Die Alliteration (von lateinisch ad: „zu“, littera: „Buchstabe“), auch ungenau Stabreim genannt, ist eine literarische Stilfigur, bei der die betonten Stammsilben zweier oder mehrerer aufeinanderfolgender Wörter den gleichen Anfangslaut besitzen.
Während heute der im christlichen Frühmittelalter entwickelte und im Hochmittelalter sich durchsetzende Endreim den Charakter vieler europäischer Gedichte bestimmt, hatte die Alliteration bei den europäischen Dichtern der Antike und des Frühmittelalters – in der griechischen und vor allem der germanischen Dichtung – eine stärkere Bedeutung. Dies liegt wohl daran, dass vor 2000 Jahren die grammatischen Endungen in den indogermanischen Sprachen stärker ausgeprägt waren, z. B. endeten im Lateinischen sehr viele Wörter auf -us, -a oder -um und eine relativ geringe Zahl weiterer grammatischer Endungen. Daher war der Endreim mit einer Folge gleicher Wort-Endungen nichts Auffallendes. Unterstützt wurde die Alliteration, wenn die verwendeten Wörter mit betonten Stammsilben begannen.
Heraklit drückt einen wesentlichen Gedanken seiner Philosophie so aus: Polemos panton men pater esti, was ohne Berücksichtigung des gedanklichen Zusammenhangs seiner Lehre zu einer fürchterlichen Missübersetzung ins Deutsche führte: Der Krieg ist der Vater aller Dinge.
Eine besondere Vorliebe für die Alliteration haben die rhetorisch gewandten Römer (Veni, vidi, vici!); gern schlossen sie eine Rede mit einem alliterierenden Satz ab. Cato war berühmt dafür, dass er jede Ansprache im Senat mit den Worten beendete: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam. (Im übrigen meine ich, dass Karthago zerstört werden muss.)
Die Alliteration ist in der germanischen Versform des Stabreims zu einem strengen Prinzip entwickelt. Sowohl die nordische Edda als auch das altenglische Beowulf-Gedicht sind in alliterativen Metren abgefasst.
Am reichsten an Alliterationen ist wohl die finnische Kalevala, wo teilweise um der Alliteration willen auch sinnlose Worte verwendet werden.
Auch im Deutschen finden wir Alliterationen häufig, in sehr vielen Dichtungen bis in die Gegenwart – von den germanisierenden Versuchen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz zu schweigen (Wilhelm Jordan: Da wallen und wogen die Wipfel des Waldes; Richard Wagner: Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagala weia! / Wallala weiala weia!). Die - in heutiger Rezeption oft empfundene - unfreiwillige Komik solcher Erscheinungen, die an die Stelle der einst beabsichtigten Steigerung eines nicht mehr zeitgemäßen Pathos tritt, wird in jüngerer Zeit ersetzt durch den Einsatz der Alliteration zur Verstärkung "freiwilliger Komik":
Jens Sparschuh hat mit "Waldwärts" einen "Reiseroman, von A bis Z erlogen" (2004) erdichtet, der kapitelweise aus Kurzprosa in strikter Alliteration besteht und sich auch gut als Kinderbuch eignet. Alex Dreppec (2003) hat eine komplette, vielfach in Ausschnitten nachgedruckte Gedichtsammlung verfasst, die aus einem Gedicht pro Buchstabe und ausschließlicher Alliteration besteht (Ausschnitt aus "Bienenkönigin": Bist bestenfalls bedenkenlos / Bedeckender Bekleidung bloß... / Bestaune bezaubernde Beinarbeit. / Bettlaken besudeln? / Bin bereit.). Diese Art und Weise des Einsatzes der Alliteration hat in jüngerer Zeit z.B. Eingang in Standardwerke deutschsprachiger komischer Lyrik gefunden (z.B. "Hell und Schnell", herausgegeben u.a. von Robert Gernhardt).
Im Boulevardjournalismus, aber auch in Schlagzeilen anderer Medienbereiche (Sendung "Tagesthemen"), wird sich gern der Alliteration bedient, um Vorgänge zu dramatisieren oder zu karikieren. Beispiele (Boulevardjournalismus): "Roter Rase-Rambo", "Baby-Beweis", "Benz-Baby", "Eis-Eltern", "Hunger-Hund", "Katzenkraft", "Klum-Kugel", "Schnitzel-Stefan", "See-Schlacht", "Sendezeit schinden", "Suppen-Sylvie" oder "Tanga-Terror".
Rhetorischer Begriff | Verslehre
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