article

Also_sprach_Zarathustra.GIF Also sprach Zarathustra (Untertitel: "Ein Buch für Alle und Keinen"; 1883-1885) ist ein dichterisch-philosophisches Werk des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche, welches teilweise als sein Hauptwerk angesehen wird.

Übersicht


Das Buch besteht aus vier Teilen. Der erste Teil erschien 1883, der zweite und dritte 1884, der vierte 1885 als Privatdruck. 1886 veröffentlichte Nietzsche die drei ersten Teile als "Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. In drei Teilen." Im Gegensatz zu den frühen Werken Nietzsches handelt es sich beim Zarathustra nicht um ein Sachbuch. In Prosaform berichtet ein personaler Erzähler vom Wirken eines fiktiven Denkers, der den Namen des parsischen Religionsstifters Zarathustra trägt. Der Stil, in dem Also Sprach Zarathustra geschrieben ist, nennt sich halkyonisch (siehe: Halkyonische Tage). Er hat gleichsam auch eine auslesende Funktion, die bereits im Titel "Ein Buch für Alle und Keinen" angedeutet wird. Menschen, die nicht eines "gleichen Pathos fähig und würdig sind", werden von vorneherein ausgeklammert: "Man muss vor Allem den Ton, der aus diesem Munde kommt, diesen halkyonischen Ton richtig h ö r e n, um dem Sinn seiner Weisheit nicht erbarmungswürdig Unrecht zu thun".

Vorwort: Nachdem er zehn Jahre als Einsiedler in den Bergen verbracht hat, versucht der vierzigjährige Zarathustra seine Weisheit mit den Menschen zu teilen. Er predigt der Menge auf dem Marktplatz einer Stadt vom Übermenschen, erfährt aber von seinen Zuhörern nur Hohn und Spott. Von nun an meidet Zarathustra Ansammlungen von Menschen und begibt sich auf die Suche nach bedeutenden Geistern.

Von den drei Verwandlungen

Der erste Teil wird mit einer der bekanntesten sogenannten „Reden“ Zarathustras eröffnet: In Von den drei Verwandlungen beschreibt dieser drei Stadien, welcher der menschliche Geist im Laufe seinen Daseins durchlaufen sollte. Dabei handelt es sich um drei Bilder, die der Leser Nietzsches zunächst interpretieren muss. Die erste Verwandlung des Geistes ist das Kamel, welches für den „tragsamen Geist“ steht. Seine Werte sind Glaube, Demut, Schlichtheit und Nächstenliebe:

Die zweite Verwandlung ist die des Kamels zum Löwen, dessen Werte Freiheit und Selbstbestimmung sind. Er lehnt gegen die alten göttlichen Werte des „großen Drachen“ auf:

Da der Löwe aber nicht kostruktiv werden kann, ist eine dritte Verwandlung nötig. Das Kind steht für einen Neubeginn in Unschuld:

Vom alten und jungen Weiblein

"Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!" (1. Teil, "Von alten und jungen Weiblein", vorletzter Satz)
Nietzsches - aufgrund seiner handgreiflichen Metaphorik - wohl bekannteste Redewendung aus der Schrift wird in der gegenwärtigen Rezeption kaum noch als psychologisch ergiebiger Beitrag zum "Geschlechterkampf" eingeordnet. Dennoch deutet sie auf Nietzsches schwieriges Verhältnis zu dominierenden Frauen seines persönlichen Umfelds, wie z. B. seiner Schwester und seiner Mutter hin.

Zentrale Themen


"Zarathustra" bildet einen Höhepunkt im Zusammenhang mit der Umkehrung alteuropäischer Vanitas-Motive ins Triumphale, wie sie in der Zeit um den Ersten Weltkrieg üblich war. Das einst Vergängliche, Nichtige, Selbstherrliche wurde dabei (als demonstrative Überwindung christlicher Demut) ins Positive verklärt.

Die neuen Tugenden des "Übermenschen" sind vor allem:

  • das Schaffen, die Tat. Der Übermensch ist ein Schaffender Mensch. Zum Schaffen gehört jedoch immer auch das Vernichten.
  • Selbstliebe, die Knecht-Sein und Wehmut verhindert
  • Liebe zum Leben und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • der (männliche) Wille des Übermenschen, der sein einziger Handlungsmaßstab ist
  • (Kriegs-)Mut, Härte und Kompromisslosigkeit in der Durchsetzung seiner Ziele

Weitere Themen des Buches sind Nietzsches Lehren von der "ewigen Wiederkehr" (zyklische Zeitvorstellung) und dem "Willen zur Macht".

Entstehung und Einreihung in Nietzsches Schriften


BuchASZ2.jpg]]

Entstehung, Erscheinen und spätere Umarbeitungen

Die vier Teile des Zarathustra sind im Zeitraum vom November 1882 bis Februar 1885 entstanden. Die Dauer, welche die einzelnen Bücher in Anspruch nahmen, unterschied sich aber ganz erheblich. Benötigte Nietzsche für den ersten Teil zwei Monate, für den zweiten und dritten nicht mal einen, so beschäftigte ihn der abschließende Teil den gesamten Herbst und Winter 1884/85.

Stellung der Schrift in Nietzsches Werk

Baustelle...

