Aliquotregister (auch Aliquotstimmen, Obertonregister oder Hilfsstimmen) sind Orgelregister, die nicht auf dem angeschlagenen Ton, sondern auf einem seiner Obertöne klingen.
Diese Register sind normalerweise nur in Verbindung mit mindestens einem Grundregister (etwa einem 8'-Register) zu spielen. In wenigen Fällen sind aber auch Kombinationen wie zum Beispiel 4' + 22/3' oder 22/3' + 2' einsetzbar. In Ausnahmefällen können eine Quinte 51/3' oder 22/3' oder eine Terz 31/5' auch allein gespielt werden. Da durch den Einsatz einer Aliquote die Obertonzusammensetzung des Klanges verändert wird, dienen solche Aliquote der Klangfärbung. Eine Ausnahme stellen Quinten in Prinzipalmensur da, die zum Labialplenum gezogen werden.
Die meisten Aliquotregister sind für eine 8'-Basis (Obertöne zu 8', also Quinte 22/3', Terz 13/5', Septime 11/7' und None 8/9') ausgelegt. Im Hauptwerk großer Orgeln und im Pedalwerk finden sich auch Aliquotregister, die eine 16'-Basis benötigen. Aliquotregister zur 4'-Basis sind mit Ausnahme der Quinte 11/3' selten, da die Terz 4/5' fast die obere menschliche Hörbarkeitsgrenze erreicht. Die Aliquotregister selbst werden grundtönig mit nur schwach ausgeprägtem eigenen Obertonspektrum intoniert, da ausgeprägte Obertöne der Aliquotregister einer klanglichen Verschmelzung mit den anderen gezogenenen Registern (z. B. 8', 4', 2', 1') zu einem Gesamtklang entgegen stünden. Der Gesamtklang würde „auseinander fallen“. Daher werden weite Mensuren bevorzugt. Für die typischen Soloregistrierungen werden die Aliquotregister meist mit weit mensurierten Registern in Oktavlage kombiniert, um eine optimale Klangverschmelzung zu erreichen.
Eine Orgelstimme aus mehreren Aliquotreihen ist eine gemischte Stimme.
Die Quinte ist ein Register, das den 3. Teilton erklingen lässt.
Die Quinte hat daher Drittelfußmaß. Es kommen offene und gedeckte Labialpfeifen zum Einsatz. Quinten in Prinzipalmensur werden zum Labialplenum gezogen, weit mensurierte Quinten (Nasat, Nasard) werden normalerweise für Soloregistrierungen verwendet. Aus Lingualpfeifen bestehende Quinten (Trompeta quinta) sind sehr selten. Die Lagen 11/3' und 22/3' werden meist offen gebaut, die tieferen Lagen normalerweise gedeckt. Eine Quinte 11/3' ist selbst in den meisten Kleinorgeln und Positiven vorhanden. In großen Orgeln steht im Hauptwerk oft auch eine weit mensurierte Quinte 51/3' (frz.: Gross Nasard).
Im Pedal stehend bildet die gedeckte Quinte 102/3' zusammen mit einem vorzugsweise offenen 16'-Register ein akustisches 32'-Register mit Hilfe des Differenztons oder unterstützt ein vorhandenes 32'-Register, die gedeckte Quinte 211/3' bildet zusammen mit einem vorzugsweise offenen 32'-Register ein akustisches 64'-Register mit Hilfe des Differenztons oder unterstützt ein vorhandenes 64'-Register.
Quinten sind auch in den meisten gemischten Stimmen enthalten (Mixtur, Scharff, Zimbel, Sesquialter, Tertian, Kornett).
Die Terz (Tertia, Tierce) ist ein meist offenes, weit mensuriertes Labialregister, das den 5. Teilton erklingen lässt. Die Terz hat daher Fünftelfußmaß.
Am häufigsten ist die Terz 13/5', in großen Orgeln steht im Hauptwerk oft auch eine Terz 31/5' (frz.: Grosse Tierce). Die Terz wird normalerweise für Soloregistrierungen verwendet. Tiefere Lagen als 31/5' stehen sehr selten im Pedal, sind dann normalerweise mit gedeckten Labialpfeifen ausgeführt und dienen zur Unterstützung eines 32'- oder 64'-Registers oder Bildung eines akustischen 32'- oder 64'-Registers mit Hilfe des Differenztons.
