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Alexandria oder Alexandrien (griechisch Αλεξάνδρεια, Alexándreia, nach Alexander dem Großen; arabisiert , al-Iskandariyya) ist eine Hafenstadt am Delta des Nils an der Mittelmeerküste Ägyptens.

Bevölkerung


Mit 3,87 Millionen Einwohnern (Berechnung 2006)bevoelkerungsstatistik.de zur Stadt Alexandria in der eigentlichen Stadt ist Alexandria heute nach Kairo die zweitgrößte Stadt Nordafrikas, mit 4,32 Millionen Einwohnern in der Agglomeration (Berechnung 2006)bevoelkerungsstatistik.de zur Agglomeration Alexandria allerdings nur viertgrößter Ballungsraum in Nordafrika und auf Platz 10 für ganz Afrika.

Bevölkerungsentwicklung:

Jahr Einwohner (Stadt)
1976 (Zensus) 2.318.655
1986 (Zensus) 2.917.327
1996 (Zensus) 3.328.196
2006 (Berechnung) 3.865.502

Geschichte


Altes Ägypten 003.jpg, ptolemäisch]]
Alexandria_-_Pompeji_Säule.jpg

Alexandria in der Antike

Neuesten archäologischen Analysen zufolge war der Ort bereits von etwa 2700 bis 2200 v. Chr. besiedelt. Eine zweite Blüte erlebte die Region von 1000 bis 800 v. Chr. Die griechische Stadt Alexandria wurde im April 331 v. Chr. von Alexander dem Großen gegründet. Dieser sah sie als Hauptstadt seines Riesenreiches vor, bekam sie aber selbst nie zu Gesicht. Nach seinem frühen Tod wurde er hier in einem Mausoleum begraben. In den folgenden Jahren erlangten die Ptolemäer die Herrschaft über Ägypten und behielten Alexandria als Hauptstadt bei. Das wichtigste der fünf Stadtviertel war das Brucheion mit dem Königspalast. Unter den Ptolemäern wurde es rasch zu einer der berühmtesten Städte in der ganzen griechischen Welt. Von ihrer Bedeutung zeugten vor allem der Pharos von Alexandria, ein von Sostratos von Knidos zu Beginn des 3. Jahrhunderts v. Chr., etwa um 300 bis 279, erbauter Leuchtturm von Alexandria an der Hafeneinfahrt, der zu den sieben Weltwundern der Antike zählt, sowie die Bibliothek von Alexandria, die damals mit ca. 700.000 Schriftrollen die größte der Welt war.

Im Jahre 30 v. Chr. wurde Alexandria von Octavian eingenommen und – wie ganz Ägypten – dem römischen Reich einverleibt. Auch in römischer Zeit blieb die Bedeutung Alexandrias fast ungebrochen; es war zeitweilig nach Rom die zweitgrößte Stadt der Welt und gab der Alexandrinischen Periode ihren Namen. Ebenso war die Bevölkerungsdichte der Stadt für antike Verhältnisse enorm: Diodor berichtet von 300.000 freien Einwohnern in späthellenistischer Zeit (17,52), während moderne Schätzungen von bis zu 500.000 Einwohnern in spätrömischer Zeit ausgehenvgl. Walter Scheidel (Hg.): Debating Roman Demography, Leiden 2001, S. 183, ISBN 9004115250. Auch zahlreiche Juden lebten in der Stadt. In den antiken Quellen wird die Bevölkerung als traditionell leicht erregbar beschrieben, was auch zu zahlreichen Aufständen führte.

Im Jahre 415 wurde die Philosophin und Wissenschaftlerin Hypatia von einem christlichen Mob ermordet und damit „das letzte Überbleibsel der Ketzerei aus der Stadt entfernt“, wie der christliche Autor Johannes von Nikiu später schrieb[http://www.cosmopolis.com/alexandria/hypatia-bio-john.html www.cosmopolis.com: "The Life of Hypatia" By John, Bishop of Nikiu, from his Chronicle 84.87-103]. Der zeitgenössische christliche Historiker Sokrates schrieb dagegen: „Mit Sicherheit kann nichts weiter entfernt sein vom Geist des Christentums, als das Zulassen von Massakern, Gewalttaten und Misshandlungen dieser Art.“

Alexandria blieb während der gesamten Spätantike ein wichtiges urbanes und kulturelles Zentrum, vor allem auch in Hinblick auf theologische Fragen. Die „Hochschule“ von Alexandria öffnete sich zudem, anders als etwa die von Athen, relativ schnell dem Christentum. Alexandria war nach Konstantinopel und neben Antiochia am Orontes die bedeutendste Stadt im Osten des Imperiums. Ägypten wurde 619 von den Sassaniden erobert, doch nach 628 erhielten die Oströmer das Land zurück. 642 ging die Stadt dem Reich dann aber endgültig verloren – sie fiel in die Hände der Araber (siehe Islamische Expansion).