Einflüsse und Ähnlichkeiten zu anderen Philosophien


Schopenhauer

In der Distanzierung von Schopenhauers Schrift "Die Welt als Wille und Vorstellung" mit der pessimistischen Deutung des Willens als einer universalen irrational wirkenden Kraft, formulierte Nietzsche den Gedanken vom "Willen zur Macht" als einer lebensbejahenden "dionysischen" Schöpfungsenergie, die die Welt bewegt. Das schöpferische "Werden" mündet nach Nietzsches Vorstellung entgegen der "christlichen Weltauffassung" jedoch in keine endzeitliche Welterlösung, sondern vollzieht als beständig wiederholendes Spiel der Selbsterneuerung eine "Ewige Wiederkehr des Gleichen".

Deutungen und Rezeption


Nietzsche selbst bezeichnete Also sprach Zarathustra als „das tiefste Buch, das die Menschheit besitzt“. In ihm finden sich wichtige Motive der Philosophie Nietzsches: der „Tod Gottes“, der schon in der Fröhlichen Wissenschaft verkündet wurde sowie zum ersten Mal der „Übermensch“ und der „Wille zur Macht“. Nietzsche zufolge ist der Hauptgedanke des Zarathustra aber die Lehre der ewigen Wiederkunft, nach der alles Geschehen sich schon unendlich oft wiederholt hat und noch unendlich oft wiederholen wird.

Der Name „Zarathustra“ für den Weisen wird von Nietzsche selbst damit erklärt, dass die gleichnamige historische Gestalt als erster die Moral als Unterteilung der Welt in Gut und Böse zum Prinzip gemacht habe; daher müsse Zarathustra auch der erste sein, der diesen Irrtum einsieht und sich nun „jenseits von Gut und Böse“ stellt. Diese Umkehrung bestehender Lehren spiegelt sich in Also sprach Zarathustra auch darin wieder, dass u.a. Bibelstellen parodiert werden.

Die weitere Deutung des Werks ist stark umstritten. Nach Meinung eines der Herausgeber von Nietzsches Gesamtausgabe, Giorgio Colli, stellt das Werk weniger eine zusammenhängende Philosophie als vielmehr unmittelbare "subjektive Ergüsse" eines Philosophen dar, der sich dichterischer und prophetischer Sprache bedient. Auch andere Interpreten betonen, dass das Werk kein philosophisches System oder eine Lehre im klassischen Sinne entwickelt.

Eine grundsätzliche Frage ist die der Rollenprosa: Nietzsche verkündet selbst eben keine Lehren, sondern legt sie einer fiktiven Gestalt in den Mund. Deswegen sollten Nietzsches „Zarathustra“ und Nietzsche selbst nicht einfach identifiziert werden.

Eine Interpretation sieht schon in der Form des Werks einen wichtigen Ausdruck; damit mache Nietzsche Philosophie überhaupt problematisch, denn er wirft die Frage auf, ob und wie Erkenntnisse „gelehrt“ werden können. Auch in dem Werk finden sich entsprechende sprach- und erkenntnistheoretische Bemerkungen.

Nach einer Interpretation steht der Mensch nach dem Tod Gottes, der Erkenntnis, dass alle bisherigen Werte unglaubwürdig geworden sind, vor einer sinnlosen Welt, dem Hereinbrechen des Nihilismus. Die größte Gefahr sei nun das Aufkommen des „letzten Menschen“, einer antriebslosen, glücklichen Herde, die nichts mehr erreichen will. Dagegen stünde der Übermensch, der ein neuer Sinn sein könne:

„Unheimlich ist das menschliche Dasein und immer noch ohne Sinn (…). Ich will die Menschen den Sinn ihres Seins lehren: welcher ist der Übermensch, der Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.“

Den Übermensch habe es bisher noch nie gegeben, selbst Zarathustra sei nur ein Vorläufer des Übermenschen. Zarathustra ist jedoch optimistisch, dass der Übermensch kommen wird. Der Übermensch könne nur aus der Selbstüberwindung des 'alten Menschen' entstehen. Das einzig gute am jetzigen, "überflüssigen" Menschen sei, dass er bald untergehen werde und in diesem Untergang den Übermenschen erschafft.

Nationalsozialismus

Einige Textstellen, in denen Zarathustra den Starken das Recht zubilligt, sich zu nehmen, was sie wollen, und den "Überflüssigen" den Tod wünscht, können als sozialdarwinistisch interpretiert werden. "Also sprach Zarathustra" bot in der Zeit des Nationalsozialismus Material, das – unter Mißachtung des Textzusammenhangs – überspitzt und ideologisch verfälscht werden konnte.

Literatur


  • Stanley Rosen: The Mask of Enlightment, Nietzsche's Zarathustra, 2004, ISBN 0-300-10451-0

Siehe auch


Liste deutschsprachiger Philosophen, Philosophie

Weblinks


Literarisches Werk | Philosophisches Werk | 1880er | Religionskritische Literatur

Tak pravil Zarathustra | Thus Spoke Zarathustra | Así habló Zaratustra | Nõnda kõneles Zarathustra | چنين گفت زرتشت | Ainsi parlait Zarathoustra | כה אמר זרתוסטרא | Tako je govorio Zaratustra | Also sprach Zarathustra | Così parlò Zarathustra | ツァラトゥストラはこう語った | 자라투스트라는 이렇게 말했다 | Also sprach Zarathustra | Also sprach Zarathustra | Так говорил Заратустра (книга) | Så talade Zarathustra | 查拉图斯特拉如是说

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Also sprach Zarathustra".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld