opfer falscher Freunde auf Grund nur zufälligen Ähnlichkeiten (z. griech. „θύειν“ ofpern — franz. „tuer“ töten). Auf anderen Gebieten sind seine Argumente durchaus die gleichen wie die, die auch moderne Linguisten verwenden, z. B. wenn er auf Grund von zwischen-dialektalen Korrespondenzen innerhalb des Griechischen argumentiert, dass das Eta ein eher offenerer e-Laut, näherer an [ gewesen sein muss.
Erasmus nahm sich große Mühe, den einzelnen Phonemen in seinem rekonstruierten System plausible phonetische Werte zu zuzuordnen. Dies war keine einfache Aufgabe, da es in den zeitgenössischen Grammatiktheorien an einer reichen und genauen Terminologie fehlte, um solche Lautwerte auszudrücken. Um dieses Problem zu umgehen, nutzte er seine vorhandenen Kenntnisse über die Lautrepertoires von lebenden Sprachen, zum Beispiel verglich er sein rekonstruiertes η mit einem Schottischen „a“ sein rekonstruiertes ου mit einem Niederländischen „ou“ * (nach der damaligen Aussprache).
Erasmus attestierte, dass die griechischen Konsonantenbuchstaben <β>, <γ> und <δ> die stimmhaften Plosive //, //, bzw. // waren, während er die Konsonantenbuchstaben <φ>, <θ>, und <χ> als die Frikative //, //, bzw. //, wie im modernen Griechisch seien (wobei er jedoch argumentierte, dass dieses // sich vom Lateinischen
Die Aufnahme von Erasmus' Ideen durch seine Zeitgenossen war unterschiedlich. Der Prominenteste der Gelehrten, die sich dagegen aussprachen, war Philipp Melanchthon, ein Schüler von Reuchlin. Debatten innerhalb der humanistischen Kreise dauerten bis ins siebzehnte Jahrhundert, doch die Situation blieb für Jahrhunderte unentschieden.
Ein erneutes Interesse an dem Thema der rekonstruierten Aussprache kam im neunzehnten Jahrhundert auf. Zum einen zeigte die neue Wissenschaft der historischen Linguistik, die auf der Methode der vergleichenden Rekonstruktion fußte, lebhaftes Interesse am Griechischen. Sie stellte schnell fest, dass, entgegen jeglichen Zweifels, das Griechische zusammen mit vielen anderen Sprachen zu der indogermanischen Protosprache gehörte. Dies hatte große Konsequenzen, für die Rekonstruktion des phonologisches Systems. In der selben Zeit brachte die fortlaufende Arbeit in der Philologie und Archäologie eine immer größer werdende Menge an nicht-literarischen und nicht-klassischen griechischen Schriften, z. B. Inschriften und später auch Papyri, ans Licht, die vom sprachlichen Standard abwichen. Diese Funde trugen erhebliches zur Ausweitung der Kenntnisse über die Entwicklung der Sprache bei. Zum andren lebte des akademischen Lebens in Griechenland erneut auf, nachdem 1830 ein griechischer Staat wieder das Licht der Welt erblickt hatte, und die griechischen Gelehrten akzeptierten zunächst nur widerstrebend die scheinbar fremde Idee, dass Griechisch so anders, als sie es kannten, ausgesprochen worden sei .
Vergleichende Sprachwissenschaftler führten zu einem Bild des Altgriechischen, das Erasmus' Modell zunächst mehr oder weniger bestätigte, wenn auch mit einigen Veränderungen. Es wurde bald klar, dass, zum Beispiel, das Muster von langen und kurzen Vokalen, das im Griechischen beobachtet wurde, in andren Sprachen ähnliche Gegensätze hatte, und dass sie im modernen Griechisch ein gemeinsames Erbe hatten (vgl. Ablaut); dass das Griechische <υ> früher gewesen sein musste, weil in allen anderen indogermanischen Sprachen entsprechend *" target="_blank" >war (vgl. gr. „μήτηρ“, lat. „māter“); dass das griechische <ου> manchmal in Wörtern für ein gelängtes <ο> stand und deshalb teilweise für *," target="_blank" ><ει>), und so weiter. Was die Konsonanten betrifft, wurde die ursprüngliche Plosivität sowohl der Aspiraten <φ>, <θ> und <χ> (*" target="_blank" >und *," target="_blank" >Ur-Indogermanischen (rekonstruiertes *//, *// und *//, sowie *//, *// und *//) waren. Man erkannte außerdem, dass der Spiritus asper am Wortanfang meist ein Überrest eines *// war (vgl. gr. „ἑπτά“ und lat. „septem“), von dem man annahm, dass seine Aussprache zu [" target="_blank" >* abgeschwächt worden war. Weiterhin arbeitete man an der Rekonstruktion des linguistischen Hintergrundes des Versmaßes im Altgriechischen, speziell bei Homer, was ein wichtiges Licht auf die phonologische Silbenstruktur und den Akzent warf. Auch beschrieben und erklärten Gelehrte die Regelmäßigkeiten der Entwicklung von Konsonanten und Vokalen bei Prozessen wie der Assimilation oder Reduplikation.