Mittelalter und Neuzeit

Die Stadt blieb durch das ganze Mittelalter bis in die Neuzeit ein wichtiger Hafen, verlor aber zunehmend an politischer Bedeutung. Dies wurde insbesondere durch den Aufstieg anderer Städte wie Konstantinopel im Byzantinischem Reich und Kairo unter den Arabern bedingt. Der Wiederaufstieg vom eher unbedeutenden Fischerstädtchen zur Metropole setzte im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung ein. Die Lage nahe der Sues-Verbindung nach Indien weckte das Interesse der europäischen Kolonialmächte; so landete Napoleon 1798 mit einer Expedition bei Alexandria, schlug die Mamelucken, verlor aber beim nahen Abukir eine Schlacht gegen die Briten. Der französische Einfluss wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch eine quasikoloniale Herrschaft der Briten über Ägypten abgelöst, die sich auch in den Besitz des Suezkanals brachten.

Heute wird über den Hafen Alexandrias drei Viertel des ägyptischen Exports abgewickelt. Die Stadt ist mit ihrer Textilindustrie, dem Fahrzeugbau, der chemischen Industrie, der Nahrungsmittelindustrie und einer Erdölraffinerie zweitgrößter Industriestandort Ägyptens; außerdem verfügt Alexandria über einen internationalen Flughafen, sowie Anbindung an das ägyptische Straßen- und Eisenbahnnetz. Das Stadtbild zeigt sich heute zweigeteilt: Die Altstadt zwischen den beiden Hafenbecken ist geprägt von engen Gassen und Basaren, während die Neustadt auf dem Festland eher westlich und modern wirkt. Im April 2002 wurde ein neues Bibliotheksgebäude eröffnet, die Bibliotheca Alexandrina. Sie wurde mit Hilfe der Vereinten Nationen gebaut.

Im Jahre 2005 wurden im Mittelmeer vor Alexandria von Taucher-Archäologen alte versunkene Hafenanlagen aus vermutlich ptolemäischer Zeit entdeckt.

Das Museion und die Große Bibliothek


Das Schicksal der Großen Bibliothek bei Caesars Eroberung ist umstritten. Einige antike Quellen sprechen von einem Feuer bei Caesars Eroberung der Stadt 48–47 v. Chr. Wie jedoch Edward Parsons in seiner Quellenanalyse nachweist, stützen nur sechs von 16 Quellen über das Alexandria jener Zeit diese Hypothese. Die erste dieser Quellen wurde ca. 100 Jahre nach dem angeblichen Vorfall geschrieben, und die Zahl der angeblich verlorenen Bücher schwankt von 40.000 (die erste Quelle) bis 700.000, also der kompletten Bibliothek (Aulus Gellius). Die letzte Quelle (Paulus Orosius) spricht wieder von 40.000 Büchern. Das Museion von Alexandria, an das die Bibliothek angegliedert war, existierte mit Sicherheit weiterhin, da mehrere Leiter des Museums aus nachchristlicher Zeit bekannt sind und Plutarch von einem Geschenk von 200.000 Schriftrollen aus der Bibliothek von Pergamon an Caesar schreibt. Der letzte bekannte Leiter des Museions war Theon von Alexandria (ca. 335–405).

Im Jahre 391 wurden vom Patriarch Theophilos von Alexandria alle heidnischen Tempel in Alexandria zerstört; vorausgegangen waren blutige Zusammenstöße zwischen Heiden und Christen, wohl bewusst angeheizt von Theophilos. Christen waren teils von Heiden gekreuzigt worden, die sich im Serapisheiligtum verschanzt hatten. Kaiser Theodosius I. vergab die Morde, um so die Situation zu beruhigen, ordnete aber die Zerstörung des Tempels anvgl. Hartmut Leppin, Theodosius der Große, Darmstadt 2003, S. 169ff., ISBN 3896784714. Die Zerstörung des weithin bekannten Serapisheiligtums, das die Tochterbibliothek beinhaltete, sollte eine deutliche Fanalwirkung für die Heiden haben; ob auch das Museion (der „Tempel der Musen“ und damit aller Wahrscheinlichkeit nach die Bibliothek) zu diesem Zeitpunkt zerstört wurde, ist unbekannt, es kann jedoch nicht wesentlich früher oder später geschehen sein. 642 brannte die Bibliothek, nachdem die Araber die Stadt von den Byzantinern (Oströmern) erobert hatten.

Söhne und Töchter der Stadt


Quellen


Literatur


  • Manfred Clauss: Alexandria. Schicksale einer antiken Weltstadt, Stuttgart 2003.
  • Hatto H. Schmitt: Alexandreia, in: Kleines Lexikon des Hellenismus, hrsg. von Hatto H. Schmitt und Ernst Vogt, 2. Aufl., Wiesbaden 1993, S. 55 f.

Weblinks


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