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Die Alt-Heilig-Katholische Kirche (OHCC) wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in Kanada von Erzbischof Rainer Laufers gegründet, er ist bis heute Primas der Kirche. Er wurde am 2. November 1976 von Bischof Michael Staffiero zum Bischof geweiht.

Die Entstehung der altkatholischen Bewegung hängt mit politischen Ereignissen im 17. Jahrhundert zusammen. Auf Grund der Vereinbarungen im westfälischen Frieden waren die Niederlande aus dem deutschen Reichsverband ausgeschieden, hatten ihre Freiheit von den Spaniern erreicht und waren als souveräner Staat anerkannt worden.

Der im neuen Staatsgebilde zuständige Bischof für die dort lebenden Katholiken trug den Titel eines Apostolischen Vikars. Petrus Codde, der dieses Amt seit 1688 innehatte, wurde 1702 von Papst Clemens XI. abgesetzt. Als Nachfolger wurde Theodor de Cock installiert. Die niederländischen Katholiken sahen in Petrus Codde ihren Bischof, der sich aber nun jeder Amtshandlung enthielt. Der Klerus und die weltliche Obrigkeit opponierten gegen die einseitige und unverständliche Entscheidung Roms und untersagten Theodor de Cock jegliche Amtsführung. Da kein weiterer Bischof bestellt wurde, kam es zu einem priesterlichen Notstand in der Seelsorge. Denn auch die anderen Bischofsstühle wurden von Rom nicht mehr besetzt. Nach dem Tod des Petrus Codde wählte das Utrechter Domkapitel 1723 dessen Generalvikar Cornelius Steenhoven zum Erzbischof. Insgesamt viermal wurde der Papst in Rom um Bestätigung der Wahl gebeten, leider immer ohne Erfolg.

Erst Bischof Dominicus Maria Varlet, Koadjutor von Babylon, beendete bei einem Besuch in Utrecht die niederländische Vakanz. 1724 weihte Bischof Varlet den erwählten Steenhoven zum Bischof. Jetzt reagierte Rom sehr schnell. Bischof Varlet und der neu geweihte Utrechter Erzbischof Steenhoven und das gesamte Domkapitel des Erzbistums Utrecht wurden exkommuniziert.

Damit die apostolische Nachfolge nicht erlöschte, weihte Bischof Varlet weitere Priester zu Bischöfen. So konnten auch die verwaisten Bischofssitze von Haarlem und Deventer wieder besetzt werden.

1739 empfing Petrus Johannes Meindaertz die Bischofsweihe, von der die weitere apostolische Sukzession der Altkatholiken abhängt. Die gespendeten Weihen waren zwar aus römisch-katholischer Sicht „unerlaubt“, ihre Gültigkeit wurde jedoch nie in Frage gestellt.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die Spannungen mit der römischen Administration beizulegen, entstand durch die Beschlüsse des ersten Vatikanischen Konzils (1870) ein neuer Streit, der sich auf viele europäische Staaten ausweitete. Kleriker und Laien waren nicht bereit, sich der Definition des Jurisdiktionsprimats und dem Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes zu unterwerfen. Rom antwortete mit Exkommunikationen.

Die der alten Kirche treuen Katholiken wollten am katholischen und apostolischen Glauben festhalten, aber sie fühlten sich wie eine Herde ohne Hirten, denn Rom pochte auf die Gehorsamspflicht dem Papst gegenüber. Die „Ausgeschlossenen“ suchten Kontakt zum Erzbischof von Utrecht, der zwar auch exkommuniziert, aber gültig geweiht war und in der nachweisbaren apostolischen Linie stand.

Zu jener Zeit entstand der Begriff „Altkatholiken“, weil man sich als katholisch in der Tradition der alten Kirche verstand. In den nachfolgenden Jahren und Jahrzehnten wurden auch Priester aus dem europäischen Ausland, die sich von der römischen Kirche den Altkatholiken zugewandt hatten, zu Bischöfen geweiht. In den verschiedenen Ländern formierten sich nach und nach altkatholische Kirchen, die 1889 in Utrecht eine gemeinsame Erklärung erarbeiteten und veröffentlichten.

In der Reihe der in apostolischer Sukzession stehenden Bischöfe wurde 1892 Geradus Gul zum Erzbischof von Utrecht geweiht. Erzbischof Gul weihte 1908 den englischen Priester Lord Arnold Harris Mathew für die englischen Altkatholiken zum Bischof.

Durch Einwanderer und Missionare aus England verbreitete sich Anfang des 20. Jahrhunderts der Altkatholizismus in den USA und Kanada. Es bildeten sich altkatholische Gruppen, die administrativ der altkatholischen Kirche in England unterstanden.

Unter dem Mandat der englischen „Mutterkirche“ wurde 1939 die „Sancta Vetus Catholica Ecclesia“ = „Old Holy Catholic Church“ = „Alt-Heilig-Katholische Kirche“ in den USA und Kanada aufgebaut.

Unter der Leitung von Erzbischof Laufers erreichte die Kirche in den USA, dass ihr 1977 die Selbstständigkeit zugesprochen wurde.

Die OHCC hat mehrere zehntausend Mitglieder in Kanada und den USA. Sie ist in Europa vor allem in Portugal durch die portugiesische Episkopal-Apostolische Kirche (Igreja Apostolica Episcopal) mit ihrem Bischof Antonio Jose da Costa Rapaso mit Sitz in Mafra präsent. In Deutschland, bis 2002 vertreten durch den aus den Niederlanden stammenden Bischof Franciscus Johannes Daniel Gruijters(† 2004), wirkt sie vor allem im Kölner und Stuttgarter Raum. Außerdem existieren Gemeinden in Brasilien, in afrikanischen Staaten und in Osteuropa. 2004 traten in Südafrika Gemeinden in die Alt-Heilig-Katholische Kirche über, da diese gegen die von ihrer bisherigen Kirche neu eingeführte Frauenordination waren.

Im Unterschied zu den meisten anderen altkatholischen Bewegungen (zum Beispiel die Utrechter Union) lehnt die Alt-Heilig-Katholische Kirche die Frauenordination nach wie vor ab. Auch die einzig große Mitgliedskirche in den USA und Canada in der Utrechter Union, die Polnish National Catholic Church (PNCC), verließ nach Einführung der Frauenordination die Union.

Die Liturgie, das Kirchenrecht und das Amtsverständnis der Alt-Heilig-Katholischen Kirche ist dem der römisch-katholischen Kirche sehr ähnlich. Angenommen werden die Aussagen der sieben ökumenischen Konzilien des ersten Jahrtausends n. Chr., die apostolische Sukzession und die Realpräsenz (Gegenwart Christi im Altarssakrament). Differierende Definitionen gibt es im Hinblick auf das Primatsverständnis, die Heiligenverehrung und die Dogmen, die nach dem 1. Vatikanum verkündet wurden. Im Umgang mit dem „Filioque“ im Glaubensbekenntnis folgt die Alt-Heilig-Katholische Kirche der Lehrmeinung der Orthodoxie.

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