Der Alpha-1-Antitrypsinmangel (Synonyme: Laurell-Eriksson-Syndrom, Proteaseinhibitormangel) ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung aufgrund eines Polymorphismus des Proteinase-Systems. Ein Mangel an Proteininhibitoren führt zu Leberzirrhose und Lungenemphysem.
Funktion des Alpha-1-Antitrypsin
Das Alpha-1-Antitrypsin ist ein Akute-Phasen-Protein und einer der wichtigsten Proteinaseninhibitor im
Serum. Er hemmt u. a. die Proteinasen
Trypsin und Neutrophilenelastase.
Die normale Serumkonzentration beträgt 0,9-2,0 g/l.
Ein Mangel führt zu verstärkter Proteolyse.
Genetik
Mutationen an Position 342(PiZZ) führen immer zu klinischen Erscheinungen, Mutationen an Position 264 (PiSS) bleiben jedoch meist stumm.
Pathogenese
Die Mutationen führen zu einer Konformationsänderung der
Proteine. Dies hat eine gestörte
Sekretion zur Folge. Es kommt zu
Aggregation und
Akkumulation im
endoplasmatischen Retikulum (ER) der Hepatozyten und in weiterer Folge zu einem Mangel im
Zellplasma (meist auf unter 40% des Normalwertes). Das hat eine verminderte Proteinaseinhibitor-Aktivität und somit verstärkte Proteolyse zur Folge.
Die ungehemmte Leukozytenelastase zerstört das Lungengerüst. Es entwickelt sich ein progredientes Lungenemphysem.
Die Akkumulation von Alpha-1-Antitrypsin im ER der Hepatozyten führt zu Zellschaden und in weiterer Folge zu Fibrose und Leberzirrhose.
Symptome
Leber
Bei den meisten Patienten liegt eine chronisch-aktive
Hepatitis vor. Im späteren Lebensalter entwickeln bis zu 40 % der Betroffenen eine
Leberzirrhose, etwa 15 % hepatozelluläres
Carcinom (HCCA).
Lunge
Die bedeutendste Manifestation bei
Homozygoten ist die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Im Schnitt versterben die meisten Patienten um das 50. Lebensjahr an einem
Lungenemphysem.
Weitere Manifestationen
Gelegentlich kommt es zu
Glomerulonephritis, nekrotisierender
Vaskulitis, nekrotisierender
Pannikulitis,
Pankreatitis und
Pankreasfibrose.
Diagnostik
Die diagnostischen Kriterien für den Nachweis eines Alpha-1-Antitrypsinmangels sind:
- Alpha-1-Antitrypsin < 0,9 g/l
- Nachweis der Phänotypen PiZZ, PiMZ und PiSZ
- PAS-positive, proteaseresistente hepatozelluläre Einschlusskörperchen (=Antitrypsinablagerungen)
Therapie
Es gibt zur Zeit keine kausale Therapie des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels. In erster Linie werden die Folgeerkrankungen behandelt, vor allem die chronisch-obstruktive
Lungenerkrankung.
Nikotinabstinenz ist unbedingt nötig, da die im Rauch enthaltenen Oxidantien Alpha-1-Antitrypsin inaktivieren. Infekte müssen umgehend behandelt werden um die Konzentration an Akute-Phase-Proteinen gering zu halten. In diesem Zusammenhang sind auch
Impfungen von Bedeutung (
Grippe,
Pneumokokken).
Substitutionstherapie
Bei schwerem
Lungenemphysem empfiehlt sich parenteraler Ersatz von Alpha-1-Antitrypsin (Prolastin
® 60 mg/kg). Es sollte ein
Spiegel über 0,8 g/l angestrebt werden. Die
Substitution bringt keinen Vorteil bei Vorliegen eines
Leberschadens, weil hier die
Akkumulation im Vordergrund steht.
Organtransplantation
Im fortgeschrittenen Stadium kann eine
Lungen- oder
Lebertransplantation nötig sein. Die Lebertransplantation ist kurativ, weil Alpha-1-Antitrypsin kaum in extrahepatischem Gewebe synthetisiert wird.
KrankheitGastroenterologieHepatologie
Α₁-antitrypsinmangel | Alpha 1-antitrypsin deficiency | A1AD | Déficit en alpha 1-antitrypsine | Α₁-antitrypsinmangel | Α₁-antitrypsinmangel | Alfa1-antitrypsinbrist