Der Algerienkrieg bezeichnet den Krieg um die Unabhängigkeit Algeriens in den Jahren 1954 bis 1962.
Hauptartikel: Geschichte Algeriens
→ hierzu: Massaker von Sétif
Zunehmend kam es wegen der Kämpfe auch zu heftigen Spannungen unter den Franzosen selbst. Während in Frankreich eine Mehrheit der Bevölkerung eine Beendigung des Krieges und die Unabhängigkeit Algeriens akzeptieren wollte, drohten Teile des Militärs und der Siedler mit einem Putsch. Nachdem in Frankreich bei einem Referendum 1961 78 % der Bevölkerung für einen Rückzug aus Algerien gestimmt hatten, kam es zu verstärkten Terrorakten der französischen Siedler bzw. ihrer Geheimorganisation OAS. Diese wurden von der FLN mit Gegenterror beantwortet. Am 17. Oktober 1961 initiierte die FLN eine friedliche Protestkundgebung in Paris an der etwa 30.000 Algerier teilnahmen. Die Polizei löste die Demonstration gewaltsam auf, indem sie in die Menge schoss. Im Laufe des Tages nahm sie etwa 14.000 männliche und weibliche Algerier fest und brachte sie in Sportstadien und andere improvisierte Hafträume, wo sie viele von ihnen für mehrere Tage festhielt. Am 17. Oktober und in den Tagen danach töteten Polizei und Militär bis zu 200 Menschen, deren Leichen teilweise in die Seine geworfen wurden (vgl. Massaker von Paris 1961).
Nach längeren Verhandlungen erkannte Charles de Gaulle im Abkommen von Evian am 18. März 1962 das Recht Algeriens auf Selbstbestimmung an. Auch wenn den französischen Siedlern ihr Eigentum garantiert wurde, kam es zu einer Massenflucht nach Frankreich. Am 1. Juli 1962 stimmten die Algerier über die staatliche Unabhängigkeit ihres Landes ab: 99 % der Wähler votierten dafür, am 3. Juli erkannte Frankreich Algeriens Unabhängigkeit an.
Die Gesamtzahl getöteter Algerier wurde von Frankreich später mit 350.000, von algerischen Quellen mit bis zu 1,5 Millionen angegeben.
Offizielle französische Angaben bezifferten die Zahl der getöteten Gegner auf 141.000, dazu weitere 12.000, die bei Kämpfen innerhalb der FLN ums Leben kamen, sowie 5.000 bei Auseinandersetzungen rivalisierender algerischer Gruppen im französischen Mutterland. Weitere 70.000 algerische Zivilisten sollen bei Aktionen der FLN getötet worden sein.
Die Opferzahl europäischer Zivilisten wurde auf 3.000 Tote und 7.000 Verletzte geschätzt.
Anfang 1962 wurde die Bevölkerung Algeriens mit 11.020.000 Einwohnern angegeben, davon 1.033.000 Nicht-Muslime, die das Land im Verlauf des Jahres fast vollständig verließen.
Gleichzeitig gab es bis zu zwei Millionen algerische Flüchtlinge während des Krieges. 150.000 algerische Söldner, die so genannten "harkis", die während des Krieges in der französischen Armee gedient hatten, wurden nach dem Krieg von französischen Soldaten entwaffnet und ihrem Schicksal überlassen. Sie wurden fast alle unter furchtbaren Umständen ermordet. Die angegebene Zahl der Opfer schwankt sehr stark zwischen 30.000 und 150.000.
Für die Geschichte Algeriens ist der Krieg, neben der Erringung der Unabhängigkeit, insoweit von großer Bedeutung, als das Militär einen starken Einfluss auf die Politik erlangte und eine wirkliche Demokratisierung des Landes bisher verhindern konnte.
Siehe auch: Liste von Kriegen, Liste von Schlachten
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