Die Terz ist auch Bestandteil diverser gemischter Stimmen (Kornett, Sesquialtera, Terzzimbel).
Die Septime (Sept) ist ein meist offenes, weit mensuriertes Labialregister, das den 7. Teilton erklingen lässt. Die Septime hat daher Siebtelfußmaß.
Am häufigsten ist die Septime 11/7', in großen Orgeln steht im Hauptwerk gelegentlich auch eine Septime 22/7'. Die Septime wird normalerweise für Soloregistrierungen verwendet. Tiefere Lagen als 22/7' stehen sehr selten im Pedal, sind dann normalerweise mit gedeckten Labialpfeifen ausgeführt und dienen zur Unterstützung eines 32'- oder 64'-Registers oder Bildung eines akustischen 32'- oder 64'-Registers mit Hilfe des Differenztons.
Die Septime ist auch Bestandteil diverser gemischter Stimmen (Septimenkornett, Septzimbel, Hölzern Gelächter).
Die None ist ein meist offenes, weit mensuriertes Labialregister, das den 9. Teilton erklingen lässt. Die None hat daher Neuntelfußmaß.
Am häufigsten ist die None 8/9', in großen Orgeln steht im Hauptwerk gelegentlich auch eine None 17/9'. Die None wird normalerweise für Soloregistrierungen verwendet. Tiefere Lagen als 17/9' stehen sehr selten im Pedal, sind dann normalerweise mit gedeckten Labialpfeifen ausgeführt und dienen zur Unterstützung eines 32'- oder 64'-Registers oder Bildung eines akustischen 32'- oder 64'-Registers mit Hilfe des Differenztons.
Die None ist auch Bestandteil diverser gemischter Stimmen (Nonenzimbel, Hölzern Gelächter).
Zu den gemischten Aliquotregistern gehören die Register Kornett, Sesquialter und Tertian sowie seltenere Register wie Hölzern Gelächter, Glockenton oder Faberton. Die Mixturen gehören nicht zu den Aliquotregistern, selbst wenn sie eine Terz oder gar eine Septime enthalten.
In gemischten Stimmen tauchen vereinzelt höhere Obertöne auf, so z. B. die Undezime, die Elftelfußmaß hat. Versuchweise wurde die Undezime 15/11' auch als Einzelregister gebaut, die dann eine 16'-Basis benötigt.
Von der Mollterz gibt es zwei Varianten. Es kann sich dabei um die harmonische (reine) kleine Terz 16/19', die den 19. Teilton erklingen lässt, als Bestandteil einer gemischten Stimme handeln. Die unharmonische Mollterz ist kein harmonischer Oberton zu den Grundstimmen (Oktaven). Das Verhältnis dieser Mollterz zur Quinte ist 5:6. Diese Mollterz wird z. B. mit 14/5' (zur 8'-Basis) oder 33/5' (zur 16'-Basis) gekennzeichnet. Die unharmonische Mollterz ist meist Bestandteil gemischter Stimmen.
Ob die Orgeln der Antike, die teilweise über Register verfügten, auch Aliquotregister enthielten, ist nicht bekannt, dürfte aber unwahrscheinlich sein. Allenfalls eine Quinte wäre denkbar. Mit der Wiedereinführung von Orgelregistern (Stimmscheidung) im ausgehenden Mittelalter tauchten zunächst Quinten auf, die aber streng genommen noch keine Aliquotregister waren, sondern zum Labialplenum gezogen wurden. In den Orgeln der Renaissance tauchten die ersten echten Aliquoten, weit mensurierte Quinten und nun auch die Terz auf. Für lange Zeit war mit der Terz die Grenze erreicht. Im 18. Jahrhundert gab es erste Versuche mit der Septime, durchsetzen konnte sie sich aber erst im 20. Jahrhundert. Die None kam erst im 20. Jahrhundert in Gebrauch. In modernen Riesenorgeln, vor allem in Nordamerika, sind teilweise auch noch höhere Aliquoten disponiert.
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