Obwohl vergleichende Wissenschaftler auf diese Weise sicher nachweisen konnten, dass ein gewisser Stand, im wesentlichen dem erasmische Modell entsprechend, zu einer gewissen Zeit gegolten hatte, und dass manche Änderungen später, während der Entwicklung zum modernen Griechischen, erfolgten, konnte die vergleichende Methode wenig darüber sagen, wann dies geschah. Erasmus war besonders begierig darauf gewesen, ein Aussprachemodell zu finden, das möglichst nahe auf die geschriebenen Buchstaben passte, und nun war es natürlich anzunehmen, dass dieser rekonstruierte Lautbestand zu der Zeit galt, als das Griechische verschriftlicht wurde. Eine Zeit lang wurde angenommen, dies sei diejenige Aussprache, die während der gesamten klassischen Periode bestanden hatte. Trotzdem war es sehr gut möglich, dass die Aussprache der lebenden Sprache schon recht früh während der Antike begonnen hatte, sich aus dem rekonstruierten System zum modernen Griechischen zu entwickeln.
Unter diesen Umständen wurden die Hinweise aus den neuen, vom Standard abweichenden Inschriften besonders wichtig. Kritiker des erasmischen Systems achteten insbesondere auf das systematische Muster von Schreibfehlern. Diese Fehler zeigten, dass Schreiber Probleme damit hatten, bei diversen Wörtern die richtigen Schreibungen auseinanderzuhalten, zum Beispiel <ι>, <η>, und <ει>. Dies bewies, dass diese Vokale schon in der lebenden Sprache dieser Zeit begonnen hatten, zusammenzufallen. Gelehrte in Griechenland betonten schnell diese Funde, um das erasmische System generell niederzumachen, während einige westeuropäische Gelehrte eher dazu neigten, sie herunterzuspielen und entweder als einzelne Ausnahmen oder als Einflüsse von nicht-attischen, vom Standard abwechenden Dialekten abzutun. Dabei scheint es jedoch so zu sein, dass einige Gelehrte, motiviert von der ideologischen Tendenz, das post-klassische, insbesondere das byzantinische und moderne Griechische als Vulgärform der Sprache anzusehen, das Altgriechische in einer 'reinen' Form bewahrt haben wollten. Die hieraus entstehende Debatte findet ihren Ausdruck zum Beispiel in den Werken von A. Jannaris (1897) und T. Papadimitrakopoulos (1889) auf der anti-erasmischen und F. Blass (1870) auf der pro-erasmischen Seite.
Es dauerte noch bis zum zwanzigsten Jahrhundert bis die Arbeit von Chatzidakis, die der vergleichenden Linguistik Gültigkeit gab, auch von griechischen Gelehrten gemeinhin akzeptiert wurde. Der internationale Konsens, der im frühen und mittleren zwanzigsten Jahrhundert erreicht wurde, ist durch die Arbeiten von Sturtevant (1940) und Allen (1968) belegt.
Seit den 1970ern und 1980ern versuchen einige Gelehrte eine systematische Neubewertung der Beweise auf Grund von Inschriften und Papyri (Teodorsson 1974, 1977, 1978; Gignac 1976; Threatte 1980, Zusammenfassung von Horrocks 1999). Ihren Resultaten entsprechend können viele der relevanten phonologischen Änderungen gut datiert werden, teilweise noch auf die klassischen Periode, und die Zeit der Koiné kann mit vielen Lautveränderungen in Bezug gesetzt werden. Viele der Veränderungen im Vokalismus werden jetzt auf die Zeit zwischen dem fünften ersten Jahrhundert vor Christus datiert, während man annimmt, dass diese der Konsonanten um das vierte Jahrhundert nach Christus abgeschlossen waren. Trotzdem gibt es nach wie vor eine beachtliche Debatte über präzise Daten, und es ist auch immer noch nicht klar, in welchem Grad und für wie lange verschiedene Aussprachearten innerhalb der griechisch sprechenden Gemeinschaft nebeneinander existiert haben. Die konsensfähige Ansicht heute ist, dass ein phonologische System, das ungefähr dem von Erasmus rekonstruierten entspricht, wahrscheinlich währened der Periode der klassischen attischen Literatur gegolten hat, biblisches oder anderes post-klassisches Koiné-Griechisch aber schon in einer Weise ausgesprochen wurde, die dem Neugriechischen schon in wesentlichen Punkten entsprach.
Kürzlich gab es jedoch auch einen Versuch einer radikalen Ablehnung der erasmischen Rekonstruktion durch den Theologen und Philologen C. Caragounis (1995 und 2004). Auf Grund der Inschriften datiert Caragounis alle relevanten Vokalveränderungen während oder sogar noch vor die klassische Periode. Er befürwortet auch eine frühe Umwandlung der Aspiraten und Mediae zu Frikativen und bezweifelt generell die Bedeutung der Vokallängen und der Unterschiede zwischen den Akzenten in der gesprochenen Sprache. Diese Ansichten stehen momentan innerhalb dieses wissenschaftlichen Feldes isoliert da.
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"Altgriechische Phonologie".
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