Alte Musik bezeichnet Musikstile aus verschiedenen Epochen vor etwa 1750. Sie umfaßt die Musik des Mittelalters, die Musik der Renaissance und des Barocks, nicht jedoch die der Antike.
Alte Musik ist im wesentlichen eine Domäne spezialisierter Musiker und Ensembles, da besondere historische Musikinstrumente und viel Fach- und Praxiswissen über Musikgeschichte, Instrumentenkunde, Spielweisen, Stimmungssysteme etc. vorliegen müssen, um herauszufinden, wie die Musik früherer Epochen geklungen haben könnte.
Die Versuche der Rekonstruktion stützen sich auf Bilddokumente und Notentexte (s. Notationen). Akustische Dokumente, die belegen, wie die Musik geklungen haben könnte, gibt es natürlich nicht. Alte Musik wurde in England relativ lückenlos von Generation zu Generation weiter überliefert. Dennoch veränderte sich die Musik durch den Vorgang des Weitergebens (Tradierens).
Der heute übliche Begriff der Alten Musik ist jedoch keineswegs die Bezeichnung von veralteter Musik. Ganz im Gegenteil wird Alte Musik als wertvolle Bereicherung des gängigen Repertoires der bürgerlichen Musikkultur, wie sie in den großen Konzertsälen der Welt stattfindet, verstanden oder sogar als Korrektiv dieser Musikkultur. Immer wieder bringen engagierte Musiker aus der Alten-Musik-Szene Impulse mit in das klassisch-romantische Repertoire, wenn sie bereit sind, die Sparten zu wechseln. Durch den Erfahrungshintergrund der Alten Musik werden neue Höreindrücke von längst bekannten Werken möglich.
Die Werke Johann Sebastian Bachs wurden nach seinem Tod 1750 von anderen Komponisten studiert, sie wurde aber nicht mehr für ein breites Publikum aufgeführt. Erst seit 1829, der Aufführung der Matthäuspassion durch Felix Mendelssohn-Bartholdy, wurden seine Werke wieder von der musikalischen Öffentlichkeit geschätzt. Die Romantik und der Historismus spielten eine wesentliche Rolle dabei, dass sich die Faszination für Musik vergangener Epochen auch in der Musikpraxis niederschlug. Immer wieder haben sich Komponisten an bedeutenden Vorgängern abgearbeitet. Im Musikleben aber hatten die Aufführungen der Musik vergangener Epochen ansonsten keine Rolle gespielt, da man sie jeweils als überholt ansah.
Alte Musik möglichst historisch aufführen zu können, ist – mit Ausnahme von England – in Europa erst wieder ein Anliegen des 20. Jahrhunderts. Der Begriff „Alte Musik“ gewann allgemein seit den Reformbewegungen der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts an Bedeutung, als im Zuge der Belebung der historischen Aufführungspraxis verstärkt Nachbauten von originalen Instrumenten angefertigt und verwendet wurden. Die Alte-Musik-Bewegung verstand sich als Kontrast und Korrektiv zum herkömmlichen Konzertrepertoire. Die Klanglichkeit der Alten Musik, egal wie sie aufgefaßt wurde, stand auf jeden Fall im scharfen Kontrast zur spätromantischen Tonalität und Fülle der Klangfarben.
Wichtige Meilensteine der Wiederentdeckung der Alten Musik waren:
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