Alfred Krupp (* 26. April 1812 in Essen; † 14. Juli 1887 in Essen, ursprünglich eigentlich Alfried Krupp) war Industrieller und Erfinder. Er baute die von seinem Vater Friedrich Krupp gegründete Kruppsche Gussstahlfabrik, die heute in der ThyssenKrupp AG aufgegangen ist, zum damals größten Industrieunternehmen Europas aus. Dies bewerkstelligte er zunächst mit der Herstellung nahtloser Radreifen, die beim Ausbau des Eisenbahnwesens reißenden Absatz fanden, später jedoch vor allem mit Rüstungsaufträgen. Alfred Krupp war der größte Waffenproduzent seiner Zeit, was ihm den Beinamen Kanonenkönig einbrachte. Alfred_Krupp.jpg
Die Gründung des Deutschen Zollvereins 1834 fördert den Güterverkehr in Deutschland. 1836 sind etwa 60 Arbeiter bei Krupp beschäftigt. Um seine Kruppianer, wie sie später genannt werden, kümmert er sich zeit seines Lebens: Er führt eine Krankenversicherung ein und lässt Werkswohnungen bauen. Im Gegenzug verlangt er Loyalität und Identifikation mit der Firma.
1838 meldet Krupp ein Patent für Löffel und Gabeln aus Gussstahl an. Alfred Krupp bereist in den folgenden Jahren ganz Europa, immer auf der Suche nach Kunden, um das Geschäft am Leben zu erhalten. Die Firma expandiert zwar, hat jedoch eine sehr dünne Finanzdecke und bleibt so ständig in Gefahr, bankrott zu gehen.
Die Herstellung von Waffen beginnt als Hobby: Nach einer siebenjährigen Versuchszeit schmiedet Krupp 1843 in Handarbeit seinen ersten Gewehrlauf. Erste Versuche, Schusswaffen aus Stahl zu verkaufen, scheitern kläglich, da die Militärs lieber auf solide Bronze vertrauen. In ihren Augen ist Stahl zu eng mit Eisen verwandt, das zu spröde und deshalb für den Zweck der Geschützherstellung nicht verwendbar ist.
1847 wird die erste Kruppsche Gussstahlkanone hergestellt und dem preußischen Kriegsministerium zur Ansicht gegeben. Diese wird direkt ins Arsenal gegeben und erst nach zwei Jahren getestet. Die Resultate sind zwar hervorragend, das Ministerium sieht aber dennoch keinen Grund, solche Kanonen zu bestellen.
1848 wird Alfred Krupp Alleineigentümer der Essener Gussstahlfabrik, die in den darauf folgenden Jahren weiterhin den Umsatz im wesentlichen mit der Produktion von Walzen und Besteck aus Gussstahl erzielt.
Alfred Krupp heiratet im Jahre 1853 die rund zwanzig Jahre jüngere Bertha Eichhoff (nicht zu verwechseln mit seiner Enkelin Bertha Krupp). Die beiden haben einen Sohn, Friedrich, insgesamt verläuft die Ehe aber eher unglücklich. Sein fast ausschließliches Interesse gilt dem Unternehmen, in das er seine ganze Zeit investiert. Seine Frau kann sich auch mit der Stadt Essen nicht anfreunden, die sie wegen der industriellen Verschmutzung nicht mag. Bertha verbringt daher die meiste Zeit des Jahres mit Friedrich in Italien.
Um 1857 entwickelt Alfred eine eigene Version einer Hinterlader-Kanone. Als er sie dem preußischen Militär 1858 zum Kauf anbietet, wird sie jedoch abgelehnt, da man berechtigte Zweifel an der Funktionstüchtigkeit der Waffe hat, die im Zusammenhang mit der Unzuverlässigkeit der Verschlüsse stehen. Alfred Krupp verfolgt jedoch auch weiterhin sein Ziel, sich als Waffenproduzent zu etablieren, und im April 1860 verkauft er die ersten Stahlkanonen: Preußen ordert 312 Sechspfünder- Vorderlader.
Krupp-Werke in Essen 1864.jpeg Sehr schnell werden nun die Umsätze aus Waffenverkäufen gesteigert. Krupp liefert Kanonen an alle europäischen Großmächte mit Ausnahme Frankreichs. Damit verbunden ist ein weiteres Wachstum des Unternehmens, das durch die Einführung innovativer Produktionstechniken unterstützt wird. 1861 entwickelt Krupp den mehrere Tonnen schweren Schmiede-Dampfhammer "Fritz", und die Massenproduktion von Stahl wird durch neuartige Methoden möglich gemacht: Sowohl das Bessemer-Verfahren, welches er aus England einkauft, als auch das Siemens-Martin-Verfahren werden von Krupp als erstem Unternehmen in Deutschland eingesetzt. Das Bessemer-Verfahren erlaubt die Herstellung von Stahl aus Roheisen durch Zufuhr von Luft und Wärme, beschleunigt den Umwandlungsprozess des Eisens zum Stahl von 24 Stunden des Puddelns herunter auf 20 Minuten des Frischens, und erleichtert die Produktion somit ungemein.
Nicht zuletzt wegen der Überlegenheit der Kruppschen Stahlgeschütze gegenüber den dänischen Bronzekanonen gewinnt Preußen 1864 den Deutsch-Dänischen Krieg. Im Jahre 1866 stehen sich im Deutschen Krieg das erste Mal Heere gegenüber, die beide von Krupp ausgerüstet wurden. Ein Jahr später wird die Hinterlader-Kanone durch die Entwicklung des Rundkeil-Verschlusses durch Krupp perfektioniert. Der Deutsch-Französische Krieg wird durch Moltkes logistisches Genie und vor allem die doppelte Reichweite der preußischen Stahlkanonen im Vergleich zu den französischen Bronzekanonen entschieden.
Villa huegel.jpg Ebenfalls in diese Zeit fällt der Bau der Villa Hügel, des prächtigen "Stammschlosses" der Krupps, dessen technischer Innenausbau von Alfred Krupp persönlich entworfen wird. Aus Angst vor Feuer wird es ohne jegliche brennbaren Materialien gebaut und wird mit seinen technischen Einrichtungen (u.a. Heizung, Speisenaufzüge) ein Symbol der Industrialisierung.
Als Reaktion auf einen im Jahre 1871 von der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) organisierten Generalstreik veröffentlicht er 1872 das Generalregulativ, das an alle Arbeiter ausgeteilt wird. In seinen 72 Paragraphen, die bis zum Ende der Firma als Familienunternehmen 1967 gültig blieben, werden die Rechte und Pflichten der "Kruppianer" penibel beschrieben:
Die den Arbeitern auferlegten Pflichten sind streng, im Gegenzug werden jedoch umfangreiche Sozialleistungen gewährt. So können die Arbeitnehmer verbilligten Wohnraum nutzen, und sie erhalten Krankenversicherungsschutz. Erstmals in Deutschland wird zusätzlich demjenigen, der zeit seines Lebens bei Krupp beschäftigt war, eine Rente gewährt. Wird ein Arbeiter entlassen, so verliert er alle diese Privilegien. Die spätere Sozialgesetzgebung Otto von Bismarcks orientiert sich weitgehend am Kruppschen Generalregulativ.
In den 1880er Jahren wird die Konkurrenz der amerikanischen Stahlindustrie drückend. Krupp verliert den amerikanischen Markt und damit sein Hauptabsatzgebiet für Radreifen. Fortan konzentriert er sich auf Rüstungsproduktion und -entwicklung. Gleiches gilt für seine beiden größten Konkurrenten, den Franzosen Henri Schneider und den Engländer William Armstrong. Die drei zusammen setzen die europäische Rüstungsspirale in Gang, deren Resultat später die Materialschlachten des Ersten Weltkriegs sind.
In Deutschland kämpft Alfred Krupp unterdessen gegen die Sozialistische Arbeiter-Partei. Nicht nur fürchtet er bei Umsetzung der sozialistischen Ideen einen Bankrott, sondern er betrachtet seine Arbeiter als sein Eigentum, denen er auch Vorschriften hinsichtlich Meinungsäußerungen und Wahlverhalten machen will. Es wird eine schwarze Liste derjenigen Arbeiter geführt, die an Demonstrationen teilnehmen; wer auf ihr notiert ist, wird entlassen, beziehungsweise erst gar nicht eingestellt. Vor jeder Reichstagswahl werden die Arbeiter aufgefordert, nicht die SAP zu wählen.
1887 stirbt Alfred Krupp 75-jährig an einem Herzinfarkt. Sein Sohn Friedrich Alfred Krupp erbt die Firma, die mittlerweile 20.000 Beschäftigte hat.
Er hatte ein großes Bedürfnis, sich mitzuteilen, und schrieb im Laufe seines Lebens mehrere Tausend Briefe - manchmal derselben Person mehrere an einem Tag; er verfasste auch eine Unzahl an Memoranden an seine Arbeiter. Große Bewunderung hegte er für England, weswegen er sich nicht Alfried nannte, wie sein Taufname war, sondern Alfred.
Es heißt - und hier handelt es sich lediglich um eine Legende -, dass er den Geruch von Pferdedung liebte und sich deshalb sein Arbeitszimmer über den Pferdeställen der Villa Hügel bauen ließ, um sich über Belüftungsschächte der mit Dunggeruch gewürzten Landluft zu versichern. Bekannt aber ist seine Angst vor Feuer, die dazu führte, dass er beim Bau der Villa Hügel die gesamte Inneneinrichtung aus nichtbrennbaren Materialien anfertigen ließ.
Mann | Unternehmer (Montanindustrie) | Deutscher | Krupp | Geboren 1812 | Gestorben 1887 | Erfinder
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